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  #21  
Alt 28.01.2009, 10:37
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Unglücklich AW: Schimpfworte und Beschimpfungen - selbst erlebt

Ganze Berufsstände zu verunglimpfen wegen einiger schwarzer Schafe (unser
biblischer Wortschatz ist im Alltag enorm) finde ich nicht gut!-
Rechtsverdreher, Seelenklemptner, faule Beamte (komischerweise wird in
Witzen darüber nie von Beamtinnen gesprochen) - dagegen sind Rabenväter
und böse Stiefväter weniger präsent als die weibl. Gegenstücke.
Wer hätte je gedacht: Frauen als Soldat, an Bord von Kriegsschiffen u.a.
Ist dies eine wünschenswerte Entwicklung? Mir wäre natürlich lieb es gäbe
überhaupt keinen Krieg mehr! - Übrigens möchte ich nie mehr nur mit Frauen
zusammenarbeiten (schlechteste Erfahrung) - Zicken ist manchmal noch ein
zu harmloses Wort für weibliche Intriganten. Meine Sichtweise ist vielleicht
manchmal nicht" typisch weiblich", als Halbwaise wurde ich von meinem Vater
großgezogen. Offen reden über Alles ?- wo hinterrücks tratschen doch so schön ist! - Ulrike
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  #22  
Alt 28.01.2009, 15:22
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
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Standard AW: Schimpfworte und Beschimpfungen - selbst erlebt

@ Erich:

habe heute auf der Uni zufällig mit einem Zoologen zu tun gehabt und mich bei der Gelegenheit auch gleich nach der "Brillenschlange" erkundigt. Seine Auskunft:

Die Brillenschlange gibt es wirklich, sie heißt "Naja Naja", lebt in Indien und ist ziemlich giftig. Sie trägt die Brille auf ihrem Rücken.

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #23  
Alt 17.03.2009, 17:30
Rabenweib Rabenweib ist offline
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Standard AW: Schimpfworte und Beschimpfungen - selbst erlebt

hallo!

bei uns im mostviertel gibt es ja schon eigene mundart-wörterbücher in denen man alles mögliche nachlesen kann, darunter auch eine ganze liste mit schimpfwörtern, die typisch für unsere gegend sind.
die will ich aber jetzt nicht abschreiben.

ich kenne (über`s internet) einen netten herrn in amstetten, der sich damit beschäftigt, wörter aufzuschreiben, die er hauptsächlich von alten menschen in altersheimen bekommt, diese nimmt er sogar auf tonband auf und man kann sich dann im internet hörproben anhören, und sehen, wie es ausgesprochen wird, und die beschreibung dazu lesen:

http://www.lpph-amstetten.at/dialekt...iste/index.asp

dazu kann man auch patenschaften für vom aussterben bedrohte dialektworte übernehmen.

ich bin zum beispiel patin des schimpfwortes: "BISGUAD`N"- und verpflichte mich dazu, dieses wort so oft wie möglich zu benutzen, damit es nicht ausstirbt.
eine "Bisguad`n" ist ein böses Weib (bissiges Weib).

Aber es gibt natürlich noch viele andere Schimpfwörter im Mostviertel, zum Beispiel:

"Ditsch" (bezeichnet einen Tollpatsch)

oder "Dorfmoped" (Eine Frau die mit jedem Mann im Dorf geschlafen hat)

"Suderer" (einer der immer Jammert)

"Woschlopp`n" (Waschlappen, einer, der keinen Mut hat)

usw...

Alles Liebe, Sonja
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  #24  
Alt 18.03.2009, 09:27
alterego alterego ist offline
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Standard AW: Schimpfworte und Beschimpfungen - selbst erlebt

Lulatsch, Langer und Bohnenstange, waren früher nur
ein paar Synonyme für meine Körperlänge (196 cm).

Auch: "Hirn wie a Almhüttn, hoch drobm und nix drin" war beliebt.
Seit ich aber enmal auf die Frage: "Wie ist denn die Luft dort oben?"
mit: "Es stinkt arg nach Zwerg!" geantwortet habe, ist Ruhe.
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  #25  
Alt 18.03.2009, 10:19
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Frage AW: Schimpfworte und Beschimpfungen - selbst erlebt

Meine Große und meine Kleine - oder: der Lange und der Kurze, bezw. die Kurze
- so sagt "man" bei uns für die jüngeren und älteren Geschwister, egal wie
deren Körpergröße ist. Mein Mann ist der "Lange", obwohl nicht so groß und
sein jüngerer Bruder größer. Auch meine jüngere Schwester ist einiges
größer, sie bleibt aber immer die "Kleine". - Da fällt mir das Märchen
ein: Vom großen und vom kleinen Klaus! - Kleine Menschen haben es (glaube
ich) schwerer , die hervorragend " Langen" können sich besser Respekt
verschaffen (siehe die Äußerung). Wie wehren sich kleine Menschen? -Ulrike
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  #26  
Alt 18.03.2009, 11:13
Berit (SAGEN.at) Berit (SAGEN.at) ist offline
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Standard AW: Schimpfworte und Beschimpfungen - selbst erlebt

Dem allgemeinen "Volksglauben" nach, wehren sich kleine Menschen durch Redegewandtheit, Schlagfertigkeit, Pfiffigkeit, Schnelligkeit, Wendigkeit....

ich möchte zu Bedenken geben, dass besonders an große Kinder unberechtigt hohe Anforderungen gestellt werden, da sie allein durch ihre Körpergröße als älter, stärker eingeschätzt werden. Besonders große Kinder haben es meines Erachtens vielleicht noch "schwerer" als auffallend kleine Kinder.

Berit
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  #27  
Alt 18.03.2009, 17:24
Benutzerbild von Dresdner
Dresdner Dresdner ist offline
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Standard AW: Schimpfworte und Beschimpfungen - selbst erlebt

Interessant ist es auch immer, wenn die betroffene Gruppe "zurückschlägt".
Urheber waren ja wir Erwachsenen mit der Bezeichnung "Ferkelrennen" für U18-Discos. Reaktion der Teenis: alle Ü30-Partys sind ab sofort "Gammelfleischparties".
Dresdner
__________________
www.bergbahngeschichte.de
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  #28  
Alt 21.08.2010, 00:56
Hallknecht Hallknecht ist offline
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Standard AW: Schimpfworte und Beschimpfungen - selbst erlebt

Zitat:
Zitat von SAGEN.at Beitrag anzeigen
Hallo Erich,

könnte der Bongo aus dem Kongo stammen?

Wolfgang (SAGEN.at)
Bongo ist eine vielfältige Bezeichnung. Sie steht für die kubanische Trommel, Personennamen, Antilopenart, Landschaften, afrikanisches Volk und Vieles mehr. Bongo ist offentsichtlich afrikanischer Herkunft.
Als Schimpfwort scheint es eine Verballhornung zu sein mit Wurzeln aus der afrikanischen Kolonialgeschichte.
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  #29  
Alt 21.08.2010, 01:07
Rabenweib Rabenweib ist offline
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Standard AW: Schimpfworte und Beschimpfungen - selbst erlebt

Mein Mann und ich, wir haben heute nachgedacht, warum einige Wörter, die früher ganz üblich waren bei älteren Leuten, heute schlimmste Schimpfwörter geworden sind.
Mein Nachbar, in meiner Kindheit ein älterer Herr, mittlerweile verstorben, erzählte uns Kindern einmal, daß der Blitz eingeschlagen hätte und er formulierte es damals so:

"Do hot da Blitz einigwixt!"
(Da hat der Blitz eingeschlagen)

(Wir haben uns damals nichts dabei gedacht, wenn ich heute daran denke muss ich lachen, sowas sagt heutzutage keiner mehr!)

Oder meine Oma, wenn sie ein Baby mit einem recht lieben Gesichtchen sah, dann sagte sie:

"De hot a liabe Fotz`n!"
(Die hat ein liebes Gesicht, wobei "Fotz`n" eher die Mundpartie ausdrückt.)

Auch dieser Ausruck wird heute anderweitig benutzt. *lach*


Wenn wir Kinder schlimm waren, dann haben die Großeltern auch anders geschimpft als die Eltern.
Meine Oma hat immer gerufen:

"Es Rob`nboana!"
(Ihr Rabengebeine)

Die Oma meines Mannes hat gerufen:

"Es Rob`ngfrasta!"
(Ihr Raben"biester")

ein "G`frast" ist ein schlimmes Kind.
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  #30  
Alt 21.08.2010, 11:02
Benutzerbild von Elfie
Elfie Elfie ist offline
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Beiträge: 23.991
Standard AW: Schimpfworte und Beschimpfungen - selbst erlebt

Guten Morgen, liebe Sonja,
ein gutes Thema, wie ihr da wohl drauf gekommen seid? Es erinnert mich nämlich wieder mal - ein Kennzeichen der Alten - an lang nicht mehr Gehörtes: "i wix da ane" war früher üblich für "Oasch aushaun" ( übersetzt "Popoklesch"). Also als es noch legal war, nicht dass da jemand... "A Fotz´n einehaun" war ins Gesicht schlagen und bei uns im nördlichen Mostviertel gab´s die Robnviecha. Auch die Robnbratln waren kein Sonntagsessen.
Ich glaube die Frage ist eher, warum wir die heutige Bedeutung (?) als Schimpfwort sehen/verwenden? Warum verwenden wir Tiernamen? Und: warum beschimpfen wir einander überhaupt ? Aber das ist wieder ein anderes Thema.
Vieles kommt aus Dialekten, Verballhornungen, wenn man Unübliches für was Bestimmtes - und gerade für das - hört, verwendet man es halt gerne für Verunglimpfungen. Warum? Wer weiß das. Jeder sagt es nach, findet es vielleicht lustig, manches ordinär - das passt dann für ein Schimpfwort.
Jedenfalls die Fotz´n dürfte herkunftsmäßig gesichert sein: soll von Feige (botanisch: Fica) kommen und war wegen ihrer Gestalt im reifen Zustand, wenn sie aufgeplatzt ist, die "Namensgeberin". Absolut positiv: rot, saftig, duftend, süß - so steht es beschrieben. Die Feige ist ein uraltes Symbol für Fruchtbarkeit und der Baum hat hat die Menschen auch durch seine Produkte mit Nahrung, Kleidung und Baustoff versorgt. Der Bodhi-Baum (Buddha) soll eine Feige gewesen sein. Also er ist eine Legende. Dann ist nur das Blatt übrig geblieben.
Die Verunglimpfumg des ganzen Themas ist bei uns ein ganz anderes Erbe und langsam sollte es sich vielleicht durchsetzen, dass die Verwendung für Geschimpfe genau so blöd ist wie die von Tiernamen .
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Stichworte
dialekt, erzählforschung, kraftwort, mundart, redensarten, regional, schimpfsprüche, schimpfwörter, sprichworte, volkskunde

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