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  #21  
Alt 19.09.2008, 20:39
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Untergegangene Berufe

In meiner Heimatstadt lebten 1719 : 900 Einwohner, davon Handwerker
in folgenden Berufen
1. stärkste Gruppe waren die Weber: 40 Leineweber, 28 Wollenweber
(man sagte auch Wandmacher
oder mundartl. Wüllner-Wollstoff wurde bis ins 16. Jht. nicht Tuch
sondern Wand, Gewand oder Laken genannt)
2 Strumpfweber
2. 30 Schuhmacher. Ohne Meisterstück sagte man wohl Schuster, ein
Flickschuster hatte das geringste Ansehen (wahrscheinlich reparierte
er nur u. fertigte keine neuen Schuhe an)
3. 14 Schreiner, evtl. gehörten Holzschuhmacher dieser Zunft an, denn bei
den Schuhmachern werden sie nicht erwähnt
4. 25 Bäcker
5. 8 Krämer
6. 8 Schlächter
7. 21 Schneider
8. 2 Glaser
1620/21 hatte die Stadt übrigens die Hälfte Bürger durch die Pest
verloren!
- Unter dem "Alten Fritz" (Preuß. König) gab es eine Zwangsmühle, dort
mußten die Leute ihr Getreide mahlen lassen, also gab es auch den Beruf
des Müllers (darüber gibt es die heimische Sage: Spuk in der Mühle)-
Viele Grüße von Ulrike!
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  #22  
Alt 29.11.2008, 20:37
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Standard AW: Untergegangene Berufe

Wer hat vom Beruf des "fahrenden Glockengießers" gehört?

Josef Tremmel, Ein Glockenguß in Zell am Ziller 1631, in: Tiroler Heimatblätter, Heft 7/8, 1950, S. 102 -104:

"[...] ein Glockenguß am Ort seiner Bestimmung selber ist eigentlich keine gar so große Seltenheit. Die Schwierigkeit, große Glocken per Fuhrwerk oder Floß an sein Ziel zu bringen, wegen allzu weiter Entfernung des Bestimmungsortes, schlechter Wege dorthin, in unserm Falle auch die häufigen Ausbrüche des Zillers über sein Ufer, sowie auch der Freude darüber, dem Glockenguß beiwohnen zu können, waren Gründe dafür.

Man sprach früher von Gießern auf Wanderschaft, „fahrenden" Gießern. Diese verließen am Aschermittwoch ihre Heimat und kehrten erst auf Allerheiligen in die Heimat zurück. Wie die „fahrenden Sänger" und Vaganten des Mittelalters in den Burgen und adeligen Sitzen mit Vorliebe vorsprachen, so hatten die „fahrenden" Glockengießer Klöster und Stifte, Städte und größere Ortschaften zum Ziel ihres Besuches, um zu Arbeit zu gelangen. Berühmte Persönlichkeiten unter ihnen waren längst im vornherein bestellt und verpflichtet worden. Wenn dann zu Allerheiligen, wo manchmal schon gar kühle Winde wehen, die Heimkehr erfolgt war, wurde zur Winterszeit in der eigenen Gießstätte am Gusse großer prunkvoller Leuchter, am Guß eherner Taufbecken, Altarleuchten, Statuen und weltlichen Gebrauchsgegenständen gearbeitet, um am nächsten Aschermittwoch die Wanderfahrt neuerdings aufzunehmen.

Die alten Glockengießer gingen da gewissermaßen "auf die Stöhr", wie heute noch manchmal bei den Bauern der Schneider, Schuster, die Nahterin und andere Professionisten eine Zeitlang beim Bauern gewissermaßen ihr Zelt aufgeschlagen haben, nur mit dem Unterschied,, daß der Bauer es ist, der sie bittet, zu ihm ins Haus zu kommen,, indessen die alten Glockengießer sich selber mit ihren Diensten anboten.

In der nächsten Nähe der Kirche, oft im Friedhof, wurde die Gußstätte errichtet, in Städten auch manches Mal außerhalb der Stadtmauern.

War der Gießer bereits eine Berühmtheit und schon im vorherein bestellt worden, dann hatte man auch das nötige Material an Kupfer und Zinn bereits herbeigeschafft gehabt.

Oft wollten die Leute, vor allem die Glockenpatinnen noch eigens persönliche Opfer an Gold und Silber der Glockenspeise einverleiben, dann konnten sie ihre Gaben zum Guße — es herrschte ja sehr lange und bei manchen Leuten auch heute noch der Glaube, daß das Beifügen von Silber der Glocke einen extra schönen Ton verleihe — in ein Loch im Gußofen hineinwerfen, welches Loch aber nicht zur glühenden, brodelnden Gußmasse führte, sondern glatt ins Feuer darunter ging. Dort konnten es der Gießer mit seinen Helfern als nettes Trinkgeld aus der Asche heraus holen.

Über Durchmesser, Größe, Gewicht und Ton der Glocke hatte Dekan Stephan nichts in seinen Aufschreibungen hinterlassen. Heute würde uns das alles höchst interessieren. Wir können nach zwei Weltkriegen nicht einmal annehmen, daß von genannter Glocke noch etwas zu sehen oder zu finden wäre.

Ich bin überzeugt, daß auch manchen archivarischen Berichten, sowie aus Chroniken u. dgl. noch manchmal der positive Beweis gebracht werden könnte, daß am eigenen Heimatsort da oder dort eine Glocke in alter Zeit gegossen worden war."

Soweit Josef Tremmel 1950. Eigentlich eine sehr naheliegende Theorie, auch wenn ihm leider Beweise fehlen. Wer kennt dazu Hinweise?

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #23  
Alt 01.12.2008, 16:48
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Dresdner Dresdner ist offline
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Standard AW: Untergegangene Berufe

Wir sprechen hier immer von sehr alten Berufen, die untergegangen sind.
Aber auch mit der politischen Wende in Deutschland sind viele Berufsbilder verschwunden.
Einige wenige Beispiele dazu:
* Pionierleiterin - Fachschulabschluss
* Kulturwissenschaftler - Fachschulabschluss
* Diplomkulturwissenschaftler - Universitätsabschluss
* Ingenieurökonome verschiedener Fachrichtungen - Fachschulabschluss
* Diplomlehrer für das MLG - Universitätsausbildung in Leipzig in vier Studienrichtungen
* Diplomstaatswissenschaftler - Abschluß an Weiterbildungseinrichtungen der Parteien
* Diplomgesellschaftswissenschaftler - Abschluß an Weiterbildungseinrichtungen der Parteien
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  #24  
Alt 01.12.2008, 19:06
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Untergegangene Berufe

Bei uns gab es einen Glockenplatz, im Jahre 1660 aber erst der erste schriftl.
Beleg: Anthonius Paris aus Lotharingen, ein Klockengießer, so sich im Jahre
1660 allhie niedergeschlagen ...
Im Jahre 1906 schrieb ein Pfarrer über die Glocken unserer Heimat: "Altena:
Brandglocke, 15. Dez. 1660 zu Schwerte durch den aus Lothringen stammenden
Anth. Paris gegossen (dieser verstarb in Schwerte 1669)
1652 hat der gleiche Glockengießer eine Glocke für die Kirche in Deilinghofen
und 1662 eine für Hattingen gegossen.
Man nimmt an, daß der auswärtige A. Paris gerufen wurde, um in der
bereits vor Ort (Schwerte/Ruhr/Westfalen) bestehenden Gießerei zu arbeiten.
Eine zerborstene große Kirchenglocke (St.Viktor) wurde von einem in Soest
ansässigen Glockengießer namens Stühl vor Ort umgegossen. Er arbeitete
in Schwerte daran vom 19. Aug. bis St. Andreas (30. Nov.). 1732?
Insgesamt sind die Nachrichten spärlich. Meine Infos stammen aus einem
kleinen Heft unseres Heimatmuseums von 1942.
Viele Grüße von Ulrike
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  #25  
Alt 01.12.2008, 20:33
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Dresdner Dresdner ist offline
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Standard AW: Untergegangene Berufe

Aus Wietzendorf in der Lüneburger Heide wird berichtet:
Zitat:
Ferner zählt die St.-Jacobi-Kirche zu Wietzendorf zu den Sehenswürdigkeiten
der Gemeinde. Sie wurde 1876 im neugotischen Stil errichtet.
Den aus Holz erbauten Kirchturm von 1746 hat man wieder benutzt. Er trägt
drei große Glocken. Die älteste Glocke wurde 1564 von einem durchreisenden
Glockengießer gegossen.
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  #26  
Alt 01.12.2008, 20:59
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Dresdner Dresdner ist offline
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Standard AW: Untergegangene Berufe

http://www.ihff.de/ schreibt zum fahrenden Glockengießer:
Zitat:
Angelsächsische Mönche brachten im 5. Jahrhundert die Glockengießerkunst aus Nordafrika nach Europa.
Im 13. Jahrhundert ging die Fertigung von Glocken dann auf weltliche Handwerker über. ...
Nach 3-jähriger Lehrzeit mußte der Geselle weitere 3 Jahre auf Wanderschaft gehen, bevor er Meister werden konnte. Da es lange Zeit unmöglich war, Glocken wegen ihres Gewichtes zu transportieren, erfolgten Formherstellung und Guß vor Ort. Die Auftraggeber sorgten für Unterkunft und Verpflegung, Material und Zubehör.
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  #27  
Alt 26.01.2009, 01:37
volker333 volker333 ist offline
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Lächeln AW: Untergegangene Berufe

Hallo,
ich habe die Tage was interessantes in diesem Zusammenhang gefunden.
In einem Nachbarort, heute Kleinstadt arbeiteten etwa 1850:
-425 Landwirte
-17 Adlige
-28 Förster
-? Jäger
- 43 Gerichtsleute
- ? Notare
- 24 Hofleute
- ? Büttel (Gerichtsdiener)
- ? Boten
- 79 Knechte
- ? Tagelöhner
- 33 Müller
- 7 Bäcker
- 37 Steinmetzen
- ? Maurer
- 22 Schmiede
- ? Schlosser
- 16 Erzgräber
- 6 Soldaten
- 27 Schuster
- 7 Schreiner
- ? Tischler
- 10 Küfer
- 1 Seeler
- 1 Schuldiener
- 1 fürstlicher Strohschneider
- 1 Rothgerber
- 1 Scherenschleifer
- 1 Hutmacher
- 18 Glasmacher
- 1 Hintersasse
- 2 Dreher
- 1 Schürer
- 2 Papierer
- 2 Puddler
- 378 Bergleute
- 51 Verwaltungsbeamte
- 24 Meyer
- ? Heymeier (Gehilfe des Bürgermeisters)
- 5 Uhrmacher
- 35 Pfarrer
- 34 Lehrer
- 13 Wagner
- 11 Zimmerleute
- 25 Fuhrleute
- 1 Tabellion
- 1 Eremit
- 20 Schneider
- 1 Postmeister
- 2 Wirte
- 1 Balgmacher
- 5 Metzger
- 1 Nachtwächter
- 3 Gerber
- 1 Landmesser
- 1 Drucker
- 4 Kaufleute
- 12 Holzhauer
- 2 Blaufärber
- 1 Leyendecker
- 2 Sattler
- 6 Schiffer
Die Liste macht lediglich eine Aussage über die Vielseitigkeit der Berufe und damit die soziale Struktur. Es können keine Prozentzahlen abgeleitet werden, da bei 2/3 der familienkundlichen Angaben (Kirchbücher und Standesamteinträge) die Berufsbezeichnung fehlt.

Also es sind einige Berufe dabei über die ich mich noch schlau machen muss. Oder weiß jemand, was ein Tabellion macht? Das gleiche Problem habe ich bei Hintersasse und Leyendecker.
Und wo sind eigentlich die Frauen(berufe)?

Volker
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  #28  
Alt 26.01.2009, 22:53
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
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Beiträge: 25.071
Standard AW: Untergegangene Berufe

Hallo Volker,

vielen Dank für die interessante Liste, die neben den offenkundig vielfach ausgestorbenen Berufen auch ein Bild auf die Sozialstruktur dieses Ortes wirft. Da gibt es ja tatsächlich eine ziemlich spannende Vielfalt.

Unklar ist mir neben Deinen Anmerkungen auch der Beruf des "Seelers", des "Puddlers" und der Beruf des "Meyers" (Molkerei?) ?

Erstaunlich erscheint mir auch die feine Differenzierung zwischen "Erzgräbern" und "Bergleuten".

Bemerkenswert weiters die hohe Anzahl an Glasmachern und die niedrige Beschäftigungsanzahl im Bereich Postwesen, diesen Bereich hätte ich gerade um 1850 wesentlich wichtiger eingeschätzt.

2 Wirte ist auch nicht gerade viel für so eine emsige Stadt...

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #29  
Alt 27.01.2009, 12:19
dolasilla dolasilla ist offline
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Standard AW: Untergegangene Berufe

Zitat:
Zitat von volker333 Beitrag anzeigen
Und wo sind eigentlich die Frauen(berufe)?
Volker
Möglichkeit 1)
Im Nachbarort gab es um 1850 gar keine Frauen.
Höchst unwahrscheinlich.

Möglichkeit 2)
Im Nachbarort gab es um 1850 zwar Frauen, aber sie arbeiteten nicht.
Ebenfalls höchst unwahrscheinlich.

Möglichkeit 3)
Im Nachbarort gab es um 1850 Frauen, und diese arbeiteten auch, allerdings unbezahlt und deswegen scheinen sie in der Liste nicht auf.

Höchst wahrscheinlich.

Zu den unbezahlten Arbeiten gehören u.a. Essen kochen, Tiere versorgen, Kinder kleiden, ernähren und großziehen, usw usf (alles Weiberkram, mit dem sich Männer üblicherweise nicht so gern abgeben, weil eben unbezahlt).

Möglichkeit 4)
Im Nachbarort gab es um 1850 Frauen, die zusätzlich zu unbezahlter Arbeit auch einer bezahlten Arbeit nachgingen, z.B. als Weberinnen, Färberinnen, Wirtinnen, Hutmacherinnen, Dachdeckerinnen, Tagelöhnerinnen, Schneiderinnen, Lehrerinnen, Uhrmacherinnen, Kaufladen-Besitzerinnen usw usf.

Ebenfalls höchst wahrscheinlich.

Warum all diese Frauenberufe dann nicht auf der Liste aufscheinen? Doch, das tun sie, aber die Frauen dürfen sich bei Begriffen wie „Hutmacher, „Lehrer“, „Weber“, „Schneider“, „Müller“, „Uhrmacher“ mitgemeint fühlen - sie wurden also durch konsequentes Nicht-Benutzen von gerechter Sprache unsichtbar gemacht.

Wie in diesem Forum übrigens auch: Würden aufmerksame Menschen eine Analyse über www.forum.sagen.at durchführen, kämen sie zu dem Ergebnis, dass hier keinerlei Frauen vorhanden sind. Warum? Die aufmerksamen Menschen sehen die Profile hier durch und - ungeachtet dessen, dass hier etliche Frauen schreiben – finden sie lediglich Begriffe wie „Administrator“, „Benutzer“ o.ä. Die aufmerksamen Menschen ziehen daraus also den Schluss: Hier gibt's offenbar keine Frauen – ganz genau wie Volker es bei der Berufsliste aus dem Jahr 1850 folgert.

Bei dieser sehr speziellen Art der Geschichtsforschung- und -schreibung werden Frauen und ihre Leistungen ignoriert und der Anteil der Frauen an der gemeinsamen Geschichte übersehen: Frauen bleiben unsichtbar. Weil sie erstens sprachlich nicht miteinbezogen werden und zweitens ihre Geschichte männlichen Historikern und Forschern häufig schlichtweg zu unwichtig erscheint, um die Frauen überhaupt zu erwähnen.

Weiters hält dieser selektive Blick starr an männlichen Lebensentwürfen als Norm, die als Maßstab für alle gilt, fest - und übersieht dabei, dass alles, was Frauen geleistet haben - egal, ob sie Tagelöhnerinnen, Wirtinnen, Künstlerinnen oder ganz was anderes waren - nur im ständigen Widerstand gegen die konventionelle Auffassung der Rolle als Frau möglich war. Eine Rolle, die sie - im Unterschied zu Männern - zwang, ihren Aktivitäten zusätzlich zu ihren Pflichten wie Haushaltsführung, Versorgung und Ausbildung der Kinder u.v.m. nachzukommen.

Volkers Beispiel zeigt - obwohl das vermutlich nicht seine Absicht war – sehr deutlich, wie schwierig es für Frauen damals und auch heute noch ist, als Akteurinnen in von Männern fixierten und tradierten Quellen aufzuscheinen.

LG,
Dolasilla

PS: In meinem Profil hier steht „Erfahrener Benutzer“ - was unmöglich stimmen kann. Ich plane auch keine geschlechtsumwandelnde Operation.
__________________
"Ein kluges Weib in seinem dunklen Drang ist sich des rechten Weges wohl bewusst" (Irmtraud Morgner)
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  #30  
Alt 27.01.2009, 12:38
gropli gropli ist offline
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Registriert seit: 15.09.2006
Beiträge: 304
Reden AW: Untergegangene Berufe

Zitat:
Zitat von dolasilla Beitrag anzeigen

Bei dieser sehr speziellen Art der Geschichtsforschung- und -schreibung werden Frauen und ihre Leistungen ignoriert und der Anteil der Frauen an der gemeinsamen Geschichte übersehen: Frauen bleiben unsichtbar. Weil sie erstens sprachlich nicht miteinbezogen werden und zweitens ihre Geschichte männlichen Historikern und Forschern häufig schlichtweg zu unwichtig erscheint, um die Frauen überhaupt zu erwähnen.

Weiters hält dieser selektive Blick starr an männlichen Lebensentwürfen als Norm, die als Maßstab für alle gilt, fest - und übersieht dabei, dass alles, was Frauen geleistet haben - egal, ob sie Tagelöhnerinnen, Wirtinnen, Künstlerinnen oder ganz was anderes waren - nur im ständigen Widerstand gegen die konventionelle Auffassung der Rolle als Frau möglich war. Eine Rolle, die sie - im Unterschied zu Männern - zwang, ihren Aktivitäten zusätzlich zu ihren Pflichten wie Haushaltsführung, Versorgung und Ausbildung der Kinder u.v.m. nachzukommen.

Volkers Beispiel zeigt - obwohl das vermutlich nicht seine Absicht war – sehr deutlich, wie schwierig es für Frauen damals und auch heute noch ist, als Akteurinnen in von Männern fixierten und tradierten Quellen aufzuscheinen.

LG,
Dolasilla

PS: In meinem Profil hier steht „Erfahrener Benutzer“ - was unmöglich stimmen kann. Ich plane auch keine geschlechtsumwandelnde Operation.
Lieber Dolasilla, darf ich aus deinen Äusserungen schliessen, dass du kein Mann bist?

Gruss gropli

.
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beruf, diktat, hallknechte, halloren, salzwirker, stenotypistin

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