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"boscignara" und „Santa guania" bzw. "-buonia" "boscignara" und „Santa guania" bzw. "-buonia"

"boscignara" und „Santa guania" bzw. "-buonia"

 
Eingetragen von SAGEN.at, 24.10.2009 22:06 Uhr
Die "boscignara" und „Santa guania" bzw. "-buonia". — Das hohe Kirchenfest der Heiligen Drei Könige (i tre resch) nennt sich in Gröden „Santa guania", im Ennebergischen hingegen „Santa buonia". Der Ausdruck hat mit einem vermuteten „guadagnè" (verdienen — etwa auf das Heischen von Kindern bezogen) nichts zu tun, sondern wurzelt in Epiphanie (vgl. babania, buania der rätoromanischen Schweiz — nach „Tiroler Fasnacht", S. 138). — Am Vorabend von „Santa buonia" kommt oder kam eine häßlich verkleidete Alte in die Häuser und beschenkte die Kinder mit Obst und Nüssen. Man heißt sie „la boscegnara" (nach Frau Sabine Pedevilla, St. Vigil). — Andere Gewährsleute schildern die „boscegnara" mit einem Besen bewaffnet, die nicht beschenkte, wohl aber die Kinder zu fürchten machte. In dieser Form kommt sie der „donnassa" des oberen Abteitales und Buchensteins nahe (vgl. "Schlern" 1956/S. 39) und reiht sich in die Perchtengestalten ein. Die „boscegnara" ist nur in Enneberg und St. Vigil bekannt. — Eine Deutung des Ausdruckes ist nirgends gegeben. An „bosc" = Wald ist kaum zu denken, eher an eine Metathesis von „brosch", d. h. Büschel, Besen, Beuschel, Bündel. Hiefür spräche die in Bischof Caminada's "Die verzauberten Täler" auf S. 181 angeführte Stelle, wo es heißt: „O bien sogn Valentin! Jeu mettel in burschin ... Guter, heiliger Valentin, einen Wacholderzweig setz ich dir..." Allerdings ist dem Dolomitenladiner der Ausdruck „burschin" nicht geläufig. Trotzdem entspringen „bosch-, brosch-, bursch-" derselben Wurzel und ich glaube, aus „boscegnara" soviel wie „Weib mit dem Büschel, den Zweigen oder eben dem Besen" herauszuhören.

Hans Fink, Neugesammelte Bräuche [in Südtirol], in: Der Schlern, Zeitschrift für Heimat- und Volkskunde, 37. Jahrgang, 1963, S. 96 - 110.

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