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UFO LAIBCHEN

Drosendorf:
Neugierige stürmen Landeplatz, Rätsel um Erdlöcher und verbranntes Gras in Dreiecksform.


Martin Wimmer UFOs sind pyramidenförmig, aus Topfenteig, und haben als Insassen eine halbe Marille. So sieht sie zumindest Bäcker Linsbauer aus Drosendorf im Waldviertel. Er hat als erster eine rätselhafte Lichterscheinung mit bleibenden Spuren vermarktet - "UFO-Laibchen" gehen weg wie warme Semmeln. "Heut' hamma 50 UFOs g' habt und um Zehne waren' s aus", so Gattin Elisabeth. "Morgen mach ma noch mehr". Was geschah?

Rudolf Slama, 77, pensionierter Grafiker, konnte in der Nacht zum Samstag "seit einer Kriegsverletzung" wieder einmal nicht schlafen. Er ging auf den Balkon der Planer-Mühle, steckte sich eine Zigarette an und - vergaß aufs Rauchen. Denn was er sah, war ebenso unerklärlich wie faszinierend: In 200 Metern Entfernung stand ein unbekanntes, leuchtendes Objekt. "Es war wie eine oben runde Patrone und etwa vier Meter hoch. Unten sah man blendenden Lichtschein und daneben standen zwei Gestalten. Ich hab mir meine Videokamera geschnappt, bin runter und wollte mich nähern. Aber da ist es in hohem Bogen weggezischt". Hausfrau Edith Planer sah das Objekt ebenfalls - bei der Landung. Samstag früh besah sich Slama die Landestelle. Da gähnten drei Erdlöcher, angeordnet als Spitzen eines gleichseitigen Dreiecks mit 1,5m Metern Seitenlänge. Dazwischen war das Gras verbrannt.

Der UFO-Zeuge weihte Bürgermeister Franz Krestan ein, der machte es öffentlich. Und sagt: "Slama ist ein völlig glaubwürdiger Mann, der Alkohol meidet". Am Tag danach: Gendarmerie und Feuerwehr nahmen das Gelände an der tschechischen Grenze unter die Lupe, Strahlenmessungen ergaben nichts. Jetzt sollen Erdproben kriminaltechnisch untersucht werden. Auch das Bundesheer muß passen. Flieger-Oberst Wolf-Dieter Tesar "Wir haben weder undefinierbare Radarsignale, noch Luftraumverletzungen registriert".

Ergebnis eines KURIER-Lokalaugenscheines am Dienstag:
Die "UFO-Piste" ist zum Wallfahrtsort geworden. Pfadfinder, Pendler, Rutengeher , Touristen in Scharen. Drei Viertel der Bevölkerung glaubt an Überirdisches. Rentner versperren die Türen, Kinder fürchten sich. Der Oberförster, einer der Skeptiker: "Um soetwas zu machen, braucht man bloß einen Holzpfosten und eine Lötlampe". Der Ortschef hingegen ist vom Rätsel überzeugt. Krestan: "Da hat sich niemand gespielt. Es war etwas Außergewöhnliches. Die Rutengeher haben gewaltige Kraftlinien und magnetische Felder festgestellt, das hat sich gedreht wie ein Ringelspiel". Die Experten würden "alles unter Verschluß halten". Und gibt' s auch schon "UFO"-Shirts in Drosendorf? Textilhändler Krestan: "Hören' s, des is a Idee!"

Anmerkung: Zur allgemeinen Enttäuschung entpuppte sich der Fall später als Lausbubenstreich.

Quelle: Kurier, 3. Juli 1996