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Alt 16.06.2017, 10:43
Nanut Nanut ist offline
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Registriert seit: 26.05.2017
Ort: Bielefeld
Beiträge: 2
Standard Die Legende der Drachenmutter

Hallo erst mal,
ich bin ein Märchensucher. Ich schreibe Märchen, die ich in den Menschen sehe. Zur Krisenbewältigung, Neuorientierung, Heilung oder nur so zur Freude. Dieses Märchen habe ich in mir selbst gefunden und möchte es hier gerne vorstellen. Wer Interesse an dem Thema hat, ist eingeladen meine Homepage zu besuchen (Adresse findet sich in meinem Profil). So, nun aber los:

Es war einmal vor langer Zeit, da liebte ein Mann einen Stern
und stieg oft auf einen Hügel, um dessen leise Stimme zu hör‘n.
Und der Stern lehrte den Mann all seine Geheimnisse, sogar wie man Flügel nähte. So erkundete der Mann mit seinen Flügeln das ganze Land, bis er die Insel der Drachen entdeckte. Diese waren von einer Art, die auf allen Vieren lief und nicht fliegen konnte aber unglaublich stark war und insgeheim die Menschen für ihre Schwäche verachtete.
Aber der Mann glaubte, er könnte sich deren Stärke und Robustheit zunutze
machen. Er nähte einem Drachen Flügel, so wie er es von seinem Stern gelernt hatte und setzte sich auf dessen Rücken. So eroberten sie das ganze Land. Sie waren unbesiegbar im Kampf, denn wer ihnen entgegen trat, wurde aus der Luft mit brennendem Pech beworfen.
Als alle die sich Ihnen in den Weg stellten besiegt waren, krönte sich der Mann selbst zum König. Doch der Drache ließ sich nicht zähmen. Neidisch wartete er nur auf den richtigen Augenblick, um selbst König zu werden.
Und als die Gelegenheit günstig war, entführte er die Frau des Königs, nahm sie in seiner Höhle gefangen und verlangte, dass man ihm die Krone aushändigte. Der König aber schlich sich heimlich in die Höhle, öffnete alle Fässer mit Pech, die die Drachen dort horteten und ließ das Pech in die Mulde fließen, in der die ganze Drachensippe schlief. Dann legte er ein Feuer, indem alle Drachen verbrannten. Verzweifelt suchte er nach seiner Frau aber als er sie fand war sie, zu allem Unglück bereits im Rauch des Feuers erstickt.
Daraufhin ging der Mann, von Gram gebeugt und über Nacht alt geworden, mit seinen sieben Söhnen fort in ein anderes Land. Doch die Geister der verstorbenen Drachen folgten ihm. Und immer, wenn der Mann in dem neuen Land auf einen Hügel stieg, um seinem Stern zu lauschen, machten die Geister so einen Lärm, dass der Mann das leise Flüstern seines Sterns nicht mehr richtig verstehen konnte. Stattdessen flüsterten sie ihm Lügen ins Ohr, die ihn immer mehr verwirrten.
Das machte ihn schließlich so unglücklich, dass er sterben wollte.
Aus Sorge jetzt auch noch den Vater zu verlieren, schlich sich eines nachts der jüngste Sohn des alten Königs aus dem Haus und erstieg einen Hügel. Dort wo er dem Himmel am nächsten war, rief er die Sterne um Hilfe an und bat die verirrten Geister der verstorbenen Drachen um Vergebung.
Und weil der Sohn des Königs reinen Herzens war und die Hilfe nicht für sich erbat, entsannte der Sternenhimmel, die große Mutter aller Drachen auf die Erde. Die goldene Drachenmutter nahm die verlorenen Kinder ihres Volkes, die Drachengeister, in ihr Maul. Ganz sanft tat sie dies, wie eine Krokodilmutter es mit ihren Jungen tut. Dann flog sie fort und brachte die Drachengeister an einen weit entfernten, besseren Ort, wo sie neu geboren werden konnten.
Als das dunkle Flüstern in seinem Kopf verstummte, fand der alte Mann endlich seinen Frieden und lebte fortan glücklich bis an sein Lebensende. Und als auch sein Sohn alt geworden war, erzählte dieser seinen Enkelkindern die Geschichte weiter, auf dass sie nie in Vergessenheit geriete:
Es war einmal vor langer Zeit, da liebte ein Mann einen Stern
und stieg oft auf einen Hügel, um dessen leise Stimme zu hör‘n...
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Stichworte
drachensage, sternenmythos

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