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Alt 28.08.2010, 01:23
Hallknecht Hallknecht ist offline
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Standard AW: Russische Kriegsgefangenschaft

Zitat:
Zitat von Hallknecht Beitrag anzeigen
Richtiger ist aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zu berichten.
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Woina Pleni (Война плену) - Kriegsgefangener
Im Mündungsgebiet der Lena am nördlichen Eismeer war unser Lager. Der Krieg war zu Ende. Etwa auf 35 000 Mann war unser Lager angewachsen. Die Kriegsgefangenen wurden aus allen ehemaligen Frontabschnitten herangefahren, mit Güterzügen, versteht sich. Niemand wußte genau wo er herkam und wo er jetzt gelandet war. Die Züge waren oft wochenlang unterwegs gewesen, sie fuhren teilweise nur Schritt Tempo.
Von den Lebensverhältnissen als Война плену bis zur Heimkehr am 22.April 1949 berichtete uns unser Vater.
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Woina Pleni (Война плену) - Kriegsgefangener
Im Mündungsgebiet der Lena am nördlichen Eismeer war unser Lager. Der Krieg war zu Ende. Etwa auf 35 000 Mann war unser Lager angewachsen. Die Kriegsgefangenen wurden aus allen ehemaligen Frontabschnitten herangefahren, mit Güterzügen, versteht sich. Niemand wusste genau wo er herkam und wo er jetzt gelandet war. Die Züge waren oft wochenlang unterwegs gewesen, sie fuhren teilweise nur Schritt Tempo.
Von den Lebensverhältnissen als Война плену bis zur Heimkehr am 22.April 1949 berichtete uns unser Vater.
Im Flussdelta hatte der Strom haushoch Baumriesen in wirrem Durcheinander angeschwemmt. Die Bäume zu bergen war die Aufgabe der Kriegsgefangenen. Die Arbeit war gefährlich. Tote und Verletzte waren an der Tagesordnung. Hunger und Entbehrungen zehrten an der Gesundheit des Leibes, mehr jedoch noch die Ungewissheit an der Psychologie der Menschen. Niemand wusste etwas aus der Welt außerhalb des Lagers, schon gar nicht aus der Heimat. Das aber war der Nährboden von schrecklichen und fantastischen, angeblichen Nachrichten. Alle aber bewegten die Fragen: „Wie geht es unseren Familien in der Heimat.“ Es gab ein Lager Komitee zur Vertretung der Interessen der Gefangenen. Es konnte kaum etwas ausrichten und beitragen an den Lebensverhältnissen. Doch durch unablässiges Drängen und Eingaben an die sowjetischen Lagerkommandanten, dass man doch gestatten möge Post an die Heimat zu senden, kam nach Jahren die Erlaubnis hier zu. Wie aber, denn es gab weder Briefpapier noch Schreibzeug? Anfertigen, war die Antwort der Russen, die auch sagten wie und aus was. Jedenfalls wurden Birken geschält. Aus der oberen Rinde wurden säuberlich so gut es ging Postkarten große Stücke geschnitten, gepresst und getrocknet. Überall in den Baracken waren ausnahmslos alle damit beschäftigt. Es hieß, dass jeder 25 Worte nach Hause schreiben durfte. Es schrieb auch jeder mit selbstgemachtem Griffel und ebensolcher Farbe, die das Wort Tinte jedenfalls nicht verdiente. Eine Lagerpost wurde eingerichtet. Es hieß man dürfe aller vier Wochen eine Karte schicken. Antwort kam nie aus der Heimat. Das nun war wieder Anlass zu den düstersten Parolen und Berichten.
Eines Tages wurde gefragt: „Wer ist Tischler oder Zimmermann?“ Auch ich meldete mich und hatte das Glück angenommen zu werden. Unter den „Tischlern“ waren tatsächlich welche, die einmal diesen Beruf erlernt hatten. Jedenfalls waren wir froh der fürchterlichen Arbeit im Holz, wie wir sagten entronnen zu sein, schlimmer konnte es nicht kommen. Möbel sollten wir herstellen für die Obersten der Lagerleitung. Dies aber aus den grünen und pitschnassen Bäumen. Es brach eine Zeit an mit Bretter sägen ohne Gatter. Eines Tages brauchten wir Leim, den wir selber kochen mussten. Wir brauchten trockenes Brenn Material dazu und klein genug für unseren Leim Ofen. Die Russen hatten Interesse daran, dass nun bald etwas fertig würde. Wir bekamen das Brennmaterial trocken und ofengerecht. Es waren tausende und abertausende Postkarten aus Birkenrinde. Es war des Rätsels Lösung, warum nie eine Antwort aus der Heimat kam.
Niemals hätte die Sowjetunion sich so bloss gestellt wie es mit solchen Karten geschehen wäre, wurde uns klar. Erst Anfang 1949 gab es tatsächlich richtige Karten vom Sowjetischen Halbmondmit Anhang für eine Rückantwort limitiert auf 25 Worte.
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Stichworte
bericht, erzählen, gefangenschaft, heimkehr, hunger, italien, krieg, kriegsgefangenschaft, laas, militär, raffeiner, russland, rückkehr, sowjetunion, südtirol, vaterländischer, vinschgau, weltkrieg, Überleben, zeitgeschichte

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