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  #11  
Alt 03.07.2008, 09:41
volker333 volker333 ist offline
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Lächeln AW: Der Thaurerkrieg in Hall - und ähnliche Beinahe-Katastrophen

Hallo,
hätte da auch eine Theorie anzubieten.
Von meinem verstorbenen Großvater, der in einer bäuerlichen Umgebung aufgewachsen ist, weiß ich ,dass sie sich in der Jugendzeit einen Spaß daraus machten, Kuhbremsen einzufangen, ihnen einen Strohhalm irgendwie quer durch das Hinterteil zu stechen und sie wieder fliegen zu lassen.
(Sag mir keiner das ist Tierquälerei!!)
Was spricht dagegen, dass es ein Jugendstreich war. 20 Bremsen mit brennendem Strohhalm mal so eben fliegen zu lassen?

Klingt verrückt, ist es auch.

So liebe Kinder und Jugendliche, das gerade von dir gelesene ist nicht zur Nachahmung gedacht. Ihr fackelt dabei ungezielt irgendwelche Wiesen, Sträucher, Häuser oder ähnliches ab.
Also Finger weg von Bremsen sonst gibts eine auf die Klatsche.

Feurige Grüße
Volker
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  #12  
Alt 03.07.2008, 10:49
far.a far.a ist offline
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Standard AW: Der Thaurerkrieg in Hall - und ähnliche Beinahe-Katastrophen

Hallo!
Für Deine Erklärungen in Bezug auf moderndes Holz bin ich sehr dankbar, da auch in meinen gesammelten Geschichtchen dieses Phänomen manchmal vorkommt - siehe Sage von den Buchwaldzwergen:
Die Buchwaldzwerge

Im Buchwald hausten einmal viele Zwerge, die einen eigenen König hatten, den Menschen aber übel gesinnt waren. Ihre Wohnungen lagen tief in der Erde und standen mit der Außenwelt durch gut verborgene Spalten in Verbindung. Diese Zwergenwohnungen waren jedoch keine finsteren Erd- und Lehmhöhlen, sondern prächtige kleine Schlösser, in denen es sich gut leben ließ.
Das schönste Zwergenschlößchen erhob sich im großen Absturz und wurde von den kleinen Männchen auf das schärfste bewacht. Bei Tag blieben die Zwerge unsichtbar, wenn aber die Mitternachtsstunde schlug, dann krochen sie durch die versteckten Erdspalten auf die Oberwelt, und es war nicht geraten, ihnen da in den Weg zu treten, denn jeder Mensch, der ihnen unterkam, wurde getötet. Gar mancher Mann, der in der Nacht aus Neugier in den Buchwald ging, um die Zwerge zu sehen, soll nicht mehr zurückgekehrt sein.
Eine Sage weiß auch zu erzählen, daß diese Zwerge, wenn am Abend der Mond aufging, vom Buchwald und vom großen Absturz über die Feistritz kamen und vor dem alten Kreuz auf der Straße zwischen Fürstenfeld und Altenmarkt ihre Tänze und Reigen aufführten, die bis zur Morgendämmerung währten. In dunklen Nächten aber waren auf den feuchten Wiesen oft kleine Lichtlein zu sehen, die man ebenfalls mit den Zwergen in Verbindung brachte.

Hausmann, Franz (Hrsg.): Oststeirische Sagen und Schwänke, Verlag Julius Schönwetter, o.J.

lg far.a
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  #13  
Alt 03.07.2008, 19:42
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baru baru ist offline
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Standard AW: Der Thaurerkrieg in Hall - und ähnliche Beinahe-Katastrophen

Zitat:
cerambyx: Baumstümpfe beginnen dann oft zu leuchten, wenn ....
Grüß dich, Norbert!
Danke für die tolle Erklärung! Jetzt kann ich auf meinen Sagenwanderungen die "Liachtl" und einen Haufen "kalter Glut" im Wald erklären!

Leni
__________________
Servus und a guate Zeit! Leni
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  #14  
Alt 04.07.2008, 14:43
D.F. D.F. ist offline
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Standard AW: Der Thaurerkrieg in Hall - und ähnliche Beinahe-Katastrophen

Lieber Norbert,

ich sehe ja, daß die Diskussionen am besten funktionieren, wenn einer so richtig "zwider" ist...
Also bin ich's!

Deine Erklärung mit phosphorezierendem, vermodernden Holz krankt im fraglichen Fall an zweierlei:
- es müßte ein plötzliches, einmaliges Massenleuchten gewesen sein, sonst hätte es kein Aufsehen erregt;
- es müßten bewegte Lichter gewesen sein, sonst hätte man kaum an Lichter einer herannahenden Truppe (bei der Größe von Thaur wohl eher: eines bewaffneten Haufens) gedacht.

Und ob in der Gegend, die für das Geschehen in Frage kommt, mit größeren Mengen vermodernden Holzes zu rechnen sein könnte, wäre separat zu klären.

Daher bin ich weiterhin der Meinung: Hier handelt es sich um ein etwas unsorgfältig auf Thaur - Hall übertragenes Erzählmotiv, dem keine realen Vorgänge zugrundeliegen.

Freudig auf Einwände wartend
mit den besten Wünschen für Wochenende, Sommer, Ferien...

D.F.
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  #15  
Alt 05.07.2008, 14:27
far.a far.a ist offline
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Standard AW: Der Thaurerkrieg in Hall - und ähnliche Beinahe-Katastrophen

Na, ja, zum bewegten Haufen:
So wie in der Sage der Buchwaldzwerge könnte ja phosphorizierendes Schwemmholz zu diesem Lichteffekt führen.
Oder bei aufsteigendem Nebel, bei letzten sehr schräg einfallenden Sonnenstrahlen könnte bei vom Erzähler verstärkt wiedergegebenen Bericht aus wenigem mehr geworden sein.
Es soll ja auch heute noch Leute geben, die übertreiben ...
lg far.a
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  #16  
Alt 05.07.2008, 19:06
D.F. D.F. ist offline
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Standard AW: Der Thaurerkrieg in Hall - und ähnliche Beinahe-Katastrophen

Der Angriff der Thaurer Flotte
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  #17  
Alt 07.07.2008, 15:56
Huber Huber ist offline
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Standard AW: Der Thaurerkrieg in Hall - und ähnliche Beinahe-Katastrophen

Gut, ich bin ja nun nicht gerade der Insektenspezialist, aber ...

mir selbst ist es einmal in der Steiermark auf ca. 1300 m Höhe und dazu noch Ende August im Rahmen einer Wanderung passiert, dass ein riesiger Schwarm
leuchtender Käfer sich gemütlich in einen Baum (vermutlich) zur Nachtruhe zurückzog. Sah tatsächlich aus, als würde der Baum an manchen Stellen in entflammen. Zeit ca. 21 h 45 - 22 h 15.
Die Wetterbedingungen am vorangegangenen Tag waren: morgens bis früher Nachmittag Temperaturen etwas über dreißig, danach heftiges Gewitter von der Art, wo die umliegenden Gipfel blitzumrankt sind (gut, da waren wir noch im 2000er-Bereich), 3/4-Stunde heftigster Regen, dadurch kurzfristig Abkühlung und danach in einen lauen Sommerabend endend.

Langer Rede, kurzer Sinn:
ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass die Thaurer irgendein Naturereignis missinterpretiert haben und Kriegsängste hatten. Aber vermutlich hatten sie dann auch ein schlechtes Gewissen.

lg
Erich
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  #18  
Alt 08.07.2008, 14:56
D.F. D.F. ist offline
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Standard AW: Der Thaurerkrieg in Hall - und ähnliche Beinahe-Katastrophen

Einen schönen guten Nachmittag allerseits!

Ich beobachte hier eine Tendenz, die sich auch in "größerer" Sagen- und Mythenforschung immer wieder zeigt: Man versucht mit aller Mühe, allen Verdrehungen und allen Krämpfen ein einziges Detail glaubhaft zu machen, um damit die Erzählung - und die Geschichte dahinter? - zu retten.
Denn ein wahrer Kern muß doch sein! Oder???

Aber was wurde angeboten:
- eine "kleine Eiszeit" und ein extrem kaltes Jahr, womit die realen Daten nicht wirklich gut übereinstimmen;
- modernd-phosphoreszierendes Holz, das sich nicht bewegt;
- modernd-phosphoreszierendes Treibholz, das schwerlich auf einer Strecke, die für einen Angriff tauglich wäre, von Thaur nach Hall kommt;
- Leuchtkäfer auf ca. 1300 m Meereshöhe gegenüber ca. 570 m von Hall...

Dagegen zu argumentieren, ist offenbar müßig. Fragen wir uns also doch etwas anderes:
Wie wahrscheinlich ist es, daß in einem leidlich wohlorganisierten Land, wie es dieser Teil von Tirol damals war, ein Dorf die Nachbarstadt nächtens mit Waffengewalt überfällt?
Wie wahrscheinlich ist es, daß jemand also vor einem solchen Überfall Angst hat?

Wie schaut's aus mit "Dorfkriegen"? Zur rechten Zeit in der richtigen Gegend!
Eine solche Sammlung könnte interessant sein.

Freundlichst grüßend
D.F.
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  #19  
Alt 16.12.2008, 16:54
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Standard AW: Der Thaurerkrieg in Hall - und ähnliche Beinahe-Katastrophen

Ich habe nun das Originaldokument (bzw eine Abschrift) zum Thaurerkrieg in Tirol gefunden:

Von ainer ungrintlichen zwidracht
["Thaurer krieg."]

Umb Bartholomei [24. August 1519] hat sich ain haimlicher widerwillen pegeben von der nachpaurschaft etlicher von Thaur gegen etlichen von Hall, von wegen der vichwaid im hallerfeld, alter vermainder grechtigkait halben. Auf sölichen haimlichen widerwillen ist zue abent ain unbegründts gassengeschray in der stat aufkommen, wie etlich nachpaurn von Thaur sich sehen lassn, verporgen pei den zeinnen im hallerfeld mit püxen und zintstricken. Auf solches gassngschrai (aus ungrundt) ist man in der stat bewegt worden, mit sambt ainem ersamen rat, inen widerstandt zue thain mit gewerter handt, aber durch den salzmair, derzeit Johann Zott, durch erfarung diser handlungen abgestelt worden, dan er ist personlich disen abent gen Thaur grittn, aber nicht grüntlichs oder dergleichen künnen erfarn. Man acht, es haben dise kundschäfter die sunnewend keferle gesehen gleissen wie die brinneten zintstrick pex den zeinnen. Man hats nachmals in gschwankweiss den Thaurerkrieg genent.

Quelle: Franz Schweyger's Chronik der Stadt Hall 1303 - 1572, herausgegeben von Dr. David Schönherr, Innsbruck 1867, S. 78

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #20  
Alt 16.12.2008, 18:57
D.F. D.F. ist offline
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Standard AW: Der Thaurerkrieg in Hall - und ähnliche Beinahe-Katastrophen

Einen schönen Abend allerseits!

Erstens vielen Dank für die Quelle!

Zweitens: der Name "sunnewend keferle" sagt ja wohl deutlich genug, wann das Käferle auftreten sollte, nämlich zur Sonnenwende, um Johannis herum, wie sein heutiger Name nahelegt.

Drittens gebe ich zu bedenken, daß wir uns 1519 noch vor der Gregorianischen Reform von 1582 und also im tatsächlichen Jahr noch zehn, elf Tage später befinden! Um den 4./5. September herum gibt es in Tirol keine Leuchtkäfer...

Viertens gebe ich die einzig richtige Erklärung: die Haller, die ja doch etwas weiter im Osten wohnen, haben nach dem orthodoxen Heiligenkalender gerechnet. Da ist Bartholomäus am 11. Juni, dazu die zehn fehlenden Tage der Kalenderreform - und wir sind am 21. Juni, wo sich bis heute die Sonne zu wenden pflegt und die Johanniskäfer fliegen.

D.F.
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