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  #1  
Alt 09.04.2006, 17:15
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 02.04.2005
Ort: Innsbruck
Beiträge: 28.861
Standard 1000 Jahre vergangen?

Folgendes Schreiben hat uns erreicht:

"ich suche eine Geschichte oder ein bestimmtes Märchens, wer hat von dem schon mal gehört oder es gelesen. Meine Erinnerung hat nur nen paar Stichwörter auf Lager. Ein Junge geht in den Wald oder so, schläft dort ein und als er wieder zu sich kommt sind 100 oder gar 1000 Jahre vergangen, niemand kennt ihn oder seine Familie...
Wer kennt diese Geschichte? Wäre dankbar für Antwort."

Wolfgang (SAGEN.at)


Ulrike schreibt dazu:

ich kenne eine Sage: Der Zwerg von Volkringhausen und das Hirtenmädchen.
Es soll die Karhofhöhle im Hönnetal/Sauerland sein, durch die ein Mädchen
mit Hilfe des Zwerges Eintritt in das Reich der Holle/Unterwelt fand. Als sie
nach vermeintlich einem Tag nach Hause kommt, kennt sie niemand mehr.
Nur eine alte Frau erinnert sich an die Erzählung von einem verschwundenen Kind, dessen Mutter aus Gram verstarb. Die Geschichte steht bei Kleibauer:
Sagen aus Iserlohn oder Bleicher, Märchen aus der alten Grafschaft Mark.
Ich erinnere mich auch an mein Schullesebuch und glaubte eigentlich, daß
sie auch bei Grimm zu finden sei, aber da habt ihr bessere Möglichkeiten als ich, sie aufzuspüren. Viele Grüße! Ulrike B.

Gavial schreibt dazu:

Bei den Kärntner Sagen gibt es "Die Sage vom Schönofen". Da geht es zwar nur um ein Jahr, vielleicht ist es aber hilfreich.
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  #2  
Alt 30.04.2006, 23:22
Gagraunzel
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard AW: 1000 Jahre vergangen?

Ja, is ein nettes Sagenmotiv dass sich als Teilaspekt in sehr vielen Volkssagen niedergelassen hat.

Da brauchst du dir nur die verschiedesten Sagen der "Heldenberge" durchsehen.
Für den Reisenden dauerte der Aufenthalt in der Unterwelt nur wenige Stunden, als er jedoch wieder an die Oberfläche tritt merkt er dass viele Jahre vergangen sind.

Dies findet sich auch in Totensagen wieder, in denen wird ein Mensch von einem Toten in die Unterwelt geleitet, hier sieht er Menschen die schon lange Tod sind, darf aber kein Wort sprechen.
Als er wieder zurückkehrte wurde ihm gewahr das nichts mehr so ist wie es einst war. Es mussten wohl hunderte Jahre vergangen sein.

Interessant wäre hier zu wissen wie weit man diesen Sagentypus zurückblättern kann. Ich denke mir dass er auf weit-vorchristliche Glaubenszüge zurück geht: Verflechtungen: Der ewige Kreislauf von Tod und Wiedergeburt.
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  #3  
Alt 13.05.2006, 13:52
Sagensammler Sagensammler ist offline
Benutzer
 
Registriert seit: 17.07.2005
Ort: Schweiz
Beiträge: 31
Standard AW: 1000 Jahre vergangen?

Es erinnert auch an die Sage vom Peter, welcher im Kyffhäuser einige Ritter trifft, und, nachdem er wieder draussen ist, bemerkt, dass 20 Jahre vergangen sind.
Oder auch über den Mönch von Heisterbach, welcher in den Wald geht, dort einschläft und erst nach Jahrhunderten wieder aufwacht.
Aus diesen Sagen hat Washington Irving übrigens seine Geschichte "Rip van Winkle" zusammengebastelt, wonach Rip in einer Höhle 20 Jahre verschläft.
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  #4  
Alt 26.10.2007, 20:03
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.09.2005
Beiträge: 2.559
Reden AW: 1000 Jahre vergangen?

Das Schloß Lüderich
Als vor Urzeiten im Ruhrgebiet nur Wälder standen, lebte in diesen ein Köhler,
jung an Jahren. Eines Abends wanderte er noch spät durch den Wald und kam
so in die Nähe des Lüderich, von dem die Sage geht, er sei ein verwunschener
Riese. Da es schon dunkel war, sah er nicht das Loch, das einst Zwerge gruben,
und fiel hinein. Als er wieder zu sich kam, sah er in der Ferne ein Licht schimmern.Er ging auf dieses Licht zu, und endlich sah er, was es war: ein
riesiges Schloß.
Da erinnerte er sich, daß hier einst ein Schloß gestanden hatte. Der Burgherr
aber soll eine solche Sünde vollbracht haben, daß ihn der Teuferl holte und das
Schloß mit allen Schätzen versank. Die Schätze aber sollten noch dasein. Der
Köhler war ein armer Mann, der Gold wohl gebrauchen konnte. Darum trat er ins Schloß. Aber wohin er auch ging, nirgends sah er was. Schließlich war nur noch eine Tür übrig. Kaum hatte er sie geöffnet, fingen zwei riesige Hämmer an, nach
ihm zu schlagen. Zum Glück hatte er einen Strick dabei, den warf er zwischen
die Hämmer. Diese verfingen sich darin, und er konnte seinen Weg fortsetzen.
Plötzlich war der Gang zu Ende, und nur noch ein schmaler Tunnel führte weiter Allerdings meinte er, dort Goldzu sehen. Also kroch er durch. Wie
staunte er mit einem Mal: Ein Berg von Gold türmte sich vor ihm auf. Gerade wollte er vollends hinauskriechen, da fiel sein Blick auf einen Spiegl, der ihm
gegenüber hing. Was erdort sah, ließ ihn vor Entsetzen zurückfahren: Über
ihm hing an einem seidenen Faden ein riesiger Mühlstein. So schnell er
konnte, kroch er zurück und lief zum Schloß hinaus. Kaum war er draußen, gab
es einen Knall und das Schloß versank noch tiefer. Als er am Zwergenloch
anlangte und sich an einem Teich waschen wollte, schreckte er zurück.
Ihm grinste ein Greis entgegen. Er war nciht viele Stunden, sondern viele
Jahre unten gewesen.
Erst wenn einer den Mut hat, sich den Schatz zu holen, dann wird das Schloß
auftauchen. Jedes Jahr aber sinkt es 7 Zentimeter!
Verfasser unbekannt, veröffentlicht in: Sagen u. Märchen des Ruhrgebiets,
Essen 1984. ISBN 3-922693-17-2
Mit Grüßen von Ulrike!
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