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schönste Handwerkskunst in Marburg. Unberührte Tradition.
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Foto Details
Cornelius Fabius



Benutzer

Registriert: Mai 2013
Wohnort: Hamburg
Beiträge: 1,123
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Aufnahme aus dem Jahre 2017.

Das am Steinweg, zwischen Elisabethkirche und Landgrafenschloss (Beginn Fußgängerzone), gelegene Marburger Töpferhaus Schneider fertigt seit 1809 die über viele Grenzen bekannten „Marburger Dippchen“.
Vor mehr als 400 Jahren zog der Lohgerbermeister Peter Schneider aus Lixfeld bei Dillenburg in den Marburger Stadtteil Weidenhausen, wo von alters her das Lohgerberhandwerk seinen angestammten Sitz hatte. Fünf Generationen blieben die Schneiders diesem Handwerk treu, suchten dann aber im Fuhrwerksgeschäft ihr Auskommen, denn die beiden wichtigsten Handwerke in Marburg, Lohgerberei und Töpferei, boten zu dieser Zeit den Fuhrleuten eine gute Grundlage für ihr Auskommen.

Die gegerbten Felle und die gebrannten Tonwaren, weithin bekannt als „Marburger Geschirr“, mussten hinaus in die Lande befördert werden. Seine Nachfahren setzten diesen Erwerbszweig fort, doch der Enkel Johann Heinrich Schneider wurde im April 1809, also vor über 200 Jahren, in Napoleonischer Zeit, Kunsttöpfer. Er hatte ja beim Vater und beim älteren Bruder gesehen, was diesen an Marburger Geschirr auf die Gespanne gepackt wurde. Das weckte wohl Lust, sich selbst in diesem schönen Kunsthandwerk zu betätigen. Es hat ihm von Anfang an Spaß bereitet, an der Töpferscheibe Tonklumpen mit geübter Hand zu „Marburger Dipperchen“ zu formen, die dann verziert , getrocknet und gebrannt wurden, um schließlich in die Ferne hinauszuwandern.

Guten Ton lieferten die Gruben des Ebsdorfer Grundes, Brennholz stand in den umliegenden Waldungen zur Verfügung. So rauchten die Schornsteine auf der Ketzerbach und zwischen den Lohgerberwerkstätten in Weidenhausen. Dort ließ sich auch Töpfermeister Johann Heinrich Schneider nieder, nachdem er 1819 Catherina Berdux heiratete.

Sie hat, wie auch die Ehefrauen der Nachfolger, mitgeholfen, dass die Schneiderschen Töpferwaren ihren besonderen Ruf erlangten. Während die Tonbereitung, das Formen und Brennen Männerarbeit war, haben sich Frauenhände stets hervorragend beim Dekorieren bewährt. Zwei Söhne wuchsen heran. Bernhard und Ludwig Schneider. Diese erlernten das vielseitige Kunsthandwerk im väterlichen Betrieb.
Als sie um 1850 die Meisterwürde erlangt hatten, machten sie sich selbstständig, Bernhard in Weidenhausen und Ludwig am Steinweg. 1876 starb der Firmengründer, Johann Heinrich, die Töpferscheiben bei den Söhnen drehten sich jedoch weiter, obwohl viele der ehemals 40 Marburger Töpfereien dem Trend der Emaillewaren zum Opfer fielen. Die handwerkliche Töpferei konnte mit der industriellen Massenware beim besten Willen nicht mithalten. Aber Schneiders pflegten ganz bewusst die Töpferei als Kunsthandwerk, die Erhaltung altdeutscher Volkskunst. Das verlieh ihrer Firma die Beständigkeit und Aufwärtsentwicklung, besonders seitdem nach der Jahrhundertwende wieder Sinn für echtes Kunstgewerbe geweckt wurde und die Söhne Heinrich Wilhelm und John die Töpfertradition fortführten. Drei Generationen: Familie Schneider bei der Arbeit (1948)Besonders John Schneider war hier richtungsweisend. Er richtete sich am Steinweg ein, erbaute dort, wo früher schon eine alte Töpferwerkstatt bestanden hatte, das weitbekannte „Marburger Töpferhaus“ (Steinweg 8) und die Werkstatt an dem dahinter abfallenden Hang.

Was von dort in die Welt hinaus ging hat dafür gesorgt, dass das „Marburger Geschirr“ besonders geschätzt wird. John Schneider war es auch, der verstand, auf bedeutsamen Gewerbeausstellungen (der großen Kunstgewerbe-Ausstellung in Kassel vor 100Jahren und Ausstellungen in Fulda, Gießen und vielen anderen Orten) seine Erzeugnisse in besonderer Formschönheit zu präsentieren.

Heinz Schneider, der Sohn von John Schneider, übernahm 1938 den Kunsttöpfereibetrieb, wobei er sich durch mancherlei technische Neuerungen und moderne Vertriebsmethoden der Gegenwart anzupassen wusste. Davon zeugten früher seine ständigen Ausstellungen auf der Leipziger- und der Frankfurter Messe.

Geblieben aber war die Gediegene Grundlage, die der Urgroßvater legte: das Streben, Handwerk und Kunst in Einklang zu bringen!

Nach gründlicher Ausbildung u. a. an der Werkkunstschule Darmstadt und Ablegung der Meisterprüfung am Jahre 1954 wirkte Gustav Schneider in der fünften Generation der Schneiders im elterlichen Betrieb mit, aus dem so vieles hervorgeht, was heute den alten Ruhm des „Marburger Geschirrs“ neu gefestigt hat. Heute ist nicht die Quantität sondern die Qualität das Entscheidende. So übernahm er die Werkstatt nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1971. Sein Sohn Manfred Schneider absolvierte nach umfassender Ausbildung zumGesellen im väterlichen Betrieb und zweijähriger Schulausbildung an der „Staatlichen Fachschule für Keramik“ in Landshut 1982 die Meisterprüfung als Keramiker. 1996 übernahm er den Betrieb in sechster Generation und führt seitdem das traditionsreiche Handwerk fort.
· Datum: Do August 24, 2017 · Aufrufe: 104
· Dateigröße: 68.3Kb, 469.4Kb · Abmessungen: 2000 x 1500 · ·
Zusätzliche Infos
Wertung: Schwach Exzellent
Schlüsselwörter: schönste Handwerkskunst in Marburg. Unberührte Tradition.



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