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  #1  
Alt 26.09.2005, 11:38
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
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Standard Friedhof der Namenlosen

eine Dokumentation von Harald Hartmann zum Friedhof der Namenlosen findet sich nun auf SAGEN.at im Kapitel Wien.

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #2  
Alt 03.03.2006, 16:24
Nicobär Nicobär ist offline
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Standard AW: Friedhof der Namenlosen

Ein ähnlicher Friedhof der Namenlosen befindet sich auf der Nordseeinsel Spiekeroog. Wer einmal auf den Nordseeinseln gelebt und gearbeitet hat, weiss, dass vor allem nach winterlichen Stürmen häufiger Wasserleichen angeschwemmt werden. Heute in Zeit moderner Kommunikation und moderner Verkehrsmittel ist in solchen Fällen die Vorgehensweise einfach und klar geregelt: ein Anruf bei der zuständigen Polizeidienststelle und anschließend kommen Beamte von der Kriminalpolizei aus der auf dem Festland liegenden Kreisstadt und übernehmen den Abtransport des Leichnahms zwecks Identifizierung und Feststellung der Todesursache. Oftmals weiss man schon, wer dort liegt, denn schon wenn man sich zur Kontrolle des Sturmflutspülsaumes auf den Weg macht weiss man, ob und wer bei den letzten Stürmen von der See über Bord gespült wurde und trotz sofortiger Rettungsmaßnahmen nicht gefunden worden ist.

In früheren Zeiten war dies ganz anders. Reisen auf die Inseln waren noch zu Segelschiffszeiten sehr zeitaufwendig; und da die Segelschiffe im 19. Jahrhunderts noch über keinen Motor verfügten, kamen bei ungünstigen Winden Strandungen auf den Aussensänden häufig vor. Vielfach ertranken die Besatzungen, obwohl sie das rettende Ufer schon im Blick hatten. Am 6. November 1854 kam es vor Spiekeroog zu einer der größten Schiffskatastrophen in der Deutschen Bucht, als der Segler Johanne, ein Auswandererschiff mit 228 Menschen an Bord, vor der Insel in einem Orkan auf Grund lief. Für die Inselbevölkerung war es nicht möglich, zu Hilfe zu kommen, denn das Schiff lag so unglücklich in der Brandung, dass es für die nur unzureichend ausgestatteten Insulaner unmöglich war, es zu erreichen. Nach dem Ablaufen des Wassers bei Ebbe am folgenden Tag zeigte sich, dass 77 Menschen den Tod gefunden hatten, wovon 26 Leichen an den Strand der INsel gespült wurden. Da allein schon hierfür der kleine Inselfriedhof nicht ausreichte,errichtete man im Osten der Insel einen neuen Friedhof für Heimat- und Namenlose, den Drinkeldodenkarkhof.

Dieses Ereignis hatte jedoch auch noch in anderer Hinsicht Folgen: Der Navigationslehrer Adolph Bermpohl und der Rechtsanwalt Kuhlmay aus Vegesack gehörten zu denjenigen, die die Gründung eines Seenotrettungswerks an der deutschen Küste forderten. Im Jahre 1865 kam es zur Gründung der DGzRS, die seit dieser Zeit viele Menschen vor dem sicheren Tod in der See bewahrt hat. Die Einführung schärferer Sicherheitsmaßnahmen an Bord, die Einführung das Motorantriebs sowie besserer Navigationssysteme trugen ein übriges dazu bei.

Übrigens: fast alle Seenotrettungsschiffe, die auf den Weltmeeren im Einsatz sind stammen aus einer kleinen Werft die sich in Lemwerder auf dem Vegesack gegenüberliegenden Weserufer befindet.

Geändert von Nicobär (07.03.2006 um 16:04 Uhr)
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  #3  
Alt 04.03.2006, 07:58
harry harry ist offline
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Standard AW: Friedhof der Namenlosen

Zitat:
Zitat von niccelausi
Ein ähnlicher Firedhof der Namenlosen befindet sich auf der Nordseeinsel Spiekeroog.
Wenn Du irgendwann einmal dort vorbeikommst, dann wäre doch eine kleine Dokumentation interessant (schon zum Vergleich).

Grüße in den Norden
H. Hartmann
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  #4  
Alt 07.03.2006, 16:04
Nicobär Nicobär ist offline
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Beiträge: 450
Standard AW: Friedhof der Namenlosen

Auch auf anderen Nordseeinseln finden sich derartige Friedhöfe: so auf Sylt, Pellworm und Amrum. Nach meinen Informationen wurden sie alle in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, also der Hochzeit der Segelschiffahrt eingerichtet. Mit Aufkommen der Dampfschiffahrt und insbesondere des Seefunks ging an den Küsten auch die Zahl der Strandungen zurück. Verbesserte Rettungsmittel trugen das Ihrige dazu bei.

Übrigens: Der Amurmer Strand heisst Kniepsand - und dass er so heisst, dafür gibt es einen alten Spruch:


"Wenn du mit'm Ship bi Amrum up'm Strand loopst, denn kniepst du ook den Moors dicht"

Wer bei Amrum strandet, kommt ums Leben - und das Seerevier um Amrum ist vielen Schiffen vor allem auf Grund der Windverhältnisse in der Nordsee zum Verhängnis geworden. So wurde in der Weihnachtszeit ein vor Terschelling (NL) im Orkan manövrierunfähig gewordener Frachter innerhalb kürzester Zeit von der südwestlichen Nordsee nach Amrum vom Südweststurm verdriftet. 1998 strandete hier der brennende Frachter Pallas, am 31.Juli 1964 die 'Pella'. Bei letzterem konnte der Verdacht, es hätte sich um einen großangelegten Versicherungsbetrug gehandelt, nie ganz ausgeräumt werden. Niemand konnte sich nämlich erklären, warum der Frachter, ein 20 Jahre alter Seelenverkäufer der amerikanischen Victory-Klasse (ähnlich der Liberty-Klasse handelte es sich hierbei um sogenannte 'Einwegschiffe', Serienfrachter, die in wenigen Tagen zusammengenietet wurden, um die aliierten Verluste im Atlantik zu kompensieren), auf seiner Fahrt nach Bremen so weit vom eigentlichen Kurs abgekommen war. Nahrung erhielten diese Gerüchte auch aus dem Umstand heraus, dass der Kapitän bis zum Schluss Schlepperhilfe ablehnte. Aber das jetzt hier zu beleuchten, würde zu weit führen...
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  #5  
Alt 04.09.2012, 16:01
Nicobär Nicobär ist offline
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Beiträge: 450
Standard AW: Friedhof der Namenlosen

Gerade habe ich einen kleinen Film zum Friedhof der Namenlosen auf Amrum gefunden:

http://www.youtube.com/watch?v=1ynFkEWpfaA

Seit dem II. Weltkrieg hat sich viel in der Seefahrt geändert - sie ist v.a. sehr viel sicherer geworden. Totalverluste von Schiff und Mannschaft sind heute in den europäischen Gewässern eine absolute Seltenheit. Mit dazu beigetragen haben zum einen ein verbessertes Gefahrenbewusstsein bei Mannschaften und Reedern, verschärfte Unfallverhütungsvorschriften - und natürlich die ungleich bessere technische Ausstattung der Schiffe sowie das sehr effektive Seenotrettungswesen.

Der letzte Verlust eines Frachtschiffs samt Mannschaft in der Deutschen Bucht fand am 3. Januar 1976, also vor fast 37 Jahren statt. Damals kenterte das Rostocker Küstenmotorschiff "Capella" in einem der schwersten Orkane des 20. Jahrhunderts bei Windgeschwindigkeiten um 200 km/h im Hubertgat westlich Borkums.
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  #6  
Alt 04.09.2012, 19:42
Benutzerbild von LS68
LS68 LS68 ist offline
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Standard AW: Friedhof der Namenlosen

tolle Bilder
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  #7  
Alt 30.10.2013, 15:35
bubble bubble ist offline
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Beiträge: 9
Standard AW: Friedhof der Namenlosen

Ich war da auch im Sommer. Habs gar nicht gekannt (als Wiener bittschen..) und es peinlicherweise aus einem Buch, eigentlich sogar einem Alternativ-Reiseführer erfahren, dass es den gibt. Die Gegend dort ist irgendwie krass, tot.. und dann der kleine Friedhof daneben, der Kontrast ist schon arg. Aber um wirklich gute Fotos zu schießen muss man zur richtigen Tages und Jahreszeit dort sein..
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