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  #1  
Alt 19.10.2009, 21:21
Benutzerbild von adig
adig adig ist offline
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Registriert seit: 10.11.2007
Beiträge: 173
Standard Oh, diese Fremdwörter

+O diese Fremdwörter

Ein Übel hat der deutsche Mann:
er wendet gern' ein Fremdwort an'.
Und wenn man's deutsch auch sagen kann,
er wendet doch ein Fremdwort an.
Er impo-, defi-, deponiert,
er iso-, gratu-, defiliert,
er da-, zi-, dik-, und debutiert,
er do-, for-, insipi-, exerziert.
Er igno-, inser-, inspir- iert,
er bombar-, degra-, explo- diert,
er bus-, zen-, fri- und amü- siert,
er dekla-, bla-, und ani- miert.
O, du verflixte ier- erei!
Der Teufel hol' die Ziererei,
die Sprachenruiniererei,
und Bildungsparadiererei!


Oh, Goethe, hättest du's erlebt,
wie man die Sprache jetzt verwässert,
mit welschen Brocken sie durchwebt!
Du hättest Deinen Faust verbessert:
„Es -iert der Mensch, so lang er strebt“



Der Gebrauch von Fremdwörter hat schon 1910 einen unbekannten Verfasser zu einem Gedicht angeregt.
Brauchen wird wirklich alle diese Fremdwörter oder ist unser Wortschatz zu klein. Beruflich habe ich fast tagtäglich mit der englischen Sprache zu tun, als kleines Rad der Volkskultur bin ich aber bemüht, den Kulturschatz „Sprache“ und auch „Dialekt“, zu bewahren.
Auch in diesem Forum sollten wir, soweit als möglich, unsere Kultur bewahren!
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  #2  
Alt 20.10.2009, 12:27
alterego alterego ist offline
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Registriert seit: 04.08.2007
Beiträge: 579
Standard AW: Oh, diese Fremdwörter

Ein Thema, dessen sich Reinhard Mey im Jahr 1980 angenommen hat:

Poor Old Germany

Auf den Müll, Ihr Bücher! die ihr
Lang schon nicht mehr up to date
Dick und deutsch im Bücherschrank hier
Zwischen meinen paperbacks steht!
Deine Räuber sind längst killer,
Wilhelm Tell greift zur emm-pee.
Sorry for you, Freddy Schiller,
Sorry, poor old Germany!

Auch der Götz hat nachgelassen:
Wenn der heute flucht und schwört,
Bringt er's nur noch zu 'nem blassen
Ordinär'n four-letter word.
Werther ersäuft seine Nöte,
Faust sitzt in der Psychiatrie.
Sorry for you, Johnny Goethe,
Sorry, poor old Germany!

Mann, könntest Du die Urenkel
Des Ribbek auf Ribbek im Havelland seh'n!
Da öffnen sich Dir die Senkel,
Mein lieber Theo Fontane!
Ribbeks Birnbaum ist längst Asche,
Und der gutmüt'ge einstige Kinderfreund
Füllt als dealer sich die Tasche:
"Come here, baby! Willst'n joint?"

Weiß nicht, was soll es bedeuten,
Deine Worte sterben aus,
Sind nicht mehr in bei den Leuten,
Jetzt spricht alles wie die Mickymaus.
Loreley rettet alleine
Haar-Spray-Werbung im tee-vee.
Sorry for you, Henry Heine,
Sorry, poor old Germany!

Schade für uns, wie ich meine.
Sorry, dear old Germany!

Seitdem sind noch einige sprachliche Irrläufe dazugekommen, wie z.B. das Gendern.
Ich persönlich halte nichts davon, wenn die Mitarbeiter einer Firma in den MitarbeiterInnen schon drinstecken. (auch eine Form der Vergewaltigung)

Es wäre doch wesentlich wichtiger gleichen Lohn für gleiche Arbeit zu bieten, als mit solchen Alibigleichstellungen die Sprache zu malträtieren.
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  #3  
Alt 20.10.2009, 13:36
Benutzerbild von Dresdner
Dresdner Dresdner ist offline
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Registriert seit: 05.10.2008
Ort: Dresden
Beiträge: 2.275
Cool AW: Oh, diese Fremdwörter

Da kann ich dir nur rechtgeben.

Ich wünsche mir, dass es in D nun endlich gelingt, die deutsche Sprache ins Grundgesetz aufzunehmen - und diese Inhalte auch durchzusetzen.
Unabhängig von parteipolitischen Präferenzen setzen sich auch der Deutsche Lehrerverband sowie der Verband Deutsche Sprache für dieses Ziel ein.
Durch die Internetseite dieses Verbandes sollte man sich mal durchklicken, speziell zu dem Thema http://www.vds-ev.de/denglisch/argumente/index.php.
Viel Hoffnung habe ich allerdings nicht, was die konkrete Umsetzung betrifft. Wir Deutsche tun uns im Gegensatz zu Österreichern, Schweizern und Südtirolern verdammt schwer mit allen Dingen, die Identität bedeuten. Zum einen begründet durch unsere Geschichte, zum anderen durch die permanente Angst, deshalb etwas falsch zu machen.

Deshalb bleiben wir lieber backstage und veröffentlichen in unserer buddylist einen Teil unserer anatomie. Die facts sind doch wirklich eine message und auch, wenn wir in one world chillen, kommen nur einzelne teenes und milfs in die hall of fame. Könnt ihr im tv guide viewen.

Dresdner aus elbtown
__________________
www.bergbahngeschichte.de
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  #4  
Alt 20.10.2009, 14:14
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.09.2005
Beiträge: 2.510
Frage AW: Oh, diese Fremdwörter

Denglisch ist in - oder? - Übrigens hatten wir dies Thema hier schon mal,
speziell auch die "Verweiblichung" von Wörtern. Meine Schwester stieß mal
einigen Geschlechtsgenossinnen sauer auf, weil sie den Ausdruck "Teamerinnen"
beanstandete und diese belehrte, das Wort Team könne man (bezw.Frau)
nicht weiblich sagen. Auch ich bin in einem Team tätig, käme nie auf diese
"ultrafeministische" Idee zu verlangen, daß die Einladung an Teamer und
Teamerinnen geht (echt "Quatsch mit Soße")! Ja, die Sprache treibt Blüten.
Früher waren es die Gelehrten , die mit lateinischen Femdwörtern glänzten.
In der Wissenschaft finde ich dies gar nicht schlecht (Medizin u.a.)
Nun Brüder eine gute Nacht ... Geschlechtsgerecht ausgedrückt: Nun
Geschwister ... oder unter Frauen: Nun Schwestern ...
Auch die neue "Bibel in gerechter Sprache" war schon Zündstoff für
erregte Streitgespräche (hatten wir hier auch schon).
Der Hinweis: gerechte Löhne - ist dankbar anzunehmen. Denn oft müssen
Frauen für wenig(er) arbeiten und "ihren Mann stehen".
Übrigens: ich habe Buchhändler gelernt!
Eigentlich muß man seinen Beruf so angeben, wie er im Kaufmannsgehilfenbrief
steht. Natürlich sagt man heuer Buchhändlerin und auch Kauffrau, wobei ich
oft sage: ich habe Kaufmann im Einzelhandel gelernt. Es verschiebt sich
manches zwischen den Generationen, ich sehe alles nicht so eng!
Bemerke allerdings auch eine Unsicherheit bei den noch älteren, die null
Englisch gelernt haben, Begriffe des Alltags zu verstehen.
Dies vor allem bei Werbung für Telefon, Fernsehen, Energiesparangebote u.a.
Was bedeutet z.B. Yellow Strom (ein Beispiel, was ich meine).
Nun genug geschwatzt! Leider kommt man, wenn man sich für die deutsche
Sprache einsetzt, teilweise schon in gewissen Verruf (was wirklich nicht mein
Ding ist!).
Freundliche Grüße von Ulrike!
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