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Oksana



Erfahrener Benutzer

Registriert: November 2005
Wohnort: Archangelsk, Russland
Beiträge: 1,419
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Das Wort selbst ist ein Kompositum (zusammengefügtes Wort): „sam“ – selbst, „war“ – Wurzel von „warit“ (kochen), ist also ein Selbstkocher.
Samowar wird zur Teezubereitung benutzt (kocht das Teewasser). Als Vorgänger von Samowar in Russland gilt Sbitennik – ein Gerät für die Zubereitung von Sbiten, eines altrussischen warmen Getränks mit Honig und Kräutern. Sbitennik war ein Kessel mit einem Rohr drinnen.
Wo und wann der erste Samowar erschien, ist schwer zu sagen. Aber erste Erwähnung in einem Dokument war 1746. Weltweit bekannt durch seine Samoware ist Tula – eine der ältesten Städte Russlands, sie liegt fast 200 km südlicher von Moskau.
Der erste Samowar in Tula wurde 1778 von Brüdern Lissizyny in einer kleinen Werkstatt für Kupferverarbeitung hergestellt, die sie von ihrem Vater geerbt haben. Ihr Vater war ein Waffenmeister und in dieser Werkstatt versuchte er in seiner Freizeit noch andere Sachen anzufertigen. 1803 besaßen die Brüder schon eine kleine Samowarenfabrik mit 26 Mitarbeitern. Ihre Samoware waren durch die Vielfalt von Formen und Schmuckelementen bekannt. Die Herstellung von Samowaren brachte ein gutes Einkommen und entwickelte sich in Tula darum ziemlich rasch. 1820 funktionierten schon 12 Fabriken in Tula, 1850 – 28, 1890 -74! Die größten Fabriken produzierten bis 120.000 Samowaren im Jahr! Und die wurden schnell berühmt und in ganz Russland verkauft. Damals wurde der Preis eines Samowars durch sein Gewicht bestimmt, je schwerer der Samowar war, desto mehr Geld musste der Käufer zahlen.
Die Herstellung eines Samowars war ein sehr komplizierter Prozess, an dem sich etwa sieben verschiedene Fachleute beteiligten. In den Dörfern bei Tula wurden noch einzelne kleine Teile eines Samowars hergestellt (Handwerksarbeit), die dann einmal oder zweimal in der Woche gesammelt und zu Fabriken gebracht wurden. Damit beschäftigten sich die Dorfeinwohner das ganze Jahr außer Sommer, wo man auf dem Feld arbeiten musste.
Hauptsächlich wurden Samoware aus grünem und rotem Kupfer hergestellt, manchmal aus Gelbkupfer, Neusilber, Silber, vergoldet oder versilbert.
Wegen der großen Zahl von Samowarenfabriken brauchte man ein Merkmal, nach dem man die Herkunft von gekauften Samowaren feststellen könnte. Dafür begann man, auf die Samoware Brandstempel zu stellen, die jede Fabrik für sich selbst entworfen hatte. Später wurden diese Brandstempel der Hersteller durch Schilderungen von in verschiedenen Ausstellungen errungenen Medaillen ergänzt.
Mit der Entwicklung von Technik wurde die Handarbeit durch Machinenproduktion ersetzt. 1908 benutzte ein Viertel aller Tuler Samowarenfabriken mechanische Antriebe. Die Form von Samowaren wurde auch einfacher, seit 1880-er Jahren wurden Samoware noch mit Nickel bedeckt. Solche glänzende Samoware wurden schnell im Volk populär und waren bald fast in jedem Haus.
Während des Krieges 1941-1945 wurden fast alle Samowarenfabriken in Tula zerstört. Heute gibt es in Tula eine einzige große Fabrik, die alle früheren Hersteller vereinigt hat.
Samowar hat eine sehr einfache Konstruktion. Ein Gefäß mit dünnen Wänden hat ein vertikales Rohr drin, das von oben bis unten geht. In den Samowar gießt man kaltes Wasser, in das Rohr kommt der Brennstoff (Holzspan). Holz wird angezündet und dann werden in das Rohr noch warme Kohle aus dem Ofen gelegt. Kohle beginnen wieder zu glühen und das Rohr gibt dem Wasser seine Wärme. Um einen guten Luftzug zu bekommen, benutzt man den Ofen. Durch ein zusätzliches L-förmiges Aussenrohr wird Samowar mit dem Ofenzug verbunden (auf dem Foto). Man muss aber von Zeit zu Zeit neue Kohle in das Samowarenrohr legen. Wenn das Wasser zu kochen beginnt, nimmt man das Aussenrohr weg und schließt man die Öffnung des Samowarenrohrs, indem man oben eine besondere Platte legt, auf die dann noch die Teekanne für den Aufguss gestellt wird. wie hier gezeigt
Beim Teetrinken wird in die Tasse etwas Teeaufguss gegeben und mit heißem Wasser aus Samowar verdünnt. Das Wasser aus dem Samowar kommt durch einen kleinen Hahn vorne. Das Wasser in einem Samowar nach der Schließung des Rohres bleibt lange noch heiß.
Natürlich konnte man das Wasser in einem Samowar auch draußen kochen. Es gab besondere kleinere Samoware, die man mit sich auf Reisen oder ins Feld nehmen konnte.
Mit der Elektrifizierung russischer Dörfer wurden schnell elektrische Samoware populär.
Wir haben in unserem Dorfhaus z.B. einen großen Kohlensamowar und zwei elektrische – einen großen und einen kleineren. Noch vor 5 Jahren wurde unser Dorf nicht Tag und Nacht mit Strom versorgt, sondern von 6 Uhr morgens bis 12 Uhr und dann wieder von 16 Uhr bis Mitternacht. Heute hat man den Strom die ganze Zeit und nach meiner Beobachtung benutzt man auch elektrische Samoware nicht in jedem Haus, sondern einfach elektrische Wasserkocher. Aber im Falle eines Stromausfalls werden auch heute noch in russischen Dörfern alte traditionelle Kohlensamoware zu Hilfe gerufen. Ich durfte das im Sommer 2006 in unserem Dorf erleben. Wir hatten einen Tag lang keinen Strom wegen irgendwelcher Störung und eine Verwandte von uns hat „einen Samowar gestellt“. Wir haben zu Hause zwar auch einen, aber ich bin nicht sicher, ob meine Mutter damit fertig werden könnte, obwohl sie im Dorf aufgewachsen ist. Ich kann nicht behaupten, aber für mich war und ist der Tee aus echtem Samowar tausendmal besser und schmackhafter als das mit Hilfe von Strom oder Gas gekochtes Wasser.
Samowar gehört wie die Holzpuppe Matrjoschka oder das Musikinstrument Balalaika zu den wichtigsten Wahrzeichen Russlands. Er kommt in vielen literarischen Werken und Bildern vor, es gibt viele Redewendungen über Samowar. Das bekannteste Sprichwort ist wohl „nach Tula mit eigenem Samowar fahren“. So wird gesagt, wenn ein Mann zu einem Fest/in den Urlaub mit seiner Frau/Freundin geht. Z.B. in solchen Gesprächen:
- Wir veranstalten heute Abend eine Party, kommst Du?
- Ja, natürlich!
- Kommt Deine Freundin mit?
- Nein, ich bin nicht so dumm, um nach Tula eigenen Samowar zu bringen. ;-))
Eine Frau kann das auch über einen Mann sagen, aber seltener. Meistens wird diese Redewendung von Männern gebraucht.
In Tula existiert heute ein Samowarenmuseum, wo man auch wirklich alte in Tuler berühmtesten Fabriken angefertigte Samoware sehen kann, auch die, die für die Zarenfamilie hergestellt waren. Hier kann man die Fotos von manchen Exponaten sehen:
Samoware Anfang des 19.Jahrhunderts
Mitte des 19.Jahrhunderts
2.Hälfte des 19.Jahrhunderts
Ende des 19.jahrhunderts
1.Hälfte des 20.Jahrhunderts
2.Hälfte des 20.Jahrhunderts
2.Hälfte des 20.Jahrhunderts

Foto gemacht in Lebskoje, 05.Juli 2006
· Datum: Mi Dezember 24, 2008 · Aufrufe: 15649
· Dateigröße: 54.7Kb, 330.0Kb · Abmessungen: 537 x 800 · ·
Zusätzliche Infos
Wertung: ********** 10.00
Wertung: Schwach Exzellent
Schlüsselwörter: Samowar, Tee, Teetradition, Russland

Autor
Thema  
far.a
Erfahrener Benutzer

Registriert: März 2007
Wohnort: Altenmarkt bei Fürstenfeld, Steiermark
Beiträge: 3,179
Mi Dezember 24, 2008 3:53pm Wertung: 10.00 

Phantastische Dokumentation!

far.a
Dieser Benutzer ist offline
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volker333
Erfahrener Benutzer

Registriert: Mai 2007
Beiträge: 502
Mi Dezember 24, 2008 4:59pm Wertung: 10.00 

Vielen Dank für deine ausführliche und sehr interessante Erklärung.
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