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Hecken und Feldgehölze (Tirol) Hecken und Feldgehölze (Tirol)

Hecken und Feldgehölze (Tirol)

 
Eingetragen von SAGEN.at, 24.10.2009 14:28 Uhr
Hecken und Feldgehölze (Tirol)

Alte Bilder beweisen, dass Flurgehölze bis in das 20. Jahrhundert hinein häufige und charakteristische Bestandteile unserer Kulturlandschaft waren. Sie standen meist auf markanten oder für die Landwirtschaft ungünstigen Geländeabschnitten wie Steilkanten, säumten Bäche, wuchsen auf Felsen und an flach-gründigen, trockenen Steilhängen, an Wegen, bei Lesesteinhäufen und Kulturterrassen. Als Grenzlinien säumten sie häufig Grenzwälle oder Mauern.

Für die Bauern waren die Flurgehölze nicht nur als Grenzen oder Windschutzstreifen wichtig. Die Früchte der Bäume und Sträucher - Eicheln, Beeren, Nüsse, Kirschen etc. - dienten Tier und Mensch als willkommene Bereicherung der Nahrung. Von den Bäumen und Sträuchern gewann man Laubheu als Rauhfutter für das Vieh, harte Laubhölzer nutzte man als Wagnerhölzer oder einfach als Brennholz und weiche Zweige, etwa von Kopfweiden, zum Flechten von Körben. Besondere Bedeutung haben die Hecken und Feldgehölze bei der Regulierung des Wasserhaushaltes für Wiesen und Felder (Speicherung, Abflußhemmung und Verdunstung), wichtig sind sie als Windschutzgehölze (Herabsetzung der Windverdunstung = Ertragssteigerung im Feld), als Erosionsverhinderer in Steillagen und an Bächen.

Die reich strukturierten Baum- und Strauchsäume enthalten zahlreiche ökologische Nischen für Säugetiere (Reh, Hase, Igel, Kleinsäuger), für Vögel (Singvögel, Greif- und Hühnervögel), für Schmetterlinge, Insekten und Reptilien. Die tierische Vielfalt stabilisiert das biologische Gleichgewicht auf den benachbarten Wiesen und Äckern, wo Schädlinge durch die Heckenbewohner dezimiert werden.

Große, unstrukturierte Wiesen oder Ackerflächen wirken besonders in Flachbereichen monoton und langweilig. Buschgruppen, Hecken und Feldgehölze tragen somit auch wesentlich zur ästhetischen Bereicherung der Kulturlandschaft bei -sie gliedern die Landschaft und lockern sie auf. Seit der maschinellen Bewirtschaftung der Wiesen und Felder haben die Kleingehölze an Bedeutung verloren. Sie waren den Traktoren meist im Wege, und so wurden sie im Zuge der Flurbereinigung nach und nach beseitigt. Damit verbunden war nicht nur eine radikale Monotonisierung der Landschaft. Auch der Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen ging - ähnlich wie bei den strauchreichen Waldrändern - verloren. In unseren intensiv genutzten Agrarländern zählen die Flurgehölze heute zu den seltenen und stark bedrohten Landschaftselementen. Als Zeugen früherer Bewirtschaftungsweisen kommt den traditionellen Heckenlandschaften auch im Mittelgebirge kulturhistorische Bedeutung zu.

Quelle: Greußing, Seitz, Natur- und Kulturführer Südöstliches Mittelgebirge, Aldrans 1996, S. 37

Wolfgang (SAGEN.at)

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