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  #1  
Alt 10.06.2007, 13:59
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Reden Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter

Möchte hier einmal an zwei bedeutende Persönlichkeiten erinnern:

Friedrich Spee von Langenfeld (geb.1591 in Kaiserswerth , verst.1635 in
Trier) Jesuit, Barocklyriker, Verfasser von "Cautio criminalis", eine Schrift
gegen die Hexenprozesse, starb an der Pest. Es gibt in Düsseldorf-Kaiserswerth
eine Spee Gesellschaft, das Archiv ist jeden Mittwoch von 16-18 Uhr geöffnet.

Anton Praetorius, Protestantischer Pfarrer, erregte 1602 mit seinem Werk:
Gründlicher Bericht von Zauberey und Zauberern - großes Aufsehen. Vehement
setzte er sich gegen die Folter ein, man könnte ihn als "Vorläufer" von
Amnesty International bezeichnen. Dieser Kämpfer gegen den Hexenwahn
seiner Zeit ist heute ziemlich vergessen . Bei Interesse: ISBN 3-00-009225-0
Hegeler, Hartmut: Anton Praetorius.

Diese Tipps brachte ich vom Ev. Kirchentag in Köln mit!

Viele Grüße von Ulrike!
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  #2  
Alt 15.06.2007, 19:39
dolasilla dolasilla ist offline
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Standard AW: Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter

Die schwedische Königin Kristina hat übrigens die sog. Hexenprozesse ebenfalls verboten und auch in vielen Städten Leute eingesetzt, die darauf achten sollten, dass das Verbot auch eingehalten wurde.

Nach ihrer Abdankung 1655 (das übrigens in der Schwarzmandakirche in Innsbruck geschah), als ihr Nachfolger Karl X. Gustav König wurde, war es damit leider wieder vorbei. Die sog. Hexenprozesse in Schweden (das damals weitaus größer war als das heutige Schweden!) waren wieder erlaubt und das Morden wurde somit auch wieder durchgeführt.

LG,
Dolasilla
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  #3  
Alt 15.06.2007, 21:15
Nicobär Nicobär ist offline
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Standard AW: Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter

Die wenigsten Leute wissen, dass es in Norddeutschland bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts Hexenprozesse gab... Diese fanden da dann oft in Form von Verleumdungsprozessen statt und führten in zahlreichen Orten zu einem auf lange Zeit äußerst vergifteten Klima. Wir hatten das Thema bereits Anfang dieses Jahres hier diskutiert. Dabei ging es auch um den Lehrer Johann Kruse, der sich der als Hexen und Zauberer diffamierten Leute annahm, ihnen kompetente Rechtsanwälte besorgte und sich mit der Kirche, den streitlustigen und oft niederträchtigen Nachbarn sowie der Boulevardpresse, die die Themen weidlich ausnutze, anlegte. Es ist Johann Kruses Verdienst, dass vielerorts den Diffamierungskampagnen ein Ende gesetzt wurde; sein 1951 veröffentlichtes Buch 'Hexen unter uns?' gilt heute als ein Klassiker.

Es ist das Verdienst einer Handvoll Studenten der Universität Hamburg, dass Johann Kruses Werk ab den 70er Jahren eine entsprechende Würdigung erfuhr und seine detaillierten, über lange Jahrzehnte angelegten Materialsammlungen nicht in Vergessenheit gerieten. Ich kann jedem nur einen Besuch im Hexenarchiv im Hamburger Völkerkundemuseum empfehlen (vorher sollte man aber auf jeden Fall anrufen und einen Termin ausmachen, denn dass das Archiv zu den genannten Öffnungszeiten tatsächlich geöffnet ist, ist nicht immer gewährleistet - die Mühe lohnt sich aber auf jeden Fall).

Geändert von Nicobär (15.06.2007 um 21:28 Uhr)
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  #4  
Alt 15.06.2007, 21:51
Berit (SAGEN.at) Berit (SAGEN.at) ist offline
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Standard AW: Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter

Ein kleiner Einwurf:

Zitat:
Nach ihrer Abdankung 1655 (das übrigens in der Schwarzmandakirche in Innsbruck geschah),
Mit ihrer Konvertierung hat Kristina von Schweden ihre Abdankung unwiderrufbar besiegelt, der Akt der eigentlichen Abdankung fand meines Wissens in Schweden statt.

Berit
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  #5  
Alt 17.06.2007, 11:33
dolasilla dolasilla ist offline
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Standard AW: Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter

Ja, das stimmt, das Ereignis in der Schwarzmandakirche war eher mehr der "rituelle" Akt sozusagen.
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  #6  
Alt 21.06.2007, 01:20
Benutzerbild von Wassermann
Wassermann Wassermann ist offline
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Beiträge: 62
Standard AW: Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter

„Wer Gefahr läuft sich auf die Gottähnlichkeit des Menschen zu viel einzubilden, der studiere die Hexenprozesse und er wird bald die Tiere um ihren sicheren Intellekt beneiden.“ schreibt Wilhelm Hertz in seinem lesenswerten Buch ‚Deutsche Sage im Elsaß“, Stuttgart 1872.

Allein im Bistum Straßburg forderte diese geistige Pest des Christentums in den 25 Jahren zwischen 1515 – 1535 über 500 Menschenleben. Kein Alter wurde verschont. Es brannten Greisinnen und Greise von über 90 Jahren und Kinder von 12 Jahren. Allein beim Geschlecht gab es gewisse Unterschiede: „Wenn man einen Mann verbrennt, so brent man wol zehen Frawen.“ schreibt Gailer von Kaiserberg Anfang des 16. Jh.

In einem Gutachten der Reichsstadt Münster (Elsass) wird es für billig und erlaubt erklärt, auf bloße Denunziation hin zu verhaften und zu foltern. Auch solche, die sich aus Angst sofort für schuldig bekannten sollten gefoltert werden, wenn sie sich weigerten Mitschuldige zu nennen. Man betrachtete es damals als einen großen Fortschritt der Menschlichkeit, als man dazu überging die Verurteilten zunächst zu erdrosseln oder zu enthaupten, bevor man sie verbrannte!

Wer sich gegen den Wahn der Hexenprozesse wandte, geriet in Verdacht selbst mit dem Teufel im Bunde zu stehen. Zu den ersten, die sich im Elsass unter Lebensgefahr gegen die Hexenprozesse wandten gehörte Ulrich Schweiger von St. Johann bei Zabern. Man sollte ihm ein Denkmal setzen!

In Schlettstadt stellte der Magistrat die Hexenprozesse 1642 ein nachdem eine als Hexe Verurteilte die Frauen dreier Richter als Mitschuldige angegeben hatte.

Gruß Klaus
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  #7  
Alt 19.08.2008, 07:58
Handwerkprofis
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Standard AW: Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter

Zitat:
Zitat von Wassermann Beitrag anzeigen

In Schlettstadt stellte der Magistrat die Hexenprozesse 1642 ein nachdem eine als Hexe Verurteilte die Frauen dreier Richter als Mitschuldige angegeben hatte.

Gruß Klaus
Hallo,

genau da lag sicher oft der Hund begraben: Frauen wußten zu viel und wurden einfach per Scheiterhaufen entsorgt.
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  #8  
Alt 29.08.2008, 10:51
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Beiträge: 2.481
Reden AW: Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter

Letzte Hexe
dpa, Westf. Rundschau vom 28.Aug.08:
Letzte Hexe Europas rehabilitiert
Glarus (Schweiz)
Die vermeintlich letzte Hexe Europas ist in der Schweiz nach 226 Jahren rehabilitiert worden. Das Parlament im Ostschweizer Kanton Glarus erklärte die
1782 enthauptete Anna Göldi am Mittwoch für unschuldig und nannte den damaligen Prozeß vor dem Evangelischen Rat einen Justizmord, wie die
Schweizer Nachrichtenagentur sda berichtete. In den Beschluss wird Göldi vom
Tatbestand der Vergiftung entlastet. Außerdem wird anerkannt, dass das damals gefällte Urteil in einem unrechtmäßigen Verfahren zustande kam. Erfreut über den Parlamentsbeschluß zeigte sich die 2007 gegründete Anna Göldi Stiftung.
Göldi werde dadurch zwar nicht wieder lebendig, erhalte abwer ihre Ehre zurück, sagte Walter Hauser, Journalist und Autor eines Göldi Buches. Laut Hauser ist es
das 1. Mal, dass eine sog. Hexe durch ein Parlament rehabilitiert wurde. -
Finde ich erwähnenswert! Viele Grüße an alle hier im Forum von Ulrike!
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  #9  
Alt 10.07.2009, 11:57
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Beiträge: 2.481
Standard AW: Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter

Nochmal aktuell zu diesem Thema:
Am 13. 6. 1782 stirbt die Schweizer Magd Anna Göldi durch das Schwert.
Unter Folter hatte sie zugegeben, der Tochter ihres Herren Stecknadeln
in die Milch gezaubert zu haben. Sie wird hingerichtet als letzte Hexe
Europas. Das Urteil schlägt hohe Wellen. Erstaunlich ist, daß ausgerechnet
die kath. Kirche die Tat als Justizirrtum verurteilt. Damit wir eine der
größten Geschichtsirrtümer enttarnt: Seit 1260 verurteilen die meisten
Päpste Hexenverfolgungen ausdrücklich. Nur in seltenen Fällen kommt es
zu Hexenprozessen durch die Inqusition. 90 Prozent der Todesurteile gegen
Frauen sprechen weltliche Hexenverfolger-und dies vor allem in protestantischen
Gebieten. eine der schlimmsten Hexenjagden findet im 17. Jahrhundert in der
damaligen englischen Kolonie New-England statt.
Dies aus der TV (Zeitschr.) Nr. 29/09, bezieht sich wohl auf die
Fernsehsendung: History, Geschichte d. Deutschen
Viele Grüße von einer nachdenklichen Ulrike
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  #10  
Alt 10.07.2009, 17:02
Huber Huber ist offline
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Registriert seit: 31.01.2006
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Beiträge: 168
Standard AW: Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter

Um Ulrikes Worten noch etwas hinzuzufügen:
Die pseudohistorische Berichterstattung vermischt gerne die beiden unterschiedlichen Begriffe "Spanische Inquisition" und "Inquisition". Ersteres hatte hervorragende (zynisch gemeint) Hexenprozesse, die sich aber weniger gegen Hexen, denn mehr gegen jegliche Nichtkatholiken richtete. Diese ging vom spanischen Zweig der Habsburger aus und sorgte viele Jahrzehnte für Grauen. Die meisten erfolgreichen Folterwerkzeuge wurden von ihr erfunden.
Die Inquisition hingegen war in der Tat vom Papst ausgesandt, um die vielen Greuel-Gerüchte über Hexenprozesse und -verbrennungen auszuspähen und nach Möglichkeit zurückzubremsen.
Was die Protestanten betrifft, ich als ehemaliger Protestant weiß nur zu gut, wie die evangelische Kirche anglikanische Exzesse bewertet. "Die Anglikaner, mit denen haben wir nichts zu tun, die haben sich ja abgespaltet"

lg
erich
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