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  #11  
Alt 13.11.2014, 20:10
Babel Babel ist offline
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Standard AW: Sütterlin-Schrift

Zitat:
Zitat von Elfie Beitrag anzeigen
Ich denke auch grad drüber nach, wann ich Frakturschrift lesen gelernt hab und ob das mit der Schule zu tun hatte. Bei den Großeltern gab es so viele alte Bücher vom Onkel, der gefallen war, ich hab alles gelesen, was mir in die Finger kam.
Dann hast du es bestimmt genauso "versehentlich" gelernt wie ich. Mir hat man das später manchmal nicht geglaubt, aber ich finde es völlig natürlich. In barus Lesebuch heißt es: "Die Straße ist ein großes Buch. Auf jeder Seite gibt es gar viel zu lesen. Aber die Buchstaben sehen oft ein wenig anders aus als in unserm Lesebuch." Nun, nicht nur auf Ladenschildern, sondern auch in Büchern sahen die Buchstaben oft "ein wenig anders" aus, und man erkannte sie trotzdem. Heute müssen die Kinder an Firmenzeichen und in Anzeigen noch eine ganz andere Bandbreite von "anders aussehenden" Buchstaben bewältigen. Nur komplette Texte in Fraktur können heutige Jugendliche nicht mehr lesen.
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  #12  
Alt 14.11.2014, 11:07
harry harry ist offline
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Standard AW: Sütterlin-Schrift

Ich erinnere mich, dass zu meiner Schulzeit (ab der fünften Schulstufe) etliche Bücher in Fraktur geschrieben waren. Wie Babel und Elfie bereits schrieben, erlernte auch ich diese Schrift ganz selbstverständlich und "nebenbei".
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Harry
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  #13  
Alt 14.11.2014, 11:59
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Elfie Elfie ist offline
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Standard AW: Sütterlin-Schrift

Zitat:
Zitat von harry Beitrag anzeigen
Wie Babel und Elfie bereits schrieben, erlernte auch ich diese Schrift ganz selbstverständlich und "nebenbei".
Wir sind eben alle vor 1980 geboren .

Und immer noch flexibel und lernfähig .
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  #14  
Alt 15.11.2014, 08:31
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Sütterlin-Schrift

Frakturschrift lernte ich durch ein älteres Gesangbuch im Kindergottesdienst. Ich kannte Strophen auswendig, schaute die Liednummern
und" las" mit, so wußte ich bald, welches Wort wie aussah. - Unser Sohn
lernte auch leicht lesen, dadurch (wie ich) oft Langeweile in der Schule,
das Lesebuch schon vorab durchgelesen. Er nannte die "alte Schrift"
übrigens "Bierschrift", der Schriftzug der "Stifts" Brauerei war sein Ausgangspunkt, sich Fraktur anzueignen. - Ulrike
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  #15  
Alt 15.11.2014, 11:54
harry harry ist offline
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Standard AW: Sütterlin-Schrift

Ich habe hier die Fotokopie einer Taufbuch-Seite aus dem Jahr 1764 ausgegraben. Es ist interessant zu sehen, dass die deutschsprachigen Einträge (eigentlich nur die Namen) in Sütterlin geschrieben sind, während alles lateinisch-sprachige in der heutigen Schreibschrift verfasst wurde. Diese Schrift wird ja auch heute noch "Lateinschrift" genannt.
Miniaturansicht angehängter Grafiken
Taufbuch_1764.jpg  
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Harry
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  #16  
Alt 15.11.2014, 14:10
Babel Babel ist offline
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Standard AW: Sütterlin-Schrift

Zitat:
Zitat von harry Beitrag anzeigen
Es ist interessant zu sehen, dass die deutschsprachigen Einträge (eigentlich nur die Namen) in Sütterlin geschrieben sind, während alles lateinisch-sprachige in der heutigen Schreibschrift verfasst wurde. Diese Schrift wird ja auch heute noch "Lateinschrift" genannt.
Das war ja auch im Druck üblich. Als Beispiel der Anfang des Quellenverzeichnisses in der kuriosen Abhandlung von Johann Wihelm Petersen (Jugendfreund Friedrich Schillers): "Geschichte der deutschen National-Neigung zum Trunke.", Leipzig 1782 (Nachdruck Dortmund 1979)
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Trunksucht.jpg  

Geändert von Babel (15.11.2014 um 16:17 Uhr)
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  #17  
Alt 16.11.2014, 20:03
harry harry ist offline
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Standard AW: Sütterlin-Schrift

Zufall: Bei der Suche nach einem Rezept für Powidltatschkerl fiel mir dieser Zettel- nicht- in die Hände. Er klebte an der Seite des Kochbuchs. So sind nun Sütterlin und Fraktur für immer vereint
Meine Goßmutter hatte sich ein Rezept notiert:

Marillen Marmelade!
Auf 1 kg entkernte, rohe Marillen ( s[?]. Schalen 3/4 kg
Zucker, der schichtweise über die Marillen gestreut wird,
jedoch so, daß die lette Reihe ganz von Zucker bedeckt ist.
Dann 20 Stunden stehen lassen. Nächsten Tag 20 Minuten
v. Kochen an gerechnet unter beständigen Rühren sieden
laßen (genaue Zeit, da sonst zu dicklich) und auch
während des Aubkühlens rühren.- Heiß in Gläser füllen.
Einige Tage offen stehen lassen, damit sich die
Haut ausrtocknen kann. Nach Belieben zur Vorsicht
Fließblatt in Rum getränkt, oder Salizil darauf geben.
14.VIII.922- Erhält wunderbar Farbe u Geschmack
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Marmalade.jpg  
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Harry
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  #18  
Alt 06.10.2015, 18:30
Babel Babel ist offline
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Standard AW: Sütterlin-Schrift

Hier eine Doppelseite aus einem Schulheft von Jahre 1958. Ein Schulfreund fand beim Aufräumen mein altes Physikheft und schickte es mir jetzt. Ich schrieb damals zu meinem Vergnügen in Sütterlin (und weil ich die Schrift schöner fand als die lateinische), und mein Lehrer hatte offenbar nichts dagegen. Ob ich auch meine Hefte in anderen Fächern so führte, weiß ich nicht – was in der Wohnung meiner Eltern blieb, ist längst entsorgt.
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Heft1.jpg  
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  #19  
Alt 07.10.2015, 11:37
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Beiträge: 2.493
Standard AW: Sütterlin-Schrift

Ich besitze von meiner Oma eine Kladde mit Gedichten aus dem 1. Weltkrieg,
gestochen schön mit dem Federhalter geschrieben. Ich nehme an, dass sie
diese aus Zeitungen u. dgl. abgeschrieben hat, denn später wurden Seiten
mit herausgeschnittenen Gedichten (Ev. Sonntagszeitung u.a.) beklebt.
Mein Vater mußte dann "umlernen", seine Schrift konnte ich kaum lesen.
In Frakturschrift standen in meiner Grundschulzeit auch noch einige
Geschichten im Lesebuch. Wir hatten Schönschreiben (lateinisch) auf dem Stundenplan, habe noch zuerst Druckschrift (ganze Wörter) mit Griffel und
Schiefertafel gelernt, dann kam der sog. Kolbenfüller und Hefte mit diesen
3Linien, dann Doppellinie u. zuletzt nur noch eine Lin ie. Leider keine Fotos!
Patronenfüller u. Tintenkiller kamen später, wir durften auch nur mit Füller
schreiben. In der 9. Klasse waren Aufsätze von 7 Seiten in Schönschrift
u. möglichst fehlerfrei abzuliefern. Es wurde wahnsinnig viel mit der Hand
geschrieben u. abgeschrieben (z.B. Liedtexte), eine Menge auswendig
gelernt (Gedichte, Lieder) usw. Keine kopierten Blätter zum Ankreuzen
oder Lücken füllen, alles wurde cplt. geschrieben. -Ich bin eigentlich gerne
zur Schule gegangen, in Kunst haben wir auch mit Tuschefeder verschiedene
schöne Schriften geübt u. Schwarz/Weiß "Kunstwerke" gezeichnet. -Ulrike
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  #20  
Alt 22.11.2015, 12:08
Thomas Thomas ist offline
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Standard AW: Sütterlin-Schrift

Die Sütterlin-Schrift wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von dem Graphiker Ludwig Sütterlin entwickelt. Sie ist daher nicht identisch mit der bis dahin üblichen Kurrentschrift.

Hintergrund dieser Entwicklung war eine Änderung des Schreibgeräts: im 18. und 19. Jh. wurde meist mit einem Federkiel geschrieben. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. kamen industriell gefertigte Stahlfedern in Mode.

In den 1960er Jahren wurde Sütterlin in der Grundschule am Rande gestreift. Ich hatte es im 3. Schuljahr für ein paar Wochen.

In einigen Volkshochschulen finden kleine Sütterlin-Kurse statt. Meistens, wenn sich ein(e) rührige(r) Dozent(in) findet.

Privat schreibe ich viel Sütterlin, weil ich es schön finde. Außerdem kann es nicht jeder sofort lesen. Also eine Art "Geheimschrift".
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