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  #11  
Alt 09.09.2014, 22:42
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Hausarbeit damals und heute

In der alten Waschküche stand ein großer Kessel (Kupfer) in einem
gemauerten Ring mit Feuerung. Es gab 2 Becken aus Stein und eine
Wringmaschine. Die Wäsche wurde gekocht, gespült, durch die Walzen
gedreht. Harte Arbeit, vor allem die großen Teile (Bettwäsche). Kleine
Wäsche wurde auch manchmal im Kochtopf auf dem Herd erledigt.
Bevor in der Küche die Edelstahlspülbecken aufkamen waren die
Becken aus Stein. In der Waschküche wurde auch gebadet (Zinkwannen),
das Wasser noch zum Einweichen der Arbeitskleidung genommen.
Leinen waren draußen und eine Wäschebleiche. Im Winter war es
schwieriger die Wäsche zu trocknen. Man mußte auch sparsam sein
und auf die Kleidung achten: Sonntagskleid, Schulkleid, Alltagskleid.
Alles wurde geändert, ausgebessert usw. -Ulrike
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  #12  
Alt 12.09.2014, 10:40
Babel Babel ist offline
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Standard AW: Hausarbeit damals und heute

Zitat:
Zitat von Ulrike Berkenhoff Beitrag anzeigen
Harte Arbeit, vor allem die großen Teile (Bettwäsche).

Man mußte auch sparsam sein und auf die Kleidung achten: Sonntagskleid, Schulkleid, Alltagskleid.
Alles wurde geändert, ausgebessert usw. -Ulrike
Die Arbeit in der Waschküche habe ich wohl nie gesehen, weil ich immer gleich rausgeschickt wurde, außerdem habe ich mich vor den dort unausrottbaren Asseln geekelt. An die vor Wasserdampf fast undurchsichtige Luft erinnere ich mich allerdings, und an das Waschbrett – ja, das war damals noch ein Gebrauchsgegenstand und kein Bauch ...

Als das größte Problem habe ich in Erinnerung, daß wir Kinder ja wuchsen und eigentlich dauernd neue Kleidung gebraucht hätten. Nun gab es weder Kleidung noch Stoff zu kaufen, von den letzten Kriegsjahren an bis 1951, als wir die DDR verließen. Also mußte ständig etwas aus alten Sachen gemacht werden. Kleider machte man weiter, indem man sie senkrecht aufschnitt und Streifen aus anderem Stoff zwischensetzte. Verlängern war einfacher: Unten einen Stoffstreifen ansetzen. Man verwendete auch Stoff, den man in besseren Zeiten weggeworfen hätte; so hatte ich ein Röckchen aus einem Stoff voller Mottenlöcher, die meine Mutter mit farbigen Blümchen in Langettenstich umhäkelt hatte – es sah sehr niedlich aus. Es wurde viel gestrickt und gehäkelt, da konnten ja alle Garnreste verwendet werden. Meine Mutter hat alte Strümpfe in dünne Streifen geschnitten und daraus eine Weste für mich gehäkelt. Da alle diese Handarbeitstechniken so nötig waren, habe auch ich sie früh und gründlich gelernt.

Die sogenannten Sonntagskleider hatten wir, aber sie wurden auch sonntags nur stundenweise angezogen: Nicht zum Essen, denn wir hätten sie ja bekleckern können; nicht zum Spielen, denn da hätten sie ja schmutzig werden können; schon gar nicht zum Spazierengehen, denn ich hatte die Neigung, ständig wegen irgendwelcher Steinchen oder Pflänzchen am Boden zu hocken ...

Geändert von Babel (12.09.2014 um 12:48 Uhr)
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  #13  
Alt 12.09.2014, 10:56
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Elfie Elfie ist offline
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Standard AW: Hausarbeit damals und heute

Im Haus, wo wir wohnten gab es keine Waschküche, meine Mutter stand das ganze Jahr im Hof beim Holztrog, gekocht wurde im "Waschhäfen" auf dem Küchenherd. Auch getrocknet wurde draußen, oft fror die Wäsche schon beim Aufhängen, aber wenn sie ausgefroren wird, trocknet sie schneller, sagte die Mutter. Drinnen wäre ohnehin kein Platz gewesen, bei Regen kam sie auf die "Auslage", das war ein gedeckter Gang vorm Heuboden, so breit wie die Stiege dort hin. Die Waschrumpel (Waschbrett) war ein wichtiges Requisit.
Meine Freundin, obwohl 11 Jahre jünger, erzählte, sie hätten einmal die Woche gebadet (Eltern und 4 Geschwister auf einem Bauernhof), der Rangordnung nach - Eltern zuerst - und dann war das reines (Hirsch-)Seifenwasser, darin wurde die Wäche eingeweicht.
Die Sonntagskleider waren eine lästige Angelegenheit, aber wenn man die Umstände bedenkt, kein Wunder. Man konnte manche Stoffe auch gar nicht gut waschen, ich erinnere mich an die Männerhosen, die mit Salmiakgeist ausgebürstet wurden, ein beißender Gestank hat sich da verbreitet. Ich glaube, Putzerei gab es nicht im Ort oder eine Annahmestelle, außerdem hätte das gekostet.
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  #14  
Alt 12.09.2014, 11:07
Babel Babel ist offline
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Standard AW: Hausarbeit damals und heute

Zitat:
Zitat von Elfie Beitrag anzeigen
Auch getrocknet wurde draußen, oft fror die Wäsche schon beim Aufhängen, aber wenn sie ausgefroren wird, trocknet sie schneller, sagte die Mutter.

Man konnte manche Stoffe auch gar nicht gut waschen ...

Im Haus, wo wir wohnten gab es keine Waschküche.
Ich habe viel später (70er Jahre) gesehen, daß die Leute bei klirrender Kälte ihre Wäsche im Garten aufhängten. Man belehrte mich, daß sie auf diese Weise sozusagen gefriergetrocknet würde – ein Begriff, den ich nur von Pulverkaffeedosen kannte.

Ja, das vergißt man heute leicht, daß die Stoffe teilweise schlecht oder gar nicht waschbar waren und die Farben nicht licht-, wasch- und schon gar nicht kochecht. Als dann die indanthren-gefärbten Tischtücher oder Bettbezüge in den 50er Jahren aufkamen, schienen sie ein unglaubliches Wunder zu sein.

Zitat aus dem Haushaltsbuch (1904) meiner Großmutter:
"Eine gut ausgestattete Wohnung hat jetzt stets eine Extrawaschküche, die ungesunde und unappetitliche Wascherei in der Küche, die früher allzuoft in Mietwohnungen ganz und gäbe war, ist in der Neuzeit mit Recht abgeschafft. Wo nicht jede Mietwohnung ihre Waschküche hat, ist doch eine solche für alle Hausbewohner zum abwechselnden Gebrauch vorhanden."
Es ist ein Haushaltsbuch für das "gehobene Heim", und die Verfasserin hat wahrscheinlich nie etwas von den Wohnverhältnissen normaler Leute gesehen. Die Fotos zeigen, was für Waschräume sie im Sinn hatte: Räume, in denen etliche dienstbare Geister beschäftigt waren, während die Hausfrau bestensfalls reinkam, um die Arbeitenden zu überwachen.
Miniaturansicht angehängter Grafiken
Waschküche.jpg   Plättstube.jpg  

Geändert von Babel (12.09.2014 um 12:57 Uhr)
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  #15  
Alt 13.09.2014, 10:06
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Hausarbeit damals und heute

Wäsche bügeln oder plätten? Dies wurde früher mit nicht elektrischen
Eisen gemacht. Sie wurden auf der Ofenplatte erhitzt oder es kam heiße
Kohle hinein. Ich hatte ein kleines Kinderbügeleisen, wurde kurz auf
die heiße Ofenplatte gestellt, dann durfte ich Taschentücher bügeln.
Für alles wurde der große Küchentisch benutzt. Es kam eine alte Wolldecke
und ein Laken darauf. Der Tisch war der Mittelpunkt für alles, nicht nur zum
Essen. Hausaufgaben (dafür wurde eine Ecke "freigemacht"), Essen
vorbereiten, manchmal Spiele, Handarbeiten, kleine handwerkliche
Ausbesserungen der Männer - dort wurde sich auch unterhalten usw.
Die "Gute Stube" (Wohnzimmer) blieb besonderen Anlässen vorbehalten.
-Ulrike
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  #16  
Alt 13.09.2014, 10:34
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Elfie Elfie ist offline
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Standard AW: Hausarbeit damals und heute

Ich kenne nur so ein Bügeleisen mit Eisenkern drin. Das hatte hinten eine Art Klappe, da hinein passt genau dieses Gusseisenteil. Meine Großmutter fing mit dem Bügeleisen auch Mäuse, Statt dem Kern wurde ein Stück Speck auf ein Holz gebunden, das in die Klappe geklemmt wurde und diese so weit offen hielt, dass die Maus hinein konnte. Wenn sie sich über den Speck hermacht zog sie auch am Holz und die Falle war zu.
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  #17  
Alt 13.09.2014, 10:53
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Joa Joa ist offline
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Standard AW: Hausarbeit damals und heute

Zitat:
Zitat von Elfie Beitrag anzeigen
Ich kenne nur so ein Bügeleisen mit Eisenkern drin. Das hatte hinten eine Art Klappe, da hinein passt genau dieses Gusseisenteil. Meine Großmutter fing mit dem Bügeleisen auch Mäuse, Statt dem Kern wurde ein Stück Speck auf ein Holz gebunden, das in die Klappe geklemmt wurde und diese so weit offen hielt, dass die Maus hinein konnte. Wenn sie sich über den Speck hermacht zog sie auch am Holz und die Falle war zu.
Dann gab's wohl gebackene Mäuse!
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  #18  
Alt 13.09.2014, 16:38
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Elfie Elfie ist offline
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Standard AW: Hausarbeit damals und heute

Die gabs! Schmeckten herrlich, aber nur für Vegetarier - was eigentlich auch nicht stimmt, denn sie landeten im Schweineschmalz .
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  #19  
Alt 13.09.2014, 19:12
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Nicht dein Ernst? -Ulrike
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  #20  
Alt 13.09.2014, 19:34
harry harry ist offline
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Standard AW: Hausarbeit damals und heute

@Joa Das war jetzt hinterlistig.

@Ulrike: Gebackene Mäuse sind eine Süßspeise aus Hefeteig. Dieser wird mit einem Löffel abgestochen und in heißes Fett eingelegt. Serviert werden die goldbraun gebackenen, etwa faustgroßen Stücke mit Preiselbeerenkompott (Kronsbeeren).
__________________
Harry
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