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  #11  
Alt 07.11.2009, 16:05
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
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Standard AW: Feenwesen in Kärnten?

Hallo Geomant,

ich muss Dir widersprechen, die "Matriachatsforschung" ist KEIN unmittelbarer Bestandteil der Europäischen Ethnologie / Volkskunde.

Als Beleg habe ich jetzt die wesentlichen und aktuellen Werke (Rolf W. Brednich, Ingeborg Weber-Kellermann, Wolfgang Kaschuba) zur Fachdefinition "Europäische Ethnologie" durchgesehen und keiner der Autoren inkludiert eine Matriachatsforschung.

Dass manche freie Buchautoren sich gelegentlich auf ein Matriachat beziehen, dürfte bei Hans Haid eher seine aufrüttelnde provokante Art sein, die ich bei ihm sogar sehr schätze. Bei so Leuten wie Kurt Derungs erübrigt sich ohnehin jeglicher fachlicher Kommentar, er dürfte mit solchen Themen ganz gute Geschäfte mit interessierten Laien machen...

In der Europäischen Ethnologie gibt es aber selbstverständlich Themen der Familienforschung, Frauenforschung und Genderforschung als wesentliche Forschungsschwerpunkte.

Einen interessanten Aspekt bringt jedoch Wolfgang Kaschuba (1999, 164):

"Unter dem Leitbegriff Geschlechterkulturen oder Geschlechtergeschichte hat sich am deutlichsten ein Feld wirklich interdisziplinärer Forschungsstrategien konstituiert, in dem die disziplinäre Herkunft der Forschenden wie der angewandten Methoden und Theorien keine ausschlaggebende - das bedeutet sonst zumeist: hinderliche - Rolle mehr spielt. Das hängt zum einen mit der wissenschaftspolitischen Außenseiterposition zusammen, in der sich die Frauen- und Geschlechterforschung zunächst befand und die dazu beitrug, bewußt eine Art gemeinsame, stützende Identität über Kooperationen, Diskussionen und Publikationen zu suchen. Zum anderen ist dies wohl ein Ergebnis der neuen Fragen wie der neuen Quellen, die in diesem Bereich erschlossen worden sind. [...] so ist in der Geschlechterforschung ein Stück neuer Forschungskultur entstanden, in der Fachdialekte, disziplinäre Eitelkeiten und Gräben eine wesentlich geringere Rolle spielen. Nicht wenige meinen, dies sei auch deshalb der Fall, weil dabei Forscherinnen meist die Mehrheit bilden."

Zur Erläuterung und Verdeutlichung für Leser führe ich noch in Stichwörtern die ohnehin sehr großen Forschungsfelder, (die interdisziplinär auch Forschungsfelder auch anderer Wissenschaftsgebiete sein können) der Europäischen Ethnologie / Volkskunde zum Thema ohne Anspruch auf Vollständigkeit auf:

- Familienforschung, Familienformen, Haushaltsfamilie, Großfamilie
- Kinderforschung, Spielzeug, Spielen, Kinder-Lieder, Kindergeburtstag, Kinderkleidung
- Familienstruktur, Großfamilie, Kleinfamilie, Arbeiterfamilie, Handwerkerfamilie, Arbeitslosigkeit
- Familieneigene Traditionen
- Situation der Frauen, Frauenbild
- Schicht- Klassenzugehörigkeit, Einkommens- und Besitzverhältnisse
- Wohnen
- Brauchhandlungen im Lebenslauf (Heirat, Begräbnis, Militärdienst usw.)
- volkskundliche Kleidungsforschung
- Lebensgeschichte
- Lebenssituation ausländischer Frauen
- Frauenbild (etwa in der Literatur, Märchen etc.)
- Frauenarbeit (Angestellten- und Arbeiterinnenkultur)
und vieles weitere mehr.

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #12  
Alt 08.11.2009, 10:44
Geomant Geomant ist offline
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Standard AW: Feenwesen in Kärnten?

Zitat:
Zitat von SAGEN.at Beitrag anzeigen
Hallo Geomant,

ich muss Dir widersprechen, die "Matriachatsforschung" ist KEIN unmittelbarer Bestandteil der Europäischen Ethnologie / Volkskunde.

Dass manche freie Buchautoren sich gelegentlich auf ein Matriachat beziehen, dürfte bei Hans Haid eher seine aufrüttelnde provokante Art sein, die ich bei ihm sogar sehr schätze. Bei so Leuten wie Kurt Derungs erübrigt sich ohnehin jeglicher fachlicher Kommentar, er dürfte mit solchen Themen ganz gute Geschäfte mit interessierten Laien machen...
[/URL])
Hallo Wolfgang!

ich habe ja auch geschrieben "Für mich (!) ist Matriachatsforschung sehr wohl ein Teil der Volkskunde".
In unserer alpinen Sagenwelt sind einfach die Hinweise auf Urmütter (Frau Percht, Frau Berg) und weibliche Priesterinnen (Saligen, Bethen, Wildfrauen)
einfach so immens, dass hier Forschungsbedarf besteht - und dem widmen sich einige Wissenschaftler (Haid, Rohrecker, Göttner-Abendroth, Derungs).
Selbst wenn man sich jahrelang mit den Mythen beschäftigt, zählt man wohl noch zu den "interessierten Laien" und ist eben kein Wissenschaftler - bestenfalls ein Heimatforscher. Und - ja, tatsächlich - mich beeindrucken auch Autoren wie Kurt Derungs.

Gruß

Geomant
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  #13  
Alt 08.11.2009, 23:48
Berit (SAGEN.at) Berit (SAGEN.at) ist offline
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Standard AW: Feenwesen in Kärnten?

@ Geomant

OHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH

K. D. ist bei uns ein "Stichwort" und das im wahrsten Sinne des Wortes!!!

Dieser Herr veröffentlicht in seinem Namen geistiges Eigentum was nicht von ihm stammt - Jawohl - und daher gehört er in meinen Augen nicht zu Wissenschaftlern, sondern ganz einfach zu den XXXX und Scharlatenen

und da ich nicht noch für ihn Werbung machen will und Wolfgang meine Ausführungen eh nicht gutheißen wird - genug damit

im übrigen verwende ich wissenschaftlich anerkannte Literatur und da gehören die Saligen eben auch zu den Dämonischen Wesen. Ansonsten soll in meinen Augen jeder das Lesen was er will und die Esoteriker sollen ganz einfach bei ihrer pseudowissenschaftlicher Literatur und bei dem ultracoolen Begriff "Kelten" bleiben.

beste Grüße

Berit
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  #14  
Alt 09.11.2009, 00:12
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
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Standard AW: Feenwesen in Kärnten?

@ Geomant:

ich stimme Dir zweifellos zu, dass es nicht wenige Hinweise auf eine starke Rolle von historischen weiblichen Persönlichkeiten in den Alpen gibt, die bisher wissenschaftlich kaum untersucht wurden.

Diesbezüglich bin ich an einem traumhaften Ort den drei Bethen in Obsaurs, Tirol, begegnet, ebenso in Meransen, Südtirol.

Für Meransen stelle ich noch den Forschungsstand zusammen, aber wirklich viele profunde Thesen gibt es leider kaum.

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #15  
Alt 09.11.2009, 00:20
Berit (SAGEN.at) Berit (SAGEN.at) ist offline
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Standard AW: Feenwesen in Kärnten?

Nun möchte doch auch ich mal diese große freie Enzyklopädie - in diesem Falle Wikipedia - zitieren, ich glaube hier wurde der Nagel wirklich auf dem Kopf getroffen

Zitat:
In der gegenwärtigen universitären Wissenschaft ist die Matriarchatsforschung eher umstritten. Vielfach wird von dieser Seite der hohe Anteil von wissenschaftlichen Laien an der Theoriebildung, sowie die ideologische Aufladung des Themas kritisiert, während die Vertreter der Matriarchatsforschung sich durch die etablierte Wissenschaft verfolgt und diskriminiert sehen.
Berit
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  #16  
Alt 09.11.2009, 01:17
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Standard AW: Feenwesen in Kärnten?

Und trotzdem werden in einem Forum (= Diskussion) unterschiedliche Standpunkte fair diskutiert.

Es gibt zweifellos Scharlatane, aber der Hinweis von @Geomant ist absolut richtig, dass die Wissenschaft schwierigen Fragestellungen einfach aus dem Weg geht.

Ich denke, dass genau hier der entscheidende Unterschied zwischen Medizin und Geisteswissenschaften liegt:
In der Medizin muss sich die Forschung auf eine unbekannte Krankheit stürzen, ob der Wissenschaftler will oder nicht. - In den Geisteswissenschaften hingegen, kann man schwierige Themen relativ einfach ignorieren, indem man sie gar nicht erst aufgreift...

Also zurück zum Thema:

Es gibt in den Alpen und darüber hinaus durchaus nicht wenige Themen, die auf seriöse Erklärungen warten.
Die Themen bezüglich historischer weiblicher Persönlichkeiten (wie oben an einem Beispiel gebracht) sind durchaus so ein Fall.

Eine Lösung können wir auch nicht über Nacht finden, wenn es die Forschung in den letzten sagen wir mal 150 Jahren nicht geschafft hat.

Aber man kann seriös Fotos machen, Leute nach Erzählungen fragen oder schriftliche Belege zusammentragen. Dieses Forum und die Bildgalerie freut sich gemeinsam mit vielen Lesern darüber.

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #17  
Alt 09.11.2009, 10:21
Geomant Geomant ist offline
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Standard AW: Feenwesen in Kärnten?

Zitat:
Zitat von SAGEN.at Beitrag anzeigen
ich stimme Dir zweifellos zu, dass es nicht wenige Hinweise auf eine starke Rolle von historischen weiblichen Persönlichkeiten in den Alpen gibt, die bisher wissenschaftlich kaum untersucht wurden.

Diesbezüglich bin ich an einem traumhaften Ort den drei Bethen in Obsaurs, Tirol, begegnet, ebenso in Meransen, Südtirol.

Für Meransen stelle ich noch den Forschungsstand zusammen, aber wirklich viele profunde Thesen gibt es leider kaum.
[/URL])
meransen habe ich mit meiner frau schon besucht und einiges dazu zusammengetragen:
http://www.kraftort.org/Sudtirol___I.../meransen.html

auffällig ist, dass in südtirol einige bethenorte aufzufinden sind und göttner-abendroth auf die bedeutung jener südtiroler weiblichen urmütter in "das feenvolk der dolomiten" ausführlich eingeht.

gruß geomant
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  #18  
Alt 09.11.2009, 12:16
Huber Huber ist offline
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Standard AW: Feenwesen in Kärnten?

Vielleicht jetzt ein bisschen offtopic oder auch nicht.

Die Fragestellerin (?) scheint mir generell etwas anderes zu suchen, denn auch ich habe mich mit der Sagenwelt Irlands und Britanniens, wie der Kelten generell, beschäftigt und konnte dort nie etwas "Liebliches" in der Naturgeister/Dämonenwelt entdecken. Aber bitte, jedem das Seine.

Muttergottheiten und weibliche Dreifaltigkeiten finde ich zumindest und auf alle Fälle immer erwähnenswert und sollte durchaus auch volkskundlich betrachtet werden, weil sie definitiv ein bestimmendes Moment in der Sagenwelt generell sind.

lg
erich
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  #19  
Alt 11.11.2009, 10:24
KayeLaFaye KayeLaFaye ist offline
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Lächeln AW: Feenwesen in Kärnten?

Ich grüsse alle Diskussionsteilnehmer!!!
...und danke euch allen erstmal herzlich für die rege anteilnahme!
ich komme erst heute dazu etwas eingehender alle beiträge zu lesen und war gerade doch recht (freudig) erstaunt in welche richtung sich die diskussion entwickelt hat!
zum einen meinte ich mit lieblich nicht kleine süsse blumenelfchen ... dies nur nochmal vorweg, sondern "gute geister", die den menschen auch mit hilfe, rat und tat zur seite stehen. (ich hatte das evtl etwas mangelhaft definiert.)

zum thema des matriachats möcht ich allen interessierten gerne die seite
www.matriarchat.net ans herz legen ... aber es gibt auch viele andere interessante seiten zur definition des matriachats.
generell lässt sich allerdings beobachten, dass mit dem christentum auch eine ziemlich starke verunglimpfung des weiblichen allgemein einhergegangen ist. wohl aber ist mehrfach bewiesen, dass es vor einzug des sogenannten patriachats gesellschaftsstrukturen gab, in denen dem weiblichen aspekt .. der frau als ausdruck der mutter erde, die ihre kinder nährt und umsorgt, höchste achtung engegengebracht wurde. solche gesellschaftsformen gibt es auch heute noch auf der erde (kann man nachlesen). dies alles hatte und hat aber mit dem fäschlich als "frauenherrschaft" ausgelegten begriff nichts zu tun und bedeutet in keinster weise, dass in dieser gesellschaftsform dem männlichen ausdruck weniger achtung bzw. den männern weniger "rechte" zu stehen.
wenn wir uns unser gesellschaftsleben so ansehen ist es ja doch noch in vielen familien so, dass es doch meist die mütter, großmütter etc sind, die ihre familien zusammenbringen (und sei es nur noch zu besonderen festlichkeiten) ....und smit im grunde noch diesen aspekt verkörpern.

zu den beiträgen betreff der "feenwesen" im österr. bzw. kärntner raum danke ich euch auch nochmal ....
ob die abwesenheit liebevoller weibliche wesen wohl mit der extremen katholisierung (gibts das wort so überhaupt) österreichs zu tun hat?

ich hoffe auf ein wiederlesen! und wünsche euch allen eine schöne zeit!

alles liebe, Kaye
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  #20  
Alt 11.11.2009, 10:51
KayeLaFaye KayeLaFaye ist offline
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Registriert seit: 05.11.2009
Beiträge: 9
Standard AW: Feenwesen in Kärnten?

hallo Wolfgang,
zu deinem eintrag hier ....

Zitat:
Zitat von SAGEN.at Beitrag anzeigen
Hallo Kaye,

die Beurteilung, welches dämonische Wesen Dir "lieblich" erscheint, kann Dir niemand abnehmen.

Ich kann Dir lediglich vorschlagen, Dich selbst mit der Lektüre der Kärntner Sagenwelt auseinanderzusetzen:

Sagen aus Kärnten

Wolfgang (SAGEN.at)
...möchte ich doch anmerken, dass auch der begriff "dämonisch" wohl auslegungssache ist, oder?
sind deiner meinung nach naturwesen, die soweit ich mich recht entsinne ja doch in grossem masse die naturgewalten bzw. die natur selbst verkörpern, dämonisch? meiner meinung nach sind viele taten die mensch hervorgebracht hat weit dämonischer als jeder riese, troll, zwerg oder was auch immer, der aus gekränkter eitelkeit o.ä. den bauern krank werden lässt, mal kurz vor wut aufstampft und damit berge zum einsturz bringt etc.(ein sehr menschliches verhalten wie ich finde... wenn auch das ausmaß der "bestrafungen" oft etwas unnötig hoch erscheinen mag bzw. ein riese nunmal riesig ist und dadurch der verursachte schaden in entsprechendem masze ausfallen muss ...) ...
es würde mich wirklich interessieren wie du das siehst.
lg, Kaye
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Stichworte
einhörner, feen, kärnten, märchen, nixen

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