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  #101  
Alt 13.01.2016, 13:40
Benutzerbild von Joa
Joa Joa ist offline
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Standard AW: Welttoilettentag

Zitat:
Zitat von Elfie Beitrag anzeigen
Ich hab mich auch sehr über das Lavoir des joaschen Nachbarn gewundert, wir hatten diesen .
Kein Grund zum wundern! In dem Fall wurde es wohl für dein Empfinden zweckentfremdet.
Meine Mutter meinte damals dazu, dass sich Leute damit manchmal waschen und das war gar nicht so weit hergeholt. Siehe hier .
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  #102  
Alt 13.01.2016, 13:43
Babel Babel ist offline
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Standard AW: Welttoilettentag

Zitat:
Zitat von Elfie Beitrag anzeigen
Außerdem lese ich da gerade das ersten Mal SEICHgasse ... Soacha (vermutlich für seichen) war für mich so ziemlich der ordinärste. Das dies - in Varianten - ein offizieller war, hätte ich mir nicht träumen lassen .

Zu Hause war der Ort im Hof ...
Naja, ein "offizieller" Ausdruck war das sicher nicht, sondern halt der in der Bevölkerung gebrauchte. Seichen ist im Schwäbischen ein normaler, kein ordinärer Ausdruck (sofern man es nicht schon für ordinär hält, über diesen Sachverhalt überhaupt zu sprechen ). Das Wort wird im Dialekt auch für anderes gebraucht, das tropft oder rinnt: die Dachrinne, ein undichter Eimer etc.

Die "Häusle" im Hof oder Garten (mit dem Herzle in der Holztür ) habe ich noch oft gesehen und auch benutzt, vor allem in der ehemaligen DDR, wo praktisch niemand die Möglichkeit hatte, etwas zu modernisieren. 1980 baute sich der Bruder meines Ex in einer sächsischen Stadt ein Bad im Haus; das war ihm nur möglich, weil er als Bauingenieur auf Baustellen das eine oder andere "organisieren" konnte. Die Kacheln dafür hatten sieben verschiedene Farben bzw. Muster (weil mal auf dieser, mal auf jener Baustelle ein paar übriggeblieben waren) – eine Herausforderung für den kreativen Gestalter!

Wenn im späten 19. bzw. im 20. Jahrhundert das Örtchen aus dem Häusle ins Haus wandern sollte, wurde das vielerorts nicht begrüßt, sondern als unhygienisch empfunden: "Dann wird's ja im ganzen Haus stinken!"
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  #103  
Alt 13.01.2016, 15:38
Benutzerbild von Elfie
Elfie Elfie ist offline
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Standard AW: Welttoilettentag

Zitat:
Zitat von Babel Beitrag anzeigen
Naja, ein "offizieller" Ausdruck war das sicher nicht, sondern halt der in der Bevölkerung gebrauchte. Seichen ist im Schwäbischen ein normaler, kein ordinärer Ausdruck (sofern man es nicht schon für ordinär hält, über diesen Sachverhalt überhaupt zu sprechen ). Das Wort wird im Dialekt auch für anderes gebraucht, das tropft oder rinnt: die Dachrinne, ein undichter Eimer etc.
Sehr zum Leidwesen meiner Mutter hatte ich nie Probleme, über irgendetwas zu sprechen , aber manche Worte hielt ich einfach für nicht schreibbar, weil ich dachte, die gebe es nur im breitesten Dialekt und da gab es einige, die ich einfach nicht mochte in diesem Zusammenhang. Brunzen gehörte auch dazu, obwohl ich das auch schon gelesen habe .
Als lulu den Kinderschuhen entwachsen war, ging man eben auf die kleine Seite oder maximal pischen .

Zitat:
Zitat von Babel Beitrag anzeigen
Wenn im späten 19. bzw. im 20. Jahrhundert das Örtchen aus dem Häusle ins Haus wandern sollte, wurde das vielerorts nicht begrüßt, sondern als unhygienisch empfunden: "Dann wird's ja im ganzen Haus stinken!"
Das darf aber nicht verwundern, wenn man nur die durch ein Brett mit Loch vom Raum getrennten Güllegruben kannte, die als Abort galten . Die wollte sich wohl keiner ins Haus holen!!

Geändert von Elfie (14.01.2016 um 00:41 Uhr) Grund: Schreibfehler
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  #104  
Alt 13.01.2016, 17:21
Babel Babel ist offline
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Zitat:
Zitat von Elfie Beitrag anzeigen
... Brunzen ...
Das kenne ich auch, das ist eher bayerisch und eher vulgär (aber im Bayerischen kenne ich mich weniger gut aus). Im Schwäbischen ist auch "schiffen" gebräuchlich (im Dialekt nicht grob); in meiner ersten Ulmer Zeit (um 1960) hat dann schon mal jemand grinsend geantwortet: "Schiffe ruhig weiter, wenn der Mast auch bricht ..." [nicht mitzitierte Fortsetzung: "... Gott ist dein Begleiter, er verläßt dich nicht"]. Aber solche frommen Sprüche kennt heute wohl keiner mehr. "Es schifft" heißt "es regnet".
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  #105  
Alt 13.01.2016, 18:41
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Elfie Elfie ist offline
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Zitat:
Zitat von Babel Beitrag anzeigen
Das kenne ich auch, das ist eher bayerisch und eher vulgär
Sag ich ja .

Zitat:
Zitat von Babel Beitrag anzeigen
"Schiffe ruhig weiter, wenn der Mast auch bricht ..." [nicht mitzitierte Fortsetzung: "... Gott ist dein Begleiter, er verläßt dich nicht"]. Aber solche frommen Sprüche kennt heute wohl keiner mehr. "Es schifft" heißt "es regnet".
War früher nicht so gebräuchlich, ich hörte mal, wie Freunde zu einem, der grad beim Baum stand, sagten: "Jetzt bist du schon 30 Jahre Schiffer und noch immer kein Kapitän" Ich verstand kein Wort, hab mirs nur gemerkt für später .
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  #106  
Alt 13.01.2016, 23:43
harry harry ist offline
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Standard AW: Welttoilettentag

Jetzt muß ich diese Fäkalanalytischen Betrachtungen noch ein wenig ergänzen: Die (Zitat Elfie)"die durch ein Brett mit Loch vom Raum getrennten Güllegruben" kannte ich in einem Wohnhaus im Weinviertel noch bis in die späten 1980er Jahre (!). Diese Anlagen wurden nach dem Geräusch der herabfallenden Stoffwechselendprodukte "Plumpsklo" genannt. Auf Almen und bei abgelegenen Wirtschaftsgebäuden findet man solche Häusln (meistens mit Herzerltür) noch heute
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Harry
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  #107  
Alt 14.01.2016, 00:05
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Joa Joa ist offline
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Zitat:
Zitat von harry Beitrag anzeigen
Diese Anlagen wurden nach dem Geräusch der herabfallenden Stoffwechselendprodukte "Plumpsklo" genannt. Auf Almen und bei abgelegenen Wirtschaftsgebäuden findet man solche Häusln (meistens mit Herzerltür) noch heute
Ja und manche sind recht originell verziert!

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Die Aufnahmen wurden 2009 anlässlich einer 4 Tageswanderung im Steirischen gemacht.
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  #108  
Alt 14.01.2016, 00:25
harry harry ist offline
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Das Bild 043 finde ich wirklich schön!
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Harry
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  #109  
Alt 14.01.2016, 00:32
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Der Vorhang des 3er-Bildes erinnert mich an das Häuschen im Hof: da war, ganz modern, seitlich ein Fach aus Holz für das Papier - natürlich Zeitung - angebracht.
Und darunter wohnte eine Spinne, die ich immer gefüttert hab. Obwohl ich mich als Kind vor diesen großen Exemplaren gefürchtet habe, war die Neugierde größer, wenn sie hervor schoss und sich die im Netz zappelnde Fliege griff .
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  #110  
Alt 14.01.2016, 01:18
Babel Babel ist offline
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Da dies eine Website namens SAGEN.at ist, möchte ich doch auf eine Sage aus der Fränkischen Schweiz hinweisen. Aus ihr lernt man, wie gefährlich der Gang aufs Häusl früher sein konnte!
Siehe hier, unter dem zweiten Bild!
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