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  #11  
Alt 09.07.2005, 13:39
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
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Standard AW: Kornkreise in Märchen und Sagen - Mithilfe gesucht!!!

Noch ein Nachtrag:

in den deutschen Sagen ist die "Bilwis" ein geheimnisvolles Wesen der Glaubensgestalten der Volksüberlieferung, die der Naturerscheinung der unheilvol umgelegten Zeilen im reifen Korn eine mythische Deutung gibt.

"Nach Hutter-Großberghofen befinden sich unter den Bilwisgängen unterirdische Wasseradern. Es macht Oberstudienrat Dr. Scheidl für jene Bilwisgänge, die schwarzgebrannte Halme aufweisen, Blitzschläge verantwortlich. Es ist hiezu zu bemerken, daß bei den meisten Bilwisgängen verbrannt oder geschwärzte Halme nicht beobachtet werden, so daß für diese doch eine andere Ursache in Betracht kommt."

Quelle: Leserbrief in: Natur und Kultur, November 1932, S. 425

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #12  
Alt 09.07.2005, 15:35
Andreas Müller Andreas Müller ist offline
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Standard AW: Kornkreise in Märchen und Sagen - Mithilfe gesucht!!!

Hallo Wolfgang,

danke für den neuen Text. Er ist in der Tat sehr interessant, auch wenn keine direkten Folgen dieses Phänomens in der Wiese und im Feld beschrieben werden. Vielleicht hat sich der Zeuge auch schlicht und einfach nicht für eine solche interessiert...?

Das interessante an dieser Sache - aus Kornkreis-Sicht - ist jedoch die generelle beschreibung eines solchen Phänomens über dem Feld. Es gibt da interessante Parallelen zu modernen Beobachtungen, nach welchen dann an diesen Orten auch Kornkreise gefunden wurden.

Wie gesagt, kornkreismäßig ist da nichts weiter zu sagen, aber eine Bereicherung für meine Arbeit ist dieser Bericht auf jeden Fall! Danke!!!

Ich werde mich mal daran machen, die Kornkreis-Märchen für sagen.at zusammenzustellen. Kann aber noch was dauern, da ich jetzt bald auch schon auf Forschungsreise nach England gehe.

Mein neues Buch zum Thema:
PHÄNOMEN KORNKREISE
Forschung zwischen Volksüberliefrung, Grenz- und Naturwissenschaft
(gemeinsam mit Werner Anderhub) wird dann auch im Oktober im AT Verlag erscheinen.

Alles Gute und nochmals Danke
Andreas

Geändert von Andreas Müller (29.10.2005 um 01:20 Uhr)
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  #13  
Alt 09.07.2005, 16:05
Andreas Müller Andreas Müller ist offline
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Standard Bilwisgänge

Hallo Wolfgang,

hier weitere Informationen zu den "Bilwisgängen":

Mir erscheint hier (nicht zuletzt auch philologisch) eine Verbindung zu den anderen Ortes als "Bilsenschnitt/Bilsenschnitter/Bilsenschneider/Böllenschnitter" bekannten Sage und Phänomen.

Damit wurden "gerade Linien geschnitten durch Getreidefelder" benannt.
Man machte Hexen oder gar den Teufel selbst dafür verantwortlich.

Schon Jacob Grimm sagt in "Deutsche Mythologie" (Leipzig 1835, S. 393) angesichts des Bilsenschneiders, dass die Schändung des reifenden Getreideackers die „gottloseste Weise sei, seinem Nachbarn zu Schaden.“

Im "Journal von und für Deutschland" 1790, p.26-29 (vgl. sächs. provinzialbl. 5, 499-512) finden sich ein Artikel über "Aberglaube im Saalfeldischen". Darin heißt es: "Der Hase schneitet dort oft mit seinen Vorderzähnen durch ganze Getraidefelder einen Weg, Man nennt es Bilsenschnitt, pilsenschneider und wähnt, der teufel schneide das Korn seinen guten Freunden ab und führe es ihnen zu."

Noch heute werden diese gerade Schnitte in den Feldern von Jägern und Förstern als "Hexensteig oder Hexenstieg" genannt und man weiß, dass es Hasen sind, die diese erzeugen...ein bekanntes Phänomen also.

Die Schnitt- bwz. Abbissstellen färben sich manchmal dann schwarz, wenn diese feucht werden und faulen oder aber auch von Pilzen befallen werden.

Alles Gute
Andreas
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  #14  
Alt 06.10.2005, 03:52
Andreas Müller Andreas Müller ist offline
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Standard Kornkreise im Werk der Gebrüder Grimm

Hallo,

ich habe auf meiner Homepage einen kurzen Artikel zum Thema "
"Kornkreise im Werk der Gebrüder Grimm" eingestellt. es handelt sich dabei um einen Auszug aus meinem neuen Buch

"Phänomen Kornkreise - Forschung zwischen Volksüberlieferung, Grenz- und Naturwissenschaft" (AT Verlag)

welches zur Frankfurter Buchmesse (also schon bald) erscheint.

Wie bereits angekündigt, werde ich mich dann auch mal bald an die Zusammenstellung der "Kornkreis-Märchen und Legenden" machen, und diese dann www.sagen.at zukommen lassen.

Weitere Informationen zum Artikel und zum neuen Buch findet Ihr unter:

http://www.kornkreise-forschung.de

Alles Gute und bis bald
Andreas
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  #15  
Alt 12.10.2005, 23:19
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
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Standard AW: Kornkreise in Märchen und Sagen - Mithilfe gesucht!!!

Hallo Andreas,

Danke für Deinen Tipp auf Deine Zusammenstellung zu Kornkreishinweisen bei den Brüdern Grimm - ist sehr interessant!

Darf ich Dir bei dieser Gelegenheit eine Frage stellen?

Aufgrund von Deinem Hinweis, haben wir bei unseren Wanderungen zu Sagen und weiteren Gebieten der Volkskunde (primär in den Alpen) auch auf mögliche Kornkreise oder ähnliche Formen Ausschau gehalten.

Wir konnten allerdings kaum derart schöne Formen entdecken, die Du beschreibst? Gibt es in Österreich kein Auftreten von Kornkreisen?

Bei einer unserer Wanderungen in Tirol haben wir diese Erscheinungen in einem Kornfeld bei Thaur, Tirol gesehen:



© Berit Mrugalska, SAGEN.at, 17. Juli 2005





© Berit Mrugalska, SAGEN.at, 17. Juli 2005


Wie gesagt, das sieht nicht so schön aus, wie in Deinen Büchern.
Diese eher zufälligen Muster werden von den Leuten bzw Landwirten, die wir gefragt haben, durch Sturm- und Wetterschäden erklärt.

Kannst Du uns bitte solche Erscheinungen erklären?

vielen Dank

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #16  
Alt 13.10.2005, 12:06
Andreas Müller Andreas Müller ist offline
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Lächeln AW: Kornkreise in Märchen und Sagen - Mithilfe gesucht!!!

Hallo Wolfgang (und andere),

es freut mich wirklich sehr, wie ernst Ihr meine Anfrage und Abreit nehmt. Danke!

Zu Deinem Bild Bild und Deiner Frage.

1. In der Tat ist Österreich nicht unbedingt bekannt für seine vielen Kornkreise. Es gab sie aber immer mal wieder und diese wurden auch dokumentiert. Aber es sind jährlich meist weniger als 5 Exemplare.
Natürlich stellt sich da die Frage ob es einfach nur so selten welche gibt (und warum) oder ob sie nicht entdeckt, bzw. nicht gemeldet werden? Die jährliche Dunkelziffer von unentdeckten Kornkreisen ist meiner Erfahrung nach recht hoch. Das wird immer wieder deutlich, wenn erst nach der Ernte, oder gar nach Jahren, "alte" Kreise nachgemeldet werden. Hierfür gibt es widerum viele Gründe: Entweder die Leute finden zwar Kornkreise, halten es aber nicht für erwähnenswert, fürchten sich oder wissen einfach nicht warum bzw. wohin sie ihre Entdeckung melden sollen.

Wie auch immer, bisher sind nur 14 Fälle in Österreich dokumentiert worden. Darunter waren aber auch wirkich einige recht interessante und schöne.

2. Bei meinen Untersuchungen zu Kornkreisen im Sommer 1997, die mir leider nur (aber immerhin) mittels Luftbildern gemeldet wurden, und die damals bei Nikolsdorf, Tressdorf und Obertrauburg in Kärnten gefunden wurden, erfuhr ich eine interessante Geschichte:

Eine damals 75 jährige Bäuerin erzählte, dass sie sich an "ganz ähnliche Dinge" im Sommer 1934 erinnere. Andere Anwohner sagten, dass die lokale Folklore im Wolayer reich an Geschichten von Feen, Elfen und sonstigen Naturgeisern ist, welche sich "den Menschen dadurch mitteilten, dass sie zu Ihnen durch das Getreide" sprachen... Was immer auch damit gemeint sein könnte (vielleicht war es ja auch nur das Rauschen des Windes im Feld?), es hört sich zumindest kornkreis-interessant an.

Damals habe ich versucht, da mehr zu erfahren, kam aber leider nicht sehr weit. vielleicht gibt es ja hier auf sagen.at jemanden, der genaueres zu den Wolayer-Sagen kennt?

3. Eure Fotos zeigen in der Tat wahrscheinlich viel eher so genannte "Wind- und Wildschäden".

Wildschäden werden durch größere Wildtiere wie Füchse, Dachse, Rehe, Hirsche usw. erzeugt, wenn diese etwa die Felder durchqueren, darin ihre Bauten haben oder diese einfach nur Befressen. Letzteres wird sogar schon von kleinerem Getier wie Hasen, Kanichen und sogar Vögeln (Vogelfrass) erzeugt, wenn diese sich eine Stelle im Feld aussuchen, und von dort aus losfressen. Um an die hohen Ähren zu gelangen, knicken/fressen sie die Halme nach und nach ab.
(siehe obige Beiträge zu den "Bilwisgängen")

Direkt kornkreisähnliche Flächen enstehen jedoch meist bei der Balz der Rehe.Der Waidmann bschriebt dieses "Treiben" wie folgt:
"Bei Annäherung des Bockes flüchtet in der Regel das weibliche Stück, so daß es zu einer Hetzjagd kommt, dem bekannten Treiben. Dieses Treiben kann unter Umständen über mehrere Kilometer gehen, und es wird oft von dem recht lauten Keuchen des Bockes begleitet. Bei einem Halt bewindet meist der Bock ausgiebig den Schürzenbereich der Ricke, worauf oft das Treiben, jetzt in immer enger werdenden Kreisen, fortgesetzt wird. Die Spuren dieses kreisförmigen Treibens in der Bodenvegetation sind die bekannten Hexenringe (Hexenkreise)"

Hierbei ist ein Unterschied zum Begriff der "Feenkreise" zu sehen, die heutzutage die von Pilzen verursachten Ringe bezeichnen.
Und natürlich entstehen dabei auch keine grossen und geometrisch genauen Formen! Aus der Bodenperspektive kann das dann aber schon einmal auch ein bisserl nach Kornkreisen ausehen.

Ähnlich ist das bei den Wind/Wetterschäden.
Oft entstehen diese so genannten "Lager" bei Regen und auch erst, wenn die Pflanzen schon Ähren tragen. Diese saugen sich voll und werden für den Halm zu schwer. Kommt dann auch noch eine kräftige Brise hinzu können sich dann ganze Bahnen und Flächen niederlegen. Teilweise sehen die dann auch recht geordnet aus - unterscheiden sich aber auch weiterhin gerade ob ihrer Form von klassischen Kornkreisen. Natürlich können auch kleine Wirbelwinde oder stärkere Böen solche "Lager" (auch ohne Regen) verursachen.

(Es gibt jedoch auch beispiele, in welchen sich Kornkreise und "Lager" zu vermischen scheinen, aber das würde jetzt hier zu weit führen...)

Oft wird all' dies mit Kornkreis verwechselt und uns dann als "neue Formation" gemeldet. Aber wir sind über jede Meldung froh, die nicht verloren geht. Es ist jedoch immer hilfreich, wenn die Melder schon bei ihrer Meldung ein Foto(s) mitliefern. So können wir uns oft Mühen, Aufwand und Kosten sparen.

Ich bin gerade etwas in Arbeit (...wir ziehen um), werde aber danach mal eine kleine Bilderliste der Kornkreise in Österreich hie rim Forum plazieren.

Alles Gute und bis bald
Andreas
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  #17  
Alt 26.10.2005, 14:49
Andreas Müller Andreas Müller ist offline
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Standard Weiteres zum Bilsenschnitter

Hallo,
ich habe weitere Informationen zu den Legenden um den so genannten "Bilsenschnitter" im Buch "Meine Hexenküche" von Regina Röhner entdeckt.

Diese sind auch auf Ihrer Hoempage als Leseprobe zu finden:
http://www.regina-roehner.de/leseprobe/rezept.html

Erläuternd zum Rezept schreibt sie da:

"Der Pilwis oder Bilmschnitter ist nach der Überlieferung ein missgünstiger Geist, der den Bauern ihre gut bestandenen Getreidefelder nicht gönnt und danach trachtet, sie um den Ertrag ihrer mühevollen Arbeit zu bringen.
Seine Wanderungen unternimmt er besonders in der Walpurgis- und Johannisnacht. Dann bindet er sich sichelartige Messer an die Fußknöchel und Scheren an die Zehen, trampelt damit höhnisch lachend durch die Sommer- oder Wintersaaten und schneidet die Halme fußhoch über der Erde ab. Dadurch entstehen Bahnen in den grünen Flächen, die keine Körner bringen (Kornkreise).

Die mythische Gestalt des Bilmschnitters war bereits im 12. Jahrhundert unter dem Namen Pilwis oder Pilwith als schädigender Dämon der Felder bekannt. Urspünglich ein Naturdämon, wurde er durch die "Interpretatio Christiana" in einen Zauberer umgedeutet. Sein weibliches Gegenstück, die Pilweisse oder Pielweyse, galt als Milchhexe. Sie stahl angeblich fremden Kühen die Milch, indem sie mittels eines weißen Tuches den Frühtau vom Feld eines Bauern aufsammelte und ihn dann ihren eigenen Kühen zu saufen gab. Auch durch Vergraben von Kräuterpulver auf dem Viehweg konnte sie "Milchzauber" bewirken. (Dazu auch R. Röhner: Hexen müssen brennen, S. 34)"

Auch wenn, wie ich in einem obigen Beitrag dargelegt habe, der Bilsenschnitter, vom Hasen erezuegt wird, sind die Information von Regina Röhler interessant.

Wäre jetzt nur noch lustig gewesen, wenn es ein Hasenbraten-rezept gewesen wäre...

Alles Gute
Andreas
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  #18  
Alt 27.10.2005, 01:14
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
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Standard AW: Kornkreise in Märchen und Sagen - Mithilfe gesucht!!!

Hallo Andreas,

vielen Dank für Deine informativen Beiträge!
Bei dem Hexen-Kochbuch scheint es mir, daß es sich doch eher um Sekundärliteratur handelt. Man verzeihe mir, falls ich mich irren sollte - ich habe das Buch nicht gesehen!
(Sekundärliteratur in dem hier gemeinten Sinne ist Literatur, die nichts Neues bringt, sondern nur aus vorhandenen Quellen eine Zusammenstellung bringt - einen Gutteil heutigen Angebotes in Buchhandlungen könnte man so ungeschaut ins Altpapier kippen).

Dennoch hat solche Sekundärliteratur einen nicht so üblen Nebeneffekt: die Ideen der Autoren verhelfen oft auf interessante Zusammenhänge - hier in diesem Fall war jetzt der Hinweis auf "Bilwis" recht interessant, schließlich ist "Bilwis" eine dämonische Gestalt, die in der Europäischen Ethnologie (Volkskunde) häufig begegnet. Der Bilwis taucht ja schon in der mittelalterlichen Literatur (Wolfram von Eschenbach, 1220) auf. Er ist sicher der bedeutendste der Korndämonen.

Ich zitiere hier aus dem "Wörterbuch der Deutschen Volkskunde", Stuttgart 1974, S. 91/92:

Bilwis, Bilmesschneider (-> Wacholder, Thomas Ebendorfer). Um 1930 nur noch im badischen Franken, im Fichtelgebirge, im böhmischen und bayrischen Wald sowie in den östlich angrenzenden Gegend, bekannte, hier aber sehr lebendige Gestalt eines Dämons, der mit Sicheln an den Füßen nachts Steige ins Kornfeld schneidet, das Korn einem zauberischen Nachbar zuträgt oder die Kinder schreckt. In Namen wie Vorstellung überschneiden sich heute mehrere Sagenkreise. Der Bilwis heißt Bilmesschneider (davon volksetymologisch mit Anspielung auf -> Bilsenkraut und Binsen: Bilsen- und Binsenschneider), Johannesschnitter, Durchschnittler, Bockschnitter, -reiter. Die Erscheinung der abgemähten Halme heißt Wolfsschnitt, Hexenschnitt. Hinter der heute vorwiegenden Vorstellung des Bilwis als schädigenden, selten zutragenden -> Korngeistes und Kinderschrecks liegt der mittelalterliche Glaube an Zauberer und (häufiger) Hexen, die bis ins 17. Jh. mit den Namen beluwitte, billewits (Niederrhein), bilwiz (Wolfram von Eschenbach; erster Beleg des Wortes), pileweissin (Gryphius, Schlesien), Bilweise (Lausitz), Willeweis (Oberpfalz, Tirol) und ähnlich bezeichnet wurden. In den frühesten, fast nur bayrisch-österreichischen Zeugnissen ist er ein Naturgeist, allein, beweibt oder zu mehreren auftretend, der Krankheit (Alpschoß, -> Geschoß) schießt. In Wolframs Willehalm steht:

sie wollen, daz kein pilwiz
si da schüzze durh diu knie.


Die heute spärlichen Belege im niederrheinischen Selfkant sind vielleicht Horste ehemaliger Verbreitungsgebiete. Jedenfalls hat dort der Bilwis altertümliche Form. Er ist noch nicht der Hexer und Schwarzkünstler, eher ein Geist von Zwergenart. Auch Sonderlinge nennt man dort zuweilen Bile oder Bilewit. - Eine starke Verwurzelung des Bilwis im Volksglauben beweisen auch nordostdeutsche Zeugnisse (1394 u. später). In Zusammenhang schon mit dem alten Urnenfelderboden im Hermundurengebiet östlich der Elbe rückt L. Schmidt diese "eigenartigste, wahrhaft geheimnisvolle Gestalt unter allen Glaubens- und Brauchfiguren, die mit den Ernteschnittgeräten zu tun haben".

Es ergibt sich also, daß das Verbreitungsgebiet früher viel weiter nach Norden und Osten reichte. Aus den Fragebogen des Atlas der deutschen Volkskunde geht hervor, daß heute der Bilwis in Norddeutschland nur noch in der Erinnerung der ältesten Frauen besteht. - Singer stellt Bilwis zu belluwitte als euphemistische Namengebung und als Substantivierung des altenglischen Adjektivs bilewit = wohlwollend. Indes bedarf die Etymologie des Namens wie Geschichte und Geographie der Sage noch weiterer Forschung.

Schönwerth, Aus der Oberpfalz, 3 Bde., 1857; Mogk, Grundr. d. germ. Phil., 1900, 32; L. Mackensen im HDA, 1. Bd., 1927; R. Beitl, Korndämon und Kinderscheuche, Ungedr. Habil.schrift, Berlin, 1933; A. H, Krappe, in: Mitt. d. Schles. Ges. f. Volkskunde, 34 (1934); G. Brachmann, Der Bilwis, Oberösterr. Heimbll. 2 (1948); J. Grein, Der Bilwis im Selfkant, Rhein. Jahrbuch für Volkskunde 1 (1950); L. Schmidt, Gestaltheiligkeit im bäuerl. Arbeitsmythos, 1952, S. 130ff.; J. Hanika, in: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 1953; W. Deboy, Der Bilwis, Diss. Marbg. 1954.

Ergänzend gestatte ich mir noch darauf hinzuweisen, daß Du mit den hier angeführten Begriffen und Varianten auf SAGEN.at eine Menge Themen findest!

Wolfgang (SAGEN.at)

Geändert von SAGEN.at (27.10.2005 um 01:16 Uhr)
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  #19  
Alt 31.10.2005, 21:32
Andreas Müller Andreas Müller ist offline
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Standard "PHÄNOMEN KORNKREISE" Neues Buch jetzt im Handel

Hallo,
da es so gut zum Thema dieser Diskussion passt, erlaube ich mir, mit diesem Beitrag auf mein neues Buch (gemeinsam mit Werner Anderhub) aufmerksam zu machen.

Der Titel:

PHÄNOMEN KORNKREISE
Forschung zwischen Volksüberlieferung, Grenz- und Naturwissenschaft
(AT-Verlag, Baden)

und der Name ist auch Programm bzw. Inhalt.
Es ist im Buchhandel (in D, CH und AT) und natürlich auch online (Bsp.: www.amazon.de) erhältlich.

Allen die es interessiert wünsche ich viel Freunde und spannende Informationen zum Phänomen, seiner Geschichte und der aktuellen Erforschung. Weitere Informationen sind auch auf meiner Homepage zu finden:

http://www.kornkreise-forschung.de

Alles Gute und bis bald
Andreas
Miniaturansicht angehängter Grafiken
PhaenomenKornkreise.jpg  
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  #20  
Alt 31.10.2005, 22:20
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
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Standard AW: Kornkreise in Märchen und Sagen - Mithilfe gesucht!!!

Hallo Andreas,

Dein neues Buch sieht gut aus - es freut mich auch zu sehen, daß Du auf den volkskundlichen Aspekt der Volksüberlieferung einzugehen scheinst.

Wolfgang (SAGEN.at)
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