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  #1  
Alt 05.07.2010, 22:58
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Standard Die "brüllenden Seen" der Alpen

Ein eher heikles Gebiet in der Volkskunde sind die "brüllenden Seen" in den Alpen.

Unter einem "brüllenden See" (auch: "pillen" -> Pillersee, "Lurlen", "Pumper-See" etc) versteht man Seen, die auf atmosphärische Vorgänge reagieren. So sollen diese Seen bei Gewitter oder Südwind eigenartige sirenen-, knall- und trommelschlag-artige Laute von sich geben.

Weiters sollen die "brüllenden Seen" in den Alpen Indikatoren seismischer Aktivität bzw. Erdbeben sein.

Den Hechtsee in Tirol beschreibt Jakob Staffler in: Das deutsche Tirol und Vorarlberg, im Jahr 1847, S. 820:
„Der Hechtsee gab schon wiederholt Gelegenheit zu einer höchst merkwürdigen physikalischen Beobachtung. Wie uns die allgemeine Sage, aber sehr genau und auf dem Grunde authentischer Zeugnisse des Professors zu Innsbruck Dr. Joseph Unterrichter von Rechtenthal, in seiner Schrift: De aestu lacus lucii (Hechtsee) gedruckt 1761 im Kloster Tegernsee, berichtet, hatte man am 1. November 1755 zur nämlichen Stunde, als Lissabon durch ein heftiges Erdbeben verwüstet worden, den Hechtsee in einem so furchtbaren Aufruhr gesehen, daß er mit wildem Gebrause seine Wellen zu einer gewaltigen Höhe aufjagte, eine Menge Schlamm und Unrath auswarf, selbst mehrere Schritte über seine Ufer trat. Diese Erscheinung fiel umso unerwarteter auf, als sie von einem windstillen, heitern Himmel begleitet war, und eben der Hechtsee selbst bei den heftigsten Ungewittern und Sturmwinden immer einen ruhigen klaren Wasserspiegel behält. Der Verfasser des genannten Büchleins bemerkt: Schon damals haben sich einige Naturforscher für die Vermuthung ausgesprochen, daß dieser See, dessen Tiefe noch nicht ergründet worden, trotz der Ungeheuern Entfernung von Lissabon und trotz seiner wenigstens 1500' über dem Weltmeere erhöhten Lage, mit diesem durch geheime Kanäle in Verbindung stehen dürfte. Da jedoch diese Ansicht auf einer einzigen Beobachtung beruhte, so zog man vor, zu schweigen, und auf weitere Wahrnehmungen ähnlicher Phänomene sich zu beschränken. Dieses Schauspiel erneuerte sich wirklich nach 5 Jahren und 5 Monaten. Am 31. März 1761 von 2 bis 3 Uhr Nachmittags tobte der Hechtsee wieder im gleichen Sturme, er zertrümmerte schnell die feste Eisrinde, die ihn zur Hälfte noch deckte, schlug haushohe Wellen auf, und spie wieder scheußlichen Unrath auf- Diese Nachricht versichert Professor Unterrichter gleich anfangs April unmittelbar aus Kufstein - also von Augenzeugen - erhalten zu haben. Einige Tage darauf war in der Augsburger=Zeitung folgender Artikel zu lesen: Lissabon den 31. März. Heute wurde unser ganzes Königreich, vornemlich aber diese Hauptstadt, durch ein heftiges Beben in die größte Angst versetzt; doch alles lief, dem Himmel sei Dank, ohne Unglück ab.“
Wer kennt ähnliche Belege zu "brüllenden Seen" oder ähnliche seismologische Indikatoren in den Alpen?

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #2  
Alt 06.07.2010, 10:08
harry harry ist offline
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Standard AW: Die "brüllenden Seen" der Alpen

In meiner Kindheit verlebte ich den Winter immer am Zeller See in Salzburg. An manchen Tagen begann der See zu brüllen. Die lauten Schüsse, wie Kanonenschläge und oft dicht aufeinander folgend, machten mir als Kind wirklich Angst.
Die Ursache ist, dass sich in der dicken Eisdecke durch plötzliche Temperaturschwankungen, z. B. bei Föhn oder Südwind, Spannungen aufbauen. Irgendwann löst sich die Spannung und unter lautem Donnerschlag entstehen Risse im Eis.
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Harry
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  #3  
Alt 06.07.2010, 10:31
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Elfie Elfie ist offline
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Standard AW: Die "brüllenden Seen" der Alpen

Was Harry beschreibt, hab ich bei mir vorm Haus vor einigen Wintern gehört. Da liegt der Donaualtarm und der war in diesem Winter dick gefroren. Es war unheimlich, weil das ein Ton war, den ich nie hörte und daher nicht einordnen konnte. Und er brach sich am Haus und der dahinter liegenden Felswand. Bis ich dann gesehen hab, dass sich nach jedem ein zackiger Riss quer übers Wasser zog, der langsam dunkel wurde. Leider hab ich das nie mehr gehört.
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  #4  
Alt 06.07.2010, 11:23
Rabenweib Rabenweib ist offline
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Standard AW: Die "brüllenden Seen" der Alpen

von solchen phänomenen hab ich noch nie eghört und hab selber auch nie etwas derartiges erlebt. die ybbs friert aber auch nicht zu...
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  #5  
Alt 06.07.2010, 13:09
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stanze stanze ist offline
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Standard AW: Die "brüllenden Seen" der Alpen

Am Weissen-See kann man dieses Phänomen jedes Jahr beobachten.
Da kracht und singt das Eis und wenn das Eis auch noch ganz Klar ist, dann wird es richtig unheimlich.
Wenn das Eis kracht und singt, braucht man aber keine Angst haben, weil es dann nur wächst.
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  #6  
Alt 06.07.2010, 18:44
harry harry ist offline
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Standard AW: Die "brüllenden Seen" der Alpen

Zitat:
Zitat von stanze Beitrag anzeigen
Wenn das Eis kracht und singt, braucht man aber keine Angst haben, weil es dann nur wächst.
Erklär das einmal einem Kind, dem mitten auf dem See so ein Riss genau zwischen die Beine durchgeht. Es hat ja nur "Lulu" gemacht, aber die warme Flüssigkeit war vielleicht der Auslöser ...
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Harry
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  #7  
Alt 07.07.2010, 12:18
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stanze stanze ist offline
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Standard AW: Die "brüllenden Seen" der Alpen

Irgendwie ist es eh unlogisch. Normal wenn es kracht dann bricht etwas.
Beim Eis ist es umgekehrt. Aber hast recht,erklär das, wenn auf einmal ein Spalt da ist. Meiner Frau hab ich das schon oft gesagt aber das ist ihr wurscht, sie hat trotztem Angst und geht auf kein Eis, obwohl es am Weissen-See manchmal bis zu 25cm dick ist. Im Jänner, Feber sind da tausende Leute oben. Der Weissen-See gehört auch zu der 10 Städtetour der Holländer, die im Jänner immer statt findet. Eine ganze Woche lang sind Veranstaltungen und der Höhepunkt zum Schluß ist der Maraton mit 2ookm.
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  #8  
Alt 07.07.2010, 12:31
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Elfie Elfie ist offline
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Standard AW: Die "brüllenden Seen" der Alpen

Hallo Stanze, das hat absolut nix mit Logik zu tun! Ich geh auch auf kein Eis. Ich geh auch nicht auf diese metallenen Ausleger, wo es dann 1.500m hinunter geht. Beim Tandemsprung hab ich keine Angst gehabt, da bin ich bewußt 4.000m hinuntergesprungen, aber auf festem Boden stehen und wissen, da drunter geht´s runter, das geht nicht . Ich kann nicht fliegen und nicht schwimmen, Erklärung ist das auch keine, versuch es erst gar nicht mehr.
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  #9  
Alt 07.07.2010, 13:11
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stanze stanze ist offline
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Standard AW: Die "brüllenden Seen" der Alpen

Hallo Elfie, ich staune, ein 4 000m Sprung und keine Angst, allerhand.
In der Höhe habe ich als Dachdecker sowieso keine Angst, nur Respekt.
Aber unter Wasser habe ich Platzangst,das geht nicht. So hat jeder seine eigenen Ängste.
Mein schönster Ausflug war eine Ballonfahrt auf über 3 000m. Diese Ruhe und das scheinbar unendliche dahin Gleiten mit dem Wind und diese Freihheit über den Wolken, ein wunderschöner Traum.
So genug geschwärmt, der Alltag hatte mich nach ca. 4 Stunden wieder.
Liebe Grüße
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  #10  
Alt 08.07.2010, 09:08
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Elfie Elfie ist offline
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Standard AW: Die "brüllenden Seen" der Alpen

Hallo Stanze, siehst du, so sind die Menschen verschieden: ein Ballon wär mir schon zu unsicher und das Feuer dazu. Damit gehts mir wie mit Eiswasser. Obwohl die Stille und das Schweben herrlich sein muss, solltest dir öfter gönnen!!
Naja, ein bisschen mulmig war mir erst schon damals, aber ich dachte, Peter (so hieß mein Tandem) will sicher heil bleiben, das ist meine Lebensversicherung! Dann beim Transport: das war so ein alter rüttelnder lauter Rübenbomber und mir wird ja schon beim Automitfahren schlecht, wenn ich nicht auf die Fahrbahn schau. Wir waren zusammengepfercht, da gab es nur den Laderaum und wir saßen am Boden, mit den Ellbogen auf den Knien des eigenen Tandems und zwischen den Beinen und vor der Nase den Rucksack (Fallschirm) vom Vordermann, die Luft wurde dünner und dicker zugleich und der Vogel hat sich da hinaufgeschraubt: mir war so sauschlecht. Ich wollte nix wie raus und mir war alles wurscht. Das war es, nicht Mut. Aber es war unvergesslich, wie deine Ballonfahrt. Liebe Grüße
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Stichworte
aktivität, alpen, erdbeben, indikator, see, seismologisch

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