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  #1  
Alt 19.05.2008, 19:41
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
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Standard Untergegangene Berufe

Wer kann von heute untergegangenen Berufen erzählen? Wer hat selbst noch einen Beruf ausgeübt, den es heute nicht mehr gibt?

Die Vielfalt der Berufe ist ein lebender Ausdruck der Kultur einer Gesellschaft. Heute (2008) sollen ungefähr zwei Drittel aller Berufe mit Computer und/oder Auto zu tun haben. Ist daraus ein kultureller Niedergang abzuleiten oder eine neue High-Tech-Kultur, die sich die Menschen gewünscht haben?

Doch welche Berufe sind in letzter Zeit still untergegangen, welche Berufe sind schon lange untergegangen?

Auf Beiträge neugierig...

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #2  
Alt 19.05.2008, 20:12
Benutzerbild von mina
mina mina ist offline
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Standard AW: Untergegangene Berufe

der verein schloss trautenfels hatte da voriges jahr eine äußerst interessante vortragsreihe ... leider habe ich zu spät darüber erfahren aber es ging um genau dieses thema ... es hieß "vom altag verschwunden"

kleiner auszug aus der homepage:

"Vom verschwundenen Alltag" und Kulturkalender Bezirk Liezen

Dieses Leader+-Projekt erforscht unter der Projektleitung von OStR Prof. Mag. Dr. Josef Hasitschka, das Verschwinden beziehungsweise die veränderte Arbeitsweise verschiedener Berufe seit 1945. Dieses Projekt wurde mit dem Steirischen Volkskulturpreis 2006 ausgezeichnet.

Nach 30 Stammtischgesprächen wurde am 4. Juli mit dem Feuerwehrmännern und RettungsfahrerInnen ein krönender Abschluss der Veranstaltungsreihe Vom verschwundenen Alltag seit 1945 geschafft. Bei den Stammtischgesprächen wurde das Wissen von alten Berufen und Techniken durch ZeitzeugInnen lebensnah präsentiert. Die vorgestellten Berufssparten sind für unsere Region spezifisch und Teil der Identität. Die verschwindenden Berufe sind sowohl beispielhaft für das Land als auch durch die Ergänzungen der TeilnehmerInnen flächendeckend für die Region aufgenommen und damit für die Alltagsgeschichten sehr aussagekräftig.

2008 wird eine Publikation mit ca. 30 Berufen die Ergebnisse dokumentieren. Die Daten werden auf CD im Museum Schloss Trautenfels archiviert.
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  #3  
Alt 20.05.2008, 10:02
Benutzerbild von cerambyx
cerambyx cerambyx ist offline
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Standard AW: Untergegangene Berufe

Super Idee, nach dazu wo ich grade in meiner Region mich mit diesem Thema auseinandersetze ... guckst Du mir etwa irgendwie über die Schulter, Wolfgang? *ggg*

Übrigens: einen "Fast-Start" dieses Themas hatten wir schon im Bereich "Suche" mit dem Thread "Altes Handwerk in Ö" ...

Wie schnell in der heutigen Zeit Berufe kommen und gehen, zeigt mein Eigener:
Ich selber war in der allerersten Klasse der "Büromaschinenmechaniker" in der Berufschule Amstetten - und dieser Beruf wurde schon lange wieder durch die rasante technische Entwicklung am Elektronik-Sektor abgelöst und aufgespalten auf Mechatroniker, Elektroniker, Programmierer, EDV-Techniker, Softwaretechniker usw.
Wie ich diesen Beruf, sein Werden und Vergehen selber erlebt habe, schreibe ich gerade nieder - ich stelle bei Interesse gerne Auszüge davon hier herein ...

Hier bei uns im verträumten Molln sind alte Berufe Tradition - und einer der Traditionsreichsten ist mit dem letzten lebenden Meister der ca. 1600 begründeten Zunft im Jahr 2004 ausgestorben: der Mollner "Schaufelhacker" Norbert Zemsauer starb mit 76 Jahren und hat bis zum Schluss seine Kunst bei diversen Veranstaltungen gern gezeigt.

Literaturtipp: Mohr/Die Geschichte der Mollner "Schauflerzech", 1995, Verlag Ennsthaler, Steyr (hoffentlich noch nicht vergriffen, bei Interesse kann ich im örtlichen Museum nachfragen, die haben das auch angeboten)
Museum Molln

Es grüßt aus Molln
Norbert
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  #4  
Alt 20.05.2008, 14:25
Huber Huber ist offline
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Standard AW: Untergegangene Berufe

An zwei Berufe, deren Wirken ich noch als Kind und Jugendlicher erlebt habe, erinnere ich mich gut. Zwar gibt es, glaube ich, beide noch - allerdings sind sie derart aus dem öffentlichen Leben verschwunden, dass sie schon fast "untergegangen" sind.
Das eine war der Kohlehändler. Damit meine ich eher die Variante, die noch höchstpersönlich in der Butte die Kohlen zu den Leuten gebracht hat. In meinem Wohnhaus wohnte ein solcher und für mich bekam das Wort "Schwarzer Mann" eine ganz andere Dimension dadurch. Obwohl er ein sehr netter und freundlicher Mann war, dessen Bärenkräfte ich bewunderte, als ich einmal die Möglichkeit (oder besser gesagt nicht) hatte, diese Butte zu (wie gesagt, eher nicht) heben.
Ebenfalls fröhlich unterwegs war der Scherenschleifer in Wien. Als der letztendlich von der Bildfläche verschwand, gab es zwar noch diverse Messer- und Scherenläden, die vor Ort diese Tätigkeiten übernahmen, aber auch diese Geschäfte sind aus dem Stadtbild verschwunden.

Definitiv ausgestorben halte ich den Beruf des Stubenmädchens. Bestenfalls ist er in irgendwelchen Berufsbildern von Hotelfachkräften aufgegangen.

lg
erich
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  #5  
Alt 20.05.2008, 17:12
volker333 volker333 ist offline
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Lächeln AW: Untergegangene Berufe

Hallo,
ich selbst habe noch einen Beruf gelernt, der so gar nicht mehr vermittelt wird.
Bergvermessungsingenieur. Die Betonung liegt in diesem Fall auf Berg.
Der Umgang mit mechanischen Vermessungsinstrumenten wird heute nur noch am Rande gelehrt. Elektronik und CAD ist angesagt. Da ist nichts mehr mit Handarbeit. (Messen, berechnen, Hand zeichnen)
Diese ist allerdings gerade im Untertagebergbau, wo erhöhtes Gasvorkommen die Regel ist, nicht so ohne weiteres einsetzbar.
Mit dem Aussterben des heimischen Bergbau's ging und geht dieser wie auch andere interessante Berufe, die speziell auf den Bergbau ausgerichtet waren, verloren.
Die Technik und der Zeitgeist tut ihres dazu, dass ein ständiger Wandel im Berufsfeld stattfindet.
Früher waren es auch noch Künste, die erlernt werden mußten.
Wasserkunst, Fahrkunst, Wetterkunst, Markscheidekunst. Heute wird das ganze z.T. verdenglischt.
Hydrauliker, Logistiker, Metereologe (ist allerdings ein anderes Wetter gemeint). (Hallo!)

Ich bin mir schon fast sicher, dass in einigen Jahren verschiedene Berufe nochmal angesagt sind. Alten Bücher werden herausgekramt und man wird merken, dass Erfahrung nicht anzulesen ist.
Dann werden ein paar Chinesen eingeflogen, die sich i.M. unsere Anlagen für ein paar Euro kaufen und nach China transferieren, um uns unser Urwissen wieder zu lehren.
Also Leute lernt chinesisch.

Grüße und xīn xiǎng shì chéng !
Volker
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  #6  
Alt 21.05.2008, 12:27
harry harry ist offline
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Standard AW: Untergegangene Berufe

Zitat:
Zitat von Huber
...Ebenfalls fröhlich unterwegs war der Scherenschleifer in Wien. Als der letztendlich von der Bildfläche verschwand, gab es zwar noch diverse Messer- und Scherenläden, ...
Dazu gibt es ein hübsches Bild von Wolfgang, das zeigt, dass bei Bedarf auch ausgestorbene Berufe wieder auferstehen können.

Dann fällt mir noch der Rastlbinder ein. Ein fahrender Handwerker, der löchrige Kochtöpfe reparieren konnte und gebrochene Porzellan- oder Steingutgegenstände geschickt wieder zusammensetzte.

Ich selbst hatte bis vor wenigen Jahren einen Speisewärmer aus Keramik, der gebrochen war und vom Rastlbinder wieder kunstvoll zusammengesetzt und mit einem Drahtgeflecht überzogen wurde. Dieses Geflecht hielt das Stück dann wieder viele Jahre zusammen. Immer wieder wurde dieses "Kunstobjekt" (niemand mehr erkannte die Arbeit eines Rastlbinders) bei Tisch bewundert. Leider fiel das gute Stück zu guter Letzt der Gravitiation zum Opfer und war ein zweites Mal nicht mehr zu reparieren
__________________
Harry
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  #7  
Alt 21.05.2008, 15:15
dolasilla dolasilla ist offline
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Standard AW: Untergegangene Berufe

Zitat:
Zitat von Huber
Definitiv ausgestorben halte ich den Beruf des Stubenmädchens. Bestenfalls ist er in irgendwelchen Berufsbildern von Hotelfachkräften aufgegangen.
Der Beruf des Stubenmädchens ist ganz sicher nicht ausgestorben. Wer macht denn die Betten, staubsaugt die Räume, putzt die Klos & Badezimmer etc... in all den Hotels, Pensionen, etc...?

Ich kenne selbst viele Frauen, die in Hotels als Stubenmädchen gearbeitet haben. Also definitiv als Stubenmädchen und nicht als Teil einer (anderen) Tätigkeit im Hotelfachgewerbe.

LG,
Dolasilla
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  #8  
Alt 21.05.2008, 19:26
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cerambyx cerambyx ist offline
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Ausrufezeichen AW: Untergegangene Berufe

Zitat:
Zitat von harry
Dann fällt mir noch der Rastlbinder ein. Ein fahrender Handwerker, der löchrige Kochtöpfe reparieren konnte (
Dank Harry sind mir Kesselflicker, Trankführer und Scherenschleifer eingefallen, die ich aber schon im Thread "Wer erinnert sich"angesprochen habe.
Da ich in den nächsten Tagen ein Fass von einem Dachboden "evakuieren" werde, fällt mir der "Fasslbinder" ein, der die Fässer nicht nur produziert, sondern auch regelmäßig gewartet hat. Mittels Holzschlägel und einem meißelähnlichen Gerät (kennt jemand den Namen?) wurden die Eisenreifen wieder um die zerlegten, mit heißem Wasser gewaschenen und gebürsteten Fassdauben (die gebogenen Bretter werden so bezeichnet) geschlagen.
Als Beweis, dass es den selten gewordenen "Binder" aber noch gibt, möge dieses Bild von einem Kreuz dienen, das ich erst kürzlich gefunden habe.

Es grüßt aus dem Steyrtal
Norbert
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  #9  
Alt 07.09.2008, 17:07
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Standard AW: Untergegangene Berufe

Ein Beruf, der mir auch ausgestorben erscheint, ist der Feilenhauer:


Die Werkstätte eines Feilenhauers (gez. v. Alois Greil)
(Bildquelle: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Band I, Wien und Niederösterreich, Wien 1886, S. 307)


F. X. von Neumann-Spallart schreibt dazu:
"Einer der Vorzüge, welcher dem Wiener Gewerbetreibenden zuerkannt werden muss, besteht in der Findigkeit, die sich häufig bis zum Erfindungsgeiste steigert und namentlich in der geschickten Ausbildung des Werkzeuges äußert. Daraus erklärt sich auch, dass die Anfertigung der Werkzeuge eine der besonders entwickelten Richtungen des Wiener Gewerbebetriebes darstellt. In vielen Fällen bis zur rationell eingerichteten "Fabrication" hinaufreichend, so z. B. bei den Werkzeugen für Holzbearbeitung, für Blechbearbeitung leisten aber selbst die nach ältestem Stile eingerichteten Werkstätten für die aktiven Hilfsmittel des Gewerbebetriebes noch immer Rühmenswertes. Ein Beispiel prägnantester Art hierfür sind die Feilenhauereien, deren heute noch in Wien eine große Zahl existiert. Diese Feilenhauereien, meist in den bescheidensten Räumen installiert, mit wenigen Arbeitern betrieben, liefern ein vorzügliches Produkt, das dem auf maschinellem Wege im In- und Auslande erzeugten noch immer Stand hält."
(Quelle: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Band I, Wien und Niederösterreich, Wien 1886, S. 307)

Wie also aus dem etwas umständlichen Text hervorgeht, gab es zu dieser Zeit sehr wohl schon maschinelle Feilenproduktion und trotzdem auch händische Feilenproduktion.

Das Bild lässt etwas interessantes erkennen: offenkundig werden hier die Feilenzähne eingehauen, daher wohl auch der Name "Feilenhauer".

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #10  
Alt 07.09.2008, 18:35
gropli gropli ist offline
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Reden AW: Untergegangene Berufe

Grüezi

In manchen Kantonen der Deutschschweiz gab es den Beruf des „Hundestupfers“ (Hundeschupser). Diese hatten die Aufgabe streunende Hunde aus Wirtshäusern und Kirchen zu entfernen...

Gruss gropli

.
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