SAGEN.at  FORUM  

Zurück   SAGEN.at FORUM > Geschichte, Technikgeschichte, Industriegeschichte

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
  #21  
Alt 19.12.2012, 21:43
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 02.04.2005
Ort: Innsbruck
Beiträge: 28.756
Standard AW: historisches Vokabular der Technikgeschichte

@ Gerd: hieß das Ding nicht Telex?

Und kurz darauf gab es zu Beginn der Homecomputer-Zeit noch in jedem Staat isolierte und sauteure Entwicklungen, die das Telex ablösen und manche andere elektronische Kommunikation vorwegnehmen sollten.
In Österreich war das das "Mupid", in Frankreich das "Minitel". In anderen Ländern kenne ich die Entwicklungen leider nicht, vielleicht wissen Leser mehr?

Wolfgang (SAGEN.at)
Mit Zitat antworten
  #22  
Alt 20.12.2012, 00:36
Benutzerbild von cerambyx
cerambyx cerambyx ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 04.03.2006
Ort: Sankt Valentin, NÖ, Mostviertel
Beiträge: 3.131
cerambyx eine Nachricht über MSN schicken cerambyx eine Nachricht über Skype™ schicken
Lächeln AW: historisches Vokabular der Technikgeschichte

Aus der Schreibmaschinen-Technik:

Die Typenhebel haben sich verhängt
(Bei mechanischen Schreibmaschinen, wenn man zu rasch zwei Tasten hintereinander betätigte - ein Typenhebel war noch an der Walze, der zweite kam hinterdrein und legte sich neben den ersten, beide verbogen sich und steckten fest)

Der Schlitten steckt
Die Gummiwalze mit dem eingespannten Papier befand sich am beweglichen "Schlitten" und wurde durch eine besondere Mechanik - ähnlich einem Uhrwerk - in Abständen von 1/10 (oder 1/12) Zoll von rechts nach links bewegt. Diese Mechanik neigte bei zu schnellem Schreiben zum blockieren.

Der Zeilenschalthebel ist gebrochen
Bei mechanischen Schreibmaschinen wurde mittels Handhebel auf der linken Seite des Schlittens dieser nach Erreichen des Zeilenendes wieder nach rechts geschoben - gleichzeitig wurde dadurch ein Zahnrad betätigt, das die Walze mit dem eingespannten Papier um eine Zeile (1/6 Zoll) nach oben drehte. Dieser Zeilenschalthebel war lang und schlank und konnte brechen ...

Wieviel Durchschläge brauchen sie?
Heute machen wir Kopien! Damals wurden Pauspapiere oder dünne Kohlepapiere zwischen haudünne, verschiedenfärbige "Durchschlagpapiere" gelegt, wodurch der anschlagende Typenhebel durch das oben befindliche Firmenpapier auf alle dahinterliegenden Durchschlagpapiere einen Kohleabdruck des Buchstabens "durchschlug" .... Welchen Zweck hatten dabei die verschiedenfärbigen Durchschlagpapiere? z.B. Rot für Buchhaltung, Blau für Verkauf, Grün für Verkäufer, Gelb für Registratur .... ;-)

Die Buchstaben bleiben hängen!
Etwa 45 Typenhebel (je nach Zeichensatz) wurden in einem halbkreisförmigen Guß-Segment durch schmale Schlitze geführt. Verschmutzten diese, fielen die Hebel nicht mehr durch Eigengewicht + Federzug in die Grundstellung zurück - sie "blieben hängen" ... ein Weiterschreiben war unmöglich!

Mach ein Benzinbad!
Anweisung des Werkstättenleiters an Techniker nach Grundüberprüfung. Beinhaltet das komplette (!) Zerlegen in mehrere Hundert (!) Einzelteile und waschen in Benzin (entölen) bzw. hinterher in Benzingemisch (Benzin-Petroleum-Knochenöl) mittels Haarpinsel (händisch, erst später "Waschmaschinen"); danach wieder Zusammenbau, wobei abgenützte Teile sofort ersetzt wurden ...

Die (Schreib)Maschine springt!
Durchaus übliche Fehlerbeschreibung des Kunden! Bei guten persönlichen Kontakten konnte man als Techniker fragen: "Wie hoch???" ... gemeint war aber, dass die Schreibmaschine nicht jede Buchstabenposition anfuhr, sondern manchmal bei Schnellschreibern eine Position ausließ, diese also "übersprang" ....

Die (Schreib)Maschine locht ....
Wenn die Schreibwalze aus Hartgummi durch längeren Gebrauch sehr hart geworden war und man zwei oder drei "Durchschläge" machte, mußte man sehr stark die Buchstaben-Tasten betätigen - dabei stanzte bei harter Gummiwalze der Buchstabe "O" ein Loch ins Papier ....

Haben sie Geradext?
Bei Tippfehlern wurde der falsche Buchstabe mittels eines "Radex"-streifens, der vor das Papier gehalten wurde, während der gleiche Buchstabe noch einmal getippt wurde, weiß (!) übertippt. Bei schlechten Schreiberinnen war oft sehr viel "geRadext" ... der Brief durfte/konnte nicht versandt werden!

Das Farbband schaltet nicht um!
Die eingelegten Farbbänder, von denen die Druckfarbe auf das über eine Gummiwalze eingespannte Papier durch den Anschlag eines Buchstabens übertragen wurde, waren meterlang und wurden bei jedem Anschlag weiterbewegt. Am Ende war eine Öse oder Klammer angebracht, die einen Mitnehmer bewegte, der letztlich die Bewegungsrichtung des Bandes wieder umdrehte! Fiel die Öse oder Klammer heraus, wurde nicht umgeschaltet und das Band wurde straff gezogen und blieb dann stehen. Blindschreiberinnen schrieben weiter und durchlöcherten so oft das Band an dieser letzten Postion durch oftmaligen Anschlag an die gleiche Stelle am Band!

Matrizenstellung
Kein erotischer Ausdruck , sondern das Farbband wurde weggeschaltet, um mit den Metallbuchstaben auf den Typenhebeln benötigte Wachsmatrizen "prägen" zu können, mit denen danach in einem einfachen Druckverfahren mehrere Abzüge hergestellt werden konnten ....

Dezimaltabulator
Ganz oben im Tastenfeld befindliche Tasten, die den Schlitten mit dem Papier einen händisch gesetzten Stop (ein Metallstift) anfahren ließen. So konnten senkrechte Kolonnen (in Spalten) geschrieben werden.
Für Zahlen verschiedener Länge gab es später den "Dezimaltabulator"; jede Stelle der Zahl hatte eine entsprechende Taste; eine "100,00" wurde mit der Hunderter-Tabulatortaste "angefahren", eine "10.000,00" mit der Zehntausender-Taste ....

SS-Zeichen umlöten
Schreibmaschinen aus Hitlers SS-Beständen hatten statt des $-Zeichens eben das SS-Zeichen (in schmaler Blitz-Form) - zu meiner Zeit (1970) wurden diese Schreibmaschinen wieder "zurückverwandelt". Die Typen waren als Metallschuh auf die Hebel aufgelötet, wurden daher abgelötet und durch neue Typenschuhe mit "$" und dem Pfund-Zeichen (gerade habe ich dieses Zeichen automatisch auf der modernen PC-Tastatur gesucht *schäm*) ersetzt - somit "umgelötet"

Die Papierstütze
Um das Geschriebene lesen zu können, war hinten am Schlitten eine Papierstütze montiert, die das Papier lesegerecht aufrecht hielt und das nach Hinten hinunterkippen verhinderte.

Liebe Grüße
Norbert
__________________
unterwegs mit allen Sinnen ...
Mit Zitat antworten
  #23  
Alt 20.12.2012, 00:50
Benutzerbild von cerambyx
cerambyx cerambyx ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 04.03.2006
Ort: Sankt Valentin, NÖ, Mostviertel
Beiträge: 3.131
cerambyx eine Nachricht über MSN schicken cerambyx eine Nachricht über Skype™ schicken
Lächeln AW: historisches Vokabular der Technikgeschichte

Aus der Rechenmaschinen-Technik:

Zehnerübertragung
Für Addition, Multiplikation und Division benötigten die mechanischen (!) Rechenmaschinen Zahnräder mit 10 Zähnen, wobei ein Zahn auf einer Seite vorstand, um bei einem vollen Durchlauf (zählen bis Zehn!) das Nachbarzahnrad um eine Stelle mitzunehmen, den Zehner somit zu "übertragen" ...

Wendeplatte
Diese Zahnräder für die Zehnerübertragung waren 2x (einander gegenüber und jeweils 2 gegenüberliegende Zahnräder miteinander verbunden!) vorhanden und auf einer Platte montiert, die bei der "verkürzten Multiplikation" einfach "gewendet" wurde. Der Trick war, dass man "9" nicht mit neun Umdrehungen "zählte" sondern die Platte wendete und dadurch "1" als Negativzug durchführte ....
Ich spare mir jetzt, eine ganze mehrstellige Multiplikation beschreiben zu wollen

Stiftschlitten
Dieser war unter den Eingabetasten beweglich montiert und enthielt die Stifte, welche an bestimmten Positionen entsprechend der gewünschten Ziffer durchgeschoben wurden ...

Eventuell später noch mehr
Gute Nacht
Norbert
__________________
unterwegs mit allen Sinnen ...
Mit Zitat antworten
  #24  
Alt 20.12.2012, 01:51
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.09.2005
Beiträge: 2.559
Standard AW: historisches Vokabular der Technikgeschichte

Vertippt? Diese Streifen hießen bei uns Tippex, gab es auch flüssig zum wegpinseln.-Ulrike
Mit Zitat antworten
  #25  
Alt 20.12.2012, 11:21
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 02.04.2005
Ort: Innsbruck
Beiträge: 28.756
Standard AW: historisches Vokabular der Technikgeschichte

Die Einblicke in das Vokabular der Schreibmaschinengeschichte sind ja super!

Wolfgang (SAGEN.at)
Mit Zitat antworten
  #26  
Alt 20.12.2012, 15:00
Gerd Gerd ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 29.12.2009
Beiträge: 2.013
Standard AW: historisches Vokabular der Technikgeschichte

@ Wolfgang: Soweit mir bekannt ist hat das TELEX nur einen Streifen bedruckt.
Der Fernschreiber hatte jedoch ganz normale Seitenbreite und zusätzlich einen Lochstreifen um Texte zuerst zu speichern und dann mit höchster Geschindigkeit senden zu können. (Die selben Lochstreifen wurden auch zur Steuerung von EDV-Anlagen verwendet).
Das Fernschreibnetz war im Selbstwählverkehr weiter ausgebaut als das Telefonnetz. Es war z.B. möglich auf die Fitschi-Inseln ein Fernschreiben zu schicken, jedoch nicht im telefonischen Selbstwählverkehr.
Mit Zitat antworten
  #27  
Alt 20.12.2012, 21:39
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 02.04.2005
Ort: Innsbruck
Beiträge: 28.756
Standard AW: historisches Vokabular der Technikgeschichte

Wobei Du mit "Selbstwählverkehr" auch ein historisches Wort der Technikgeschichte getroffen hast!

Ich erinnere mich noch als ich als Kind die ersten Seiten des Telefonbuches studiert habe: Da gab es Länder die man im Selbstwählverkehr erreichen konnte und eine Menge Länder, Inseln und sogar noch Kolonien, für die man ein Telefongespräch beim Amt anmelden musste.
Leider liegt mir kein altes Telefonbuch der 1970er-Jahre als Beleg vor.

Wolfgang (SAGEN.at)
Mit Zitat antworten
  #28  
Alt 20.12.2012, 23:12
far.a far.a ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 09.03.2007
Ort: Altenmarkt bei Fürstenfeld, Steiermark
Beiträge: 3.137
Standard AW: historisches Vokabular der Technikgeschichte

Ich weiß nicht, ob der Begriff schon behandelt wurde:
"Ich geh' aufläut'n" - für "Ich geh telefonieren".
far.a
Mit Zitat antworten
  #29  
Alt 21.12.2012, 11:43
Benutzerbild von Dresdner
Dresdner Dresdner ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 05.10.2008
Ort: Dresden
Beiträge: 2.287
Standard AW: historisches Vokabular der Technikgeschichte

@ Telefon
In der DDR wurde der Viertelanschluss als Viereranschluss bezeichnet, zu beiden Bezeichnungen siehe auch http://www.bayern-online.com/v2261/a...anschluss.html.
Hatten wir schon Amtsanschluss, 0-Nummernapparat, Sonderleitungen, Sondertelefonnetz?
Dresdner
__________________
www.bergbahngeschichte.de
Mit Zitat antworten
  #30  
Alt 21.12.2012, 17:47
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.09.2005
Beiträge: 2.559
Standard AW: historisches Vokabular der Technikgeschichte

Ich erinnere mich an Telefonkabinen im Postamt, für Ferngespräche, die
angemeldet werden mußten. Man bekam dann die Nummer gesagt und
mußte hinterher am Schalter zahlen. Das waren noch Zeiten!-Ulrike
Mit Zitat antworten
Antwort

Stichworte
linguistik, sprachwissenschaft, technik, technikgeschichte, techniksteinzeit, vokabular

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist An.
Smileys sind An.
[IMG] Code ist An.
HTML-Code ist Aus.

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 04:18 Uhr.


©2000 - 2019 www.SAGEN.at