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  #31  
Alt 16.04.2007, 15:57
Pomeranze Pomeranze ist offline
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Beiträge: 15
Lächeln AW: Was kann man essen?

Hallo Ulrike!
Himmel und Erde? Altes Gericht? Aus Westfalen?
Und da dachte ich immer, das ist eines der Urgerichte aus Pommern und Mecklenburg...Westfalen sind hier vor einigen Jahrhunderten auch zugewandert, haben sie`s vielleicht mitgebracht oder aus dem Norden übernommen? Ich glaube, es wäre interessant, eine Art Landkarte der "Urgerichte" herzustellen. Hm... also Tollatsch, Schwarz- und Weißsauer, Himmel und Erde müssten auf so einer Karte schon drauf sein. Angeblich ist es für Pommern typisch, Süßes mit Herzhaftem zu verbinden, haben sogar die Nachkommen pommerscher Auswanderer in ihren Familienerinnerungen bewahrt. Legt ihr in euren Entenbraten auch Backpflaumen und Äpfel? Ich dachte als junges Mädchen, das macht man überall so...
Grüße aus dem Norden!

Stine
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  #32  
Alt 16.04.2007, 16:07
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
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Beiträge: 24.796
Standard AW: Was kann man essen?

Hallo Pomeranze,

Zitat:
Ich glaube, es wäre interessant, eine Art Landkarte der "Urgerichte" herzustellen.
solche Landkarten gibt es in der ethnologischen Nahrungsforschung sehr wohl, bei Interesse suche ich Dir einmal ein Beispiel raus.

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #33  
Alt 16.04.2007, 18:34
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Registriert seit: 16.09.2005
Beiträge: 2.493
Lächeln AW: Was kann man essen?

Hallo Stine, hier noch eine Geschichte aus meinem Leben zum Thema:
Als Lehrling (Auszubildende) in einer Buchhandlung half ich in meiner
Freizeit (!) einer Kundin die Bücher ihres Mannes zu katalogisieren damit
sie von ihr einem Antiquariat angeboten werden konnten. Mein Chef
hatte sie abgewimmelt - mir tat sie leid. Als Lohn durfte ich bei ihr Mittagessen!
Ich dachte: ich seh nicht richtig. In meinem Teller Erbsensuppe schwammen
einige Schweineschwänzchen. Sie war fast beleidigt . Wie konnte ich dieses
Feinschmeckergericht verachten? Ich überließ ihr die Schwänzchen, die sie
genüßlich abknabberte, und aß nur die Suppe. Ich kannte dieses Gericht
wirklich nicht, bei uns kam meistens Mettwurst hinein. Wahrscheinlich bin ich
schon ein verwöhntes Nachkriegskind! Zum Thema Essen gibt es
wahrscheinlich unendliche Geschichten! Viele Grüße von Ulrike!
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  #34  
Alt 16.04.2007, 20:14
dolasilla dolasilla ist offline
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Ort: Wien
Beiträge: 724
Standard AW: Was kann man essen?

Hallo Wolfgang,

Zitat:
Zitat von SAGEN.at
solche Landkarten gibt es in der ethnologischen Nahrungsforschung sehr wohl, bei Interesse suche ich Dir einmal ein Beispiel raus.
Wolfgang (SAGEN.at)
Mich interessiert das SEHR!
Das Beispiel und auch weitere Literaturtipps, Links o.ä. zu diesem Thema - also wenn du da weiteres weißt - darüber tät ich mich sehr freuen!

LG,
dolasilla
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  #35  
Alt 17.04.2007, 06:42
donpulpi donpulpi ist offline
Benutzer
 
Registriert seit: 14.02.2007
Beiträge: 55
Standard AW: Was kann man essen?

ich glaube in der wiener küche gibts sowas nicht. schade eigentlich.

weil,so denke ich, die wiener küche ein mischmasch aus böhmen,mähren,italien,deutschland,rumänien, ungarn..usw ist.
eben alle länder die in der k.u.k. monarchie vertreten waren.und die befreundeten länder eben

aber es muss ja auch ein davor gegeben haben..
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  #36  
Alt 17.04.2007, 17:28
Pomeranze Pomeranze ist offline
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Registriert seit: 30.03.2007
Beiträge: 15
Standard AW: Was kann man essen?

Zitat:
Zitat von SAGEN.at
Hallo Pomeranze,


solche Landkarten gibt es in der ethnologischen Nahrungsforschung sehr wohl, bei Interesse suche ich Dir einmal ein Beispiel raus.

Wolfgang (SAGEN.at)
Ja, das würde mich sehr interessieren! Was muss ich dir dann angeben? Ein Land oder ein Gericht?

fragt Stine
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  #37  
Alt 22.04.2007, 20:25
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
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Ort: Innsbruck
Beiträge: 24.796
Standard AW: Was kann man essen?

Zur Frage nach Landkarten in der ethnologischen Nahrungsforschung:

Es gibt hervorragende Kartenwerke aus der Zeit der früheren Volkskunde, u.a. den sogenannten "ADV - Atlas der deutschen Volkskunde". Der ADV war ein ziemlich umfangreiches Forschungsprojekt, das durch schriftliche Fernerkundung in den Jahren 1930 - 1935 angelegt war. Hierbei wurden in fünf Aussendungen 243 Einzelfragen ausgeschickt. Diese waren zum Teil noch mehrfach untergliedert. Als Ansprechpartner versuchte man im ganzen deutschsprachigen Gebiet jeden vierten Schulort zu erreichen und dort war wiederum ein Lehrer (0,4 Prozent Lehrerinnen).

Daraus wurden bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges 120 thematische Karten in 6 Lieferungen produziert, sowie eingehendere fachliche Diskussionen durch Mathias Zender nach dem Krieg.
Der ADV war (und ist noch) Kritik ausgesetzt, u.a. wegen methodischer Fehler aber vor allem wegen der Idiologien seiner Entstehungszeit. Dennoch bleiben bis heute diese Fragebogen ein außerordentlich wertvolles Dokument.

Es gibt dann noch den "Schweizer Atlas für Volkskunde" und den "Österreichischen Volkskundeatlas" u.a.m., das führt aber an dieser Stelle zu sehr in Details.

Zur Beantwortung Deiner Frage auf die Geschichte von Lebensmitteln ist er der ADV vielleicht doch nicht so optimal, sehr wohl aber auf die Verbreitung von Lebensmitteln zur Entstehungszeit des Atlas.

Hierzu sei noch angemerkt, dass die Daten nach wie vor einer modernen GIS-Auswertung oder sonstigen Computerauswertung harren - wer diese also vornimmt, wird sicher noch durch neue Bezugsmodelle sehr wichtige Daten erstellen können...

Eine solche exzellente Auswertung in Bezug auf Nahrungsethnologie hat Günter Wiegelmann in dem Buch "Alltags- und Festspeisen, Wandel und gegenwärtige Stellung", Marburg 1967 veröffentlicht. In dieser Habilitationsschrift wertet er die Fragen zu den Speisen aus und bringt auch exzellente historische Bezüge.

Als Beispiel habe ich Dir die Kartenauswertung zur ADV-Frage 237 "Kartoffelzubereitungen am Werktag" als Attachement angehängt.
Die Verbreitung von Salzkartoffeln, Kartoffelsalat, Kartoffelklöße, Bratkartoffeln, Kartoffelbrei, Pellkartoffeln, Reibekuchen und Kartoffelsuppe. Wichtig zu den reinen Kartendaten ist jedoch auch seine Erklärung der Karte:
Von der Einführung der Kartoffel in Spanien, Italien und Niederlande gelangte sie durch Soldaten und wandernde Arbeiter nach Mitteleuropa. Dort sorgten der volksnahen Schicht der Gebildeten, also Pfarrer, Amtsleute und Richter für deren Verbreitung. Die lokalen Regierungen standen der Kartoffel aus politischen Gründen (Umgehung der Zehentverpflichtungen) feindlich gegenüber. Der Zeitrahmen der Verbreitung liegt zwischen 1730 und 1800.
Wiegelmann vergleicht die hier vorliegende Karte mit Karte 5 (Kartoffeln beim Hochzeitsmahl - Zubereitungen, zu ADV-Frage 136b) und belegt deutlich eine klare Trennung von alltäglicher und hochfestlicher Kartoffelbereitung und hier wiederum, dass in jenen Regionen wo bestimmte Kartoffelspeisen Alltagskost sind, diese nicht Feiertagskost sind.

Wie gesagt, das Datenmaterial des ADV wird leider zu Zeiten des EU-Einheitsessens immer bedeutsamer...

Wolfgang (SAGEN.at)
Miniaturansicht angehängter Grafiken
Kartoffelzubereitung_Werktag_ADV_237c.jpg  
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  #38  
Alt 22.04.2007, 22:40
D.F. D.F. ist offline
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Beiträge: 394
Standard AW: Was kann man essen?

Sehr geehrter Administrator,

ich muß Dich heftig rüffeln:

Zitat:
... zu Zeiten des EU-Einheitsessens immer bedeutsamer...
Erstens heißt es: "in Zeiten"!

Zweitens und das ist natürlich der Hauptgrund meines Ärgers: Die dumpf-blöden Anti-EU-Vorurteile in Österreich sollten nicht auch noch in ein Forum, das gelegentlich gar Ansprüche auf Ernsthaftigkeit erhebt, eindringen!

Aber natürlich steht es Dir - drittens - frei, Dich jederzeit von EU-fremden Hamburgern und Sushi zu ernähren!
Oder Dich an die so richtig autochthon alpenländischen Kartoffeln zu halten...

Guten Appetit
D.F.
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  #39  
Alt 22.04.2007, 23:00
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
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Beiträge: 24.796
Standard AW: Was kann man essen?

Zweifellos sollte das Forum frei von Politik gehalten werden!

Gerade im Zusammenhang mit Ernährung fällt das aber besonders schwer. In der volkskundlichen Literatur rund um den ADV sind tatsächlich gewaltige Varianten regionaler Speisen aufgezählt, die längst verschwunden sind.

Ernst Burgstaller listet etwa in seinem Buch: Brauchtumsgebäcke und Weihnachtsspeisen, Ein volkskundlicher Beitrag zur österreichischen Kulturgeographie, Linz 1957 auf hundert Seiten vor allem oberösterreichische Gebäcksorten auf, die 50 Jahre später vermutlich selbst einem Bäcker dort kein Begriff mehr sind. Die Lebensmittelproduktion erfolgt heute ja großteils in zentralen Fabriken oder, um bei Backwaren zu bleiben, sehr wohl in Miniöfen regional in jeder Filiale, die aber mit fertigem Teig aus zentralen Fabriken beliefert werden.

Die Kritik meinerseits geht auch gegen die schleichende Einführung von Gen-Lebensmitteln unter Umgehung jeglicher Kennzeichnung in der EU. Ich kenne mich da nicht aus, weiß nur, dass ich keine Lust auf genetisch veränderte Lebensmittel habe. Anscheinend ist da aber schon ziemlich viel verändert?

Der dritte Aspekt, den ich anspreche, soll in der Dokumentation "We feed the World" zu sehen sein. Ich habe den Film noch nicht gesehen, aber in jenem Film seien Interviews mit Industriemanagern, die gerade in den neuen EU-Ländern (Rumänien etc.) deren angestammte Obstkulturen zerstören und EU-Einheitskulturen ansetzen.

Da ich sinnvolle Ernährung für eine persönlich wichtige Sache erachte, kann ich mich hierzu mit EU-Kritik schwer zurückhalten.

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #40  
Alt 22.04.2007, 23:36
D.F. D.F. ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 02.05.2005
Beiträge: 394
Standard AW: Was kann man essen?

Daß sich das Essen wandelt, steht außer Frage. Es hat sich - wie das Beispiel der Kartoffel deutlichst zeigt - immer schon gewandelt.
Daß es sich nicht nur zum Besseren verändert, ist auch unbestritten!

Aber daß die EU für Negativ-Entwicklungen verantwortlich sein soll, ist schon erklärungsbedürftiger!

A propos Brot: Ich glaube kaum, daß die EU irgendeinem oberösterreichischen Bäcker die Produktion bestimmter Sorten untersagt.
Und ich stelle fest, daß die Brotkultur in Nordtirol schon vor dem EU-Beitritt auf einem bedauerlich tiefen Niveau angelangt war. Höchstens überboten - wenn diese widersprüchliche Satzkonstruktion erlaubt ist - vom extrem hohen Preisniveau für alles, was nicht Standard-Maschinen-Semmeln sind.
Zumindest letzteres schaut z. B. im alten EU-Tirol südlich des Brenners deutlich besser aus...

Zu den einheimischen Obst- und Gemüsesorten:
Einerseits schließe ich mich Deinem Bedauern an.
Andererseits erinnere ich mich aber auch noch an die Zeiten, wo es in großen Teilen Österreichs - Tirol war wegen des Accordino besser gestellt - im Hochsommer wochenlang keine guten, hochreifen italienischen Tomaten gab, weil sie nicht importiert werden durften, ehe die Gemüsebauern in Ostösterreich ihre - objektiv betrachtet: minderwertige - Ware nicht an den Mann / die Frau gebracht hatten.
Dieses Problem sind wir z. B. dank EU los.

Und als Esser sage ich: Gott sei Dank!

Damit gute Nacht!
D.F.
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