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  #1  
Alt 27.12.2008, 12:16
gropli gropli ist offline
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Standard „Hexen“ und Hanf?

Grüezi

In unserer Region gibt es zahlreiche Orte, die in den lokalen Sagen und Erzählungen mit „Hexen“ in Verbindung gebracht werden. An diesen Orten sollen sich die Hexen zum Tanzen getroffen haben. Mancherorts tanzten sie mit dem Teufel oder flogen durch die Luft – ihr kennt diese Sagen.

Erstaunlicherweise haben die beschriebenen Orte etwas gemeinsam. Sie liegen immer weit entfernt von den Siedlungen und am Rande von Riedern oder kleinen Bächen. Anhand der Flurnamen und/oder der Örtlichkeiten kann ich einen Zusammenhang mit dem Hanf-Anbau nachweisen.

Nun meine Fragen:
Wurde früher der Faser-Hanf geraucht? Belege?
Und hatte der damals verwendete Hanf eine berauschende Wirkung?
Gibt es einen Zusammenhang zwischen „Hexentanz“ und Hanfkonsum?


Gruss gropli

.
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  #2  
Alt 28.12.2008, 14:11
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: „Hexen“ und Hanf?

Interessante These! Bei uns gibt es einen "Hexenplatz", in der Nähe z.B. ein
Flurname: Brunsiepen. Hanfanbau wüßte ich bisher nicht, werde mal im
Archiv Erkundigungen einholen. Das kann natürlich erst nach den FERIEN
geschehen! Wünsche ein gutes neues Jahr: Ulrike
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  #3  
Alt 29.12.2008, 11:02
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: „Hexen“ und Hanf?

Bei uns (in Westfalen) wurde tatsächlich Hanf angebaut-für Seilereien z.B.
Werde mich weiter umhören! Ulrike
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  #4  
Alt 29.12.2008, 11:13
gropli gropli ist offline
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Standard AW: „Hexen“ und Hanf?

Zitat:
Zitat von Ulrike Berkenhoff Beitrag anzeigen
Bei uns (in Westfalen) wurde tatsächlich Hanf angebaut-für Seilereien z.B. Werde mich weiter umhören! Ulrike
Grüezi Ulrike
Selbstverständlich wurde früher (Faser-)Hanf angebaut, das war nichts aussergewöhnliches. Man war bis in die 1940-er Jahre auf die pflanzlichen Fasern angewiesen, da man zuwenig tierische Fasern zur Verfügung hatte. Erst die Kunstfasern brachten dann die Entlastung...

Gruss gropli
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  #5  
Alt 29.12.2008, 22:11
Berit (SAGEN.at) Berit (SAGEN.at) ist offline
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Standard AW: „Hexen“ und Hanf?

Hallo Gropli,

eine wirklich interessante Fragestellung!

Ich kann mir einen Zusammenhang auf breiter Ebene zwischen Hexen und Hanf nicht recht vorstellen, da du es aber in dem von dir untersuchten Gebiet nachweisen kannst, würde ich auf ein lokales Phänomen tippen.

In Nordtirol sind es nicht nur Plätze mit einer atemberaubenden Aussicht die der Sage nach als Hexentanzplätze (oder Kultplätze) gelten, sondern auch spröde Berggipfel, auf denen nichts angebaut werden kann.

Mir fällt dazu auch die mündliche Mitteilung eines alten Bauern aus dem Vinschgau ein, der die Hanfpflanze bzw. die Blätter des Hanfes nur daher kannte, weil das Vieh den Hanf eben nicht fressen mag. Hanf galt auf seinem Hof im Vinschgau als Unkraut und wurde nicht verwendet.

Wenn ich mir allerdings Hanf bildlich vorstelle, dann fällt mir natürlich das "Haar" (sprich Leinen aus der Flachspflanze) ein und damit auch die bei uns bekannte Sagengestalt der Saligen. Im Salzburgischen dürfte, wie auch in Tirol, ein Zusammenhang zwischen "Haar" und der weiblichen Dämonengestalt "Percht" bestehen.

Ich kann mir weniger einen frühen Gebrauch des Hanfes als Rauschmittel vorstellen, sondern würde eher dem "Hexen/Haar" nachgehen.

Würde mich wirklich interessieren was du noch dazu ausfindig machst!

Beste Grüße

Berit
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  #6  
Alt 30.12.2008, 01:02
gropli gropli ist offline
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Standard AW: „Hexen“ und Hanf?

Zitat:
Zitat von Berit (SAGEN.at) Beitrag anzeigen
Hallo Gropli,

eine wirklich interessante Fragestellung!

Ich kann mir einen Zusammenhang auf breiter Ebene zwischen Hexen und Hanf nicht recht vorstellen, da du es aber in dem von dir untersuchten Gebiet nachweisen kannst, würde ich auf ein lokales Phänomen tippen.
....
Ich kann mir weniger einen frühen Gebrauch des Hanfes als Rauschmittel vorstellen, sondern würde eher dem "Hexen/Haar" nachgehen.

Beste Grüße

Berit
...nein, nein. Es müsste einen Zusammenhang zwischen Hanfanbau/verarbeitung, Tanzen und Hexen geben. Und das Phänomen ist nicht lokal, sondern weitherum nachweisbar.

Gruss gropli

.
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  #7  
Alt 30.12.2008, 13:05
dolasilla dolasilla ist offline
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Standard AW: „Hexen“ und Hanf?

Leider hab ich keine Antworten, statt dessen noch mehr Fragen...

Der Faserhanf (also der, den man legal anbauen darf) hat meines Wissens kein oder nur ungenügend viel THC, als dass er sich zum Kiffen ("berauschen") eignen würde (deswegen ist er ja auch legal). Ich weiß allerdings nicht, ob das schon immer so war, also dass es immer schon zwei verschiedene Hanfsorten (eine mit und eine ohne THC) gegeben hat, oder ob halt mal eine so gezüchtet wurde, dass es kein THC hat *grübel*

Vielleicht haben die sogenannten "Hexen" den Hanf (die Fasern) auch nicht geraucht, sondern damit geräuchert (die Samen)? Oder sie haben die Samen gemörsert (ev. vorher geröstet), mit anderen Kräutern und Ölen vermischt und dann wurde die berühmt-berüchtigte Flugsalbe (von der meines Wissens kein vollständiges Rezept überliefert ist) draus?

Ich hab jetzt grad ein bissl im "Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens" gestöbert und bin da über die "Fimmelfrau" gestolpert: "Fimmelfrau ist einer der Namen des Korngeistes am thurgauischen Untersee, von der man den Kindern erzählt, dass sie das Korn (die Körner des Hanfs) schwer machen, bösen Menschen hingegen Schaden zufüge. Fimmeln sind die männlichen Hanfpflanzen." Die Beschreibung "Körner schwer machen" deute ich als "reiche Ernte".

Ob's jetzt dort in der Nähe einen Hexentanzplatz gibt, weiß ich nicht, aber ich vermute es mal

Aaaber: Bekanntlicherweise eignen sich ja nur die weibliche Pflanzen des Hanfs zum Bekiffen - die männlichen nicht (weil diese kein THC enthalten).

Das wiederum würde keinen sinnvollen Zusammenhang zwischen Hexentanzplätzen und Hanfanbau zwecks Berauschung erkennen lassen.

Aber das ist ja auch noch nicht der Weisheit letzter Schluss...

LG,
Dolasilla
__________________
"Ein kluges Weib in seinem dunklen Drang ist sich des rechten Weges wohl bewusst" (Irmtraud Morgner)

Geändert von dolasilla (30.12.2008 um 13:38 Uhr) Grund: Text erweitert
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  #8  
Alt 30.12.2008, 13:45
gropli gropli ist offline
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Standard AW: „Hexen“ und Hanf?

Zitat:
Zitat von dolasilla Beitrag anzeigen
Der Faserhanf (also der, den man legal anbauen darf) hat meines Wissens kein oder nur ungenügend viel THC, als dass er sich zum Kiffen ("berauschen") eignen würde (deswegen ist er ja auch legal). Ich weiß allerdings nicht, ob das schon immer so war, also dass es immer schon zwei verschiedene Hanfsorten (eine mit und eine ohne THC) gegeben hat, oder ob halt mal eine so gezüchtet wurde, dass es kein THC hat *grübel*
Grüezi dolasilla
Dem Hanf wurde tatsächlich das THC weggezüchtet, früher hatte jede Hanfsorte genug davon, um...
Die Hanfsamen sind sehr ölhaltig. Sie wurden anscheinend zu Öl und Salben (Flugsalbe?) verarbeitet. Aber eigenartiger Weise wird nirgends erwähnt, dass man Hanf rauchte oder sonst wie zur Berauschung eingesetzte.

Gruss gropli

.
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  #9  
Alt 30.12.2008, 13:50
gropli gropli ist offline
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Standard AW: „Hexen“ und Hanf?

Zitat:
Zitat von dolasilla Beitrag anzeigen
Ich hab jetzt grad ein bissl im "Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens" gestöbert und bin da über die "Fimmelfrau" gestolpert: "Fimmelfrau ist einer der Namen des Korngeistes am thurgauischen Untersee, von der man den Kindern erzählt, dass sie das Korn (die Körner des Hanfs) schwer machen, bösen Menschen hingegen Schaden zufüge. Fimmeln sind die männlichen Hanfpflanzen." Die Beschreibung "Körner schwer machen" deute ich als "reiche Ernte".
Mit "Korn" bezeichnete man in der Regel das vorwiegend angebaute Getreide. In Deutschland ist "Korn" Weizen, in den USA Mais, andernorts Hirse usw.

Gruss Gropli


.
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  #10  
Alt 30.12.2008, 13:50
dolasilla dolasilla ist offline
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Standard AW: „Hexen“ und Hanf?

Zitat:
Zitat von gropli Beitrag anzeigen
Grüezi dolasilla
Dem Hanf wurde tatsächlich das THC weggezüchtet, früher hatte jede Hanfsorte genug davon, um...
Ah, wieder was dazugelernt, danke

Zitat:
Zitat von gropli Beitrag anzeigen
Aber eigenartiger Weise wird nirgends erwähnt, dass man Hanf rauchte oder sonst wie zur Berauschung eingesetzte.
Klar - wenn die Fimmelfrau (siehe mein obiges Posting) nur die männlichen Hanfpflanzen fördert, dann wird's klarerweise auch nix mit dem Kiffen und Berauschen...

LG,
Dolasilla
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