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Das römische Winterspeisezimmer, Wintertriclinium. Im Pompejanum.
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Cornelius Fabius



Benutzer

Registriert: Mai 2013
Wohnort: Hamburg
Beiträge: 839
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Die Römer speisten bekanntlich liegend, das heißt auf sofaähnlichen Liegen lang ausgetreckt und auf Kissen gestützt. Ihr Speisezimmer hieß Triclinium, weil dort üblicherweise drei Klinen, also drei Liegen, hufeisenförmig zusammengestellt oder um einen Tisch angeordnet waren. Die hier im Pompejanum ausgestellten Klinen und der Tisch sind Nachbauten aus der heutigen Zeit. Das Wintertriclinium ist eigentlich vom Atrium aus zugänglich, öffnet sich aber mit einem großen Fenster auch zum Peristylium, von dem aus es für die Museumsbesucher einsehbar ist.


In solch einem Raum waren neben dem wichtigsten und namensgebenden Möbelstück, der Kline, auch ferner zur Ausstattung gehörend, kleinere Schemel. Diese dienten zum Abstellen der Schuhe oder als Fußschemel, oder aber auch für Leuchter sowie – in den Wintermonaten – als Kohlebecken zur Beheizung des Raumes. Während der Mahlzeiten stand vor jeder Kline ein kleiner Tisch mit den Speisen. Beim Mahle lagerte der Mann auf der Kline, während die Frau saß. Der Hausherr und seine Gäste ließen sich dann von den Bediensteten bedienen. Die Hauptmahlzeit am späten Nachmittag begann mit Vorspeisen. Man aß mit Löffeln und Fingern, welche man nach jedem abgeschlossenen Gang einer gründlichen Reinigung unterzog. Hiernach erfolgte ein Umtrunk mit ungemischtem Weine. Nach der Hauptmahlzeit wurde den Laren, häuslichen Schutzgottheiten, geopfert. An den Nachtisch konnte sich ein Trinkgelage mit Gästen anschließen. Mancher Essensluxus eines Römers, wie z.B. des Feldherrn Lucullus, gilt noch heute sprichwörtlich. Viele ausschweifende Gelage der römischen Esskultur von wohlhabenden, reichen Römern sind uns heute noch auf Mosaiken oder den Wandmalereien überliefert. Die reiche Schicht von Römern zahlte Höchstpreise für Speisefische, wie Muränen oder Seebarben, die in aufwändig angelegten Meereswasserbecken gezüchtet wurden. Für eine mehrpfündige Seebarbe gab ein Feinschmecker, wie berichtet wird, bis zu 5000 Sesterze aus – das ist mehr als der Fünfjahreslohn eines Arbeiters. Mit Zuchtfarmen von Gänsen, Fasanen, Rebhühnern – und besonders exquisit – von Pfauen konnte damals viel Geld verdient werden; ein einziges Pfauenei kostete den Wochensold eines Soldaten. Zur Gewinnung einer schmackhaften Leber – mästete man die Gänse mit Ficata (Feigen) – wovon sich das italienische Wort für Leber, „fegato“, ableitete.
Hingegen aß der normale römische Bürger, wie z. B. der Besitzer der Dioskurenvilla, des Vorbildes des Pompejanums, in gewöhnlich weit bescheidenerem Rahmen als wir heute; Fleisch oder Fischspeisen gab es eher selten.

Die Essenszeiten der Römer richteten sich, wie der gesamte römische Tagesablauf, nach dem Stand der Sonne; d. h. die Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang unterteilten die Römer in 12 Stunden, unabhängig davon, dass solch ein Tag im Sommer weit länger als im Winter war und somit die Sommerstunde etwa 80, die Winterstunde nur 40 Minuten dauerte. Man stand bei Sonnenaufgang auf, die arbeitenden Bevölkerung aß dreimal: In der 3. Stunde gab es ein einfaches Ientaculum, ein Frühstück bei dem meistens nur Brot (Fladen) entweder in Wein getaucht oder zusammen mit Honig, Datteln, Oliven genossen wurde. Ein weiterer Bestandteil von solch einem Frühstück wird aber auch bereits die Wurst gehabt haben, da die antiken Römer die Herstellung von Wurst durchaus kannten, zum Beispiel die Lucanicae, eine dünne, geräucherte Wurstsorte und zudem ein Beispiel für einen lateinischen Lebensmittelbegriff, der sogar in die griechische Sprache eingegangen ist. Aus der Antike verbreitete sich die Wurstfertigung schließlich über ganz Europa. Zum Ientaculum wurden auch Früchte verzehrt und ein einfaches Gericht welches Moretum heißt und zu frisch gebackenen Backwaren gegessen wurde. Bestehend aus (Schafs-)Käse (oder alternativ geriebenen Walnüssen), Olivenöl, Salz, Knoblauch (Allium), Selleriegrün (Apium, dt. Eppich), Weinraute (Ruta) und Koriander.

Nach der 6. Stunde unterbrach den Arbeitstag ein kleines (leichtes) Prandium (Mittagsmahl), welches man in den Städten oft in den zahlreichen kleineren Thermopolia (Gastschenken) einnahm (sozusagen in den ersten kleinen Restaurants in der Antike) und auch als Gabelfrühstück angesehen werden kann. Es war reichhaltiger als das Ientaculum. Hier wurden heiße Getränke, Weine, getrocknetes Gemüse sowie Suppen serviert. Aber auch kalte Speisen, wie Schinken, Brot, Oliven, Eier, Nüsse, Feigen, Pilze und Käse. Dem wurde keine große Bedeutung beigemessen, diente es im Grunde nur als kleiner Übergang und als schneller Magenfüller, besonders wenn man mit anderen Menschen in Gespräche vertieft war und beiläufig etwas Essen zu sich nehmen wollte.

Man konzentrierte sich im Grunde da bereits auf die Cena, das Abendessen um die 9. 10. Stunde welche die Hauptmahlzeit bildete. Gemäß der römischen Sitte, wurde vor der Cena gebadet.
Lange Zeit bestand das Abendessen des Bürgers in erster Linie neben den kleineren Speisen aus dem römischen Nationalgericht, genannt Puls – ein gewürzter Mehlbrei – und verschiedenen Gemüsen, Früchten und Wein. Schon um Christi Geburt pflegte allerdings auch der normale römische Bürger zu vielen Anlässen, z. B. bei Einladungen von Freunden, einen gewissen Speiseluxus. Über solche römischen Gastmäler sind wir gut informiert. Und da uns ein römisches Kochbuch überliefert ist, können wir auch heute nach römischer Art kochen: Fast alle Rezepte schreiben – ähnlich der heutigen ostasiatischen Küche – ein intensives Würzen vor, wodurch der Eigengeschmack der verschiedenen Fleisch- und Fischarten, oft sehr überdeckt wurde. Neben den einheimischen Würzpflanzen wie Koriander, Knoblauch, Liebstöckel (Maggikraut), Origanum (Majoran) liebte der Römer Pfeffer, Zimt und Ingwer, die aus Arabien und Indien teuer importiert wurden.

Gerne wurde auch mit aromatisch versetztem Wein gekocht: Die heutigen schweren Tokajerweine oder die übersüßen Trockenbeerenauslesen kommen dem damaligen Kochwein am nächsten. Und schließlich gab es kaum ein römisches Gericht, bei dem das Garum, die salzige Delikatesswürze aus Fischsauce, nicht fehlen durfte – gleichgültig, ob es ein Schweins- oder Kaninchenbraten, ob es eine Trüffel, Schnecke, ein gekochtes Ei oder eine Aprikosenvorspeise war. Die Speisenfolge eines gutbürgerlichen, römischen Abendessens könnte so ausgesehen haben:

GUSTATIO (Vorspeisen): z. B. gekochte Eier, rohes und gekochtes Gemüse, Muscheln und- als besondere Leckerbissen- gebratene Haselmäuse, entweder in Honig gewälzt oder mit Schweinefleisch und Pinienkernen gefüllt (Haselmäuse hat man damals in speziellen Farmen gezüchtet).
Dazu: Mulsum, ein mit Honig versetzter Wein.

MENSAE PRIMAE (Hauptgericht): Gekochtes oder gebratenes Fleisch z. B. vom Schwein, Schafe und Ziegen hatten auch ihren festen Bestandteil am Speisezettel; in Summe gerechnet waren sie aber eher unbedeutend. Lamm und Zicklein galten als Spezialitäten, die preislich mit Schweinefleisch mithalten konnten. Bubula (Rindfleisch) war bei den Römern eher unbeliebt. Das Rind galt als Allzwecktier, das vor allem wegen seiner Arbeitskraft und dann erst wegen seiner Rohstoffe, wie Leder (Häute) und Leim (aus Horn, Huf & Knochen) gezüchtet wurde. Fleisch- und Milchproduktion waren Nebenprodukte, die nebenbei anfielen. Man kochte aber dennoch aus Fleisch und Knochen ius (Brühe), machte Spieße oder schmorte das Fleisch. An Rezepten sind hier nur wenige überliefert worden; zumeist für vitellina (Kalbfleisch), das aber ausser bei manchen Opfern kaum zur Verfügung stand. Vor allem beim Militär wurden Arbeitstiere erst am Lebensende geschlachtet.Geflügel wie Wildenten, Haushühner, Perlhühner, welche auch bereits der Züchtung unterworfen waren, Hausgänse und in der gehobenen und ausgefallenen Küche tauchte auch der Pfau noch auf der Speisekarte auf.
Dazu wurde dann Rotwein serviert, dieser mit Wasser vermischt. Die Weine waren in der Antike stärker als heute.

MENSAE SECUNDAE: (Dessert): Kleine süße Kuchen und verschiedene Frucht-und Obstsorten.

EX OVO USQUE AD MALUM, „vom Ei bis zum Apfel“, ist eine aus dieser Menüfolge abgeleitete antike Redensart, die unserem „von A bis Z“ entspricht.
Dem Essen folgte oft nach dem Nachtisch, ein Weingelage, das sich bis in die anbrechende Nacht hinzog.
· Datum: So Mai 7, 2017 · Aufrufe: 106
· Dateigröße: 46.4Kb, 186.6Kb · Abmessungen: 720 x 960 · ·
Zusätzliche Infos
Wertung: ********** 10.00
Wertung: Schwach Exzellent
Schlüsselwörter: Das römische Winterspeisezimmer, Wintertriclinium. Im Pompejanum.

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CON_soleil
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Fr Mai 19, 2017 1:10pm Wertung: 10.00 

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