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  #11  
Alt 08.01.2011, 22:38
harry harry ist offline
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Standard AW: Trachtenboom und Dirndlkleid

Einige kleine Modebetrachtungen aus männlicher Sicht:
Für mich, der in der tiefsten Provinz im Süden/Westen unseres Landes aufwuchs, war "Tracht" etwas ganz Normales und nicht erwähnenswert. wir trugen tagaus-tagein kurze Lederhosen. An Sonn- und Feiertagen wurde dieses "Outfit" von meiner Mutter um ein fesches Hemd ergänzt und das Sonntagsgewand war fertig.
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Bis ... ja, bis ich 1954 zur Erstkommunion ging. Wir waren wenige Wochen vorher nach Wien übersiedelt. Ich wurde zu diesem Fest mit (neuer) kurzer Lederhose, (neuem) weißem Hemd und (neuem) grünen Lodenjanker ausstaffiert. Als ich so gekleidet in der Kirche einer wiener Pfarre erschien, muß ich den Mitschülern und deren Eltern einen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen haben und das habe ich noch sehr lange zu spüren bekommen.
Ich trug die nächsten 20 Jahre nie wieder etwas trachtiges. Da hätten mich meine Eltern erschlagen können.

Heute liebe ich es, Trachtenelemente mit Freizeitkleidung zu kombinieren: Jeanshose, Leinenhemd und Trachtensakko oder eine helle Hose mit einem Blaudruck-Hemd kombiniert sind heute auch in der Großstadt durchaus tragbar.
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Harry
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  #12  
Alt 09.01.2011, 00:24
Rabenweib Rabenweib ist offline
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Standard AW: Trachtenboom und Dirndlkleid

HARRY!!!!!
Das Foto ist ja TOTAL LIEB!!!! *schmelz*
Bin ganz begeistert.
Ja kinder sind manchmal bösartig. Kleidung war auf jeden Fall egal zu welcher zeit und egal um welchen Stil es grade ging etwas, womit man entweder saucool oder weg vom Fenster sein konnte.
Lederhosen fand ich allerdings immer schon toll und die gefallen mir auch heute noch gut an Männern.

Alles Liebe, Sonja
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  #13  
Alt 09.01.2011, 11:26
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Trachtenboom und Dirndlkleid

Lederhosen trugen auch in meiner Jugend die Knaben. Vorteil: Unverwüstlich!
Dazu gab es karierte Hemden. - T-Shirts kannten wir noch nicht, Jeans
kamen auch erst später für die "Teenager", wir nannten sie zunächst noch
Nietenhosen (vielleicht erinnert sich noch jemand hier an diese Zeiten?). Sie liefen
stark ein und färbten aus. Übrigens hatte ich zum Schulanfang (Mädchengymn.)
auch ein Dirndl, habe ich noch auf dem alten Klassenfoto entdeckt. Es war
so ein Röschenmuster, ähnliche Kleider habe ich später mal in Ramsau
gesehen( Trachtenumzug). - Ulrike
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  #14  
Alt 09.01.2011, 13:08
far.a far.a ist offline
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Standard AW: Trachtenboom und Dirndlkleid

Für die Lederhose sprach wirkliche ihre Unverwüstlichkeit. Es war üblich, sie nach einer Speckjause mit der Schwarte einzufetten, um sie geschmeidiger und haltbarer zu machen.
far.a
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  #15  
Alt 10.01.2011, 14:48
Berit (SAGEN.at) Berit (SAGEN.at) ist offline
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Standard AW: Trachtenboom und Dirndlkleid

Fein, dass endlich auch das Thema Tracht im Forum angesprochen wurde!

@ Rabenweib
Gratuliere zu deinem Kauf, das Dirndl steht dir wirklich gut und sitzt perfekt. Die Haare würde ich allerdings nicht ganz offen dazu tragen, wie wäre es mit einem kleinen seitlich geflochtenen Zopf wie man es momentan trägt?

@ Ulrike
Ich hoffe doch nicht, dass der Wolfgang Fotos von jungen hübschen Grödnerinnen in Tracht besitzt

Und dann ist mir noch ganz wichtig auf die Unterscheidung Tracht, Dirndl und Trachtenkleid hinzuweisen sowie auf Tracht und Trachtenanzug. Eine Tracht ist in ihrem Aussehen festgelegt und wird einer Region und dem sozialen Stand zugeordnet. Die dunklen Trachtenkleider tragen meist die Bezeichnung "Alt" wie z.B. "Altbairisch". Ein Dirndl war früher das Alltagskleid und hat einen "Schurz", das "Meraner Dirndl" war ebenso ein Alltagskleid und ist nicht mit der "Meraner Tracht" zu verwechseln, letztere ist natürlich viel aufwendiger gearbeitet.
Ein Trachtenkleid ist leicht daran zu erkennen, dass es keine Schürze hat. Frisur, Strümpfe, Schuhe und Make-up unterliegen keinen grundlegenden Kriterien.
Ein Trachtenanzug ist leicht daran zu erkennen, dass er in der Regel nicht maßgefertigt ist.

Berit

Geändert von Berit (SAGEN.at) (10.01.2011 um 14:54 Uhr) Grund: nachtrag
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  #16  
Alt 12.01.2011, 20:36
klarad klarad ist offline
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Standard AW: Trachtenboom und Dirndlkleid

Ich versuche gerade, meine seeeeehr alten Dias zu digitalisieren und hab da eines gefunden mit Kalmuk-Jankerln. Es waren DIE Meisterwerke meiner mütterlichen Schneiderkunst, dass ich meinen Kindern solche - für die Wachauer Weinbauern typischen - Jankerln genäht habe. Das Kind auf meinem Arm ist jetzt schon 37 und das Kalmuk-Jankerl würde ich leider nicht mehr schließen können .-)
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K.D.
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  #17  
Alt 12.01.2011, 21:16
harry harry ist offline
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Standard AW: Trachtenboom und Dirndlkleid

Zitat:
Zitat von Berit (SAGEN.at) Beitrag anzeigen
Strümpfe, Schuhe und Make-up unterliegen keinen grundlegenden Kriterien.
Dem möchte ich submittest widersprechen: Sieh Dir doch einmal die Fußbekleidung der Gailtaler Männertracht (Kärnten) an. Leider habe ich kein Foto davon,; es sind Lederstiefel, die über die Knie reichen.
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Harry
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  #18  
Alt 13.01.2011, 02:38
Benutzerbild von cerambyx
cerambyx cerambyx ist offline
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Lächeln AW: Trachtenboom und Dirndlkleid

Zitat:
Zitat von far.a Beitrag anzeigen
Für die Lederhose sprach wirkliche ihre Unverwüstlichkeit. Es war üblich, sie nach einer Speckjause mit der Schwarte einzufetten, um sie geschmeidiger und haltbarer zu machen.
far.a
Zitat:
Zitat von Ulrike Berkenhoff Beitrag anzeigen
Lederhosen trugen auch in meiner Jugend die Knaben. Vorteil: Unverwüstlich!
Dazu gab es karierte Hemden. - Ulrike
Ich war ein solcher oberösterreichischer Knabe (siehe Bild). Die "Kurze", wie die Lederhose in meiner Familie genannt wurde, habe ich von meinem älteren Bruder eines Tages übernommen - und der sie wahrscheinlich vom ältesten Bruder.
Fleckig, Speckig war sie von Anfang an, ein eigener Geruch nach Leder, Schweiß, Fett, Erde und Mensch steckte in ihr. Und das am liebsten getragene Kleidungsstück war sie auch, weil man nicht geschimpft wurde, wenn sie irgendwie (und nicht sauber gefaltet) herumlag!
Wie am Bild zu sehen, trug ich Baumwollhemd(en) dazu, helle einfärbige am Wochenende, bunte Wochentags. In der Sommerhitze einfach gar nix, nicht einmal ein Leibchen. Da konnte es schon vorkommen, dass bei den wilden Bubenspielen der Hosenträger die Haut auf der Schulter durchscheuerte.
Die Hose hatte seitlich das "Feit'ltasch'l", wo ein Messer eingesteckt werden konnte, was uns natürlich verboten war. Kaum außer Sichtweite, trugen wir dennoch ein "Kleines Trattenbacher" (Zaukerl) mit uns, das etwas kleiner als das Standardmesser war und nicht aus dem Feit'ltasch'l herausragte, somit das Tragen nicht gleich bemerkt wurde. Was wäre damals ein Bub ohne Messerl gewesen!

Zur Tracht und Trachtenbekleidung:
Zitat:
Zitat von Rabenweib Beitrag anzeigen
So, ich habs getan.
Zum ersten Mal in meinem Leben hab ich mir ein echtes Dirndl gekauft.
..... Nun hab ich also ein stinknormales Dirndl.
Und ich habe festgestellt, dass sich daran die Geister scheiden. Den einen gefällts, die anderen finden es furchtbar.
...
Liebe Grüße, Sonja
Gratuliere Sonja zu dem Entschluß, ein Dirndl zu tragen! Für mich ist das einfach ein Stück Österreichische Kultur, wenngleich ich verstehe, dass es nicht jedermann gefällt. Der Identifizierungsgedanke ist heut einfach nicht mehr so wichtig, scheint's.

Zitat:
Zitat von Elfie Beitrag anzeigen
... Und wie Sonja schon sagte, die klassischen waren die dunklen, schweren Stoffe. Meine Mutter hatte ein helles, kariertes, ganz einfach gemacht und es hat ihr herrlich gepasst. Ein paar ..naja, Dorffrauen meinten: die Alte zieht sich jung an ( meine Mutter war da Ende 30) und die Junge alt.
Soweit die dörfliche Kleiderkunde. Wann das war? Mitte 60er Jahre.
Die hellen karierten mit einfachem Schnitt waren meist "Sommerdirndln" oder auch "Hitzedinrdln", die wirklich sehr kleidsam sind, weil sie aufgrund der Farbgebung und einfachen Musterung einen fröhlichen Eindruck machen und die leichten Stoffe leicht schwingen und dadurch die Weiblichkeit unterstreichen! Außerdem eben luftig und praktisch sind. Ein buntes "Fürtuch" (Schürze) schützt vor leichtem Schmutz, und wenn Besuch kommt, kann blitzschnell das bunte Fürtuch durch eine weiße, mit Durchbruchstickerei versehene weiße oder helle Schürze ausgetauscht werden und schon ist man adrett gekleidet.

Zitat:
Zitat von Berit (SAGEN.at) Beitrag anzeigen
@ Rabenweib
Gratuliere zu deinem Kauf, das Dirndl steht dir wirklich gut und sitzt perfekt. Die Haare würde ich allerdings nicht ganz offen dazu tragen, wie wäre es mit einem kleinen seitlich geflochtenen Zopf wie man es momentan trägt?
Berit

Offene Haare waren wenn überhaupt "erlaubt" der unverheirateten Jugend vorbehalten, die Ausschnitte und Blusen waren hier dafür oft eher "hochgeschlossen", um den Anstand zu wahren. Neckisch dann der offene oberste Knopf ....
Verheiratete Frauen hatten "gebändigte" Haare, bei öffentlicher Erscheinung Kopfbedeckung, zeigten "Gesicht" = Lebenserfahrung.
Haarband, Haarreifen, Stirnband, Kappe, Goldhaube, Hut .... alles paßt zur Tracht, aber immer (leicht) gebändigtes Haar!

Zitat:
Zitat von Berit (SAGEN.at) Beitrag anzeigen
@ Ulrike
Ich hoffe doch nicht, dass der Wolfgang Fotos von jungen hübschen Grödnerinnen in Tracht besitzt
Berit
dz dz dz .... wären sie Dir wirklich OHNE Tracht lieber ??

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So, jetzt ist die Trachtlermentalität genug mit mir durchgegangen. Die Zeit der Trachtenvereins-Zugehörigkeit schlägt da gehörig durch ...

Ich selber trage als "Trachtig" einen Feinloden-Trachtenanzug (ist keine Tracht, wie Berit richtig anmerkt!) mit Weste und Seidenkrawatte für festliche Anlässe und im Winter einen allwettertauglichen Steirischen Lodenjanker, einen sogenannten "Schladminger" mit dazugehöriger Feinstrick-Zipfelmütze. Als Schuhwerk praktisch ausschließlich "Waldviertler" Lederschuhe mit Profilsohle, niedrig und hell als Sommerschuh, praktisch und dunkel als Alltagsschuh, und als hohen (jagdlichen) Schnürschuh für meine Exkursionen abseits von Straßen. Außerdem für festlichere Anlässe im Winter einen profilierten Hafferlschuh (Schuh mit seitlicher Schnürung) und im sommer einen Trachtenschuh.
Fallweise auch einen "trachtigen" Lederanzug mit Weste, darunter Leinen-Pfoad (kragenloses Leinenhemd, aber nicht durchgehend geknöpft, sondern zum "überziehen"; wenn Kragen, dann schmal und mit geknotetem "Bündchen" statt Krawatte zu tragen).

Am Berg im Winter: jagdlich grüne dicke Lodenknickerbocker, hinten hoch geschnitten (Nierenwärmeschutz), Stutzen und Lodengamaschen zum seitlichen Schnüren (=lautlos, rascheln nicht wie Kunststoff, und warm!), Zipfelmütze oder Seiden-Sturmhaube, wenns mal so richtig kracht vor Kälte und Sturmwind .... dazu hohe Lederbergschuhe ("Westalpenschuh" genannt), hölzerner Bergstock.

Trachtige Grüße
Norbert
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unterwegs mit allen Sinnen ...
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  #19  
Alt 13.01.2011, 08:34
Rabenweib Rabenweib ist offline
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Standard AW: Trachtenboom und Dirndlkleid

so, jetzt weiß ich auch was ein zaukerl ist. *lach*
wahnsinn, das bild schaut cool aus. :-)))))
und ich geh dann mal meine wilde haarpracht bändigen und züchtig die bluse zuzuknöpfen, damit da kein falsches bild entsteht. *hüstel*

sonja raabenweib
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  #20  
Alt 13.01.2011, 11:14
Berit (SAGEN.at) Berit (SAGEN.at) ist offline
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Standard AW: Trachtenboom und Dirndlkleid

@ Harry

Nein, nein, das war doch nur auf das Trachtenkleid bezogen

lg Berit
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