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  #11  
Alt 12.12.2008, 22:06
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
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Standard AW: Speck aus Südtirol

In meiner urbanen Gegend (Innsbruck) ist alle paar hundert Meter ein Supermarkt, allerdings praktisch kein Bäcker, Fleischhauer etc.

Ich war gerade eben wieder in der "Markthalle", dort gibt es noch einen der letzten Fleischhauer und Bäcker in der ganzen Stadt.

Als Ferialjob habe ich vor vielen Jahren beim größten industriellen Lebensmittelhersteller Österreichs gearbeitet (der einen bekannten Billig-Supermarkt ausstattet) und will hier nur berichten, das war echt grauslich...

Allerdings muss das auch relativiert werden, weil ich denke, dass sich der Schimmel, die Insekten, Tierteile und all das Zeugs doch wieder in der Produktion halbwegs verteilt...

Jedenfalls wurde in diesem Lebensmittel-Industriebetrieb sehr genau in der Produktion bzw Produktionsqualität unterschieden, ob etwa die Marmelade oder der Honig zu einem Auftrag der Eigenmarke, eines Wiener Delikatessen-Geschäftes, der bekannten Billig-Kette oder ins Ausland gehört. Bei Adressen im "Ausland" wurden dann einige Dinge ausgelassen, Kontrolllen gab es bei der Produktion für ausländische Auftraggeber prinzipiell nicht, wohingegen sich die Lebensmittelkontrolle zumindest bei der Eigenmarke ausdrücklich 10 Minuten vor ihrem Erscheinen angekündigt hat.

Was ich mit diesem Beispiel sagen will:
Ich denke, es ist für einen industriellen Lebensmittelproduzenten wohl mehr als selbstverständlich, dass die Eigenmarke die beste Qualität hat, die Qualität für einen gelegentlichen Besteller in 2000 km Ferne kaum eine Rolle spielt.

Ich bin in keiner Weise u.a. etwa in der Ethnologie (wie hier auf SAGEN.at demonstriert) auf meine Region beschränkt, für mich gibt es den Begriff "Ausland" eigentlich nicht, ganz Europa und noch viel mehr Regionen gilt es für mich noch zu entdecken - allerdings bei meiner Ernährung verzichte ich gerne auf weite Tiertransporte und Sojabohnen aus ehemaligen brasilianischen Urwäldern etc.

Daher hätte ich einen Vorschlag für findige Unternehmer:

Wenn jemand ein Lebensmittelgeschäft gründen würde, das seine Produkte tatsächlich nur aus der Region bezieht, würde ich für dieses Geschäft auch an das andere Ende der Stadt fahren.

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #12  
Alt 13.12.2008, 18:05
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Beiträge: 2.559
Frage AW: Speck aus Südtirol

Auch in unserer Region gibt es die sog. "Hofläden", darunter sogar ein
Ziegenbauer. Der Ziegenkäse ist begehrt! - Ein Erlebnis vorhin auf dem
Wochenmarkt. Beim Gemüsebauern kaufte ich einen Blumenkohl und
schaute noch nach Äpfeln. Ich fragte die Verkäuferin: Haben Sie noch Äpfel
aus eigener Ernte? Sie schaute schon etwas komisch: Nein, nicht mehr.
Wo haben Sie denn die Äpfel her, von der Elbe (Altes Land-sehr bekannt)?
An einem Karton entdeckte ich diese Herkunft, die Verkäuferin : diese ja.
Und die anderen? Keine Antwort. Wat nu? - Viele Grüße von Ulrike!
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  #13  
Alt 13.12.2008, 18:13
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.09.2005
Beiträge: 2.559
Frage AW: Speck aus Südtirol

Was ist bitte "Kriecherlschnaps"?
Wir setzen auch den sog. "Aufgesetzten" an: Schwarze Johannisbeeren mit
Kandiszucker u. klarem Schnaps! In eine Flasche ca. 2 Finger breit Früchte u.
Kandis darauf, mit Schnaps bedecken. Später durchfiltern u. auffüllen. !
- Ulrike
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  #14  
Alt 13.12.2008, 18:20
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
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Ort: Innsbruck
Beiträge: 28.775
Standard AW: Speck aus Südtirol

Zitat:
Was ist bitte "Kriecherlschnaps"?
Kriecherl = Kriechtiere bzw. Käfer.
ich vermute, Cerambyx setzt seinen Schnaps aus Käfern an?

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #15  
Alt 13.12.2008, 20:47
harry harry ist offline
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Registriert seit: 29.04.2005
Ort: Klosterneuburg, Bezirk Tulln
Beiträge: 11.556
Standard AW: Speck aus Südtirol

Das "Kriecherl" ist ein Steinobst.
Die genaue Definition fand ich im "Österreichischen Wörterbuch"

http://=www.oesterreichisch.net/oest...Kriecherl.html
__________________
Harry

Geändert von harry (16.12.2008 um 15:33 Uhr) Grund: Schreibfehler
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  #16  
Alt 16.12.2008, 10:57
Benutzerbild von Oksana
Oksana Oksana ist offline
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Lächeln AW: Speck aus Südtirol

Ich bin auch dafür, dass man besser die heimischen Produkte essen sollte. Sie kommen schneller auf unseren Tisch und haben dadurch bessere Qualität. Denn wo sie nicht weit transportiert werden müssen, bekommen sie während des Produktionsprozesses keine/wenig Kunststoffe und Konservante zur längeren Haltung.

Es ist auch schon genug, dass die Ökologie in den industriellen Gegenden schlecht ist – schmutzige Luft, schlechtes Wasser… Andere Sache ist, dass wir hier im Norden z.B. ziemlich begrenzt sind. Hühner, Milch, Kartoffel – diese Produkte kaufe ich nur aus der Region, auch wenn Hühner von der heimischen Fabrik teurer sind als die aus den USA gebrachten („Beine von Bush“ – so hat das Volk die unnatürlich großen Hühnerbeine aus Amerika genannt, die früher in jedem Geschäft waren. In den letzten Jahren hat sich die heimische Lebensmittelherstellung zum Glück ziemlich rasch und gut entwickelt und die Situation etwas geändert).

Manches aber, vor allem natürlich Obst, muss zu uns gebracht werden. Und da ist schon der Mensch selbst dafür verantwortlich, was er für sich wählt. Ich habe einmal Dill gesehen, gebracht aus Polen oder Deutschland – Blödsinn!!! Bei den Äpfeln wähle ich z.B. die vom Süden unseres Landes, nicht die aus Ausland gebrachten. Aber auch dann, auch wenn sie natürlicher aussehen und nicht so hoch glänzen, ist es nicht genug, sie einfach mit dem Wasser aus der Wasserleitung zu waschen, das in Archangelsk übrigens auch schlecht ist. Ich habe einmal einen Apfel auf eine enge Tasse gelegt (nicht „in“, sondern „auf“) und dann mit eben gekochtem Wasser übergossen. Was haben wir nun in der Tasse? – das Wasser und grauen Schleier/Schaum… Seitdem verfahre ich nur so.

Ausserdem glaube ich an die Theorie des “genetischen Gedächtnisses”. Das heißt, viele Generationen, die in dieser Region lebten, darunter auch meine Vorfahren, haben sich hauptsächlich von dem ernährt, was sie hier bekommen konnten. Diese Information haben wir in unserem genetischen Gedächtnis. Die „heimischen“ (in diesem Fall nicht nur hier hergestellt, sondern hier traditionell gegessen) Produkte tun uns gut. Und wenn wir „fremde“ Produkte in großen Mengen essen, hat es negativen Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Ich kann gleichgültig die 55 Arten von Wurst und Schinken in einem Geschäft anschauen („fremdes“ Essen), aber wenn ich eine Woche lang keinen Fisch esse, bekomme ich richtige Entzugssymptome, wie bei Nikotin- oder Alkoholabhängigkeit…

Es ist zwar nicht ganz zur Idee des ersten Beitrags "heimische Produkte aus heimischen Rohstoffen", beim umfangreichen Thema „Ernährung“ kann man aber wirklich über so Vieles diskutieren…

PS Oh, und letzte Woche habe ich in einem „guten“ großen Lebensmittelgeschäft (fast Supermarkt) eine hübsche graue Maus gesehen

PPS Das oben gesagte bezieht sich keinesfalls auf die Mandarinen aus Marokko, ohne die kann ich den Winter und das Neujahr nicht vorstellen

Und jetzt - Mittagspause! Malzeit!

Lg Oksana
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  #17  
Alt 17.12.2008, 18:39
Berit (SAGEN.at) Berit (SAGEN.at) ist offline
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Beiträge: 2.512
Standard AW: Speck aus Südtirol

@Dresdner

Ich verstehe den Text von Oksana als einen Bericht aus Archangelsk und ich glaube nicht, dass sie die Ökologie in industriellen Gegenden verallgemeinern will. Das du dich daraufhin angesprochen fühlst verstehe ich, nichts desto trotz hat doch gerade der Umweltschutz sehr viel mit Politik zu tun und wenn nicht Leitsätze und Maßnahmen von der Regierung gesetzt werden, dann ändert sich auch nichts. Und wenn wir uns als Private 10 mal darüber ärgern das das Inntal von Auspuffgasen vergiftet wird, die Wipptaler Milch (so weit ich weiß) nur als "Mischmilch" vermarktet werden kann, es nützt alles nichts wenn nicht die Politik hier eingreift.

Ich finde deine Äußerung
Zitat:
Sicher ist es auch immer eine Frage des Geldes und der Mentalität eines Volkes, wie man mit diesen Dingen umgeht
sehr beleidigend.
Genau wie die folgende, wenn auch nicht eindeutig von dir ausgesprochen
Zitat:
Wie man das Ganze in Italien handhabt, kann man hier lesen
Aber solltest du es nicht so gemeint haben, dann mögest du doch bitte in 2 Sätzen ausdrücken was du meinst und nicht einfach einen Link setzen.

Verallgemeinerungen über Völker und Länder haben in diesem Forum nichts verloren!!!

Berit
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  #18  
Alt 17.12.2008, 19:48
Benutzerbild von Dresdner
Dresdner Dresdner ist offline
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Standard AW: Speck aus Südtirol

Da mein Beitrag offensichtlich missverständliche Aussagen enthielt, wurde er gelöscht.
Bei Interesse bin ich gern bereit, zu diesen Aussagen eine Diskussion zu führen.
MfG Dresdner
__________________
www.bergbahngeschichte.de
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  #19  
Alt 17.12.2008, 20:15
Benutzerbild von Dresdner
Dresdner Dresdner ist offline
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Standard AW: Speck aus Südtirol

Hier noch einmal meine hoffentlich nicht missverständlichen Aussagen zum eigentlichen Thema.

Zitat:
Welch glückliche Menschen, die ihren kompletten Lebensmittelbedarf vom persönlich bekannten Bauern um die Ecke beziehen. Das klingt nach "guter alter Zeit", welche, wenn man genau hinschaut, gar nicht immer so gut war.
Das ganze Problem ist ein Ergebnis der Globalisierung - immer mehr Menschen in immer mehr Gegenden dieser Welt wollen nicht nur alle Informationen, alle Reisemöglichkeiten, nein - sie wollen auch möglichst viele Produkte zu jeder Zeit haben.
Ob der Speck in Östereich, der Stollen in Dresden, die Lebkuchen in Nürnberg und die Pfefferkuchen in Pulsnitz immer am besten schmecken? Ich esse österreichischen Speck bei einem Urlaubsaufenthalt in Kärnten oder Südtirol gern, aber der der verschweisste Speck als "Mitbringsel" kann dem frischen Speck eines einheimischen Fleischers bei weitem nicht Konkurrenz machen. Ebenso gibt es bestimmt Innsbrucker Bäcker, deren Christstollen besser als das Dresdner Original schmeckt, wobei es den Speck und den Stollen sowieso nicht gibt.
Unabhängig davon muss es für viele Leute aber unbedingt österreichischer Speck und Dresdner Christstollen sein. Da ja bekanntlich in unserer Gesellschaft die Nachfrage das Angebot bestimmt ist es nur natürlich, dass die österreichischen Speckproduzenten auf die im Eingangsartikel geschilderte Art und Weise die Nachfrage befriedigen. Wenn nicht genügend Massenware produziert wir, springen andere Hersteller in die Bresche.
Sind Bioprodukte immer besser als "normale" Waren aus dem Supermarkt? Auf alle Fälle sind sie teurer und in der Anfangszeit der Bioproduktion war sicher auch die Qualität höher. Heute ist auch Bioproduktion eine Massenproduktion und es ist länderspezifisch unterschiedlich, was unter Bio zu verstehen ist. Da sind in Bioprodukten eines Landes schon mal Zusatzstoffe enthalten, die in einem anderen Land verboten sind. Dazu kommen Skandale, wie der Betrug mit zehntausenden angeblichen Bioeiern aus Brandenburg, die in Wahrheit aus Käfighaltung kamen. Neueste Tests der Stiftung Warentest kamen zu vernichtenden Ergebnissen bei Biofruchtsäften.
Was die Qualität der Produktion "normaler Lebensmittel" betrifft, gibt es sicher immer negative Beispiele wie von Wolfgang berichtet; auch in Maischetanks von Brauereien hat man bei deren Reinigung tote Mäuse gefunden. Die andere Seite der Medaille ist jedoch, dass die Großabnehmer strenge Qualitätsanforderungen an ihre Lieferanten stellen und es sich kaum einer dieser Lieferanten leisten kann, dagegen mehrfach zu verstoßen. Die Konsequenz der Auslistung wäre in vielen Fällen das Aus für den Produzenten. Gefriergetrocknetes Gemüse z.B. enthält nachweislich mehr Nährstoffe als das Angebot frischen Gemüses auf dem Markt.
Das mit dem genetischen Gedächtnis mag stimmen, jedoch wird der Geschmack eines Menschen mehr davon geprägt, was er als Kleinkind zu essen bekommt. Da hilft auch alles gesunde Hipp und Milupa nicht, wenn die Kinder von den Eltern mit Süßigkeiten zu sehr verwöhnt werden.
Dresdner
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