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  #11  
Alt 09.11.2008, 10:41
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Bergbau, Bergwerke und Bergbaukultur

Nach dem Krieg stand die Zeche Grimberg unter brit. Verwaltung (Essen im
Ruhrgebiet). - Dort kam es im Feb. 1946 zu einem der größten Grubenunglücke
in der deutschen Geschichte. 402 Bergleute kamen von der Frühschicht nicht
zurück, die meisten konnten noch nicht einmal tot geborgen werden. Mittags
um 12 Uhr hatte es in der Tiefe eine Explosion gegeben, Ursache nicht geklärt.
Der Direktor u. 3 brit. Offiziere fanden ebenfalls den Tod, außerdem 2 Kumpel
über Tage (durch die Druckwelle). Nach drei Tagen gab man die Suche nach
den Verunglückten auf, da es eine weitere Explosion gab. Es wurde einfach alles
"geflutet". - Dies ist noch vielen Menschen in der Region in Erinnerung! Ulrike
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  #12  
Alt 09.11.2008, 11:13
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Bergbau, Bergwerke und Bergbaukultur

Ruhrbergbau (Steinkohle)-Krise begann vor 50 Jahren
Vor 50 Jahren begann die Kohlenkrise. 16000 Berglaute hatten ihre erste
"Feierschicht". Im Sept. 1958 schloß die erste Zeche: Lieselotte in Bochum.
Nach den 10 "Goldenen Jahren" hatte zunächst niemand mit dieser Flaute
gerechnet. Nach der Währungsreform wurden zunächst 800 000 Bergleute
angeworben, stillgelegte Kleinzechen reaktiviert, Überschichten gefahren.
Das "Schwarze Gold" fuhr Gewinne ein. -Weihnachten 1950 gab es einen
Energieengpass, in Deutschland gingen im wahrsten Sinne des Wortes:
die Lichter aus. Der Staat investierte: 50 neue Tagesschächte wurden
abgeteuft, tausende Stellen für Untertagearbeit waren noch 1957 frei.-
Nun kamen aber billigere Kohleimporte u. Erdöl, die Halden wuchsen schon 1958
"bis in den Himmel". Die Kumpel an der Ruhr fuhren über drei Millionen
unbezahlte Feierschichten!-Zwischen 1958 u. 69 verschwanden dann
62 Schachtanlagen u. gleichzeitig 280 000 Arbeitsplätze. -
1962 dann das sog. 7Punkte Programm d. Regierung. Es wurden Prämien
gezahlt f. Stillegungen (u.a.). -1958 forderte die Gewerkschaft eine
Einheitsgesellschaft u. Verstaatlichung. Unter Bundeswirtschaftsminister
Schiller kam es 1968 zur Gründung der Ruhrkohle AG, "Konzertierte Aktion"
war das Schlagwort. 52 Schachtanlagen u. 29 Kokereien wurden nun
privatwirtschaftl. einheitlich verwaltet. - Früh schon trugen wütende
Bergleute ihre Anliegen vor (Verbesserung der Arbeitsverhältnisse u.a.):
"Marsch auf Bonn" war bereits 1959 angesagt (60.000 Kumpel marschierten).
1960 wurde die Stimmung radikaler, der Arbeitsmarkt war leergefegt.-
1975 begann die zweite Krise für die region: der Niedergang der Stahlindustrie.
-Nun versucht das Ruhrgebiet, den Dienstleistungssektor weiter aufzubauen
(Technologiezenztren entstehen u.a.). - Dies mal ein kurzer Abriß
zur hiesigen Geschichte mit Grüßen von Ulrike!
Als Quelle diente auch: Unsere Zeitung, Unna 2008
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  #13  
Alt 11.11.2008, 08:45
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Bergbau, Bergwerke und Bergbaukultur

Vor hundert Jahren kam es zu einem großen Grubenunglück auf der Zeche Radbod bei Hamm. 350 Bergleute starben am 12. Nov. 1908 bei einer
Methangasexplosion. Es gab damals noch offene, mit Benzin gefüllte Grubenlampen,
wahrscheinlich die Ursache des grausigen Unglücks. Danach wurden diese
abgeschafft und durch elektrische Handlampen ersetzt. - Nach einem Jahr
förderte man vor Ort wieder, bis 1990 die letzte Kohle diese Zeche verließ.
-Ulrike-
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  #14  
Alt 11.11.2008, 14:18
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cerambyx cerambyx ist offline
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Idee AW: Bergbau, Bergwerke und Bergbaukultur

Zitat:
Zitat von SAGEN.at Beitrag anzeigen
Hallo Norbert,

Weiß man, wer der Hersteller der Materialseilbahn war?
Wenn diese Bahn in den 1920er Jahren errichtet wurde, wäre die Firma "Adolf Bleichert & Co" aus Leipzig sehr wahrscheinlich.
Kannst Du das feststellen?

Wolfgang (SAGEN.at)
Hallo Wolfgang!

Sagte ich damals nicht so ähnlich wie: "...nächste Woche ???" ....

Na, endlich komme ich überhaupt wieder zu "Historischem" .... war ein bissl stressig die Zeit über! anschließend gleich ein Zitat aus einer Untersuchung des Bergbaus in unserem Nationalpark Gebiet, die ich gerade bearbeite - das wird Dich sicher interessieren:

Zitat aus: Der einstige Bergbau im Gebiet des Nationalpark Kalkalpen; Weichenberger Josef; Linz 1997

Die Materialseilbahn

Der Transport des Erzes vom Bauxit-Bergbaugebiet Unterlaussa zur Bahnstation Weißenbach bei St. Gallen erfolgte mittesl Materialseilbahn. Der Bau dieser Seilbahn wurde am 17. März 1943 genehmigt und 17 Monate später (am 29. August 1944) die Betriebsbewilligung erteilt.

Die Seilbahn wurde von der Firma Bleichert-Transportanalagen GmbH in Leipzig nach dem System "Zenith" (Zenitkupplung) ausgeführt und war in 3 Sektionen gegliedert. Die Sektion I und II wurden gemeinsam von der A-Station in Unterlaussa (Drehstrommotor Schleifring 64 kW, 975 UpM, mit zweistufigem Getriebe 80/320 UpM), die Sektion III von der K-Station aus (Drehstrommotor Schleifring 44 kW, 975 UpM) angetrieben.
Die Angaben über die Länge der Seilbahn schwanken zwischen 13,1 und 14 km, in der Bevölkerung von Unterlaussa wird auch von 18 km Länge gesprochen, wobei man möglicherweise sämtliche Hilfsseilbahnen mitgerechnet hat.

Die Leistung der Seilbahn war bei 1,2 m/s Seilgeschwindigkeit, 150 m Wagenabstand (alle 125 Sekunden ein Wagen) und 850 kg Nutzlast mit rund 20 t/h sehr gering. Eine Erhöhung der Leistung etwa durch größere Geschwindigkeit und/oder dichtere Wagenfolge war wegen der Holzstützen nicht möglich.

Die Materialseilbahn führte als Zubringerbahn von der Kopfstation (K-Station) und zugleich Beladestation des Rebiers Gräser über die Winkelstation (W-Station), wo das Erz des Revieres Prefing geladen wurde, zur Beladestaion für das Revier Sonnberg, der sogenannten Zentralstation (Z-Station) in Weißwasser. Die eigentliche Hauptseilbahn ging von Weißwasser über die unbemannten Spannstationen S-I, S-II und S-III zur Antriebsstaion (A-Station) in Unterlaussa, weiter über die Spannstation S-IV und S-V und der gleichfalls unbemannten Winkelstation am Hocheck zur Endstaiton (E-Station) beim Bahnhof Weißenbach/St. Gallen.
Der Seilbahnbetrieb war im allgemeinen so eingeteilt, daß in der Woche an 3 Tagen gefahren und an 2 Tagen repariert wurde.

Ausschlaggebend für die Entscheidung zum Bau der Seilbahn im Kriegsjahr 1944 war vor allem die Kürze der Bauzeit gegenüber einer Schmalspurbahn (wie sie die Bundesforste dann 6 Jahre später für sich bauten) oder gar die Errichtung einer Straße. 1951, als die Seilbahnstützen zu erneuern waren, verhandelte man intensiv mit den Bundesforsten wegen der Mitbenützung der Waldbahn. Es waren aber die Forderungen so hoch, daß man darauf wegen der notwendigen zusätzlichen Investitionen nicht einging. Also wurden bei der Seilbahn von 1952 bis 1956 sämtliche Stützen in Lärchenholz erneuert (bis auf die zwei Eisenstützen). Die Erneuerung der Zugseiel von der Z- bis zur K-Staiton (2,3 km) erfolgte im Juni 1958, von der E- bis zur A-Station (6 km) im August 1960, von der A- bis zur Z-Station (5,7 km) im März 1961.

------------

So, das wärs fürs Erste ;-)

Liebe Grüße aus dem Steyrtal
Norbert
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unterwegs mit allen Sinnen ...
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  #15  
Alt 11.11.2008, 23:01
Dachstein Dachstein ist offline
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Standard AW: Bergbau, Bergwerke und Bergbaukultur

Zitat:
Der einstige Bergbau im Gebiet des Nationalpark Kalkalpen; Weichenberger Josef; Linz 1997
Könntest du mir die ISBN Nummer des Buches verraten?

MFG Dachstein
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  #16  
Alt 11.11.2008, 23:29
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
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Standard AW: Bergbau, Bergwerke und Bergbaukultur

Hallo Norbert,

Danke für diese wirklich interessante Information zu einer damit weiteren indentifizierten Seilbahn von der Firma "Bleichert & Co."!

Ich bin überrascht in Unterlaussa/Österreich eine Bleichert-Bahn aus dem Jahr 1943 zu finden. Nach 1933 existieren bisher weder Unterlagen noch Forschungsarbeiten zu den Bahnen der Firma Bleichert.

Ich hoffe, es melden sich noch die Experten zur Firma Bleichert hier im Forum.

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #17  
Alt 12.11.2008, 10:14
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Bergbau, Bergwerke und Bergbaukultur

Fand etwas im Internet unter "alpinforum"-vielleicht von Interesse?
Viele Grüße von Ulrike
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  #18  
Alt 12.11.2008, 11:05
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cerambyx cerambyx ist offline
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Standard AW: Bergbau, Bergwerke und Bergbaukultur

Zitat:
Zitat von Dachstein Beitrag anzeigen
Könntest du mir die ISBN Nummer des Buches verraten?

MFG Dachstein
Hallo Dachstein!

Es handelt sich hier um den Endbericht einer in unserem Auftrag (Nationalpark Oö. Kalkalpen) durchgeführten Untersuchung aus dem Jahr 1996/1997! Im gleichen Rahmen haben wir seinerzeit (neben vielen anderen naturkundlichen Themen) unter anderem die Holztrift, die Kohlplätze, den historischen Waldbau sowie die unterirdischen Karstformen (Speläologie = Höhlenkunde) untersucht und dokumentiert.

Diese Arbeiten wurden seinerzeit in unserer HP www.kalkalpen.at Menüpunkte > Naturraum > Forschung > Unveröffentlichte Endberichte nur aufgelistet. Sie werden von mir jedoch derzeit neu Inventarisiert, in einer Datenbank zusammengefaßt und digitalisiert bzw. gescannt, um schließlich (mit den GIS-Daten, sofern vorhanden bzw. keine sensiblen Daten) per Internet zur Verfügung gestellt werden zu können.

Ich werde versuchen, diesen Bericht vorzuziehen und gebe Euch hier Bescheid ... OK?

Liebe Grüße aus dem nebligen Steyrtal
Norbert
__________________
unterwegs mit allen Sinnen ...
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  #19  
Alt 12.10.2009, 22:34
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maex maex ist offline
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Standard AW: Bergbau, Bergwerke und Bergbaukultur

Zitat:
Zitat von SAGEN.at Beitrag anzeigen
Hallo Norbert,

zum Bauxitbergbau Unterlaussa schreibt Josef Weichenberger:



Weiß man, wer der Hersteller der Materialseilbahn war?
Wenn diese Bahn in den 1920er Jahren errichtet wurde, wäre die Firma "Adolf Bleichert & Co" aus Leipzig sehr wahrscheinlich.
Kannst Du das feststellen?

Wolfgang (SAGEN.at)
Die erste Seilbahn aus dem Reichraminger Hintergebirge heraus, war von der Firma WAGNER BIRO. LG Markus
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  #20  
Alt 13.10.2009, 16:51
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Standard AW: Bergbau, Bergwerke und Bergbaukultur

Hallo Markus,

vielen Dank für die Info!

Da das Reichraminger Hintergebirge leider nicht den Bekanntheitsgrad hat, den es aus meiner Sicht verdienen würde, würden wir uns jederzeit auf Fotos von dort freuen

Wolfgang (SAGEN.at)
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