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Home » Mitglied » Cornelius Fabius » Es war einmal in Hellas. Poseidontempel am Kap Sounion. Photo Options



Tempel des Poseidon am Kap Sounion.
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Foto Details
Cornelius Fabius



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Registriert: Mai 2013
Wohnort: Berlin
Beiträge: 1,511
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Aufnahmen aus dem Jahre 2019.

„Antike Tempel konzentrieren das Göttliche im Menschen; des Mittelalters Kirchen streben nach Gott in Höhe“. -GOETHE-.

Einer der ergreifendsten Naturschauplätze der Welt ist Kap Sounion im Südosten von Athen in der Region Attika. Auf der Südspitze des Kaps liegt der Marmortempel für den Meeresgott Poseidon, hier erfühlt man das antike Hellas ganz besonders sowie unter homerischer Sonne, das überragende Erbe und man ist in vollkommener Ruhe mit sich selbst, schwelgt man so dahin und lässt den Geist sich verlieren in den Weiten der See. Maler und Fotografen haben diesen einmaligen Platz immer wieder abgebildet. Das antike Heiligtum und seine Lage entsprechen dem, was viele Reisende mit Griechenland verbinden. Kap Sounion besticht durch die Verbindung von Kunst zum griechischen Götterhimmel und zur Natur. Die Marmorsäulen des Tempels schimmern hell auf den Klippen über der tiefblauen Ägäis. Wie entfernte Schatten erheben sich Inseln im Dunst. Eine Szenerie die an Romantik unübertroffen ist. Sounion war in klassischer Zeit strategisch wichtig für Athen. Vom Kap wurde der Seeweg zwischen Piräus in die Ägäis kontrolliert. Außerdem war der Felsen eine herausragende Orientierungshilfe für die Schifffahrt.

„Aber am attischen Ufer bei Sounions heiliger Spitze
siehe, da ward der Pilot des menelaischen Schiffes
von den sanften Geschossen Apollons plötzlich getötet.“

– Homer, Odyssee, III. Gesang, Vers 278

Kap Sounion ist ein magischer Ort, den bereits der altgriechische Dichter Homer in der „Odyssee“ erwähnte. Auf dem Felsplateau hoch über dem Meer befand sich in der Antike zudem eine Siedlung mit Werkstätten, Tavernen, Wohngebäuden, einem Hafen und mehreren kleinen Tempeln. Doch die dorischen Säulen des Poseidon Tempels, erblickten die Seefahrer früher bereits aus großer Entfernung sofort. Der Poseidontempel war eine Stätte, an der Seeleute für eine Reise die Gunst des Meergotts erbitten konnten – etwa mit Homers Worten:

„Höre mich, Poseidaon, du Erdumgürter! Verwirf nicht
Unser frommes Gebet; Erfülle, was wir begehren!“

– Homer, Odyssee, III. Gesang, Vers 55 f., Übersetzung von Johann Heinrich Voß

Vor allem aber brachten Seeleute oder ganze Stadtstaaten Tieropfer oder Weihegaben, um Poseidon günstig zu stimmen oder ihm für eine glückliche Überfahrt zu danken, wie es Homer ebenfalls – für andere Stätten – mehrfach schildert:

„…Hier brannten wir Poseidaon
Viele Lenden der Stiere zum Dank für die glückliche Meerfahrt.“

– Homer, Odyssee, Dritter Gesang, Vers 178 f., Übersetzung von Johann Heinrich Voß

Götterkult seit archaischer Zeit

Homer beschrieb das Kap Sounion in der „Odyssee“ als heiligen Ort und tatsächlich wurde seit der archaischen Zeit an diesem Ort ein intensiver Götterkult betrieben. Im 7. Jahrhundert v. Chr. wurden mehrere überlebensgroße Statuen junger Männer (Kouroi) in der Hafenstadt aufgestellt, von denen nur der sogenannte Sounion-Krieger die Zeit überdauerte. Die mehr als drei Meter große Marmorstatue wird heute im Archäologischen Nationalmuseum in Athen ausgestellt. Den für die Hafenstadt wichtigsten Göttern wie Athene, Poseidon und Phrontis wurden eigenen Tempel geweiht. Eine große Bedeutung hatte das Poseidonfest, das in einem vierjährigen Rhythmus stattfand. Höhepunkt der Festlichkeiten war die Nachstellung von Teilen der Seeschlacht von Salamis, bei der die Athener mehrere als Triere bezeichnete Kriegsschiffe von den Persern erbeuteten.
Er wurde gegen 440 v. Chr. als dorischer Peripteros errichtet, während der Regierungszeit des Perikles, als auch der Parthenon in Athen erbaut wurde. Der Grundriss mit umlaufendem Säulenkranz, davon je sechs Säulen an Vorder- und Rückseite, ist typisch für die Periode seiner Errichtung. Es wird vermutet, dass von dem Architekten Kallikrates entworfen wurde, nach dessen Plänen auch der Tempel des Hephaistos in Athen, der Nemesis-Tempel in Rhamnous und der Ares-Tempel in Acharnes gebaut wurde.

Das Tempelgebäude steht exakt auf dem Grundriss seines Vorgängerbaus, was in Betracht der zeitlichen Differenz von mehreren Jahrzehnten eine Besonderheit darstellt, da der Neubau den „moderneren“, klassischen Normen eines dorischen Peripteros mit 6 × 13 Säulen entspricht.

Das Fundament des Bauwerks bildet ein dreistufiger Stylobat, der sich über eine Fläche von 31 m × 13,5 m ausdehnt und die Unregelmäßigkeit des Geländes ausgleicht.

Von den ursprünglich insgesamt 38 dorischen Säulen standen im 19. Jahrhundert noch 11 aufrecht, 5 weitere wurden mittlerweile wieder aufgestellt. Sie erwecken einen schlanken, relativ eleganten Eindruck, so dass sie fast ionisch wirken. Dies beruht darauf, dass ihr Basisdurchmesser bei nur 1 m liegt. Daraus ergibt sich bei einer Höhe von 6,10 m, dass die Säulen mehr als sechsmal so hoch wie breit sind, während das Richtmaß für die dorische Ordnung gewöhnlich bei viereinhalb- bis höchstens fünfmal lag. Zudem ist der Echinus, die Wulst zwischen Säulenschaft und Abakus, vergleichsweise schlank, d. h. nicht angeschwollen gestaltet. Das einzige, was die Säulen etwas breiter erscheinen lässt, ist die Verminderung der Anzahl der Kanneluren von den üblichen 20 auf 16. Diese Baumaßnahme hat keine ästhetische, sondern eine Schutzfunktion gegen die Erosion des Gesteins durch Wetter, Wind und Wellen. Die verkleinerte Oberfläche bietet den Naturgewalten nämlich eine geringere Angriffsmöglichkeit, sodass die Verwitterung verzögert wird.

Eine letzte Besonderheit der Säulen ist das verwendete Material, Marmor aus dem nahen Agrileza. Er enthält fast keine Eisenbestandteile, wodurch die gelbbräunliche Oxidation ausbleibt und die Säulen ihr noch heute makellos schönes Weiß behalten. Die starke Abgegriffenheit der Säulen beruht auf der gröberen Konsistenz des Marmors, der nicht so fein ist wie etwa Pentelischer Marmor.
Kap Sounion, Graffito Lord Byron

Von dem aus parischem Marmor gehauenen Skulpturenschmuck des Tempels sind nur spärliche Reste erhalten. Der Fries an der Ostseite stellte den Kampf der Kentauren mit den Lapithen dar, der Ostgiebel, von dem nur eine sitzende weibliche Figur erhalten ist, wahrscheinlich den Kampf zwischen Poseidon und Athene um die Herrschaft über Attika. Im rechteckigen fensterlosen Naos befand sich gegenüber dem Eingang das Kultbild, eine kolossale, bis zur Decke in 6 m Höhe reichende wohl vergoldete Bronzestatue des Poseidon. Poseidon dürfte wie üblich mit einem Dreizack dargestellt gewesen sein.

Schon in der Antike konnten Besucher der Versuchung nicht widerstehen, ihren Namen in Wände und Säulen zu ritzen. Solche Graffiti sind schon in den ältesten Berichten erwähnt. Auch Lord Byron hat sich in dieser Weise an der nördlichen Ante des Tempels verewigt.
· Datum: Sa Oktober 17, 2020 · Aufrufe: 130
· Dateigröße: 30.2Kb, 166.2Kb · Abmessungen: 1200 x 1600 · ·
Zusätzliche Infos
Wertung: Schwach Exzellent
Schlüsselwörter: Tempel des Poseidon am Kap Sounion.



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