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  #11  
Alt 30.12.2009, 13:52
Rabenweib Rabenweib ist offline
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Registriert seit: 16.03.2009
Beiträge: 5.274
Standard AW: Besatzungszeit in Wien: Der Junge und das Fahrrad

Die Russen-Geschichte meiner Oma:

(Auszug aus der Erzählung über meine Großeltern die ich unter "Erzählungen" gepostet habe)

Oma ist 1925 in Lassing geboren, ihr Vater Wilhelm war beruflich Jäger, der später an Kehlkopfkrebs gestorben ist und angeblich ein sehr unkeusches und rücksichtsloses Leben führte- gelinde ausgedrückt.
Omas Mutter Maria hatte ein sehr schweres Leben, sie hat nicht nur 13 Kinder zur Welt gebracht und ein 14. Kind im dritten Monat der Schwangerschaft verloren, sondern war dann auch noch 6 Jahre krank und starb dann mit 48 Jahren an Gebärmutterkrebs.
Zudem ging ihr Mann zu Lebzeiten nicht gerade zimperlich mit ihr um, aber so war das eben damals, da wurde nicht lange gefragt ob man Kinder MÖCHTE, sondern man hatte das zu tun, was der Mann sagte.

Die Grenze zwischen Steiermark und Niederösterreich war damals auch die Grenze zwischen den Alliierten Engländern und Russen. In der Besatzungs- Zeit kamen eines Tages die Russen ins Haus, um es nach Waffen zu durchsuchen. Omas Vater war Jäger und hatte somit einige Waffen in einem Waffenschrank
Als Oma einmal alleine zu Hause war, durchsuchten Russen ohne Befehl das ganze Haus.
Es gab einen großen Streit darum, ob die Waffen nun privat seien, oder ob es Waffen der Truppen (militärische Waffen) seien.
Die russischen Soldaten schütteten die Patronen auf den Boden und schrieen herum, doch Oma blieb hart und verteidigte die Waffen ihres Vaters.
Als ihr Cousin Fritz zu der Tür rein kam, sagte Oma ihm, dass er einen russischen Major holen sollte. Dieser lief los und kam wenig später mit einem russischen Major und einem Dolmetscher wieder zurück.
Die Soldaten schienen Respekt vor ihm zu haben, weil die Hausdurchsuchung ja unerlaubterweise durchgeführt wurde.
Als der Major an Oma vorbei in den Waffenschrank greifen wollte, gab Oma diesem eine schallende Ohrfeige.
Daraufhin zerrte der Major sie an den Haaren in die Küche wo auch ihre Mutter war. Die Soldaten im anderen Raum verzogen sich schleunigst und von diesem Moment an konnte der Major plötzlich auch deutsch sprechen.
Er kam ganz nahe an Omas Gesicht und sagte ganz leise zu ihr:“ Karoscho Deoschka“- gutes Mädchen. Nur EIN österreichisch Mädchen schlagen russisch Offizier!“
Dann verließ er das Haus ohne sich noch einmal umzudrehen.
Im Jahr 1955 sind alle Russen abgezogen.
____________________________________


Die Gesschichte mit dem Fahrrad kenne ich übrigens auch, die soll sich direkt vor unserem Haus abgespielt haben!
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  #12  
Alt 30.12.2009, 19:25
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.09.2005
Beiträge: 2.559
Lächeln AW: Besatzungszeit in Wien: Der Junge und das Fahrrad

Ich kenne auch Geschichten: Die Russen haben Kloschüsseln zum Salatwaschen
benutzt. Sie haben gute Holzmöbel mit roter Farbe angestrichen. Sie haben sich
von Wodka "ernährt" ... Eine Frau erzählte mir: Russen stürmten ins Haus (nur
Frauen und Kinder): Keiner sagt ein Wort, sonst alle tot. Gewehr auf sie
gerichtet. Es waren Plünderer. Vor Angst hätte sie einen gellenden Schrei
ausgestoßen, die Russen wären geflohen. In ihrer Erinnerung sei ihr der
eigene Schrei laut wie Glockenklang vorgekommen, es wäre ihr gar nicht
bewußt gewesen, daß sie es war, die schrie. Später sagten es die anderen.
Sie hatte den größten Schock! Es waren aber bei uns entlaufene Zwangsarbeiter, keine Besatzer. Auf jeden Fall hatten wir" Glück", in
Westdeutschland zu leben. Denn in der sowjetischen Besatzungszone
war es besonders schlimm, auch die Versorgung mit Lebensmitteln und Medizin.
Im Westen war doch Wiederaufbau und Wirtschaftswunder sprichwörtlich.
65 Jahre Frieden kann man gar nicht hoch genug schätzen!
Einen besinnlichen Jahreswechsel wünscht Ulrike
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