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Die geologischen Verhältnisse um Innsbruck Die geologischen Verhältnisse um Innsbruck

Die geologischen Verhältnisse um Innsbruck

 
Eingetragen von SAGEN.at, 24.10.2009 15:05 Uhr
Die geologischen Verhältnisse um Innsbruck (Tirol)

Nördlich des Inntales erstrecken sich die Nördlichen Kalkalpen, die von mesozoischen Sedimenten aufgebaut sind. Dabei nehmen der Muschelkalk, der Wettersteinkalk und der Hauptdolomit den größten Teil des gebirgsbildenden Schichtstapels ein (Wetterstein-, Karwendel-, Rofan-, Sonnwendgebirge). An der Basis der Kalke finden wir den roten Buntsandstein und im Halltal das Haselgebirge mit seinen ergiebigen Salzlagerstätten. Das Formenbild der Nördlichen Kalkalpen wird von langgestreckten Bergketten mit hohen schroffen Wänden sowie steilen, zerfurchten Graten und Gipfeln bestimmt. Das Kalkgestein der Nordalpen bildet hohe, beeindruckende Felswände, wie die Martinswand oder die Nordwände des Karwendel. Der bei der Verwitterung kantig zerbrechende Dolomit ist leichter verwitterbar als die Kalksteine. Sein Vorhandensein zeigt ein typisches, reichgegliedertes Relief mit zahlreichen Felsabstürzen und Erosionsrinnen.

Sowohl der Wettersteinkalk als auch der Hauptdolomit sind schlechte Bodenbildner. Einerseits sind in ihnen wenige Nährstoffe gebunden, und andererseits versickert das Wasser recht rasch durch das klüftige Gestein. Im Zusammenhang mit dem rauhen Klima an der Alpennordseite wird so verständlich, warum die Waldgrenze in den Nördlichen Kalkalpen mehrere hundert Meter tiefer liegt als in den Zentralalpen.

Südlich von Innsbruck trennt die geologische Grenze der Brennerfurche das Tauernfenster von den Stubaier und Ötztaler Alpen. Im Silltal tauchen die Schiefergesteine der Tuxer und Zillertaler Alpen westwärts gerichtet unter die große Altkristallinmasse der Stubaier und Ötztaler Alpen. Hier herrschen verschiedene kristalline Gesteine vor, die oft fälschlicherweise als „Urgestein" bezeichnet werden. Granite, Granitgneise und Amphibolite bilden markante Gipfel. Sanfte Formen hingegen, wie z. B. in den Schibergen der Axamer Lizum, sind durch leicht verwitterbare Glimmerschiefer bedingt. Im Osten der Ötztaler Masse liegt dem Kristallin eine Lage aus Kalkgesteinen auf, das Brennermesozoikum. Dolomite und Kalke bilden hier Bergformen, die manchmal an die Südtiroler Dolomiten erinnern (Serles, Kalkkögel, Tribulaune).

Östlich des Silltales ist der Aufbau der Alpen unterschiedlich. Im Bereich der Tuxer Alpen finden wir zunächst die Zone des Innsbrucker Quarzphyllites. Südlich einer Linie, die man ungefähr von Matrei bis zum Gerlospaß ziehen kann, ändert sich dann allmählich der Gesteinsaufbau. Hier beginnt ein Übergang von den Innsbrucker Quarzphylliten zunächst zu den Schiefergesteinen der Brennergegend und schließlich zu den kristallinen Gneisen der Zillertaler Alpen.

Der Innsbrucker Quarzphyllit und die südlich anschließenden Schiefergesteine zeigen ein deutlich anderes Verwitterungsverhalten als die Gesteine der Nördlichen Kalkalpen. Daher tritt im Vergleich südlich von Innsbruck eine Änderung der Gebirgsformen und des Landschaftsbildes ein. Die leicht verwitterbaren Schiefer schaffen hier ein sanftes, mehr fließendes Formenbild der Gebirgslandschaft. Bis hoch hinauf sind die Böden fruchtbar, sodass die Almwirtschaft beste Voraussetzungen findet.
Das Südöstliche Mittelgebirge wird im Westen und im Norden von bedeutenden geologischen Grenzen umrahmt. Diese Grenzen bedeuten nicht nur einen Wechsel im Gesteinsaufbau, sie markieren vor allem auch die Störungslinien unserer Erdkruste. Besonders die Brennerfurche dürfte in beachtliche Tiefen hinabreichen. Sie ist auch eine Erdbebenlinie, die besonders im Mittelalter schwere Epizentralbeben verursacht hat. Neue Erkenntnisse zur tektonischen Grenze des Inntales wurden im Zuge des Baues des 12,7 km langen ÖBB-Umfahrungstunnels Baumkirchen-Gärberbach gewonnen. Da die 1989 zwischen Volders und Baumkirchen durch die Lockergesteinverfüllung des Inntales abgeteufte Erkundungsbohrung den festen Felsuntergrund nicht erreichte, steht fest, dass die Felsensohle des Inntales stellenweise weit unter Meeresniveau liegt und somit eine der größten Talübertiefungen der Alpen darstellt. Beim Bau des Umfahrungstunnels wurden auch mächtige, inntalparallele Störungsbahnen im Gestein angefahren, die wahrscheinlich jüngster Entstehung sind. Die durch den Tunnelbau gewonnenen Erkenntnisse lassen bedingt den Schluss zu, dass die alpine Gebirgsbildung gerade im Innsbrucker Raum eines ihrer Zentren hat und dass die Gesteinsauffaltung hier auch heute noch äußerst aktiv ist.

Quelle: Greußing, Seitz, Natur- und Kulturführer Südöstliches Mittelgebirge, Aldrans 1996, S. 10 - 11.

Wolfgang (SAGEN.at)

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