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  #41  
Alt 30.04.2006, 09:55
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Standard AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl

Zitat:
Zitat von gavial
Alle Gespräche über Kernenergie gehen auch zu Ende, wenn man wirklich anfängt zu rechnen ...
Ich spreche nicht über Geld, ich spreche über reinen Leistungsbilanz
im Sinne von Elektrotechnik. Und Flächenbedarf für Fotovoltanik wenn Z.b nur ein Güterzug von der Stelle bewegt werden muss.

Ja, man soll mit AKW aufhören, aber noch gibt es keine Technische Möglichkeit dafür.
Leute ahnen nicht, dass die Wärme, die in einer Kaffetasse steckt tatsächlich sehr oft aus dem Kern des Reaktors kommt.
Rechnen mit Geld- eine nkifflige , und vor allem, Landspezifische Sache ist , denn ein Block von 1,0 MWt in Russland baraucht kene Subwentionen.

Zitat:
Zitat von Oksana
Stimmt. Die Zeitung heißt „Komsomolskaja Prawda“ und die Reportage von diesem Team erschien in der Zeitung in 3 Teilen, am 21, 22 und 25.April. Ich glaube aber nicht, dass die Wildschweine ihr Ziel waren.
Genau Reporter von "Komsomolka".
Die hatten aber auch Infrarotkamera dabei, ungewönlich wenn sie Leute bei Tageslicht filmen wollte &)
In der Bibliothek der Stadt Pripyat haben sie Zeitungsarhiv "KP" für Jahr 1986 gefunden und mitgenommen.
(Strahlungswerte waren in grünem Bereich).

Ich gehöre zu Moderatorteam der www.pripyat.com und lade Sie hezlich ein. Wir werden uns freuen wenn Sie für auch für uns ein Bericht schreiben.
MfG
Pavel
__________________
Internetseite der Stadt Pripyat
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  #42  
Alt 30.04.2006, 11:23
Benutzerbild von Oksana
Oksana Oksana ist offline
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Standard AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl

Noch etwas zum Thema "Atom":

Das einzige russische Atomtestgelände befindet sich auf dem Archipel Nowaja Semlja im Arktischen Ozean zwischen der Barentssee und der Karasee.
Von 1957 bis 1962 wurden da Atomexplosionen in Atmosphäre durchgeführt, darunter auch die größte sowjetische 58-Megatonnen-Bombe wurde da 1961 getestet. Die letzte Atomexplosion erlebte Nowaja Semlja 1990. Seit dieser Zeit besprach man die Möglichkeit, auf Nowaja Semlja ein Endlager für radioaktive Abfälle zu bauen.

2001 wurde ein Bericht auf 200 Seiten veröffentlicht, der von Spezialisten aus Norwegen, den USA, Russland, der Schweiz und Großbritannien vorbereitet wurde. Im Gutachten hieß es, der Bau des Endlagers auf dem Archipel Nowaja Semlja für niedrigaktive und mittelaktive Abfallprodukte sei ökologisch ungefährlich.

Aber nachdem man so viel Zeit und Mühe für die Erarbeitung dieses Projektes gegeben hat, wurde es 2001 für unzweckmäßig erklärt – die Wissenschaftler haben bewiesen, dass es in 150-200 Jahren infolge der globalen Klimaerwärmung auf Nowaja Semlja kein ewiger Frost mehr sein wird. Drum kann niemand eine Garantie geben, dass die radioaktiven Stoffe in diesem Fall nicht in die Umwelt gelangen.

Es wurde beschlossen, das Endlager auf der Halbinsel Kola zu bauen (Murmansk Gebiet), aber man braucht jetzt wieder viel Zeit, um das neue Projekt zu erarbeiten und zu verwirklichen.

Dieser Entschluss war ein Schock für die Einwohner von Sewerodwinsk, der Nachbarstadt von Archangelsk (35 km). In dieser Stadt werden Atom-U-Boote ausgenutzt, 12 km von Sewerodwinsk entfernt befindet sich das Lager für radioaktive Abfälle „Mironow Berg“. Mit dem Bau des Endlagers auf Nowaja Semlja hat man viele Hoffnungen verbunden, und jetzt werden sich die radioaktiven Abfallstoffe weiter in den Lagern im Nord-Westen Russlands anhäufen, die schlecht dazu taugen

Der Vetter meiner Mutter aus Sewerodwinsk hat die Atom-U-Boote getestet und ist mit 43 Jahren am Blutkrebs gestorben, den er sich wegen der radioaktiven Bestrahlung zugezogen hat. Ich bin mit seinem jüngsten Sohn (er hat noch 2 Töchter) befreundet, leider müssen wir Verwandten uns Sorgen um ihn machen, er ist ein guter Mensch, hat aber gewisse Probleme mit Alkohol. Seine Freundin hat ihn mit ihrem kleinen Kind verlassen. Ich bin sicher, es würde anders sein können, hätte er mit 12 Jahren seinen Vater nicht verloren

Lg
Oksana
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  #43  
Alt 11.05.2006, 18:18
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Standard AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl

Noch eine Notiz zum Thema Energiesparen:

Es fällt mir immer mehr auf, dass grosse Institutionen ganz bewusst in Energieabhängigkeit investieren. Als Beispiel sei eine sehr grosse Bildungsinstitution in Innsbruck genannt, die tausende Telefone durch Internet-Telefone (VoIP) auswechseln lässt. Hier wird ganz bewusst in eine sehr kurzlebige Technologie, die zudem äusserst störungsanfällig und auch keineswegs abhörsicher ist, investiert.
Besonders schlimm daran ist, dass jedem Telefon-Apparat ein grosses Netzteil mit 50 Watt Stromverbrauch rund um die Uhr beigegeben ist, sonst funktioniert das ganze nicht...
Bei mehreren tausend Apparaten ist das eine ganz schöne Menge völlig unnützer Stromverbrauch, für die es eben neue Kraftwerke braucht.

Es ist nur zu hoffen, dass in dieser Institution auch jeder Mitarbeiter ein privates Mobil-Telefon mitführt, denn im Krisenfall (wo in der Regel als erstes der Strom ausfällt) funktionieren diese Apparate nicht...

Zitat:
ich spreche über reinen Leistungsbilanz
im Sinne von Elektrotechnik. Und Flächenbedarf für Fotovoltanik wenn Z.b nur ein Güterzug von der Stelle bewegt werden muss.


Was ist denn schon ein Güterzug?
Bei uns in den Alpen werden jede Nacht die Kraftwerke bzw Stauseen mit Wasser aufgefüllt - und zwar mit dem überflüssigen Atomstrom aus Deutschland und anderen Ländern (Vgl. dietiwag.org)...

Zitat:
die Wissenschaftler haben bewiesen, dass es in 150-200 Jahren infolge der globalen Klimaerwärmung auf Nowaja Semlja kein ewiger Frost mehr sein wird
Nicht nur in Russland erwärmt sich die Region. Ich finde es in der letzten Zeit so nett, wenn in den Medien wieder irgendein Experte jegliche Klimaveränderung zu negieren versucht.
In meiner Stadt wird an den Institutionen, die es nun wirklich wissen müssen wie es mit der Klimaerwärmung steht, ein Hochwasserschutz nach dem anderen errichtet. Mauern werden gezogen und alle tiefergelegenen Fenster zugemauert. Nur als Info für jene, die es noch immer nicht verstanden haben.

Wolfgang (SAGEN.at)

Geändert von SAGEN.at (11.05.2006 um 18:25 Uhr)
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  #44  
Alt 11.05.2006, 18:43
Lisa Lisa ist offline
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Standard AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl

Ah, interessant, die Klimaerwärmung, die oft abgestritten wird, dient als Begründung für Kernkraftwerke... alles eine Frage der Sichtweise...

Pffff von Lisa (weiß schon, warum Politik nix für sie wär)
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  #45  
Alt 11.05.2006, 21:52
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Standard AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl

Zitat:
alles eine Frage der Sichtweise...
Nein es geht nicht mehr um Kernenergie. Atomkraft ist zwischenzeitlich ein allgemein bekanntes Übel mit schweren und sehr teuren Nachwirkungen für viele nachfolgende Generationen. In Europa sind derzeit nur zwei neue Atomkraftwerke in Bau, nämlich in Finnland und Bulgarien.

Nach Meinung von vielen Kollegen hier an der Innsbrucker Uni ist die Kernfusion der einzige Weg in die Zukunft. Auch wenn der Name nach Kernkraft klingt, hat das mit dieser überhaupt nichts zu tun.
Es handelt sich um den selben Prozess wie auf der Sonne, wo Wasserstoff als heißes Plasma als Energieträger gilt.

Der Super-GAU in einem Kernfusions-Kraftwerk würde mit niedrigstem biologischem Gefährdungspotential angeblich maximal zehn Tage auf wenigen Quadratkilometern Tritium wirken lassen.

Im südfranzösischen Cadarache wird mit ITER (lat. Weg) im Jahr 2008 ein Kernfusionsreaktor (Forschungsreaktor) um 4,7 Milliarden Euro errichtet, an dem die Hoffnung der europäischen Physiker hängt.

Quelle: nach: Universitätsaussendung "Wissen heute" der LFU Innsbruck, Mai 2006

Anmerkung: ich kann die Richtigkeit dieser Angaben nicht bestätigen, klingt jedoch vielversprechend.

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #46  
Alt 11.05.2006, 21:59
Lisa Lisa ist offline
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Standard AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl

Entschuldige bitte Wolfgang, ich hatte vergessen, dass Du zu den glücklichen Österreichern gehörst, dass ich mich hier quasi in Österreich befinde, seufz. Es ist bei uns in Deutschland, wo Atomkraftwerke grad wieder - gesellschaftsfähig - werden.

Auswanderungsgedanken im Herzen (nicht, dass es was helfen würd, nicht, dass die österreichische Atompolitik der einzige Grund wär, irgendwie hab ich einen Hang nach Ö, lächel)

Liebe Grüße von Lisa
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  #47  
Alt 11.05.2006, 22:10
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Standard AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl

Hallo Lisa,

Zitat:
dass ich mich hier quasi in Österreich befinde, seufz.
dieses Forum ist in keiner Weise auf Österreich beschränkt! Ganz im Gegenteil: Wir würden uns auf viel mehr Beiträge aus Deutschland, Südtirol, Schweiz, Russland, Ungarn, Island, Tschechien, Liechtenstein, Australien, Japan, Brasilien, Jamaica oder jedem weiteren Land freuen

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #48  
Alt 11.05.2006, 22:31
Lisa Lisa ist offline
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Standard AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl

uppps, da hab ich mich dumm ausgedrückt, es hat sich wirklich nur darauf bezogen, dass deutsche Politiker eben das mit der Atomkraft total anders sehen....

Ich fühl mich pudelwohl hier und ich glaube, das tut jeder, egal, wo er herkommt...

Herzliche Grüße von Lisa
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  #49  
Alt 24.05.2006, 16:53
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Larissa Larissa ist offline
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Standard AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl

Aus den Bildern geht ja eine phantastisch überzeichnete Spielfilmhandlung des Films hervor. Eigentlich war das 1986 viel stiller, es gab ganz wenig Information.

Wie habt Ihr die Katastrophe von Tschernobyl in Erinnerung?
Wer kann darüber erzählen?

Wolfgang (SAGEN.at)[/QUOTE]


Am 26. April 1986 um 6 Uhr morgens saß ich im Flugzeug von Kiew nach Tiflis, Georgien. Ich war 21 Jahre alt und studierte im 8. Semester Germanistik in Kiew.

Die Zeit verlief zunächst fröhlich und sorglos, bis eine georgische Freundin mich fragte, ob es wahr sei, dass eine Atombombe auf Kiew abgeworfen wurde. Die Frage hielt ich für einen schlechten Scherz. Beunruhigt durch diverse Gerüchte rief ich meine Mutter an. Sie konnte mir nichts Genaues sagen, flehte mich nur an, mein Studium an der Tifliser Staatsuniversität und nicht mehr in Kiew fortzusetzen. Ich solle in Georgien bleiben und auf keinen Fall zurück fliegen.

Am 29. April erschien ein winziger Artikel auf der zweite Seite der Zeitung „Prawda“ : Es hätte eine Havarie im Atomkraftwerk Tschernobyl gegeben. Einige Feuerwehrleute hätten Verbrennungen erlitten. Das Feuer ist unter Kontrolle. Es bestehe keine Gefahr für die Bevölkerung.

Trotz der Warnungen meiner Eltern flog ich am 7. Mai zurück nach Kiew. Im Flugzeug saßen nur zehn Passagiere. Kiewer Flughafen war voller Menschen. Man hörte das Weinen von Kindern, Beschimpfungen der verzweifelten Eltern bei erfolglosen Versuchen Flugzeugtickets zu kriegen. Die Richtung spielte keine Rolle, es zählte nur eins - raus aus dieser Stadt, möglichst weit weg… Eine alte Frau schaute mich an und sagte zu mir: “Kindchen, was machst du, bist du verrückt nach Kiew zu kommen. Gucke dir das an, alle wollen nur raus aus dieser verseuchten Stadt! Wie im letzten Krieg…“ und weinte.

Die Stadt wirkte auf mich gespenstisch. Im Zentrum waren überall Feuerwehrmaschinen zu sehen, die Häuser und Straßen mit Seifenlauge besprühten. Kiew war wie immer im Frühling besonders schön, aber in diesen Tagen wirkte diese Schönheit unheimlich. Unzählige Parks und Gärten standen in voller Pracht, Duft blühender Flieder herrschte in der Luft. Aber die Parks, Kinderspielplätze, Straßen waren fast ohne Menschen, man hörte und sah keine spielenden Kinder. Die Stadt mit fast 3 Millionen Einwohnern war wie ausgestorben. Alle, die es konnten, haben die Stadt verlassen. Die, die zurück bleiben mussten, waren „Geiseln von Tschernobyl“, die trotz Störungen versucht haben „Stimme des Feindes“ zu hören: Deutsche Welle, Stimme Amerikas, BBC. In sowjetischen Medien hielten Politiker und parteitreue Wissenschaftler beruhigende Reden. Dabei wussten alle, dass die Parteichefs ihre Kinder und ihre Familien schon längst in Sicherheit gebracht hatten. Zur selben Zeit waren die Krankenhäuser überfüllt mit Kindern, den ihre panische Eltern zu viel Jod sogar in flüssiger Form gegeben haben, und mit schwangeren Frauen, die ihre ungeborene Kinder abtrieben. Es fehlten Anästhesiemittel. Abtreibungen wurden oft unter örtlichen Narkose durchgeführt in einem OP-Saal, wo bis zu 6 gynäkologischen Sessel standen und mehreren Frauen gleichzeitig wurden ihre Träume abgetrieben...

Irgendwann verdrängten wir, kinderlose Studenten, unsere Angst mit Rotweit und Galgenhumor. Man kann einfach nicht ständig an die Gefahr denken, die man nicht spüren und nicht riechen kann. Ende Juni kauften wir uns kiloweise Erdbeeren auf dem Markt. Sie waren spott billig. Es hieß zwar, sie werden nach Strahlungen überprüft, aber wir wussten, dass für zehn Rubel Schmiergeld kriegt man auch eine Bescheinigung, dass die Ware der besten Qualität ist und aus sauberen Gebieten stammt. Wir feierten jeden Tag, als ob er der letzte gewesen ist. Das war Feier während der Pest.
Im Dezember 1986 habe ich als Dolmetscherin eine deutsche Delegation in die onkologische Abteilung eines Kinderkrankenhaus begleitet. Da es auf der Krebsstation nicht genug Betten gab, hat man Abteilung der Unfallmedizin für die krebskranke Kinder zur Verfügung gestellt. Wenn man das einmal gesehen hat, wird es nie vergessen: überall Kinder, jeder Altersgruppe, mit von Hormonbehandlung geschwollenen Gesichtern, kahl rasierte Köpfe... Gefragt nach seinen Weihnachtswünschen guckte uns ein dreijähriger Junge mit seinen großen Augen eines alten Menschen, der viel Leid gesehen hat, an und sagte: „Die Spritzen sollen nicht so weh tun.“ Erst da habe ich angefangen zu verstehen, dass diese Katastrophe noch lange Opfer fordern wird. Seitdem habe ich einen Weg gesucht, um diesen Kindern, und vielen die danach kamen zu helfen. Inzwischen lebe ich seit 14 Jahren in Deutschland. Seit 11 Jahren bin ich als ehrenamtliche Dolmetscherin für die Stiftung „Kinder von Tschernobyl“ des Landes Niedersachsen tätig. Ich begleite Delegationen der Stiftung nach Weißrussland und in die Ukraine. Wir besuchen Krankenhäuser, machen Kontrollbesuche dort, wo die Stiftung Ultraschallgeräte zur Verfügung gestellt hat. Vor kurzem habe ich einen Fotoband "Tschernobyl 1986-2006 Leben mit einer Tragödie". Zwei Fotografen haben ihr Sicht der Katastrophe dargestellt. Rüdiger Lubricht aus Worpswede hat mehrmal die Stiftung bei unseren Reisen durch das Land und die "Todeszone" begleitet. Seine Bilder zeigen Pripjatj und die Umgebung, Menschen, die dort arbeiten (unter anderm Rimma Kiselica, die uns oft in der Zone begleitet hat und die wir ins Herz geschlossen haben) heute. Anatol Kliashchuk aus Belarus, ein unglaublich sennsibler und feiner Mensch, hat 18 Jahre lang Kinder fotografiert, die an Folgen dieser Katastrophe leiden. Das sind schwarz-weiße Fotos, die mit sehr viel Achtung und Liebe zu diesen Kindern gemacht sind. Zusammen mit anderen drei Fotografen (Ludwig, Kostin, Fusko) waren Bilder von Rüdiger und Anatol in Berlin im Willy-Brandt-Haus ausgestellt. Zur Zeit läuft auch eine Ausstellung zum Buch bei der Nord LB-Galerie.

Der Tschernobyl GAU - eine stille Katastrophe. Als es passierte gab es keine beeindruckende Bilder vom Brand und Menschen, die mit primitivsten Mitteln gegen den unsichtbaren Feind, Radioaktivität, kämpften. Es gab keine Filmaufnahmen, die rund um die Welt gingen und Herzen der Menschen auf der ganzen Welt berührten. Es gab Vertuschungen, Lügen, Geheimhaltung und gezielte Fehlinformation, zuerst im Osten, später und bis heute auch im Westen. Eine stille Katastrophe, die die Gesundheit und das Leben Hunderttausender ruiniert und Ihrer Heimat beraubt hat.
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  #50  
Alt 24.05.2006, 19:54
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Standard AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl

Hallo Larissa,

Danke für Deinen beeindruckenden Bericht über Tschernobyl!
Dein Bericht ist eine Ehre für uns, geht mir persönlich sehr nahe.

Wolfgang (SAGEN.at)
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