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  #11  
Alt 29.01.2010, 16:12
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Standard AW: Bisamberg-Sendemasten werden gesprengt

Zitat:
Welchen "Sinn" hat z.B. das Goldene Dachl?
Doch das "Goldene Dachl" erfüllt seit vielen Generationen eine maßgebliche Funktion: als Treffpunkt!
Seit vielen Generationen heißt es etwa: "Wir treffen uns um 7 beim Goldenen Dachl!" - Da kann man sich nicht verpassen...

Daher ist das "Goldene Dachl" durchaus sinnvoll!

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #12  
Alt 29.01.2010, 20:08
Verkehrsarchiv Verkehrsarchiv ist offline
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Standard AW: Bisamberg-Sendemasten werden gesprengt

Was macht ein Wahrzeichen aus:

die (technische) Meisterleistung sowie

sein (internationaler) Bekanntheitsgrad

Beides trifft auf die Europabrücke eindeutig zu! Bis zur Eröffnung der Autobahnbrücke in der Tarnschlucht (Frankreich) war sie auch die höchste Brücke Europas, meines Wissens...

Also wenn das kein Wahrzeichen (neumodisch Landmark) ausmacht? Und mein Vergleich war rein auf die Höhe bezogen (im Vergleich zu den beiden Sendemasten in Aldrans, die "nur" 40 m niedriger waren!)

Sicher war die Brücke ein Wunsch lokaler Politiker damals und heute eher für selbige Ortschaften z.T. ein Fluch... (wobei das Stubai selbst und damit auch der Gletscher schon davon profitiert haben)

Die Brücke ist heute sicher aber auch Sinnbild für den überbordenden Transit und somit auch nicht ganz wertfrei in Tirol zu sehen.
NUR:

erstens erzeugen wir alle den Transit (weil viele (nicht alle) diese Artikel auch käuflich unterstützen oder mit dem eigenen Auto gen Süden fahren wollen/müssen...

zweitens waren neue Bauwerke nie wertfrei und es gab immer Widerstand gegen die Veränderung! Manchmal war diese gut, oft vielleicht auch weniger. Nur eines sei angemerkt: die Veränderung Europabrücke wurde damals jubelnd von vielen Leuten erwartet (da gab es noch keine Grünbewegung)

Ich möchte mich daher harry anschliessen und möchte meinerseits Emotionen dem Bauwerk gegenüber draussen lassen. Rein technikhistorisch betrachtet ist es ein Wahrzeichen und zwar eines der eindrücklichsten aufgrund seiner Grösse! Vergleichbar mit einer Trisannabrücke der Arlbergbahn 1884, nur dass diese einem anderen (heute umweltfreundlicherem) Verkehrsmittel dient...

Um aber back to topic zu kommen: manche mögen auch die beiden Sendemastriesen am Bisamberg als störend, landschaftsverschandelnd oder was auch immer sehen. Nüchtern betrachtet wären diese aber (würden die Kosten heute nicht so eine Rolle spielen) ein ausgesprochen schützenswertes Ensemble analoger Rundfunktechnik (wie lange gibt es denn die noch ;-) )
Ebenso hätte man es seinerzeit bei den Masten in Aldrans (aus dem Jahre 1927!!!) sehen müssen, tat man aber LEIDER nicht, obwohl sogar die Gemeinde selbst für einen Erhalt ihres dieses Landmarks war! Ich weiss noch gut als Kind, wie diese beiden Masten den Kirchturm bei weitem und gut sichtbar in ihrer charakteristischen Lackierung überstrahlten (im wahrsten Sinne des Wortes). Die Masten sah man von weitem, noch lange vor dem Kirchturm und ihre Abspannungen waren für mich sehr beeindruckend!

Das nur als meine persönliche Meinung!

LG
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  #13  
Alt 30.01.2010, 20:41
Benutzerbild von Dresdner
Dresdner Dresdner ist offline
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Standard AW: Bisamberg-Sendemasten werden gesprengt

Ich habs schon in einem anderen Threadt geschrieben: eine Zierde der Gegend sind die Sendemasten bestimmt nicht.
Wenn jetzt 20 Jahre nach den politischen Erdbeben endlich weitere Relikte des kalten Krieges verschwinden, ist das auch mehr als überfällig.
Schaut euch den Brocken an. Auch dort ist vieles an Relikten gefallen, die Natur erobert sich ihr Terrain zurück. Eure Enkel werdens euch danken.
Dresdner
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  #14  
Alt 30.01.2010, 20:54
harry harry ist offline
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Standard AW: Bisamberg-Sendemasten werden gesprengt

Da braucht gottseidank nicht viel "renaturiert" zu werden. Ein paar Quadratmeter von den Senderfüßen und den Seilankern. Ansonsten Wiesen, Weinberge und Mischwald. Es ist ein lohnendes Ausflugsziel!
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Harry
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  #15  
Alt 30.01.2010, 21:01
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
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Standard AW: Bisamberg-Sendemasten werden gesprengt

Mittelwellenradio nur auf den Kalten Krieg zu reduzieren ist meines Erachtens nicht richtig.
Abgesehen davon, dass Mittelwelle und Kurzwelle teilweise noch recht lange im 20. Jahrhundert eine regionale Versorgungsfunktion hatten, sah der ORF (Österreichische Rundfunk) auch eine Aufgabe darin, Österreicher und interessierte auf der ganzen Welt aus Österreich zu informieren.

Ich sehe eben auf der Webseite von "ROI - Raidio Österreich International", dass das Programm wegen Webradio enorm, also auf nur noch einige Minuten täglich geschrumpft ist...

Zweifellos erinnere ich mich auch an Zeiten, wo der ORF in Russisch etc. ganz fröhlich über den Eisernen Vorhang hinweg gestrahlt hat - ob das Westradio für die Sowjetunion oder die Versorgung der Auslandsösterreicher höhere Priorität hatten, kann ich nicht beurteilen.
Aber es gab sicher beide Aufträge.

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #16  
Alt 30.01.2010, 22:23
Verkehrsarchiv Verkehrsarchiv ist offline
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Standard AW: Bisamberg-Sendemasten werden gesprengt

Mittelwelle auf den Kalten Krieg zu reduzieren zeugt von Unkenntnis der Materie meines Erachtens nach. Diese beiden Sendemasten dienten hauptsächlich (bis zur grossen Wellenreform des ORF) zur Versorgung Österreichs mit den Radioprogrammen, die bis 1967 hauptsächlich auf Mittelwelle gesendet wurden! (so wie früher ja in Deutschland auch, nur erfolgte hier die Einführung von UKW insbesondere der strikten Zonenteilung wegen etwas früher, in Österreich war hier v.a. die Topografie ein schwerwiegendes Hindernis)
Ob diese Masten gefallen kann genauso diskuttiert und bestritten werden, wie ob jemanden das massive Stahlgerüst der Dresdner Hängebahn gefällt. Beides sind Zeichen des Fortschritts oder damals moderner Technik, die ihre Ausprägung damals in Eisen und Stahl hatten. Später zählte ja grossteils nur mehr Beton (siehe Sendermast am Kitzbühler Horn). Ob das schöner ist...?

Die beiden Masten sind Ausdruck des informationstechnischen Aufbruches in eine neue Zeit, die denke ich heute die Mehrzahl der Menschen (Technikverweigerer gibt es überall) nicht mehr wegdenken wollen. Man kann diese Epoche des analogen Rundfunks einfach auslöschen oder sich darum bemühen charakteristische und epochenprägende Elemente (Sendemasten, Senderstudios und Empfängeranlagen) zu erhalten. Das Erhalten von Empfängeranlagen (Radios, Fernsehern z.B.) erfolgt zu grossen Teilen in privater Hand und ist der Grösse wegen auch dort gut möglich. Anders sieht es da schon bei den (staatlichen) Sendeanlagen aus, die nicht einfach in ein Wohnzimmer passen... Hier wäre ein sensiblerer Umgang sicher wichtig...

und noch zum Abschluss: Will man politisch Radio senden erfolgt dies zumeist der besseren Verbreitung in grösserer Entfernung wegen in Kurzwelle....

Und dass gerade im deutsch-deutschen Verhältnis Sendemasten auch eine etwas belastete Rollen spielen kann das Beispiel der kürzlich abgerissenen Sendemasten in Höbeck und Berlin Frohnau sicher gut belegen. Auf diese bezog sich wohl Dresdner in Unkenntnis der ursprünglichen Aufgabe der Bisambergmasten. Die beiden deutschen Masten ermöglichten auch Westempfang und waren der sogenannten deutschen sogenannten demokratischen sogenannten Republik ein Dorn im Auge...
Eine Antwort darauf war sicher eines der Wahrzeichen Berlins heutzutage, das unter sehr fragwürdigem politischen Einfluss entstanden ist, der Berliner Fernsehturm, Deutschlands höchstes Bauwerk mit 368 m. Seine Errichtung lässt nur mit einem Zitat, das den Aberwitz manch totalitärem Regime zeigt, zeichnen: „Eine Stadtkrone, die alles überragt und von der Sieghaftigkeit des Sozialismus kündet.“

Betrachtet man aber auch hier die technischen Bauwerke abseits von politischen Einflüssen oder Ge- und Missbrauch kann man feststellen, dass sie eine wichtige Ausprägung und Epoche des Informationszeitalters darstellen, in dem wir heute noch leben. Sie stellen quasi den Anfang dar oder lassen den Anfang erahnen (die derzeitigen Masten sind ja von 1959). Ohne solche Zeugnisse werden wir uns sehr schwer tun unseren Kindern dereinst die Kinderschuhe des elektronischen Informationsalters anschaulich erklären zu können. Schade um die technische Leistung (die scheinbar auch immer eine politische Komponente auslöst, die mitzuschwingen scheint, auf die technische Funktion aus solches aber kaum einen Einfluss hat)

LG
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  #17  
Alt 31.01.2010, 02:57
harry harry ist offline
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Standard AW: Bisamberg-Sendemasten werden gesprengt

Ich habe die Entwicklung des Radios von der Mittelwelle zur UKW hautnah miterlebt:
In meiner Kindheit waren Radioempfänger, die auch KW-Empfangsmöglichkeit hatten, eher eine Seltenheit. Erst nach und nach setzte sich die Ultrakurzwelle durch. Wie Verkehrsarchiv richtig bemerkte war auch die Reichweite und damit die Abdeckung in unserem bergigen Land noch sehr gering. Ultrakurzwellen können nur im optischen Sichtbereich empfangen werden. Mittelwelle hörte man praktisch überall.

Im Internat waren Betten in Fenster- (=Zentralheizungs-) nähe ein begehrter Schlafplatz. Hier konnte man seinen "Detektor" anhängen und abends radiohören. Der Detektor - streng verboten - bestand aus einer Hörmuschel (aus schwarzem Bakellit) eines Kopfhörers, in das eine Diode eingelötet wurde. Dieser primitive Schwingkreis reichte zum Mittelwellenempfang.

Der Mittelwellen-Sendemast ist von meinem Fenster aus zu sehen. Seit meiner Kindheit sehe ich ihn morgens beim Aufstehen und abends beim Schlafengehen, ich kann ihn mir vom Bisamberg kaum wegdenken.

ein etwas wehmütiger
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Harry
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  #18  
Alt 23.02.2010, 16:38
Verkehrsarchiv Verkehrsarchiv ist offline
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Standard AW: Bisamberg-Sendemasten werden gesprengt

die beiden Bisamberg-Masten sollen meiner Information nach bereits morgen, den 24. Februar 2010 gesprengt werden...

Damit verschwindet das höchste Bauwerk Österreichs und eine technische Meisterleistung...
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  #19  
Alt 24.02.2010, 14:04
harry harry ist offline
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Standard AW: Bisamberg-Sendemasten werden gesprengt

Der kleinere der beiden Sender ist bereits gefallen ....

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Harry
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  #20  
Alt 24.02.2010, 14:07
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Standard AW: Bisamberg-Sendemasten werden gesprengt

Perfektes Dokumentarfoto, extrem flink veröffentlicht!

Wolfgang (SAGEN.at)
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Stichworte
bisamberg, mittelwelle, sendemasten, sender, sprengung, wien

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