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Der Kampf der Untertanen
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far.a


Erfahrener Benutzer

Registriert: März 2007
Wohnort: Altenmarkt bei Fürstenfeld, Steiermark
Beiträge: 3,216
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An einem Tor eines ehemaligen Bauernhauses ist eine Szene aus dem Kampf der Untertanen der Malteserkommende Fürstenfeld gegen die tägliche Robot im 17. Jahrhundert dargestellt.

Dazu die Geschichte:

Seit der Kolonialisierung der Oststeiermark bestand zwischen der Malteser-kommende Fürstenfeld und deren Untertanen anscheinend jahrhundertelang ein spannungsfreies Verhältnis. Erst seit dem ausgehenden 16. Jhdt. wurde dieses Verhältnis von Seiten der Grundherrschaft empfindlich gestört. Die wichtigsten Ursachen:
• mehr unentgeltliche Robotleistung (Arbeitsleistung für den Grundherrn)
• bisherige unbemessene Robot umwandeln in eine tägliche Robot
• verteuerter Kauf des Bannweines bis um den doppelten Preis (der Bannwein musste, obwohl sie selbst Wein anbauten, vom Grundherrn abgekauft werden)
Als der steirisch – ungarische Grenzfluss Lafnitz 1640 nach einem Hochwasser ihren Verlauf großflächig verlegte und so etliche Felder von der westungar-ischen Herrschaft Güssing (Adam Graf Batthyàny) beansprucht wurde, mussten Bauern aus Altenmarkt, Speltenbach und Bierbaum sogar für nicht bewirtschaftete Flächen roboten bzw. Abgaben zahlen.
Dazu wurde vom damaligen Kommendator Johann Joseph Graf Herberstein mit Martin Griesperger ein Mann als Verwalter eingesetzt, der diese Stellung zur eigenen Bereicherung missbrauchte und so die Bauern noch mehr erzürnte.
Deswegen begannen sie die Robot zu boykottieren – erschienen nicht, schickten Kinder, usw. Dieser ließ daraufhin einige Beschwerdeführer ins Gefängnis werfen und wollte sie mürbe machen, indem er ihnen tagelang keine Nahrung zukommen ließ. Sogar in Wien beim Kaiser wurde interveniert – umsonst.
Ende Dezember 1673 befahl der steirische Landesverwalter Freiherr von Galler dem Landprofos Matthias Thiel mit 30 Soldaten gegen die aufrührerischen Bauern vorzugehen, was diese erst Ende Jänner 1674 durchführten.
Inzwischen waren die Bauern unter Zurücklassung ihrer Frauen und Kinder ins benachbarte Ungarn geflüchtet. Deswegen quartierte sich Thiel mit seinen Soldaten in den Häusern der Rädelsführer ein. Gleichzeitig erhielten die Soldaten den Befehl, die gesuchten Bauern, wenn sie auftauchten, sofort festzu-nehmen und der Herrschaft auszuliefern.
Der Landprofos und der Verwalter hatten allerdings die Rechnung ohne die Frauen der geflüchteten Bauern gemacht. Nachdem der Profos die Ein-quartierung in Altenmarkt abgeschlossen hatte, liefen die Frauen und Kinder zusammen und erhoben ein solches Geheul, dass Thiel sie nicht beruhigen konnte. Im Verlauf dieses Auftritts gingen schließlich 60 – 80 mit Prügeln, so-genannten „böhmischen Ohrlöffeln“ sowie mit Mist- und Heugabeln bewaffnete „Weiber, Menscher und Dirnen“ auf den Landprofos und die Soldaten los. Ein Hauptmann wurde dabei derart verprügelt, dass er verletzt nach Fürstenfeld gebracht werden musste. Die gesuchten Rebellen ließen ausrichten, dass sie bereit wären, zu den um 1634 ausgemachten Bedingungen zu roboten. Daraufhin blieb Thiel nichts anderes übrig, als sich zurückzuziehen.
Kommissare der steirischen Landesregierung verhandelten mit den Herrschaftsverwaltern um eine gütliche Einigung und es kam 1674 zu einem Übereinkommen, das aber nicht vom Grundherrn unterzeichnet wurde.
Allmählich erkannten die Bauern, dass dieses Übereinkommen deshalb nichts wert war. Die Innerösterreichische Regierung hob den 1674 ohne Zustimmung des Kommendators getroffenen Vergleich auf, ließ vier der angesehensten Altenmarkter Untertanen festnehmen, und befahl den Bauern, endlich ihrem Grundherrn Gehorsam zu geloben.
Doch die Altenmarkter Bauern forderten auch Unterstützung gegen den Grafen Batthyány. Die Grazer Zentralbehörden unternahmen aber nichts, um den Widerstand der Bauern gewaltsam zu brechen. Die Altenmarkter maßten sich sogar an, den von der Kommende installierten Dorfrichter abzusetzen und wählten einen eigenen ihres Vertrauens. Gleichzeitig versuchten sie die von der Kommende neu angesiedelten Bauern zu vertreiben. Die Herrschaftsbeamten wurden wiederholt verspottet und verprügelt.
1676 versuchte Graf Herberstein persönlich, seine Untertanen durch Drohungen zum Gehorsam zu bewegen. Er wurde aber von den Bauern oft verhöhnt, worauf er zur Selbsthilfe griff. Er ließ die Anführer der Bauern festnehmen und ohne Prozess aneinandergefesselt oder „türkisch gebunden“ in sein Hauptquartier nach Karlstadt / Karlovac bringen.
Als Rädelsführer bezeichnete Untertanen:
Aus Altenmarkt: Paul Grienwald, Georg Mesler, Lorenz Kolb, und Veit Prandtner.
Aus Speltenbach Jakob Rigler, Gregor Ziger und Gregor Coger.
Aus Bierbaum Adam Melchardt und Andre Pfingstl.
Als die Altenmarkter Bauern sich sowohl an die Grazer Behörden als auch an den Wiener Hof wandten, wurde die Freilassung der Gefangenen am 16. Dezember 1676 von Kaiser Leopold I. angeordnet. Die Grazer Behörden verschleppten aber das Verfahren des Kaisers gegenüber dem Grafen Herberstein.
Der Kommendator ignorierte deshalb den kaiserlichen Befehl und bequemte sich erst im Februar 1677 dazu dem Landesverwalter eine umfangreiche Rechtfertigungsschrift zu übersenden. In seinem Schreiben verwahrte sich Graf Herberstein prinzipiell gegen jeden Vertrag mit den Untertanen und wies darauf hin, dass der durch entfallende Robotleistung erlittene Schaden schon bisher sehr groß gewesen sei. Er vergaß dabei allerdings zu erwähnen, dass die Bauern ohne Prozess und ordentliches Urteil verschleppt worden waren.
Erst im Oktober 1677 (nach fast einem Jahr) bequemte sich Herberstein zur Freilassung der Inhaftierten.
Trotz erzwungenem Gehorsamsgelöbnisses übernahmen die Rückkehrer sofort die Führung, um die völlige Befreiung von der Robot durchzusetzen.
Von den neuerlich wegen wiederholtem Ungehorsam vor Gericht gestellten Untertanen der Maltesergemeinde ist uns nur der Bauer Michael Schuster bekannt, der im Juni 1678 als „vornehmster Rädelsführer“ der widerspenstigen Bauern verurteilt wurde. Am 16. Juli 1678 wurde ihm die Nase abgeschnitten, als Abschreckung an den Fürstenfelder Pranger gestellt und dann auf „ewig“ des Landes verwiesen. Damit schien die Lage beruhigt worden sein.
Die Untertanen hatten ihre wichtigste Forderung, die Befreiung von der Robot, nicht durchsetzen können. Auch in den folgenden Jahren gab es keine weiteren Unruhen. Die Grundherrschaft forderte, obwohl ihr mehr zustanden, von den Bauern immer weniger an Robotleistungen, wodurch sich diese Probleme lösten.

Aus: Valentinitsch, Helfried: Der Kampf der Untertanen der Malteser- kommende Fürstenfeld gegen die tägliche Robot im 17. Jahrhundert, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark

Altenmarkt bei Fürstenfeld, im April 2011
far.a
· Datum: Fr April 29, 2011 · Aufrufe: 10235
· Dateigröße: 56.9Kb, 107.1Kb · Abmessungen: 800 x 600 · ·
Zusätzliche Infos
Wertung: ********** 10.00
Wertung: Schwach Exzellent
Schlüsselwörter: Robot, Malteser, Kampf der Untertanen, Altenmarkt bei Fürstenfeld

Autor
Thema  
Elfie

Erfahrener Benutzer

Registriert: Juni 2009
Beiträge: 23,991
Fr April 29, 2011 9:52pm Wertung: 10.00 

danke für die interessante Geschichte - böse Zeiten waren das. Und wie sich alles gewendet hat, auch für die H.s !!
Dieser Benutzer ist offline
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SAGEN.at
Administrator

Registriert: April 2005
Wohnort: Innsbruck
Beiträge: 30,196
Sa April 30, 2011 9:35am Wertung: 10.00 

Super dokumentiert - vielen Dank!

Wolfgang (SAGEN.at)
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Ulrike Berkenhoff
Erfahrener Benutzer

Registriert: September 2005
Beiträge: 2,601
Mi Februar 18, 2015 7:34pm Wertung: 10.00 

Interessante Geschichte! -Ulrike
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