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  #21  
Alt 20.08.2010, 11:19
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter

(Forts.)
Gerne wäre er Missionar in Indien geworden!
Als Moraltheologe am Lehrstuhl in Köln muß er eindrucksvolle Vorlesungen
gehalten haben. Sein Handbuch mit über 200 Vorlesungen wurde über 200 Mal
aufgelegt! Er betrieb erfolgreich die Gegenreformation, was ihm z.B. im
niedersächs. Peine einen Hieb mit der Pistole auf seinen Kopf einbrachte,
der eine Schädelverletzung zur Folge hatte. Bekannte Kirchenlieder von ihm
singen wir noch heute: Zu Bethlehem geboren ..., Als ich bei meinen Schafen
wacht ..., Bei stiller Nacht zur ersten Wacht ..., Laßt uns erfreuen herzlich sehr ..., Ihr Freunde Gottes allzugleich ..., O Heiland, reiß die Himmel auf ....
In letzterem Text kann man den leidenschaftlichen Ruf der unschuldig
Verurteilten nach dem Retter-Jesu-nachfühlen! Spee war Beichtvater und
Seelsorger vor den Hinrichtungen, seine Erkenntnis: Persönlich kann ich unter Eid bezeugen, daß ich bis jetzt keine Hexe zum Scheiterhaufen geführt habe
... keine war schuldig! Es muß mit der Inquisition aufgehört werden!
Er war Kämpfer für die Menschenrechte u. damit seiner zeit weit voraus.
Sein früher Tod hat seine Gegner wahrscheinlich mehr als" erleichtert".
Anfang des 18. Jhts. berief sich der Aufklärer Chr. Thomasius ausdrückl.
auf Spee. Die letzte Hexe wurde in Dtschl. 1755 hingerichtet! - Ulrike

Geändert von Ulrike Berkenhoff (20.08.2010 um 11:31 Uhr) Grund: Fehler
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  #22  
Alt 20.08.2010, 11:20
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter

Sorry, hier noch meine wichtigste Quelle: "Unsere Kirche" aktuelle ev.
Wochenzeitung f. Westf.
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  #23  
Alt 27.09.2010, 16:53
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter

Nochmal ausführlicher zu Anton Praetorius, dessen 450. Geburtstag ansteht:
Sein :Gründlicher Bericht über Zauberey und Zauberer - gehört nach dem
Schweizer Juristen H.P. Kneubühler: auf dem Gebiet des Hexenwesens zu den
wenigen Werken, welche dem 17. Jahrhundert zur Ehre gereichen...
Eine Gedenkausstellung in Lippstadt erinnert an Praetorius, dem evangelischen
Pfarrer aus Westfalen. Ich zitiere größtenteils aus "Unsere Kirche", Ev.
Wochenzeitung. Da mir längere Texte mehrfach abgestürzt sind, schreibe ich
in Abschnitten.-
Der Prozeß gegen Anna Dietrich:
Anna hatte 9 Kinder. Mit 3 weiteren Frauen wurde sie wegen Teufelsbuhlschaft
und Pakt mit dem Satan verhaftet. Dies geschah am Sonntag, den 8. Mai 1597.
Übrigens schätzen Forscher, daß ca. 60 000 Menschen im 16./17. Jht. im
Zeitraum von 300 Jahren Opfer der "Hexenjagd" wurden! Praetorius schrieb
1613 ein Buch über das Schicksal der Anna Dietrich. Er wurde 1560 in Lippstadt
(ganz in meiner Nähe) geboren als Sohn von Matthes Schulze. Seine Lehrer-
ausbildung ließ ihn den Namen Praetorius annehmen. 1586 war er Rektor der
Lateinschule in Kamen. Er schloß sich dem ref. Glauben an. Der Graf von
Birstein u. Büdingen war von ihm beeindruckt u. rief ihn auf die Stelle seines
Hofpredigers. Dort wurde er zum Seelsorger der inhaftierten Anna.
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  #24  
Alt 27.09.2010, 17:17
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter

Seine Gespräche mit ihr überzeugten ihn: welche Mutter von 9 Kindern würde
dem Teufel folgen, das Wetter verzaubern und die Ernte vernichten. Dann
litten doch ihre eigenen Kinder Hungersnot! Er hatte auch großes Leid erlebt
und mußte 3 Ehefrauen begraben, vielleicht daher seine Sensibilität! Es
erschütterte ihn, daß der Henker die Frauen folterte und Geständnisse
erpreßt werden sollten. Die ganze Bibel arbeitete er durch und kam zu dem
Schluß: lange Haft und Folter von Unschuldigen widersprcht dem Geist des
Evangeliums. Er beschimpfte die Richter: Gott wird euch strafen. Ihr werdet
zur Hölle fahren! Offen wetterte er gegen den Prozeß. Es ist dies der einzige
überlieferte Fall, daß ein Geistlicher die Beendigung verlangte und die noch
lebende Gefangene freigelassen wurde. Die "Untersuchungshaft im Turm" war
unmenschlich grausam. Gefesselt an eiserne Stangen mit Ketten an den Armen
peinigten die Bewacher die Frauen! Nach 3 Wochen und Folterkammer war Anna
standhaft geblieben und beteuerte stets ihre Unschuld. Der Graf war jedoch
so erbost über seinen Prediger, daß dieser froh sein konnte lebendig "zum
Teufel" gejagt zu werden. Er fand aber eine reformierte Pfarrstelle in
Laudenbach bei Heidelberg, wo er 53jährig starb.
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  #25  
Alt 27.09.2010, 17:20
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter

Schrieb er zunächst unter Pseudonym, veröffentlichte er später mit seinem
Namen. Dies war nicht ungefährlich, die 3. Buchauflage widmete er gleichge-
sinnten u. angesehenen westfälischen Menschen (aufgeklärten!), besonders
Richtern, Pfarrern u. Juristen in Unna u. Kamen. Er kann ein Beispiel sein für
Zivilcourage! - Ulrike
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  #26  
Alt 31.03.2011, 10:11
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter

Der Rat der Stadt Rüthen rehabilitiert verurteilte Hexen u. Zauberer! -
In einem großen Zeitungsartikel wird heuer darüber berichtet (Westfalen-
Rundschau):Schüler des Friedr.-Spee-Gymnasiums befaßten sich mit ihrer
Lehrerin mit dem Thema. (Klasse 8). Hartmut Hegeler, ein pensionierter Lehrer
u. viele Jahre mit dem Thema befaßt, unterstützte die aufklärende Arbeit.
Es gibt in Rüthen noch den sog, Hexenturm mit Folterinstrumenten u.a.
Ergebnis war, daß die Schüler einen Antrag beim Rat stellten, endlich die
Opfer zu rehabilitieren. Dies ist vielerorts auch schon geschehen.
Spee war übrigens auch "abergläubisch", er war aber gegen Folter, um
Geständnisse zu erpressen. Ein Beispiel aus Rüthen: Die reiche Bauernwitwe
Grete Adrian (1655) wurde nach ihrem Geständnis "gnädig" geköpft, bevor
sie brennen mußte! Mit ihr wurden vor Ort noch 169 Frauen, Männer u.
Kinder (!) verurteilt u. hingerichtet. Welche Grausamkeit! - Ulrike
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  #27  
Alt 21.04.2011, 23:11
Gerd Gerd ist offline
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Standard AW: Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter

ich zitiere aus dem Buch "Hexen, Mörder, Henker" von Anna Ehrlich über die Situation in Österreich:
Die österr. Hexenprozesse sind weder vollzählig, noch vollständig überliefert. Die Zahl von ungefähr 900 Hinrichtungen in der Zeit von 1350 bis 1750 auf dem Gebiet des heutigen Österreich inklusive Südtirols wird wohl nach oben revidiert werden müssen, da immer wieder bisher unbekannte Akten zum Vorschein kommen. In der Steiermark wurden von Mitte des 16. Jahrhunderts bis Mitte des 18. Jahrhunderts 220 Prozesse geführt, wobei insgesamt 820 Menschen vor Gericht standen. Der letzte österr. Zauberprozess fand 1746 auf dem Burgschloss von Oberradkersburg, heute in Slowenien, statt. Anders als im protestantischen Deutschlad waren in Österreich wie in Italien viele Männer unter den Verurteilten, Mindestens ein Drittel, wenn nicht mehr. Ein Großteil der Verfolgten waren Unterprivilegierte, arme Bauern, Taglöhner, Bettler, Landstreicher, Zigeuner. Fälle, in denen Adelige, reiche Bürger, Geistliche und andere gebildete Leute in Hexenprozesse verwickelt wurden, waren selten. Nicht alle zum Tode Verurteilten waren Unschuldslämmer, viele hatten Straftaten begangen: Diebstähle und Kirchenraub, Leichenschändung, Betrügereien aller Art ( zum Beispiel Wettermachen ), manchmal sogar Mord, Kindstötung und Kinderschändung. In Gebieten, wo besonders eifrige Hexenjäger am Werk waren, wurden sicherheitshalber gleich alle Verbrecher zusätzlich der Hexerei beschuldigt, "normale" Strafprozesse gab es dort nur noch selten. Sehr viele Unschuldig gerieten den Hexenjägern ebenfalls ins Netz, was sie missgünstigen Nachbarn oder der Aussage eines Inquisiten unter der Folter zu verdanken hatten. Besonders häufig wurden Bettler oder Familienmitglieder einer "überführten" Hexe verfolgt, selbst kleine Kinder. War man doch der Meinung, dass Hexen ihre Kinder dem Teufel weihten.
" Wie das eye so das kücken, wie das kücken, so der vogel, also legt er eyer"
Erschütternd lesen sich Berichte über Mütter, die trotz unendlicher Qualen darauf bestanden, dem Teufel ihre Kinder verweigert zu haben, um diesen damit das Leben zu retten. Zwar waren weltliche Gerichte für die Hexenprozesse zuständig, doch immer wieder war es die Kirche, die den Anstoß gab, vor allem wenn die Beschuldigten protestantischen Glaubens waren.
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  #28  
Alt 13.11.2011, 19:56
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter

Wie ist dies gemeint: als Straftat Wettermachen? Hat jemand z.B. Geld
vorab bekommen um Regen herbeizuzaubern und dann hat es nicht geregnet?
-Ulrike
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  #29  
Alt 13.12.2011, 10:49
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter

Heute in der Tagespresse(dapd): Riad, Frau wegen Hexerei hingerichtet!
Die Frau habe von Kunden 800 Dollar verlangt und diese betrogen, indem sie
ihnen Heilung versprach. Sie wurde wegen Hexerei (!) verurteilt.-Ulrike
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  #30  
Alt 13.12.2011, 11:07
Rabenweib Rabenweib ist offline
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Standard AW: Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter

Ihr könnt mir glauben oder nicht, aber mir wurde letztens eine Freundschaft wegen angeblicher Hexerei gekündigt.
*schmunzel*
Ich bin ganz froh, dass es bei uns keine Scheiterhaufen mehr gibt, ich würd nicht lange überleben....

Alles Liebe, Sonja
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