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  #11  
Alt 22.09.2011, 01:31
Frank Frank ist offline
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Standard AW: Stillgelegte Salpeterfabrik in Innsbruck

Ich habe im Web dazu etwas gefunden, und zwar eine Postkarte von 1916, die als Motiv das Sillwerk zeigt.





Quelle: https://www.ansichtskarten-center.de...024#Ziel164583
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  #12  
Alt 22.09.2011, 11:45
manni manni ist offline
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Standard AW: Stillgelegte Salpeterfabrik in Innsbruck

Sehr interessant, danke Frank. Anscheinend war das Sillwerk als Ansichtskartenmotiv damals beliebt, es gibt auch eine AK aus dem Jahr 1900. E-Werke waren damals eine technische Errungenschaft, auf die mal stolz war und die man wohl auch touristisch verwerten konnte.

Hier auch noch ein Webfund, nämlich ein Lageplan des Fabrikgeländes:
http://www.bellutti-immobilien.at/do...L_Internet.pdf

Offenbar versucht eine Immobilienfirma seit mindestens 2005 erfolglos, das Gelände zu veräußern. Da größere LKW die Zufahrtsstraße nicht passieren können, ist es durch den Abbau der Anschlussbahn wohl so ziemlich unverkäuflich geworden - da sieht man wieder mal, was ein fehlender Bahnanschluss ausmachen kann!
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  #13  
Alt 22.09.2011, 20:48
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Standard AW: Stillgelegte Salpeterfabrik in Innsbruck

Die Postkarte ist ein wunderschönes Dokument, zeigt aber die "Sillwerke", das ist ein Innsbrucker Kraftwerk erbaut in den Jahren 1901 - 1903.

Von verschiedenen Autoren werden Sillwerke, Salpeter-Fabrik und Planseewerke Patsch gelegentlich durcheinander gebracht.

Die Sillwerke stehen zudem in der Gemeinde Schönberg im Stubaital, während die Salpeter-Fabrik und Planseewerke in der Gemeinde Patsch stehen, der Grenzfluss ist der Fluss "Sill".

Die Zuordnung der Wohnhäuser ist ohne Unterlagen schwierig, also welche Wohnhäuser zu welchem Werk gehört haben.

Für die Sillwerke liegt mir der ausführliche Bericht des Erbauers Ingenieur Josef Riehl vor, weiters der Bericht über die elektrischen Anlagen von Dr.-Ing. C. Arldt - beide Berichte aus dem Jahr 1906 sind sehr ausführlich, mit vielen Fotos und Plänen. Bei Interesse könnte ich diese zu einem späteren Zeitpunkt digitalisieren.

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #14  
Alt 22.09.2011, 21:07
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Standard AW: Stillgelegte Salpeterfabrik in Innsbruck

Weil aber gerade von Elektrizität der Sillwerke die Rede ist, hier ein Exkurs zum ersten Kraftwerk in Patsch:

Erstes Elektrizitätswerk in Patsch

Einem rührigen Mann ist es zu verdanken, dass zum Beginn des vorigen Jahrhunderts unser Dorf mit elektrischem Strom versorgt werden konnte.

Graf Franz von Thurn-Valsassina und Taxis (1867-1932) setzte viel daran, die Infrastruktur des Dorfes zu verbessern. Sein Interesse galt dem Fremdenverkehr. Er gründete den ersten Verschönerungsverein in Patsch und unternahm alles, um für Patsch zu werben. „Gästen solle auch ein gewisser Komfort angeboten werden und dazu gehöre auch das elektrische Licht", war seine Auffassung. Als Standort für ein Kraftwerk kam nur der Ruggschreinbach in Frage. Graf Franz stellte Kostenberechnungen an, ließ sich Voranschläge machen und beauftragte einen Innsbrucker Ingenieur, die technischen Belange zu berechnen. Schließlich konnte man von einer elektrischen Leistung von 20-25 KW ausgehen. Das sollte der Berechnung nach für 14 Lampen Straßenbeleuchtung, 200 Normallampen zu je 16 candela (das entspricht heute einer 60 Watt-Glühbirne) und 3-4 Elektromotoren reichen. In einer Freileitung aus Kupfer wurde der Strom, ohne vorher transformiert worden zu sein, ins Dorf geleitet und 54 Häuser angeschlossen. In den meisten Häusern gab es 2 Glühbirnen, eine für den Stall und eine für die Stube. Die Dorfbevölkerung kritisierte den damaligen Bürgermeister Johann Knoflach: „Zuerst vergräbt er das Geld (weil er die Wasserleitung verlegen ließ) und dann hängt er das Geld auch noch in die Luft (wegen der Freileitungen)."

Das Kraftwerk wurde am 29. 6. 1907 feierlich in Betrieb genommen und versah seinen Dienst bis 1926. Johann Kronbichler wurde gegen Entschädigung als Maschinist verpflichtet, das Werk Tag und Nacht in Gang zu halten.

Gerade in der Kriegs- und Notzeit des Ersten Weltkrieges war dieses kleine Elektrizitätswerk ein Segen für das Dorf. Die Investition von annähernd 30.000 Gulden hat sich bezahlt gemacht!

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Patscher Elektrizitätswerk in der Ruggschrein mit dem Maschinisten Johann Kronbichler im Jahre 1907.

1946 wurde im ehemaligen E-Werk in der Ruggschrein eine Leimsiederei untergebracht, deren Produktion wurde beim Bahnhof Patsch verladen. 1948 wurde der Betrieb eingestellt. Der Leimsieder Gottfried Schindler wollte auch auf frischem Rindfleisch Pilzkulturen zur Penicillin-Produktion einrichten, doch aus diesem Plan wurde nichts.

Quelle: Oswald Wörle, Gerhard Zimmer, Patsch. Geschichte, Beschreibung, Vision mit vielen Bildern und Anekdoten. Gemeinde Patsch 2009, S. 162 - 163.


Wolfgang (SAGEN.at)
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  #15  
Alt 22.09.2011, 21:24
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Standard AW: Stillgelegte Salpeterfabrik in Innsbruck

Noch ein weiterer Exkurs zur Wirtschaftsgeschichte in Patsch.
Der Artikel ist allerdings nicht sehr fachkundig, der Bergbau im Silltal war wesentlich größer und wirtschaftshistorisch wesentlich bedeutsamer als nachfolgend geschildert:

Patscher Bergbau

Auch für die Patscher war der Bergbau auf Eisen (Eisenspat und Roteisenstein) im Quarzphyllit des Viggar- und Arztales im 16. und 17. Jh. wirtschaftlich von Bedeutung. Söllhäuser der Knappen im Ort Patsch werden 1590 erwähnt, wohl im Zusammenhang mit Ambros Sauerweins überlieferten Eisenerzgruben im Arztal und Viggartal, die z. T. im Tagebau betrieben wurden.

Da die Haller Saline alles Holz aus den genannten Tälern beanspruchte, konnte das gebrochene Erz nicht im Wipptal, sondern erst in Ehrwald verhüttet werden. Die hohen Transportkosten brachten den Bergbau im Jahre 1695 zum Erliegen. Zwei Kapellen (die Fuchs-/Oberbichler- und die Kratzerkapelle) in Oberellbögen, die Knappenlöcher im Viggar- und Arztal und halbverfallene Stollen am Falggasanerbach erinnern noch an die Arbeit der Bergleute dort. Knappenhäuser gibt's noch im Mühltal mit Hausnamen wie Schmölzergütl, Radler, Godner und Badstübler.

Eine geologische Nachschau im Arztal gegen Ende der 50er Jahre ergab neben Eisen- auch geringe Mengen Kupfererz, kein Blei- und Zinkerz. Professionelle Probeboh-rungen Anfang der 70er Jahre stießen auf beachtliche Mengen der oben genannten Eisenerze in 60 m Tiefe.
Anmerkung: Der Patscher Flurname, „Eisenzarre" am oberen Ruggschreinbach am Bruggele des Föhrenweges und „Schmölzhütten" oberhalb des Grünwalderhofes deuten auf Eisenverarbeitung oder Gewinnung hin; sie sind geologisch/chemisch aber nicht untersucht. Ein seltsamer Beruf hat die Patscher mit der Sill verbunden. Am Falggasanerbach und unten an der Sill haben „cum privilegio" (Zustimmung) des Bergrichters zwei mutige Männer aus Patsch im Jahre 1561 Goldwäsche [wie im Wilden Westen - Anm. W.M.: blödsinniger und unpassender Vergleich!] versucht. Erzählungen sprechen auch vom bergmännischen Goldabbau. 1561 beschwerte sich der Ellbögener Lienhard Hueber beim Bergrichter. Seine Frage lautete, warum „Ausländer" ihn am Waschen/Gewinnen von Seifengold aus dem Sand der Sill hindern dürfen. Der Richter antwortete, dieses Privileg hätte er schon an zwei Patscher vergeben. Basta!

Quelle: Oswald Wörle, Gerhard Zimmer, Patsch. Geschichte, Beschreibung, Vision mit vielen Bildern und Anekdoten. Gemeinde Patsch 2009, S. 165.

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #16  
Alt 22.09.2011, 21:53
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Standard AW: Stillgelegte Salpeterfabrik in Innsbruck

Und nun eine ausführliche volkskundliche Dokumentation zu den Werken:

Das Salpetersäurewerk in Patsch

An der Sill, eine dreiviertel Gehstunde unterhalb von Patsch und direkt unter der Europabrücke, befinden sich zwei industrielle Anlagen: Am linken Sillufer - auf Schönberger Gemeindegebiet - wurde in den Jahren 1901-03 von der Stadt Innsbruck das Elektrizitätswerk „Obere Sill“ gebaut. Es war damals das größte Wasserkraftwerk in der Monarchie.

Genau gegenüber auf Patscher Gemeindegrund wurde im Jahre 1905 eine Salpetersäurefabrik von der „Luftverwertungs AG“ errichtet. Sie stand unter der Leitung der Brüder H. und G. Pauling, die auch die Erfinder des im Sillwerk angewandten Verfahrens der Salpetersäureherstellung waren. In dieser Fabriksanlage wurde in Öfen Luft mit hoher Geschwindigkeit durch einen Lichtbogen geblasen. Die entstehenden heißen Stickoxydgase wurden in einem weiteren Verfahren zu Natriumnitrit und Salpetersäure verarbeitet. Die dafür benötigte Energie war mehr als reichlich vorhanden, da das E-Werk viel überschüssigen Strom produzierte.

In den Jahren von 1908 bis 1928 beschäftigte das Salpetersäurewerk 120 bis 150 Arbeiter, die vorwiegend von auswärts kamen und in Arbeiterwohnhäusern am Talgrund neben der Sill Unterkunft fanden. Patsch hatte um 1912 ca. 500 Einwohner. Leute aus dem Dorf bekamen auch hier Arbeit. Ein Wählerverzeichnis von 1912 gibt sehr genau Auskunft über die in Patsch gemeldeten Personen und deren Berufsbezeichnungen. Sie lassen sich von ihrer Wohnadresse her gut dem Salpetersäurewerk zuordnen. Zum Beispiel wohnte Dr. Wilhelm Millner, ein junger Chemiker, mit seiner Frau im „Sillwerk“. Andere Funktionen im Salpeterwerk waren: Stationsmeister, Werkmeister, Säuremeister, Säurearbeiter, Magazineur, Werkmeister, Schlosser, Schmied, Gießermeister, Former, Jurist, Elektriker, Maschinist, Monteur, Portier, Nachtwächter, Fabriksarbeiter und Hilfsarbeiter.

Das Produkt, die flüssige Salpetersäure, ein echtes Gefahrengut, wurde in großen Steingutbehältern (Tourilles) mit einem Fassungsvermögen von je 1.500 l gefüllt und so transportfähig gemacht. Diese Behälter wurden von der „Deutschen Steinzeugwarenfabrik für Canalisation & Chemische Industrie“ in Friedrichsfeld/Baden erzeugt. Vom Sillwerk aus führte ein Bahngleis zum 30 m höher gelegenen Verladegleis der Brennerbahn. Diese Anschlussstelle war nördlich des „Patscher Tunnels“.

Die Innsbrucker Nachrichten berichteten ausführlich von einem Brand in der Patscher Salpetersäurefabrik am 22. November 1909. Die konzentrierte Säure setzt ihre Umgebung in Brand, wenn sie ausfließt. Das war wohl passiert.
Technische Daten:
Es wurden 24 Öfen mit einer Gesamtleistung von 15.000 PS installiert. Das entspricht heute einer Leistung von 11,4 MW. (Anmerkung: Das Sillwerk hatte damals wie heute eine Leistung von rund 17 MW). Ein Ofen wurde mit 400 Kilowatt bei einer Ofenspannung von 4.000 Volt betrieben. (Ein Vergleich: Damit könnten 160 Ölradiatoren à 2,5 KW betrieben werden). Die Gase im Ofen erreichten eine Temperatur von 700-800 Grad Celsius. Die Ausbeute betrug 60 g HN03 pro Kilowattstunde. Das entsprach einer Produktionsmenge von 2,4 kg HN03 pro Ofen und Stunde. Salpetersäure ist einer der wichtigsten Grundstoffe der Chemie mit vielfältigen Anwendungen.
Die geschäftliche Entwicklung in den Krisenjahren 1923/24, der steigende Strompreis und die zunehmenden Importe setzten der Firma arg zu. Sie musste Konkurs anmelden und 1928 die Produktion für immer einstellen. 1929 wurde die Salpetersäurefabrik vom Planseewerk Reutte käuflich erworben und für ihre Zwecke umgebaut.

Die Österreichische Chemikerzeitung vom 1. 6. 1909 schreibt in einem Artikel über das Salpeterwerk in Patsch abschließend: ,,[...] ich war voll Bewunderung über die außerordentliche Arbeit, die dort unter der Leitung der Herren Pauling in den letzten Jahren geleistet worden ist. Galt es doch eine Reihe ganz neuer Aufgaben, darunter nicht zum mindesten solche elektrotechnischer Natur, zu lösen und betriebsfähig zu gestalten. Dass dies auf österreichischem Boden gelang, gereicht unserer elektrochemischen Industrie zur Ehre."

Das Salpetersäurewerk im Sillwerk in Patsch war damals ohne Zweifel ein „High-tech"- Betrieb!


Planseewerk Reutte in Patsch

Aus Erzählungen von ehemaligen Angestellten im Sillwerk: Ludwig Knoflach, Johann Braunegger, Alfons Knoflach.

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Fabriksanlagen des Metallwerks Plansee im Sillwerk vor 1987.
Foto Plansee Reutte.


Die Geschichte des Planseewerkes in Reutte ist mit Patsch eng verknüpft. Es wurde 1921 von Dipl.-Ing. Dr. Paul Schwarzkopf als völlig neuartiges Unternehmen mit 20 Arbeitern in Reutte gegründet, das pulvermetallurgische Produkte entwickelte und herstellte. 1929 kaufte Schwarzkopf das in Konkurs gegangene Salpetersäurewerk im Patscher „Sillwerk“ und baute es für seine Zwecke von Grund auf um. Mittelpunkt war die große Werkshalle. Anreiz für die Wahl des Standortes war sicher das Angebot des günstigen Strombezuges vom gegenüberliegenden
E-Werk. Die Anlagen im „Planseewerk Sillwerk“ wie auch in Reutte dienten anfangs zu Versuchszwecken in der Pulvermetallurgie und zur Herstellung von Wolfram- und Molybdändrähten und von verschiedenen Legierungen. Von 1936 bis 1945 ging Plansee - und damit auch das Sillwerk - in den Besitz der Deutschen Edelstahlwerke AG über. Nach dem Krieg verwaltete das Land Tirol „Plansee“, bis Paul Schwarzkopf 1952 wieder alleiniger Besitzer wurde. Mit der Magnetproduktion in Zusammenarbeit mit den Böhlerwerken in Laa a. d. Thaya begann ein großer Aufschwung. Magnetstahl wurde zu verschiedensten Formen verarbeitet. Ebenso erfolgte die Herstellung von Hartmetallkugeln aus Tizit. In den folgenden Jahren stockte die Firma die Belegschaft im Sillwerk auf ca. 70 Arbeiter und Angestellte auf, sehr viele Männer und Frauen aus unserem Dorf fanden eine Anstellung. An die Arbeitsvorgänge in der großen Halle erinnert sich Alfons Knoflach noch ganz genau: „Das Rohmaterial (Wolframit, Molybdänoxyd) wurde in Reduktionsöfen bei 800-1.100° C mit Hilfe von Wasserstoff zu reinem Wolfram/Molybdän in Pulverform verarbeitet. Anschließend stellte man aus dem Pulver 4 Legierungen her und vermischte sie in einer Kugelmühle. Das Pulver wurde in eine Form gepresst, kam in Sinteröfen, um im Vakuum gebacken zu werden. Nach einer mechanischen Bearbeitung - im Sillwerk stand auch ein großer Hammer - kam das Produkt (Magnete) in die Härteöfen. Ich selbst musste abschließend die Magnete auf ihre Qualität prüfen."

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Sinteröfen in der Werkshalle des Planseewerkes 1954.
Foto unbekannt.


In einem Nebengebäude war die Tischlerei, die Verpackungskisten herstellte. Zweimal in der Woche brachte ein LKW aus Reutte das Rohmaterial und holte die fertigen Produkte ab. Oftmals kamen auch Ingenieure aus Reutte ins Sillwerk, um Forschungen mit dem Lichtbogenschmelzen im Vakuum anzustellen. Sie mussten diese Arbeit in der Nacht machen, weil zusätzlicher Strom, umgeformt in Gleichstrom, im Sillwerk leichter verfügbar war als bei Tage. Dabei wurden auch Titan, Tantal und Zirkon hergestellt.

Doch dann kamen „dunkle Wolken“ über das Sillwerk. Johann Braunegger erzählt: „1958 kamen Wirtschaftsfachleute aus Japan ins Sillwerk, schauten sich alles an und machten Fotos. Wir ahnten Schlimmes, denn die gesamte Magnetproduktion sollte nach Japan verkauft werden. Tatsächlich wurden in der Folge verschiedene Anlagen und Öfen demontiert und die ersten Arbeiter ‚abgebaut‘. Doch Plansee investierte auch wieder: Die Gasanlage wurde automatisiert und neue Öfen installiert. Spikes für Autoreifen waren das neue Produkt. Wir fassten wieder Hoffnung. Bis zur Pension wird es jetzt reichen, dachten wir.“ Aber bald darauf kam das endgültige Aus für Plansee Sillwerk. Mit dem Ende des Jahres 1975 war die Einstellung des Betriebes Sillwerk Realität. Die Arbeiterschaft wurde vor die Wahl gestellt, sich entweder abfertigen zu lassen oder nach Reutte zu kommen. Nur zwei Angestellte aus Patsch machten von einer kurzfristigen Übersiedlung nach Reutte Gebrauch. Ein „Lebenstraum“ war geplatzt! Es gab viele Tränen!

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Belegschaft des Planseewerkes im Jahr 1954.
Foto unbekannt.

Bis heute in Erinnerung geblieben ist die soziale Einstellung von Dr. Schwarzkopf zur Belegschaft: Ein Alpenrundflug 1954 mit einer Schweizer Maschine mit „Ehrenrunde“ über Patsch und Betriebsausflüge wurden von der Firma organisiert, zu Weihnachten gab es eine blaue Arbeitsmontur. Unvergesslich sind vor allem die legendären Kinderjausen für die Familien der Angestellten.

Quelle: Oswald Wörle, Gerhard Zimmer, Patsch. Geschichte, Beschreibung, Vision mit vielen Bildern und Anekdoten. Gemeinde Patsch 2009, S. 156 - 161.

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #17  
Alt 27.09.2011, 11:36
manni manni ist offline
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Standard AW: Stillgelegte Salpeterfabrik in Innsbruck

Danke für deine ausführlichen Recherchen, Wolfgang! Ich gehe demnächst noch näher darauf ein.

Wie angekündigt, waren wir am Sonntag erneut dort; leider war die Erkundung aber nicht sehr erfolgreich. Schon nach ein paar Minuten kam ein Wachdienst-Mensch und vertrieb uns vom Gelände - vor dem Brand hat's niemanden interessiert, was dort passiert, aber seit dem Brand scheint es permanente Überwachung zu geben. Das Tor der Hauptzufahrt war auch verschlossen und beim von uns genutzten "Schlupfloch" war ein neues "Zutritt verboten"-Schild angebracht.
Aus diesem Grund gibt's leider weder Bilder aus der "unteren Halle", noch von den Anschlussbahn-Relikten. Dafür werde ich mich aber beizeiten von der anderen Seite noch mal anschleichen.
Von irgendwelchen Abrissarbeiten war glücklicherweise nichts zu bemerken!

Die paar Minuten haben wenigstens ausgereicht für ein Bild aus der ausgebrannten zentralen Werkhalle:
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  #18  
Alt 31.10.2011, 01:58
manni manni ist offline
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Standard Exkurs: Trasse der ehemaligen Standseilbahn

Am 31. Oktober 2011 habe ich mir in Begleitung von zwei weiteren Interessierten endlich die Erkundung der Trasse der ehemaligen Standseilbahn vorgenommen. Als kleiner Exkurs hier der Bildbericht.

Gleich vorweg: der Zahn der Zeit hat hier schon sehr gnadenlos genagt. Wer auf "richtige" Bahnrelikte hofft, wird hier enttäuscht - von der eigentlichen Bahntrasse (Schwellen, Schienen, Seilrollen) sind keinerlei Spuren mehr zu sehen. Selbst die Trasse ist weitgehend schon den Elementen zum Opfer gefallen; da sie sich durchwegs in sehr steilem Gelände befindet, ist so gut wie alles irgendwann einmal abgebrochen. Diese Dokumentation kann nur noch ein paar allerletzte Relikte und den Trassenverlauf zeigen.

Sollte jemand vorhaben, sich das mal selbst anzusehen, sind feste Schuhe mit gutem Profil und trockenes Gelände unbedingte Voraussetzungen. Wenn's dort nass ist, liegt man wohl sehr schnell mal hundert Meter weiter unten.

Ich durfte von der Standseilbahn inzwischen auch schon zwei historische Aufnahmen sehen, die sich im Besitz des Bahnhistorikers Werner Schröter befinden.

Von ebendiesem stammt auch die untenstehende Skizze. In rot eingezeichnet der ungefähre Verlauf der Standseilbahn, in schwarz die damalige Gleisanlage der Brennerbahn. Man beachte den zweigleisigen Verladebahnhof. Dort wurden die Vollbahnwagen auf die Standseilbahn verladen.
Norden ist oben:



In diesem Bereich muss die Talstation gewesen sein, und von hier soll ein Normalspurgleis weiter aufs Werksgelände geführt haben. Wir blicken nach Norden, links im Bild die "untere Halle", auf dem Übersichtsbild das am weitesten nördlich stehende Gebäude:



Hier stehen wir schon auf der ehemaligen Trasse - auch wenn man diese so gut wie gar nicht mehr erkennt. Wir blicken zurück nach unten:



Etwas weiter oben das erste wirklichr Relikt: eine Stützmauer oberhalb der Trasse_



Zurück geschaut, ist sie links im Bild. Leider musste ich wegen der schlechten Lichtverhältnisse die Blende ganz aufmachen:



Und auch eine vermutlich sehr alte Schiene - auf einer anderen lasen wir die Jahreszahl 1874 ab - steckt hier zur Hangsicherung im Boden. Das kommt entlang der Trasse immer wieder vor:



Nach dem Queren einer breiten Lichtung, auf der die Trasse wohl irgendwann mal einem Erdrutsch zum Opfer gefallen ist, findet sich wieder ein Stück Stützmauer oberhalb:



Der Blick zurück zeigt keine sichtbaren Spuren (Stützmauer wieder links im Bild):



Diese Kabelkanalabdeckung dürfte irgendwann einmal von der oberhalb liegenden Brennerbahn heruntergekullert sein:



Weiter geht es durch sehr, sehr unwegsames Gelände - Trasse abgebrochen, links runterschauen absolut nicht empfehlenswert:



Nach dieser schwierigen Stelle werden wir mit einem Trassenstück belohnt, das fast "komplett" ist. Untere Stützmauer:



Obere Stützmauer:



Und ein Stück weiter oben noch ein großes Stück obere Stützmauer:



Hier lässt sich, zurückgeschaut, die Trasse ganz gut erahnen (untere Stützmauer im rechten Bilddrittel zwischen den Bäumen):



Und etwas weiter oben wieder ein großes Stück obere Stützmauer:



Hangsicherung:



Hier sind wir schon kurz vor der Plattform des ehemaligen Verladebahnhofes:



Blick zurück:



Im Bildhintergrund geradeaus muss die Standseilbahn von unten her die Plattform erreicht haben. Wir stehen am Gelände ehemaligen Verladebahnhofs und schauen gegen Süden. Das Gelände wurde aufgeschüttet, wahrscheinlich beim Ausbau der Brennerbahn, es ist nicht mehr plan. Dieses Pflanzenzeugs dort ist mindestens einen Meter hoch und hat meine dunkelblaue Jacke fast weiß gefärbt:



Von der anderen Seiten, gegen Norden, ist an der Stützmauer der Brennerbahn deutlich die Verschwenkung für die Plattform zu erkennen. Hier zweigte das Bahnhofsgleis von Süden her ab, in Bildmitte das ehemalige Bahnhofsgelände:



Um nach all dem Dokumentarischen auch noch was Ästhetisches von dieser Tour zu zeigen, ist, hier noch ein Blick auf die andere Seite des Tunnels, der südseitig kurz vor der Plattform endet:



Das war's erstmal von der ehemaligen Standseilbahn zum Werksgelände der "Luftverwertungs AG".
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  #19  
Alt 02.11.2011, 14:52
manni manni ist offline
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Standard AW: Stillgelegte Salpeterfabrik in Innsbruck

Zwei historische Fotos, auf denen die Anlagen des Schrägaufzugs zu erkennen sind, befinden sich jetzt hier in meinem Forum: http://forum.strassenbahn.tk/viewtop...?p=79164#79164

Da das Bildmaterial ziemlich exklusiv ist und der Besitzer damit eventuell keine Freude hätte, möchte ich es nicht direkt hierher hotlinken.
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  #20  
Alt 09.11.2011, 03:41
Verkehrsarchiv Verkehrsarchiv ist offline
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Beiträge: 60
Standard AW: Stillgelegte Salpeterfabrik in Innsbruck

Ein sehr interessanter Bericht! Danke an die Vorposter! Als Ergänzung erlaube ich mir ein Foto der Werksanlagen zu posten, wo man die Trasse der Standseilbahn im unteren Bereich erkennen kann. Hoffe das Foto ist hilfreich... War schon eine beeindruckende Anlage...

LG aus dem Verkehrsarchiv
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PatschWerk1.jpg  
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