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Das römische Winterspeisezimmer, Wintertriclinium. Im Pompejanum.
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Foto Details
Cornelius Fabius



Erfahrener Benutzer

Registriert: Mai 2013
Wohnort: Hamburg
Beiträge: 1,221
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Die Römer speisten bekanntlich liegend, das heißt auf sofaähnlichen Liegen lang ausgetreckt und auf Kissen gestützt. Ihr Speisezimmer hieß Triclinium, weil dort üblicherweise drei Klinen, also drei Liegen, hufeisenförmig zusammengestellt oder um einen Tisch angeordnet waren. Die hier im Pompejanum ausgestellten Klinen und der Tisch sind Nachbauten aus der heutigen Zeit. Das Wintertriclinium ist eigentlich vom Atrium aus zugänglich, öffnet sich aber mit einem großen Fenster auch zum Peristylium, von dem aus es für die Museumsbesucher einsehbar ist.


In solch einem Raum waren neben dem wichtigsten und namensgebenden Möbelstück, der Kline, auch ferner zur Ausstattung gehörend, kleinere Schemel. Diese dienten zum Abstellen der Schuhe oder als Fußschemel, oder aber auch für Leuchter sowie – in den Wintermonaten – als Kohlebecken zur Beheizung des Raumes. Während der Mahlzeiten stand vor jeder Kline ein kleiner Tisch mit den Speisen. Beim Mahle lagerte der Mann auf der Kline, während die Frau saß. Der Hausherr und seine Gäste ließen sich dann von den Bediensteten bedienen. Die Hauptmahlzeit am späten Nachmittag begann mit Vorspeisen. Man aß mit Löffeln und Fingern, welche man nach jedem abgeschlossenen Gang einer gründlichen Reinigung unterzog. Hiernach erfolgte ein Umtrunk mit ungemischtem Weine. Nach der Hauptmahlzeit wurde den Laren, häuslichen Schutzgottheiten, geopfert. An den Nachtisch konnte sich ein Trinkgelage mit Gästen anschließen. Mancher Essensluxus eines Römers, wie z.B. des Feldherrn Lucullus, gilt noch heute sprichwörtlich. Viele ausschweifende Gelage der römischen Esskultur von wohlhabenden, reichen Römern sind uns heute noch auf Mosaiken oder den Wandmalereien überliefert. Die reiche Schicht von Römern zahlte Höchstpreise für Speisefische, wie Muränen oder Seebarben, die in aufwändig angelegten Meereswasserbecken gezüchtet wurden. Für eine mehrpfündige Seebarbe gab ein Feinschmecker, wie berichtet wird, bis zu 5000 Sesterze aus – das ist mehr als der Fünfjahreslohn eines Arbeiters. Mit Zuchtfarmen von Gänsen, Fasanen, Rebhühnern – und besonders exquisit – von Pfauen konnte damals viel Geld verdient werden; ein einziges Pfauenei kostete den Wochensold eines Soldaten. Zur Gewinnung einer schmackhaften Leber – mästete man die Gänse mit Ficata (Feigen) – wovon sich das italienische Wort für Leber, „fegato“, ableitete.
Hingegen aß der normale römische Bürger, wie z. B. der Besitzer der Dioskurenvilla, des Vorbildes des Pompejanums, in gewöhnlich weit bescheidenerem Rahmen als wir heute; Fleisch oder Fischspeisen gab es eher selten.

Die Essenszeiten der Römer richteten sich, wie der gesamte römische Tagesablauf, nach dem Stand der Sonne; d. h. die Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang unterteilten die Römer in 12 Stunden, unabhängig davon, dass solch ein Tag im Sommer weit länger als im Winter war und somit die Sommerstunde etwa 80, die Winterstunde nur 40 Minuten dauerte. Man stand bei Sonnenaufgang auf, die arbeitenden Bevölkerung aß dreimal: In der 3. Stunde gab es ein einfaches Ientaculum, ein Frühstück bei dem meistens nur Brot (Fladen) entweder in Wein getaucht oder zusammen mit Honig, Datteln, Oliven genossen wurde. Ein weiterer Bestandteil von solch einem Frühstück wird aber auch bereits die Wurst gehabt haben, da die antiken Römer die Herstellung von Wurst durchaus kannten, zum Beispiel die Lucanicae, eine dünne, geräucherte Wurstsorte und zudem ein Beispiel für einen lateinischen Lebensmittelbegriff, der sogar in die griechische Sprache eingegangen ist. Aus der Antike verbreitete sich die Wurstfertigung schließlich über ganz Europa. Zum Ientaculum wurden auch Früchte verzehrt und ein einfaches Gericht welches Moretum heißt und zu frisch gebackenen Backwaren gegessen wurde. Bestehend aus (Schafs-)Käse (oder alternativ geriebenen Walnüssen), Olivenöl, Salz, Knoblauch (Allium), Selleriegrün (Apium, dt. Eppich), Weinraute (Ruta) und Koriander.

Nach der 6. Stunde unterbrach den Arbeitstag ein kleines (leichtes) Prandium (Mittagsmahl), welches man in den Städten oft in den zahlreichen kleineren Thermopolia (Gastschenken) einnahm (sozusagen in den ersten kleinen Restaurants in der Antike) und auch als Gabelfrühstück angesehen werden kann. Es war reichhaltiger als das Ientaculum. Hier wurden heiße Getränke, Weine, getrocknetes Gemüse sowie Suppen serviert. Aber auch kalte Speisen, wie Schinken, Brot, Oliven, Eier, Nüsse, Feigen, Pilze und Käse. Dem wurde keine große Bedeutung beigemessen, diente es im Grunde nur als kleiner Übergang und als schneller Magenfüller, besonders wenn man mit anderen Menschen in Gespräche vertieft war und beiläufig etwas Essen zu sich nehmen wollte.

Man konzentrierte sich im Grunde da bereits auf die Cena, das Abendessen um die 9. 10. Stunde welche die Hauptmahlzeit bildete. Gemäß der römischen Sitte, wurde vor der Cena gebadet.
Lange Zeit bestand das Abendessen des Bürgers in erster Linie neben den kleineren Speisen aus dem römischen Nationalgericht, genannt Puls – ein gewürzter Mehlbrei – und verschiedenen Gemüsen, Früchten und Wein. Schon um Christi Geburt pflegte allerdings auch der normale römische Bürger zu vielen Anlässen, z. B. bei Einladungen von Freunden, einen gewissen Speiseluxus. Über solche römischen Gastmäler sind wir gut informiert. Und da uns ein römisches Kochbuch überliefert ist, können wir auch heute nach römischer Art kochen: Fast alle Rezepte schreiben – ähnlich der heutigen ostasiatischen Küche – ein intensives Würzen vor, wodurch der Eigengeschmack der verschiedenen Fleisch- und Fischarten, oft sehr überdeckt wurde. Neben den einheimischen Würzpflanzen wie Koriander, Knoblauch, Liebstöckel (Maggikraut), Origanum (Majoran) liebte der Römer Pfeffer, Zimt und Ingwer, die aus Arabien und Indien teuer importiert wurden.

Gerne wurde auch mit aromatisch versetztem Wein gekocht: Die heutigen schweren Tokajerweine oder die übersüßen Trockenbeerenauslesen kommen dem damaligen Kochwein am nächsten. Und schließlich gab es kaum ein römisches Gericht, bei dem das Garum, die salzige Delikatesswürze aus Fischsauce, nicht fehlen durfte – gleichgültig, ob es ein Schweins- oder Kaninchenbraten, ob es eine Trüffel, Schnecke, ein gekochtes Ei oder eine Aprikosenvorspeise war. Die Speisenfolge eines gutbürgerlichen, römischen Abendessens könnte so ausgesehen haben:

GUSTATIO (Vorspeisen): z. B. gekochte Eier, rohes und gekochtes Gemüse, Muscheln und- als besondere Leckerbissen- gebratene Haselmäuse, entweder in Honig gewälzt oder mit Schweinefleisch und Pinienkernen gefüllt (Haselmäuse hat man damals in speziellen Farmen gezüchtet).
Dazu: Mulsum, ein mit Honig versetzter Wein.

MENSAE PRIMAE (Hauptgericht): Gekochtes oder gebratenes Fleisch z. B. vom Schwein, Schafe und Ziegen hatten auch ihren festen Bestandteil am Speisezettel; in Summe gerechnet waren sie aber eher unbedeutend. Lamm und Zicklein galten als Spezialitäten, die preislich mit Schweinefleisch mithalten konnten. Bubula (Rindfleisch) war bei den Römern eher unbeliebt. Das Rind galt als Allzwecktier, das vor allem wegen seiner Arbeitskraft und dann erst wegen seiner Rohstoffe, wie Leder (Häute) und Leim (aus Horn, Huf & Knochen) gezüchtet wurde. Fleisch- und Milchproduktion waren Nebenprodukte, die nebenbei anfielen. Man kochte aber dennoch aus Fleisch und Knochen ius (Brühe), machte Spieße oder schmorte das Fleisch. An Rezepten sind hier nur wenige überliefert worden; zumeist für vitellina (Kalbfleisch), das aber ausser bei manchen Opfern kaum zur Verfügung stand. Vor allem beim Militär wurden Arbeitstiere erst am Lebensende geschlachtet.Geflügel wie Wildenten, Haushühner, Perlhühner, welche auch bereits der Züchtung unterworfen waren, Hausgänse und in der gehobenen und ausgefallenen Küche tauchte auch der Pfau noch auf der Speisekarte auf.
Dazu wurde dann Rotwein serviert, dieser mit Wasser vermischt. Die Weine waren in der Antike stärker als heute.

MENSAE SECUNDAE: (Dessert): Kleine süße Kuchen und verschiedene Frucht-und Obstsorten.

EX OVO USQUE AD MALUM, „vom Ei bis zum Apfel“, ist eine aus dieser Menüfolge abgeleitete antike Redensart, die unserem „von A bis Z“ entspricht.
Dem Essen folgte oft nach dem Nachtisch, ein Weingelage, das sich bis in die anbrechende Nacht hinzog.
· Datum: So Mai 7, 2017 · Aufrufe: 831
· Dateigröße: 41.1Kb, 267.1Kb · Abmessungen: 960 x 720 · ·
Zusätzliche Infos
Wertung: ********** 10.00
Wertung: Schwach Exzellent
Schlüsselwörter: Das römische Winterspeisezimmer, Wintertriclinium. Im Pompejanum.

Autor
Thema  
Cornelius Fabius

Erfahrener Benutzer

Registriert: Mai 2013
Wohnort: Hamburg
Beiträge: 1,221
So Mai 7, 2017 11:29pm

Aufgrund seines besonders disparaten Erhaltungszustandes – die Wände wiesen zahlreiche Fehlstellen im farbigen Verputz auf, und auch auf den erhaltenen Flächen war die Malschicht stark beschädigt – wurde dieser Raum ausgewählt, um hier unterschiedliche Restaurierungstechniken und- konzepte für das gesamte Haus zu erproben. Dafür wurde, nach der Reinigung und Festigung der erhaltenen Originalsubstanz, die Nordwand (links) 1985 in drei Zonen aufgeteilt und unterschiedlich bearbeitet. Im linken Drittel sind alle Fehlstellen, die neu verputzt wurden, lediglich neutral grau gefärbt. Im mittleren Drittel sind die ergänzten Putzstellen in der jeweiligen Grundfarbe der Felder eingefärbt, aber ohne malerische Ergänzungen belassen (diese Methode wurde später in einigen anderen Räumen angewendet). Im rechten Drittel schließlich wurden auf den eingefärbten Putzergänzungen zusätzlich noch die ornamentalen Rahmungen und Gliederungen rekonstruiert, allerdings auch hier ohne die figürlichen Malereien.

1993-1995 wurden die Restaurierungsarbeiten in diesem Raum schließlich nach dem ersten Muster mit grauen Neuputzflächen und ohne jegliche malerische Ergänzungen durchgeführt. Da das Ergebnis als Hintergrund für die museale Inszenierung der nachgebauten Klinen zu unruhig wirkte, wurde 1999 zusätzlich eine Vorsatzschale mit komplett rekonstruierter Bemalung vor der Ostwand neben der Türe angebracht. Von der ursprünglichen figürlichen Ausmalung hat sich in der unteren Zone der Wände nur mehr wenig erhalten. Links und rechts des Fensters sind noch die Umrisse zweier schwebender Figuren erkennbar, die der Maler Joseph Schlotthauer in Pompeji eigenhändig von der Wand im Haus des Castor und Pollux abgepaust hatte. Von den drei zentralen Hauptbildern der übrigen Wände zeigte das neben dem Eingang, ebenfalls nach einem Vorbild aus Pompeji, Leda in einem Nest mit ihren aus Schwaneneiern geschlüpften Kindern Castor, Pollux und Helena. Die beiden anderen stellten an der Nordwand die Erziehung des Bacchus durch Silen und gegenüber den Kampf des Eros mit Pan dar, ihre Vorbilder stammten aus Herculaneum.

Heute noch zu sehen sind die auf die Funktion dieses Speisezimmers bezogenen Stillleben mit verschiedenen Speise- und Trinkgefäßen auf schwarzen Bildstreifen über den blauen Wandfeldern. In die rahmende Scheinarchitektur sind noch zahlreiche Frauenfiguren und Eroten eingestellt, und seitlich des Fenstersturzes sind zwei kleine, auf Delphinen reitende Putten abgebildet. Auch die glatte Decke trägt noch Reste der alten Bemalung. Vom originalen Fußbodenmosaik sind noch der umlaufende Randstreifen und das Ornamentfeld in der Raummitte original erhalten, die übrigen Flächen wurden 1992 neu verlegt.
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Monie

Benutzer

Registriert: April 2017
Wohnort: Aschaffenburg/D
Beiträge: 178
Mo Mai 8, 2017 6:31pm Wertung: 10.00 

Hach, ein Bild von "unserem " Pompejanum!! Wann hast du das denn gemacht? Mittlerweile ist es verboten, dort zu fotografieren.

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Monie
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Cornelius Fabius

Erfahrener Benutzer

Registriert: Mai 2013
Wohnort: Hamburg
Beiträge: 1,221
Fr Mai 12, 2017 11:15pm

Schönen guten Tag liebe Monie :-), ich bin sehr im Glück darüber, das du mir so wundervolle Worte dagelassen hast. Ich bin heute aus Neapel wieder in die Nordische Heimat eingekehrt und muss nun langsam mich erst einmal wieder zurechtfinden. Die Aufnahmen wurden allesamt 2014 aufgenommen, du kannst bei dem ersten Draußenbild den Einleitungstext auch lesen, da habe ich es noch alles etwas ausführlicher dargelegt. Wie ist es bei euch? ich hoffe ihr habt nicht so viel Regen wie wir gerade. Wenn man aus der südlichen Sonne gleich in den Regen kommt, ist dies wahrlich etwas bedrückendes. Ich wünsche dir/euch ein ganz tolles Wochenende und liebe Grüße aus Hamburg.
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