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  #1  
Alt 18.01.2007, 21:42
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
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Standard Orkan "Kyrill"

Heute Nacht soll der Orkan "Kyrill" auch über Österreich kommen. Derzeit (18. Jänner 2006, 21:30) ist in Westösterreich noch relativ wenig zu spüren, es weht lediglich ein stärkerer Wind. Flugverkehr (über meinem Hausdach) ist wie gewohnt, wie üblich bei stärkerem Wind (hier sonst Föhn genannt) beneide ich die Flugpassagiere nicht...

In unserem Forum wäre interessant zu erfahren, wie Ihr (natürlich auch in Deutschland, Schweiz etc.) das Ereignis um Orkan "Kyrill" erlebt?

- schätzt Ihr ein solches Ereignis als Folge einer Klimaveränderung ein, oder handelt es sich um ein natürliches Ereignis, das man auch in den historischen Texten von SAGEN.at abgebildet sehen kann?

Auf Antworten neugierig

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #2  
Alt 18.01.2007, 23:04
Lisa Lisa ist offline
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Registriert seit: 28.09.2005
Beiträge: 198
Standard AW: Orkan "Kyrill"

Lieber Wolfgang,

ein Orkan ist in gewisser Weise immer ein natürliches Ereignis. Ich denke, dass es da kein entweder oder gibt. Orkane gabs schon immer, doch die Klimaveränderung lässt sich nicht wegdiskutieren.

Bei uns hat es grad erst angefangen, das heißt, bald wird es "richtig" losgehen und wir sahen den Entenstall schon über die Straße fliegen. Die Enten blieben verstört und geduckt am Boden, glücklicherweise, so konnten wir sie leicht in Sicherheit bringen.

Im Grund - mach ich mir einfach Sorgen um die Zukunft, nicht so sehr meiner als allgemein, vor allem natürlich um meine Kinder. Andererseits - ist unsere Erde schon immer auch ein Katastrophenpflaster gewesen, seien es gigantische Vulkanausbrüche oder oder... und jede Veränderung ist auch eine Chance. Wenn wir sie vielleicht auch nicht sehen können.

Jetzt krabbel ich nochmal raus, rundum sichernde Augen werf

Grüße nach Österreich von Lisa
__________________
ein stein sprach zu einstein: ich bin auch ein stein
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  #3  
Alt 18.01.2007, 23:11
Nicobär Nicobär ist offline
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Registriert seit: 15.02.2006
Beiträge: 450
Standard AW: Orkan "Kyrill"

Hier in Norddeutschland an der Küste hatten wir zwar einen schweren Sturm - zu den bemerkenswerten Orkanen gehörte Kyrill allerdings nicht. Da haben wir hier schon Schlimmetres erlebt, obwohl auch er nicht unbedeutende Schäden angferichtet hat, aber soetwas ist normal. Auch die angekündigte 'Jahrhundertflut' blieb aus. Wer mag, kann sich hier über die Pegelstände an der Küste informieren. Ich halte diesen Sturm für ein mediales Großereignis. Der Orkan in der Nacht vom 30. zum 31. Dezember 2005 war auf jeden Fall schlimmer.

Aber speziell für Euch stelle ich meine phänomenologischen Beobachtungen hier rein:

12:00 aufkommende Sturmböen aus SW; stark fallender Luftdruck. ansonsten noch ruhig.
12:15 stetige Windzunahme; stark böig. Längere. Regen.
12:30 einzelne Sturmböen, Wind aus SSW
12:45 stark windig
13:15 aufziehende erste Sturmböen
13:30 schwere Sturmböen
13:45 stark windig mit schweren Sturmböen
14:00 stark winding, Regen mit zunehmender Intensität
14:15 stark windig, sc
14:30 kontinuierlich stark windig; starker Dauerregen, Wind nun deutlich hörbar.
14:45 schwere Sturmböen nun häufiger
15:00 erste orkanartige böen; Himmel verdubkelt sich. Beginnendes Getöse. Zimmerbeleuchtung erforderlich, Autos fahren mit Licht.
15:10 Straße ist menschenleer, kaum Verkehr
15:15 es sind nur noch vereinzelt Fahrzeuge unterwegs. stürmischer Wind mit schweren Sturmböen, vereinzelt orkanartig. Windzunahme ist zu beobachten. starker Regen. Windrichtung SSW.
15:20 Regen wird stärker; in Schauerstaffeln wolkenbruchartig; auch die schweren Böen treten häufiger auf.
15:30 heftiger Regen, kontinuierlicher Sturm; Böigkeit ist etwas zurückgegangen; Wind rechtdrehend.
15:35 zunehmende Häufigkeit schwerer Sturmböen. Windrichtung WSW. Draußen herrscht Weltuntergangsstimmung. Windsprung auf NW. Starker Regen, Sicht stark herabgesetzt.
15:38 aufkommendes Gewitter: Durchzug der Kaltfront
15:40 Wolkenbruchartiger Regen. Sicht etwa 100 m. Fahren nur noch mit Licht möglich. Gewitter mit Blitzen und Einschlägen. Zugbahn der Gewitterzelle ca. 2 km nördlich vom Standort.
15:45 starker Regen, kräftiges Gewitter. Lage der Zelle östlich der Weser. Vorübergehende Windabnahme. Mäßig bis starker Regen. Himmel grau-schwarz.
15:48 Neue Gewitterzelle westlich mit Einschlägen. Ein Einschlag mit lautem Donnerin Richtung Ganderkesee beobachtet. Insgesamt befinden sich in der Umgebung drei Zellen. Regelmäßige Blitze - ca. alle 40 sec.
15:50 fast windstill; Gewitter über Bremen.
15:57 weiterhin kaum Wind - wohl die Ruhe vor dem eigentlichen Sturm. Gewitter sind abgezogen. Entferntes Donnergrollen.
16:00 Busverkehr hier planmäßig. Vom schwersten Orkan der letzten Jahr kann bisher nicht die Rede sein; Höhepunkt wird jedoch der Durchzug des Troges mit sich bringen.
16:05 Ein Trog kündigt sich an. Dazu passt auch die deutliche Windabnahme. Wieder zunehmender Wind.
16:08 wieder aufkommende schwere Sturmböen.
16:15 schwerer Sturm, Himmel wird wieder dunkler. Brausen nimmt wieder zu. Wind hat nach SW zurückgedreht.
16:17 alle Bäume schwer in Bewegung.
16:23 wieder aufkommendes Gewitter
16:30 sehr starke Windzunahme. Häufige orkanartige Böen. Es wird dunkel; draussen dämmert es stark. Aufenthalt im Freien fast unmöglich. Starker Regen.
16:35 im Nordwesten reisst der Himmel auf. Starker Regen.
16:41 vorübergehende leichte Beruhigung
16:45 stürmischer Wind, momentan keine extremen Böen.
18:30 kontinuierlich W 8-9 aber ohne schwere Böen
18:45 wieder aufkommende Orkanböen
19:30 Orkanböen - es saust mächtig in der Luft
20:00 Immer noch starker Wind
23:00 seit 21:00 deutliche Windabnahme, es beruhigt sich. Schwere Schauerböen.
01:00 völlige Ruhe. Der Wind hat abgenommen, kein Regen mehr. Alles ist vorbei.

Geändert von Nicobär (19.01.2007 um 01:11 Uhr)
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  #4  
Alt 19.01.2007, 14:37
Benutzerbild von cerambyx
cerambyx cerambyx ist offline
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Idee AW: Orkan "Kyrill"

Eins spätes Hallo aus dem Steyrtal !

Wir leben noch!

Gestern
19:00 Büroschluß gemacht: ungewöhnlicher Temperaturanstieg auf 18 (achtzehn) Grad - und das hier in den Vorbergen - leichter Wind - normal bewölkt
21:00 zuhause in Grünburg: Abfall auf 16 Grad - leichter Wind, Wolken ballen sich, sind aber hoch - ich parke mein Auto auf einem nahen Firmenparkplatz ganz ganz dicht parallel zu einer Mauer. Ich packe meinen Rucksack und stelle ihn neben die Eingangstür. Ich bin nicht ängstlich, aber meine Bergtouren und (auch unfreiwilligen) Biwaks haben mich einiges gelehrt: WENN das Dach wegfliegt, möcht ich RASCH weg können - aber nicht im Pyjama (noch dazu schlaf ich ohne !!!) - und dann möcht ich alles mithaben, um nicht zu erfrieren ;-)
22:00 Windstille, bewölkt, keine Autos auf normalerweise stark befahrener Bundesstraße - geisterhafte Stille, immer noch 16 Grad - jetzt erst fällt mir auf daß der immer laut rauschende Bach noch lauter klingt - der (übertönende) Straßenverkehr fehlt!
23:00 Uhr leicht böiger Wind, rauschen in den Bäumen - alles normal außer der Wärme
24:00 Uhr stark böiger Wind, ich zieh meine Nase wieder ein, weil (noch) kleines dürres Astwerk von den Bäumen gefegt wird und durch die Gegend treibt.

Heute
ca. 1:00 Uhr starkes Windrauschen übertönt erstmals den Bach - ein ernstes Zeichen, das ich kenne.
Meine Petroleomlampen (pro Raum eine) sind gefüllt, Zündhölzer liegen (immer) bereit, alle Kerzenhalter (4 Stück) sind mit neuen Kerzen befüllt - und ich brenne die Kerzen im Schlafzimmer an. Sie helfen am Morgen, weil bei uns praktisch immer der Strom nächtens bei Sturm ausfällt: Bäume kappen die Leitungen! Dann geh ich ins Bett ... das warme Licht läßt mich rasch einschlafen, der Tag war außerdem anstrengend ...
ca. 3:00 Uhr weckt mich ein tiefer, brummend-pfeifender Orgelton: der Sturm ist da und tobt als überlautes Rauschen in immer gleichbleibender Stärke ohne Unterbrechung oder auf-und-abzuschwellen ... ich höre Dinge irgendwo aufprallen: Kübel, Tonnen, ein Plastik-Kindertraktor das stelle ich aber erst am Morgen fest ... die Kerze brennt still vor sich hin und machts richtig gemütlich - ich dreh mich um und schlaf weiter.
5:30 Uhr: Die Kerze macht sich bezahlt: Kein Strom, kein Licht, kein Teewasser oder Kaffeewasser, kein Kornspitz vom Bäcker gegenüber ....
Mit dem Kerzenhalter unter die Dusche, anziehen - Haferflocken mit der Handmühle quetschen, Müsli machen und --- die Thermoskanne aus dem Rucksack mit herrlich heißem Tee machts gemütlich bei Kerzenlicht ....
6:30 Eine junge serbische Fichte liegt neben meinem Auto .... ich fahr vorsichtig ins Büro, vermeide Nebenstraßen wegen eventueller liegender Bäume (Kollegen geben mir später recht!)
7:45 Uhr Weg zum Büro: Unterwegs Äste, Zweige, Fichtennadeln, Laubhaufen, Ziegeltrümmer .... Die neue Mülltrennanlage hat Löcher im Dach, die Ziegel sind allerdings falsch entsorgt im Plastikcontainer.
Kein Strom, kein Server, keine EDV, keine Heizug, wir plaudern gemütlich im Sekretariat; überlegen, wer alles keinen Ofen, keinen Zugang zu Wasser hat wegen ausgefallener Wasserpumpen .... irgendjemand sagt: und jetzt einen Kaffee !!!!!
Der Leiter unseres Labors verschwindet wortlos - kommt wieder und trägt seltsames Gerät durch die Dämmerung. Wir folgen neugierig: die Versuchsanordnung wird im Gemeinschaftsraum aufgebaut: Bunsenbrenner, Metallplatte, Höhenverstellbare Säule mit Halter .... bald brodelt heißes Wasser und Kaffeeduft bringt die Kollegen im Erdgeschoß fast um den Verstand ...
9:00 Uhr Wir wickeln wie terminisiert einen Gesprächstermin ab in meinem Büro: es ist das hellste weil im Eck und 2seitig verglast - und warm, weil im Obergeschoß
11:00 Uhr Der Strom schießt wieder ein, mein Drucker meldet "No Paper", nach 30 Sekunden das erste Telefonat: "Geht der Server wieder"??? Ich brumme "Einschalten nicht vor 30 Minuten" - das Netz ist noch nicht stabil, manchmal fällt durch das allgemeine Anfahren der Strom nach 10 Minuten nochmal aus .... Ein unwirscher Anruf nach 20 Minuten "Ich brauch dringend diesen Sch.....computer - FAHRT ENDLICH HO ......." ...
Brüllendes Gelächter im "EDV-Zentrum" .... der Strom ist nämlich wieder weg, die Leitung so tot wie sie nur sein kann....
12:00 Uhr Überall ist wieder Strom, der Kollege, der SO DRINGEND seinen PC benötigt, wird von mir in der Küche Zeitunglesend entdeckt - ich hole die Kollegen - nochmals brüllendes Gelächter ....

Sonstige Details:
Es schüttet jetzt (14:23) immer noch wie aus Kannen;
ich seh normalerweise die Nachbarberge rundherum, heute ist Waschküche angesagt;
auf der Kirchturmuhr ist es jetzt noch halb Neun ... da fehlen einige Stunden Strom, sie wird die Runden schneller drehen müssen, um die Zeit aufzuholen;
in der Tiefgarage sind ca. 50 Parkplätze - heute kuscheln sich fast 70 Autos furchtsam im Dämmerlicht;
die Schule gegenüber ist ausgestorben;
auf dem Kinderspielplatz rechts von mir bilden sich Wiesenseen, wie ich sie noch nie erlebt habe; im Hasu ist es still, weil die meisten schon wieder nach Hause sind ...

Dies also sind meine ganz persönlichen Eindrücke, kurz aufgelistet.

Noch kurz zum Klimawandel:
Es ist ja ganz egal ob das ein "Ausfluß" eines solchen ist! Den beschleunigten Klimawandel gibts, er ist unaufhaltsam und kommt, und der Mensch als Masse wird von den Auswirkungen überrascht werden. Ich hab auch keine Ahnung , welche das sind oder sein werden.
Politik und Wirtschaft können gar nix mehr machen, zu verflochten sind die Macht-, Profit- und Geldsysteme. Und wir wissen doch alle noch aus der Schule, wie schwierig es ist, daß "Alle Zusammen" etwas machen.

(Ein befreundeter Psychologe sagte mal zu mir: Menschen machen nur eines gezielt unaufgefordert ohne einen Anführer: IN PANIK DAVONLAUFEN!)

Diese immer wieder vorkommenden meteorologischen Stark-Ereignisse sollten wir aber als Trainingsmöglichkeit sehen und annehmen. Keine Panikmache, sondern vorbereitet sein ... unsere Zivilisation ist schwach und empfindlich, was Schäden betrifft. Wehe, wenn die Natur losgelassen ...

ein trotzdem positiv eingestellter
Norbert aus dem Steyrtal

Geändert von cerambyx (19.01.2007 um 14:41 Uhr)
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