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  #1  
Alt 03.10.2013, 21:21
Saciel Saciel ist offline
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Standard Der Rote Hahn als Unglücksbote

Hallo!

Ganz zufällig hat meine Mutter mir von einem Glauben ihrer Jugend berichtet, von dem ich noch nie gehört habe und Google hat auch noch nichts ausgespuckt. Ich möchte ihn darum hier dokumentieren und vielleicht kennt ja jemand nähere Zusammenhänge?

Der Rote Hahn ist eine Art Fabeltier, er erscheint auf Dächern und dann brennt dieses Haus ab. Es handelt sich wohl nicht um einen richtigen Hahn, sondern eher eine Art Geist oder Feuerteufel.
Er ist nicht für das Feuer verantwortlich sondern zeigt es nur an.

Offenbar stammt dieser Glaube aus dem Fundus der Feuerwehrleute, die benutzen ihn auch kräftig als Symbol - hier positiv verkehrt. Angeblich gibt es auch alte Filme wo es heißt "der hat den Roten Hahn auf dem Dach", ich kenne persönlich jedoch keine.

Meine Mutter stammt aus Büttgen, was heute in Kaarst liegt. Mein Vater, aus Essen, kennt diesen Glauben, weiß aber nichts genaueres, während er im Gebiet meiner Mutter sehr verbreitet war.

Er steht also irgendwie für Feuer und Hausbrand, aber wo kommt das her?

Vielen Dank für eure Beiträge
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  #2  
Alt 03.10.2013, 21:45
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Standard AW: Der Rote Hahn als Unglücksbote

Mir persönlich ist der "rote Hahn" als Symbol eines brennenden Hauses seit jeher geläufig.

Im HDA gibt es erstaunlicherweise nur einen Satz zum roten Hahn:

"Der rote Hahn aber ist das Symbol des Feuers; "den roten Hahn aufs Haus setzen" heißt das Haus anzünden."

Dazu wird als Literaturquelle angegeben:
Jacob Grimm, Deutsche Mythologie. Band 1, 500; Band 2, 558; Band 3, 192;
J.G. Frazer, The Golden Bough. A Study in magic and religion. 3d. ed. London 1913–18. Band 12, 222;
Elard Hugo Meyer Germanische Mythologie. Berlin 1891. 110;
Friedrich Panzer, Beitrag zur deutschen Mythologie. München 1848 bis 1855. Band 1, 314; Band 2, 461;
Zeitschrift für deutsche Mythologie 3, 61;
Zeitschrift des Vereins für rheinische u. westfälische Volkskunde. 4 (1907), 291;
Ludwig Strackerjan Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg. 1909, Band 2, 157 Nr. 386.

Hahn. Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Bd. 3, S. 1330.

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #3  
Alt 03.10.2013, 21:52
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cerambyx cerambyx ist offline
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Lächeln AW: Der Rote Hahn als Unglücksbote

... also ich kenn' das aus meiner Kindheit - also so aus den 60er Jahren, dass man diese Redewendung verwendete. Damals brannte ein Bauernhaus ab und es bestand der Verdacht, dass es wegen einer Versicherung geschah. Da wurde gesagt, der Hausherr hätte "das Haus warm abgetragen", ein anderer sagte, er hätte "sich den Roten Hahn aufs Dach gesetzt":

"Jemandem den Roten Hahn auf's Dach zu setzen" also als Umschreibung für einen gelegten Brand.

Ich glaube mich erinnern zu können, dass auch schon Karl May in einem seiner Bücher diesen Ausdruck verwendet hat.

Liebe Grüße
Norbert
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  #4  
Alt 03.10.2013, 22:06
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Standard AW: Der Rote Hahn als Unglücksbote

Zitat:
Ich glaube mich erinnern zu können, dass auch schon Karl May in einem seiner Bücher diesen Ausdruck verwendet hat.
Wow! Du hast aber ein Gedächtnis!
"Und wenn sie es dennoch wagen?"
"So soll es ihnen schlecht bekommen. Wir legen ihnen den roten Hahn an die Estanzia und schneiden dann nach unserer Rückkehr den beiden Montesos die Kehlen durch."
"Davon haben wir aber nichts!..."
Karl Mays Werke: Am Rio de la Plata. 1913.
Wolfgang (SAGEN.at)
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  #5  
Alt 03.10.2013, 22:12
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Lächeln AW: Der Rote Hahn als Unglücksbote

Du warst schneller

.. ich hab nämlich grad nachgeschaut, denn ich hab die Bücher grade eben übersiedelt - aber hab "In den Kordilleren" in der Hand gehabt ... dz dz dz ...

GLG Norbert
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  #6  
Alt 04.10.2013, 21:20
Egon Egon ist offline
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Standard AW: Der Rote Hahn als Unglücksbote

Guten Morgen allerseits - der Rote Hahn wurde bereits in diesem Lied das nachweislich aus dem Mittelalter stammt besungen

[ame="http://www.youtube.com/watch?v=G9sVcRxopJU"]Wir sind des Geyers Schwarzer Haufen - YouTube[/ame]
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  #7  
Alt 06.10.2013, 18:44
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Otto Otto ist offline
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Standard AW: Der Rote Hahn als Unglücksbote

BTW:

Ich kenne aus dem Haus meines Grossvaters das Bild eines brandlöschenden Heiligen mit dem Spruch darunter:
"Heiliger Sankt Florian / Verschon' mein Haus / Zünd' and're an!"

( http://de.wikipedia.org/wiki/Sankt-Florian-Prinzip )
__________________

Es grüsst
Otto aus N.Ö.
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  #8  
Alt 06.10.2013, 18:53
Egon Egon ist offline
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Standard AW: Der Rote Hahn als Unglücksbote

Zitat:
Zitat von Otto Beitrag anzeigen
BTW:

Ich kenne aus dem Haus meines Grossvaters das Bild eines brandlöschenden Heiligen mit dem Spruch darunter:
"Heiliger Sankt Florian / Verschon' mein Haus / Zünd' and're an!"

( http://de.wikipedia.org/wiki/Sankt-Florian-Prinzip )
Der Schmäh ist viel älter als die Feuerwehr - das gibt's aber auch im Volkslied : "Die Pinzgauer wollten wallfahrten gehen"
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  #9  
Alt 01.04.2015, 14:38
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Joa Joa ist offline
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Standard AW: Der Rote Hahn als Unglücksbote

Da ist sicher etwas Wahres dran! Denn kaum hatte ich ihn gestern in Schönbrunn fotografiert, ist ein Regenschauer niedergegangen und ich bin nass geworden! Zum Glück hat's nicht gebrannt!

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  #10  
Alt 01.04.2015, 18:02
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baru baru ist offline
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Standard AW: Der Rote Hahn als Unglücksbote

Zitat:
Zitat von Egon Beitrag anzeigen
Der Schmäh ist viel älter als die Feuerwehr - das gibt's aber auch im Volkslied : "Die Pinzgauer wollten wallfahrten gehen"
Für die, die "Pinzgauer Wallfahrt" nicht kennen: Dieses Spottlied hat einen interessanten geschichtlichen Hintergrund und auch Mozart hat sich seiner angenommen.

Die ersten Beschreibungen jenes Kirchgangs des Mitterpinzgaus nach Salzburg, den wir heute als "Pinzgauer Wallfahrt" bezeichnen, stammen aus den Jahren 1613 bzw. 1616. Die Kreuzgänge waren eine beliebte Gemeindeandacht. Das Verhältnis der Urpfarre zu ihren Tochtergründungen spiegelte sich darin wider, daß diese an bestimmten Festtagen, hinter den Kreuzträgern und "Volkssingern" ziehend, "als Kreuztrachten", Gottesdienste ihrer Mutterpfarre mitfeiern sollten. Die Kreuztrachten aus Zell am See und Saalfelden kamen schon seit dem Mittelalter zu den Kirchen der "Haupt- und Residenzstadt".Den Zellern soll der Titel "Getreue Knechte des hl. Rupertus" verliehen worden sein, weil sie sich 1526 den aufständischen Bauern, als einzige Gemeinde des Pinzgaus, nicht angeschlossen hatten. Aus den historischen Quellen ist eine besondere Treue der Gerichte Saalfelden und Zell zu Kardinal Matthäus Lang (1519-1540) nicht ersichtlich.Daß es, vor allem auf dem Rückmarsch, nicht immer gesittet zuging, mißfiel der Geistlichkeit bereits im 16. Jahrhundert. Auch die Sangesfreude dürfte sich auf dem Heimweg vom geistlichen zum weltlichen Gesang gewandelt haben.Was frühere Zeiten als Werkzeug zur Vertiefung der Frömmigkeit des einfachen Mannes erachteten, mußte dem Aufklärer Hieronymus Colloredo (1772-1803), dem letzten regierenden Fürsterzbischof, als religiöses Tandwerk erscheinen. Am 16. März 1789 stellte das Dekanat Zell, dann am 6. April auch das Dekanat Saalfelden die Bitte, daß in Zukunft "die kostspieligen und jeder sündhaften Ausschweifung Gelegenheit gebenden" Kreuzgänge nach Salzburg unterbleiben möchten. Am 6. Mai 1789 erfolgte der Konsistorialbefehl zu deren Auflassung. Die für den 31. Mai vorgesehene Pinzgauer Wallfahrt unterblieb in diesem Jahr zum ersten Mal.Als Maria Vinzenz Süß (1802-1868) seine Sammmlung "Salzburger Volkslieder" zusammenstellte, hat er sie, vor ihrer Drucklegung (1865), einem interessierten Kreis vorgelegt - und leitete damit eine Diskussionsrunde über den Ursprung der "Pinzgauer Wallfahrt" ein. Süß publizierte seine Sammlung ohne Nennung von Gewährsleuten, Ort und Zeit der Niederschrift. Die beigegebenen Singweisen haben zwei Angehörige des Domchors dreistimmig arrangiert. Schon August Prinzinger, ein früher Dialektforscher, dem Süß die Texte vorgelegt hat, bedauerte, daß Süß seinen Vorschlag "einer Scheidung nach Mundarten" nicht gefolgt sei. In der Literatur wurde darauf verwiesen, daß Goethes Mutter auf Verse dieses Liedes in zwei Briefen Bezug nimmt. Das Spottlied "Der Binschgauer Bußgang", aus dem die Frau Rat zitierte, war 1807 als "Sammlung Deutscher Volkslieder" in Berlin erschienen. Leopold Schmidt, der verdiente Volkskundler, meinte, daß das Lied nur im Zusammenhang mit tatsächlich gesungenen Wallfahrtsliedern, gewissermaßen als deren lustige Kontrafaktur, entstanden sein könnte. (Dr. Werner Rainer, Salzburg)

1. Dö Pinzgara wolt'n kirfiart'n gehn, widi wadi we, eleison! / Sö wolt'n singa, aba kunnt'ns nit ga schen, widi wadi we, eleison! / Kirfiart'n thoants gean, dös woaßt ja von eh', Juhe! Widi wadi we! / G'lobt sey dö Christl und d'Salome.
2. De Pinzgara gengant um an Dum herum, widi … / D'Fahnastang is brocha, hiatz gengans mit'n Trumm, widi … / Ung'schickt sands ja, dös woaßt ja von eh, Juhe …
3. Dö Pinzgara wolt'n en Dum hinein, widi … / D'Heilög'n that'n schlaf'n, sö kunnt'ns nit daschrey'n … / Guatö Tag habmt sö, dös woaßt ja von eh …
4. Dö Pinzgara gengant en Dum hinein … / 's großö G'schlamp voraus, das kloanö hint'n drein; … / Pinzgara sands ja, dös woaßt ja von eh …
5. Grüaß dö Got, Salvata, du guldana Man … / Schau üns fei gnädög und güatla heunt an, … / Allö Jahr kemma ma, dös woaßt ja von eh …
6. 's Dorf laßt di grüaß'n, davontweg'n samma da … / Mia klag'n dar ünsa Noth, en Seg'n hol'n ma a … / A guata Datl bist ja, dös woaßt ja von eh …
7. Thua ünsan Füarscht'n 's Herz damahn' … / Daß ear üns mecht mit'n Stoian vaschon … / Armö Hascha samma, dös woaßt ja von eh …
8. Thua ünsan Pflegan 's Concept varucka, … / daß sö üns thoant nit gar a so drucka … / Leutschindta sands ja, dös woaßt ja von eh …
9. Wannst üns liaßt a d'Schörgn varöcka … / That ma dar epps an Opfastock stöcka … / Wolta z'fürcht'n sands ja, dös woaßt ja von eh …
10. Laß üns 's Korn und 'n Woatz'n krathn … / Aft woln ma üns brav Dampfnudl brat'n … / Fress'n mög'n ma vül, dös woaßt ja von eh …
11. Schick üns Kölba, schick üns Rinda … / Aba dazua nit ga z'vül Kinda … / A Stubn voll is gnuag, dös woaßt ja von eh …
12. Und wannst üns hoia mit'n Schaua thuast plag'n … / Thoan ma da d'Heilögn üban Altar abö schlag'n … / Grobö Liml'n sam ma, dös woaßt ja von eh …
13. Sag en heilög'n Petan, daß ear auf üns paßt … / Daß' wann ma sterbm, ear üns en Himl laßt … / A harta Man dös is a, dös woaßt ja von eh …
14. Gieb üns halt nacha a seelöges Endt … / daß sö halt koanar e da Höll en Arsch vabrennt … / Es Fegfoia müaß ma, dös wiß ma von eh …
15. Heilöge Maria, junkfräulöchö Ziard! … / Mach, daß koan Bua üns koan Diandl vafüart … / Valiabtö Katzn sands, dös woaßt ja von eh …
16. Heilöga St. Leanhart, dea 's Vich alls kuriart … / Mach, daß üns hoia koan Rindl nit krepiart … / D'Ochsn sand ja thoia, dös woaßt ja von eh …
17. Heilöga St. Florian, du Wassaküblman! … / Vaschon ünsrö Häusa, zündt andarö an … / 'S Foia, dös fürcht' ma, dös woaßt ja von eh …
18. Dö Pinzgara gengant aus 'n Dum heraus … / und laff'n glei einö es nagstö Wiarthshaus … / Da trink'ns Salvatas G'sundheit von eh …
Quelle

Der Pinzgauer Autor und Germanist Peter Blaikner ergänzt in einem seiner Bücher: Und Wolfgang Amadeus Mozart verarbeitete im Jahr 1784 den Refrain der Liedes in seinem F-Dur Klavierkonzert (KV 459)

Und so klingt es: Die Florianstrophe ist hier die 4. .
[ame]www.youtube.com/watch?v=LpiHjZ3L2Dw[/ame]
__________________
Servus und a guate Zeit! Leni
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