SAGEN.at  FORUM  

Zurück   SAGEN.at FORUM > Off Topic und Tratsch

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
  #11  
Alt 11.02.2010, 18:34
Benutzerbild von Dresdner
Dresdner Dresdner ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 05.10.2008
Ort: Dresden
Beiträge: 2.275
Standard AW: Lieblingsgedichte

@ Ulrike:
Die Melodie wurde von Hanns Eisler zum Lied geschrieben.
Entstanden ist es in der Wiederaufbauzeit 1949/50. Wie auch Bechers Text in der nachmehr offiziellen DDR-Nationalhymne "Auferstanden aus Ruinen", ging es von einem einheitlichen deutschen Vaterland aus. Es war die Zeit der Volkskongressbewegung für ein einheitliches, demokratisches Deutschland. Der weitere Verlauf der Geschichte ist bekannt.

Eine interessante Dokumentation (nicht nur) zu den Liedern der Deutschen findet sich auf einer Internetseite der Uni Köln unter http://www.uni-koeln.de/ew-fak/Mus_v...r_Deutschen%93.

Dresdner
__________________
www.bergbahngeschichte.de
Mit Zitat antworten
  #12  
Alt 15.02.2010, 14:13
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.09.2005
Beiträge: 2.511
Standard AW: Lieblingsgedichte

Danke für den Hinweis (univ-Köln)!!!
Ebenso wie Lieder waren ja auch gewisse Witze gefährlich.
Es freut mich-wie im Fernsehen verfolgt-daß Dresden "Flagge gegen rechts"
gezeigt hat. - Das Lied von den wilden Schwänen singen die älteren Frauen
aus meinem kirchlichen Kreis noch manchmal, wenn wir alte" Volkslieder"
erinnern. Die meisten sind Flüchtlinge, Vertriebene u.a. aus dem Osten.
Viele Grüße von Ulrike!
Mit Zitat antworten
  #13  
Alt 16.03.2010, 16:07
alterego alterego ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 04.08.2007
Beiträge: 579
Standard AW: Lieblingsgedichte

Hin und wieder brauche es auch bei einem ganz großen viele Worte um sich die Liebe zu seiner Mutter einzugestehen.


Stiller Besuch

Jüngst war seine Mutter zu Besuch.
Doch sie konnte nur zwei Tage bleiben.
Und sie müsse Ansichtskarten schreiben.
Und er las in einem dicken Buch.

Freilich war er nicht sehr aufmerksam.
Er betrachtete die Autobusse
und die goldnen Pavillons am Flusse
und den Dampfer, der vorüberschwamm.

Seine Mutter hielt den Kopf gesenkt.
Und sie schrieb gerade an den Vater:
"Heute abend gehen wir ins Theater
Erich kriegte zwei Billets geschenkt."

Und er tat, als ob er fleißig las.
Doch er sah die Nähe und die Ferne,
sah den Himmel und zehntausend Sterne
und die alte Frau, die drunter saß.

Einsam saß sie neben ihrem Sohn.
Leise lächelnd. Ohne es zu wissen.
Stadt und Sterne wirkten wie Kulissen.
Und der Wirtshausstuhl war wie ein Thron.

Ihn ergriff das Bild. Er blickte fort.
Wenn sie mir schreibt, mußte er noch denken,
wird sie ihren Kopf genau so senken.
Und dann las er. Und verstand kein Wort.

Seine Mutter saß am Tisch und schrieb.
Ernsthaft rückte sie an ihrer Brille,
und die Feder kratzte in der Stille.
Und er dachte: Gott, hab ich sie lieb!

Nur eines der vielen wunderbaren Gedichte des "Gebrauchslyrikers" Erich Kästner.
Mit Zitat antworten
  #14  
Alt 16.03.2010, 17:22
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.09.2005
Beiträge: 2.511
Standard AW: Lieblingsgedichte

Wunderbar! - Hier noch eine Anmerkung: Erich Kästner, 1899-1974, erhielt
Schreibverbot im sog. "Dritten Reich". Er publizierte weiter im Ausland. - Bekannt
seine humoristischen Jugendbücher, die bis heute beliebt sind (Doppelte Lottchen u.a.) . Sein besonderes Verhältnis zur Mutter auch : Meine Mutter und
ihr Doppelberuf, Die Heimkehr des verlorenen Sohnes u.a. - Zahlreiche
Verfilmungen u. Theateraufführungen. - Ich las und lese Kästner gerne!
Er sprach/spricht Kinder und Erwachsene an. - Viele Grüße von Ulrike
Mit Zitat antworten
  #15  
Alt 19.03.2010, 10:25
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.09.2005
Beiträge: 2.511
Standard AW: Lieblingsgedichte

Da Frühlingsanfang vor der Tür steht:

Frühling läßt sein blaues Band
wieder flattern durch die Lüfte,
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
-Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist s!
Dich hab ich vernommen!

"Er ist s" von Eduard Mörike

Mit frühlingshaften Grüßen von Ulrike
Mit Zitat antworten
  #16  
Alt 19.03.2010, 10:39
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.09.2005
Beiträge: 2.511
Standard AW: Lieblingsgedichte

Hier weitere Frühlingsgedichte, nachzulesen in Lyriksammlungen.
Ich kann nicht alle Texte hier aufschreiben:

Märzwind von Friedr. Bischoff

Der Frühling (Am ersten Maimorgen) von Matth. Claudius

Die Amseln haben Sonne getrunken von Max Dauthendey

Frühlingsnacht von Joseph Freiherr v. Eichendorff

Gartenfrühlinge von Stefan George

Frühling von Joh. Christian Günther

Frühling von Hermann Hesse

Vorfrühling von Hugo v. Hofmannsthal

An den Frühling von Friedr. Hölderlin

Im Frühling von Eduard Mörike

Hyazinthen von Theodor Storm
April von Theodor Storm

Frühlingsahnung
Frühlingsglaube
Lob des Frühlings von Ludwig Uhland

Wie schön blüht uns der Maien (Volkslied)

Blühender Kirschbaum von Christian Wagner

Primel von Josef Weinheber (habe ich hier-glaube ich-schon eingestellt)

weitere wären schön!

Viele Grüße von Ulrike
Mit Zitat antworten
  #17  
Alt 23.03.2010, 15:00
alterego alterego ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 04.08.2007
Beiträge: 579
Standard AW: Lieblingsgedichte

Auch zum Frühling hat Kästner etwas anzumerken:

Frühling auf Vorschuß

Im Grünen ist´s noch gar nicht grün.
Das Gras steht ungekämmt im Wald,
als sei es tausend Jahre alt.
Hier also, denkt man, sollen bald
die Glockenblumen blüh´n?

Die Blätter sind im Dienst ergraut
und rascheln dort und rascheln hier,
als raschle Butterbrotpapier.
Der Wind spielt über´m Wald Klavier,
mal leise und mal laut.

Doch wer das Leben kennt, der kennt´s.
Und sicher wird´s in diesem Jahr
so, wie´s in andern Jahren war.
Im Walde sitzt ein Ehepaar
und wartet auf den Lenz.

Man soll die beiden drum nicht schelten,
sie lieben die Natur
und sitzen gern in Wald und Flur.
Man kann´s ganz gut verstehen, nur:
Sie werden sich erkälten!
Mit Zitat antworten
  #18  
Alt 23.03.2010, 15:36
alterego alterego ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 04.08.2007
Beiträge: 579
Standard AW: Lieblingsgedichte

Jetzt aber zu einem meiner aboluten Lieblinge:

Eugen Roth

Keiner versteht es so wie er die Abgründe der menschlichen Seele
mit kurzen Reimen zu persiflieren.

Ein paar Beispiele:

Mitmenschen

Ein Mensch schaut in der Straßenbahn
der Reihe nach die Leute an:
Jäh ist er zum Verzicht bereit
auf jede Art Unsterblichkeit.


Das Schitzel

Ein Mensch, der sich ein Schnitzel briet,
Bemerkte, daß ihm dies mißriet.
Doch, da er es sich selbst gebraten,
Tut er, als sei es ihm geraten,
Und, um sich nicht zu strafen Lügen,
Ißt er's mit herzlichem Vergnügen!


Der Lichtblick

Ein Mensch erblickt das Licht der Welt -
Doch oft hat sich herausgestellt
Nach manchem trüb verbrachten Jahr
Dass dies der einzige Lichtblick war


Ein Ausweg

Ein Mensch, der spürt, wenn auch verschwommen,
Er müßte sich, genau genommen,
Im Grunde seines Herzens schämen
Zieht vor, es nicht genau zu nehmen
Mit Zitat antworten
  #19  
Alt 23.03.2010, 16:40
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.09.2005
Beiträge: 2.511
Standard AW: Lieblingsgedichte

Eugen Roth: Immer wieder "köstlich"! -

Lebenszweck

Ein Mensch, der schon als kleiner Christ
Weiß, wozu er geschaffen ist:
"Um Gott zu dienen hier auf Erden
Und ewig selig einst zu werden!"-
Vergißt nach manchem lieben Jahr
Dies Ziel, das doch so einfach war,
Das heißt, das einfach nur geschienen:
Denn es ist schwierig, Gott zu dienen.

Ich besitze ein älteres kleines Büchlein seiner heiteren Verse, welches ich immer wieder gerne zur Hand nehme! (Hanser Verl. 1960)
Mit Zitat antworten
  #20  
Alt 23.03.2010, 22:23
Benutzerbild von Elfie
Elfie Elfie ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 15.06.2009
Beiträge: 23.792
Standard AW: Lieblingsgedichte

Ich lese dieses Thema von Anfang an mit großer Begeisterung, weil ich immer wieder an fast Vergessenes erinnert werde. Selber möchte ich Erich Fried einen Platz geben, weil ich glaube, dass dieses Gedicht nicht nur ein wunderschönes Liebesgedicht ist, sondern eine Hymne an die Toleranz schlechthin.

Dich

Dich
dich sein lassen
ganz dich

Sehen
daß du nur du bist
wenn du alles bist
was du bist
das Zarte
und das Wilde
das was sich losreißen
und das was sich anschmiegen will

Wer nur die Hälfte liebt
der liebt dich nicht halb
sondern gar nicht
der will dich zurechtschneiden
amputieren
verstümmeln

Dich dich sein lassen
ob das schwer oder leicht ist?
Es kommt nicht darauf an mit wieviel
Vorbedacht und Verstand
sondern mit wieviel Liebe und mit wieviel
offener Sehnsucht nach allem
was du ist

Nach der Wärme
und nach der Kälte
nach der Güte
und nach dem Starrsinn
nach deinem Willen
und Unwillen
nach jeder deiner Gebärden
nach deiner Ungebärdigkeit
Unstetigkeit
Stetigkeit

Dann
ist dieses
dich dich sein lassen
vielleicht
gar nicht so schwer

Erich Fried
Mit Zitat antworten
Antwort

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist An.
Smileys sind An.
[IMG] Code ist An.
HTML-Code ist Aus.

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 13:12 Uhr.


©2000 - 2017 www.SAGEN.at