SAGEN.at  FORUM  

Zurück   SAGEN.at FORUM > ERZÄHLEN

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
  #81  
Alt 22.12.2010, 08:51
Benutzerbild von Elfie
Elfie Elfie ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 15.06.2009
Beiträge: 23.709
Standard AW: Untergegangene Berufe

Hab mir gerade die eindrucksvolle Liste und interessanten Kommentare durchgeschaut und hab vielleicht einen übersehen - oder gibt es ihn tatsächlich nicht: den Brunnenbauer.
"Brunnmocha" hieß der bei uns und als ich noch sehr klein war (deshalb weiß ich die Einzelheiten nicht mehr so genau), bekamen meine Großeltern eine neue Brunnröhre. Da war ein ellenlanger geschälter Baumstamm und der Scherzer, ein im Umkreis sehr gefragter Mann - weil Brunnmocha - arbeitete mit verschieden starken und langen Bohrern ein Loch durch den Baum. Ich glaube, es wurde auch immer wieder dieser Stempel, der dann am Zug befestigt war und das Wasser herauf gezogen hat, durchdesteckt, ob er nicht klemmt oder so.
Heute braucht man diese Fertigkeit, die sicher schon bei der Wahl des Baumes begonnen hat, auch nicht mehr.
Mit Zitat antworten
  #82  
Alt 22.12.2010, 10:16
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.09.2005
Beiträge: 2.493
Standard AW: Untergegangene Berufe

Brunnenbauer gibt es auch heute noch! -
Zu Lars: In Deutschland gibt es ja besondere Anforderungen für die
Meisterprüfung, dazu gehören auch zuvor die Gesellenprüfung und
etliche Praxisjahre. Nur die Meister dürfen ausbilden, was auch pädag.
Fähigkeiten einschließt. Zudem wohl auch(Zwangs-) Mitgliedschaft in der Innung
(des jeweiligen Handwerks). Meister nahmen auch die Prüfungen mit ab
(Berufsschule). Vielleicht hat sich einiges geändert, Quereinsteiger können
wohl manche Tätigkeiten genauso gut ausüben. Werden sie auch gleich
bezahlt (Tarif?). Würde mich für dich freuen! Wir sind ja ein Land der
Bürokratie, Vorschriften usw. ohne Ende. Darfst Du ausbilden? Ein
Meisterbrief an der Wand war immer ein "Gütesiegel" des HAndwerks.
Es gab auch den Begriff der "artverwandten" Berufe, was gegenseitig
anerkannt wurde. Vielleicht bei dir der Fall? Dann hättest Du Gesellenjahre
mit Praxis, machst eine höherwertige Tätigkeit, hast aber keine Meister-
prüfung: Schreib mal Genaueres. Interessant ist allemal, wie sich
Berufe wandeln, verschwinden und neu entstehen.
Wünsche Dir alles Gute im Beruf und privat ein schönes Weihnachtsfest!
Viele Grüße aus meiner Heimatstadt, momentan im Schneechaos!-Ulrike
Mit Zitat antworten
  #83  
Alt 24.12.2010, 10:51
Benutzerbild von LS68
LS68 LS68 ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.05.2010
Ort: Bergisches Land
Beiträge: 800
Standard AW: Untergegangene Berufe

Den Beruf des Brunnenbauers gibt es auch als lehrberuf. Wird aber selten angeboten. Ein Bohrteam besteht in der Regel aus Bohrgeräteführer und Bohrhelfer. Der Bohrhelfer darf nach 5 jahren einen Lehrgang zum Bohrgeräteführer machen. Nach weiteren 5 jahren den Meister.
Die Arbeit des Bohrhelfer ist Be / Entladen der LKW und Aufsetzen des nächsten Bohrer. Die Praxis zum Bohren lernt er durch beobachtung des Bohrgeräteführer. Weil es relativ einfach zu erlernen ist, wird in der Regel auf eine Ausbildung verzichtet.
Mein Weg ab 2006 war : Brunnenbauer : Stahlrohranlgen für Saugpumpen
Blaurohranlagen für Tiefenpumpen ( Bohrungen zwischen 15 und 40m mit Holbohrschnecken ( loser Boden (Kies / Sand) ) und Erddwärmesonden ) und normale Bohrer . Dies alle mit hydraulischen antrieb.
Erdwärmebohrungen von Koaxialsonden ca 20-25m tief( gibt es erst seit 2007) . Imlochhammerbohrungen ( mit Pessluft wird der Fels im Boden zerschlagen)
Erdwärmebohrungen mit Doppel U Sonden Bohrtiefen 100-150m mittels Spülbohrungen mittels Wasserdruck .
Geojetting : neu entwickeltes Bohrverfahren aus den USA mÜßte noch weiterentwickelt werden. Durch den Abrieb der Bohrer und den enormen Wasserdruck haben wir etliche Bohrer der Nachtelt hinterlassen.
Heute bin Ich als Bohrmeister in verschiedenen Steinbrüchen tätig und Bohre alleine mit meiner Maschiene ( Titon 500 ) die Löcher für die Sprengarbeiten.

Ich Wünsche allen Lesern FROHE WEIHNACHTEN UND Einen Guten Rutsch ins neue Jahr. Gruß Lars
Mit Zitat antworten
  #84  
Alt 24.12.2010, 11:16
Benutzerbild von LS68
LS68 LS68 ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.05.2010
Ort: Bergisches Land
Beiträge: 800
Standard AW: Untergegangene Berufe

Zitat:
Zitat von Ulrike Berkenhoff Beitrag anzeigen
Brunnenbauer gibt es auch heute noch! -
Zu Lars: In Deutschland gibt es ja besondere Anforderungen für die
Meisterprüfung, dazu gehören auch zuvor die Gesellenprüfung und
etliche Praxisjahre. Nur die Meister dürfen ausbilden, was auch pädag.
Fähigkeiten einschließt. Zudem wohl auch(Zwangs-) Mitgliedschaft in der Innung
(des jeweiligen Handwerks). Meister nahmen auch die Prüfungen mit ab
(Berufsschule). Vielleicht hat sich einiges geändert, Quereinsteiger können
wohl manche Tätigkeiten genauso gut ausüben. Werden sie auch gleich
bezahlt (Tarif?). Würde mich für dich freuen! Wir sind ja ein Land der
Bürokratie, Vorschriften usw. ohne Ende. Darfst Du ausbilden? Ein
Meisterbrief an der Wand war immer ein "Gütesiegel" des HAndwerks.
Es gab auch den Begriff der "artverwandten" Berufe, was gegenseitig
anerkannt wurde. Vielleicht bei dir der Fall? Dann hättest Du Gesellenjahre
mit Praxis, machst eine höherwertige Tätigkeit, hast aber keine Meister-
prüfung: Schreib mal Genaueres. Interessant ist allemal, wie sich
Berufe wandeln, verschwinden und neu entstehen.

Wünsche Dir alles Gute im Beruf und privat ein schönes Weihnachtsfest!
Viele Grüße aus meiner Heimatstadt, momentan im Schneechaos!-Ulrike
Ich kenn den Tarief zwar nicht aber ein Kollege / verheirat Kinderlos hat 1800€
netto . Das ist auch das was ein Maurermeisster Verdienen kann.
Aubilden darf ich nicht. Man nennt das dann einarbeiten.

Da im Bau auch gerechnet wird, gibt es viele Maschienen, welche viele Arbeiter freistellen. Durch grossfomatige Fertigteile werden ebenfalls viele Arbeiter nicht mehr gebraucht . Mitlerweile errichten 2 Maurer eine Etage eines 1 Fam.Haus in einer Woche. Auch aus dem Ausland ist die Auswahl an billigen Arbeitern sehr gestiegen.
Mit Zitat antworten
  #85  
Alt 24.12.2010, 11:46
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.09.2005
Beiträge: 2.493
Standard AW: Untergegangene Berufe

Hallo Lars, danke für deine Antwort. Der Opa meines Mannes war auch Maurer,
er mußte noch Steine hochschleppen usw. NAch dem Krieg hat er ein kleines Haus erworben und mit Hilfe seines Sohnes (mein Schwiegervater) "renoviert".
Sie haben alte Ziegelsteine "abgepickt", Mörtel hergestellt durch Zerkleinern
und "Mahlen" alter Betonreste, Holz, Nägel, Werkzeug: alles war zu der Zeit wertvoll. Heute hat kaum noch jemand eine Vorstellung davon! - Wünsche
Dir schöne Feiertage! - Wir haben heuer ein totales Schneechaos. Mal
schauen, wie der Heilige Abend verläuft. Hauptsache alle kommen heile nach Hause! -Ulrike
Mit Zitat antworten
  #86  
Alt 26.12.2010, 11:42
Benutzerbild von LS68
LS68 LS68 ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.05.2010
Ort: Bergisches Land
Beiträge: 800
Standard AW: Untergegangene Berufe

Hallo Zusammen,

der Bruder meiner Großmutter väterlicherseits war auch Maurer.
Im Winter wurden dann die Firma zu gemacht und er hat sich dann bei Privatleuten durchgeschlagen. Reparaturen und kleinere Sachen. Z.B. Futtertröge in Stallungen . Die anderen Brüder waren auch Handwerker .

Meine Praktische Prüfung war ein Kreutz zu mauern, 12 Winkel / 24 Lotstellen.
Ein komplettes Haus am Hang mußte innerhalb 4 Tage gezeichnet werden.
Schnitte, Grundrisse, Dachkonstrucktion, Deteils, Kalkulation, Baubeschreibung , Lageplan
Teil 2 : Statik ( Ausrechnen und Zeichnen ), Kalkulation und Treppenbau.
Teil 3 : Buchführung, Rechts und Wirtschaftskunde
Teil 4 : Ausbildereignung

Es sind 4 Hauptteile , Insgesammt 12 Prüfungen, jede darf 2 mal wiederholt werden.

Nach der ersten Wiederholung durfte ich meinen Brief auch in Händen halten.
Man ist nicht verpflichtet Mitglid der Innung zu werden. Schadet aber auch nicht bis auf die Beiträge. Es ist schwer in eine Prüfungkommission zu
gelangen ( Vitamin B ). Bruchsteinmauerwerk und Bögen bleibt aber immer noch eine Sache praxiserfahrene Mitarbeiter. Früher konnte das fast Jeder.
Wenn man bedenkt, das ein Bagger / Krahn heute die Arbeit von 20-50 Mann erledigt und heute die Frtigteile die Einschalarbeiten fast ganz erübrigen, als auch die Mauersteine so großformatig sind, daß man einen Krahn braucht hat sich das Berufsbild in den letzten 25 Jahren total verändert.
Eine Frage in den Raum, weiß jemand was Hitlerbeton ist ?

Bis Später.
Mit Zitat antworten
  #87  
Alt 26.12.2010, 17:01
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.09.2005
Beiträge: 2.493
Standard AW: Untergegangene Berufe

Ich kenne nur den Begriff: Hermann Göring Pappe - ich glaube, eine
"Hartfaser"-Platte o.ä. Werde mich umhören! -Ulrike
Mit Zitat antworten
  #88  
Alt 26.12.2010, 17:20
Benutzerbild von Dresdner
Dresdner Dresdner ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 05.10.2008
Ort: Dresden
Beiträge: 2.275
Standard AW: Untergegangene Berufe

Zitat:
Eine Frage in den Raum, weiß jemand was Hitlerbeton ist ?
Dieser Begriff ist doppeldeutig besetzt.

Variante 1: Beton schlechter Qualität mit vielen Zuschlagstoffen, z.B. Kieselsteinen bzw. zuviel Zement als Bindemittel.

Variante 2: Beton besonders guter Qualität, der sich ncht einmal sprengen lässt, z.B. ehemalige Flaktürme in Großstädten.

Dresdner
__________________
www.bergbahngeschichte.de
Mit Zitat antworten
  #89  
Alt 27.12.2010, 12:38
Benutzerbild von LS68
LS68 LS68 ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.05.2010
Ort: Bergisches Land
Beiträge: 800
Standard AW: Untergegangene Berufe

Hallo Zusammen

ja, die zweite antwort stimmt.

In der Anfangszeit des Fließbeton ( Beton dem viel Wasser zugegeben wurde, damit er schneller größere Schalungen füllen konnte ) wurde , um das Verhältnis Wasser zu Beton von 0,5 zu halten unmengen an Zement beigemischt. Das Wasser ist nun weg und der Beton bombenfest und Wasserdicht.
Wurde oft bei Fundamenten , Staudämmen und sicher auch Bunkern bei verwendet.
Heute geht das mit chemischen Zusätzen.
Gruß Lars
Mit Zitat antworten
  #90  
Alt 31.12.2010, 10:05
Benutzerbild von Dresdner
Dresdner Dresdner ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 05.10.2008
Ort: Dresden
Beiträge: 2.275
Standard AW: Untergegangene Berufe

Wobei es durchaus so ist, dass Brunnenbauer und Brunnenmacher auch heute noch ausgebildet werden, es sich also bei diesen Berufen nicht um untergegangene Berufe handelt.
Dresdner
__________________
www.bergbahngeschichte.de
Mit Zitat antworten
Antwort

Stichworte
beruf, diktat, hallknechte, halloren, salzwirker, stenotypistin

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist An.
Smileys sind An.
[IMG] Code ist An.
HTML-Code ist Aus.

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 18:33 Uhr.


©2000 - 2017 www.SAGEN.at