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  #1  
Alt 22.11.2008, 12:11
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Dresdner Dresdner ist offline
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Registriert seit: 05.10.2008
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Beiträge: 2.306
Ausrufezeichen Fotografieren in Museen / Ausstellungen und Veröffentlichung der Bilder im Internet

In dieser Diskussion bitte ich euch um eure Meinung zum Thema:
„Sollte man in Museen / Ausstellungen fotografieren und die Bilder dann bei Interesse in entsprechenden Diskussionsforen, wie unserem Forum, ins Internet stellen?

Vorbemerkung:
Es geht mir um die rein private, nichtkommerzielle Nutzung des Bildmaterials bei Beachtung der in den einzelnen Ländern geltenden gesetzlichen Bestimmungen.

Meine Meinung zum Thema:
Ich bejahe grundsätzlich die oben genannte Fragestellung.
Geschichte und damit auch der Inhalt eines Museums gehören nicht dem Betreiber, sondern der Öffentlichkeit. Museen und ihre Mitarbeiter haben das Recht und die Pflicht, Geschichte zu erhalten. Sie haben aus meiner Sicht jedoch nicht einmal im Ansatz das Recht zu reglementieren, wer sich auf welche Art mit dieser Geschichte auseinandersetzt; immer unter der Voraussetzung, dass die Exponate keinen Schaden erleiden. Jeder Mensch soll die Möglichkeit haben, sich über ein Museum, eine Ausstellung informieren zu können. Mit Fotos wird man nie einen Museumsbesuch ersetzen können; Atmosphäre und Gesamtheit der Exponate lassen sich nicht im Internet darstellen.
Zudem sollte man die Frage des Zugangs zu Museen und Ausstellungen beachten. Zeitweilige Ausstellungen sind nur für eine bestimmte Zeit verfügbar und es gibt viele Gründe, warum man sie in dieser Zeit nicht besuchen kann. Auch aus geographischen Gründen ist es ggf. nicht jedem Menschen möglich, eine ihn interessierende Ausstellung aufzusuchen. Mobilitätseingeschränkte Personen haben Probleme bei der Anreise zu und mit dem Besuch einzelner Museen – nicht alle Einrichtungen sind barrierefrei zugänglich. Zudem gibt es in der heutigen Zeit immer mehr Menschen, die sich diese Dinge allein aus finanziellen Gründen nicht leisten können.
Wenn ich Fotos zu Museen und Ausstellungen ins Netz stelle, soll das immer eine Anregung sein, diese Schauen auch zu besuchen. Vielleicht sollten die Museumsdirektoren einmal darüber nachdenken, dass das kostenlose Werbung für "ihre" Einrichtungen ist.

Zur Situation in Deutschland am Beispiel meiner Heimatstadt Dresden.
Derzeit darf ich in allen Dresdner Museen fotografieren, teilweise gegen Erwerb einer Fotoerlaubnis. Eine Ausnahme bilden jene Ausstellungen der Staatlichen Kunstsammlungen (http://www.skd-dresden.de/de/index.html), welche sich im Residenzschloss befinden. Dies betrifft das Neue und das Historische Grüne Gewölbe sowie Sonderausstellungen. Ich habe mich aus diesem Grund auch an die Presseabteilung der SKD gewandt und um Bilder des Grünen Gewölbes gebeten – die Antwort der Institution steht noch aus.

Zur rechtlichen Situation:
Museen und Ausstellungen berufen sich auf ihr Hausrecht, wenn sie ein Fotoverbot aussprechen. Diese Position ist rechtlich äußerst umstritten, speziell wenn Exponate gezeigt werden, deren Urheberschutzrechte längst abgelaufen sind. Für den Museumsbesucher ist dieser Umstand äußerst unbefriedigend – das Aufsichtspersonal „tut doch auch nur seine Pflicht“. Fakt ist aber, dass immer mehr Museen Fotoverbote aussprechen, angeblich zum Schutz der Exponate und im Sinne der Verminderung von Belästigungen für andere Besucher. In Wahrheit geht es den Institutionen jedoch allein darum, sich Exklusivrechte (die sie in Wirklichkeit gar nicht besitzen) zu sichern und bei jeder Bilderfreigabe und dann nochmals bei jeder Veröffentlichung schlicht und einfach abzukassieren.

Einschränkungen:
1. Ich bejahe, zum Schutz der Exponate und im Sinne der Verminderung von Belästigungen für andere Besucher, das Fotografieren mit Blitzlicht und anderen Zusatzgeräten (Stative …) zu verbieten.
2. Dort wo aus religiösen Gründen Einschränkungen gegeben sind (z.B . Posieren neben einer Buddhastatue) ist ein Fotoverbot gerechtfertigt.
3. Bei bestimmten Gedenkveranstaltungen anlässlich von Ausstellungen sollten ebenfalls Fotoverbote herrschen. Ein Beispiel dafür wären Gedenkveranstaltungen von ehemaligen Insassen nationalsozialistischer Vernichtungslager.

Ich bitte möglichst viele Mitglieder des Forums hier ihre Meinung zum Thema darzustellen, da es aus meiner Sicht auch um ein Grundanliegen der inhaltlichen Gestaltung gerade dieses Forums geht.
Dresdner
__________________
www.bergbahngeschichte.de
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  #2  
Alt 22.11.2008, 13:25
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
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Registriert seit: 02.04.2005
Ort: Innsbruck
Beiträge: 30.288
Standard AW: Fotografieren in Museen / Ausstellungen und Veröffentlichung der Bilder im Intern

Hallo Dresdner,

ich teile Deine Meinung in keiner Weise!

Grundsätzlich solltest Du einmal definieren, was Du unter dem Begriff "Museum" verstehst?

Aus meiner Sicht fallen sehr viele verschiedene Institutionen unter diesen Begriff: Staatliche Sammlungen mit nationaler (und politischer) Bedeutung, Städtische Sammlungen, Regionale Museen, Archive, Freilichtmuseen, Bildungssammlungen, Forschungseinrichtungen, private Sammlungen, Industriegeschichtliche und architektonische Denkmäler und viele andere mehr.

Zitat:
Geschichte und damit auch der Inhalt eines Museums gehören nicht dem Betreiber, sondern der Öffentlichkeit.
Wie kommst Du denn darauf?
Das ist völliger Unfug.
Das mag vielleicht noch in bedingter Weise für staatliche Sammlungen zutreffen, sonst ist Deine Aussage nicht richtig.

Zitat:
Mobilitätseingeschränkte Personen haben Probleme bei der Anreise zu und mit dem Besuch einzelner Museen – nicht alle Einrichtungen sind barrierefrei zugänglich.
Auch das ist ein an den Haaren herbeigezogenes Argument und sehr kritisch zu betrachten.

Vielleicht ist Dir bekannt, wie viele Museen in der letzten Zeit geschlossen wurden, weil sie nicht den heutigen Normen entsprechen?

Es ist aus meiner Sicht auch sehr bedenklich, etwa in eine Kryta einen großen Rollstuhllift zu sprengen.

Und mittelalterliche Bergwerke barrierefrei zu gestalten ist einfach ein Unfug.

Zitat:
Museen und Ausstellungen berufen sich auf ihr Hausrecht, wenn sie ein Fotoverbot aussprechen.
Das steht ihnen zu und ist aus meiner Sicht auch richtig.

Zitat:
Diese Position ist rechtlich äußerst umstritten, speziell wenn Exponate gezeigt werden, deren Urheberschutzrechte längst abgelaufen sind.
Also bei Exponaten auf Urheberrecht zu verweisen ist einfach lächerlich.
Tut mir leid, mir fehlen da die Worte, da kann ich nur mit dem Kopf schütteln.

Zitat:
In Wahrheit geht es den Institutionen jedoch allein darum, sich Exklusivrechte (die sie in Wirklichkeit gar nicht besitzen) zu sichern und bei jeder Bilderfreigabe und dann nochmals bei jeder Veröffentlichung schlicht und einfach abzukassieren.
Jedes Museum hat Exklusivrechte an den Exponaten.

Du kannst ja Einblick in die Buchhaltung vom Museum begehren.
Die 60 - 100 Euro die das Museum für ein Bild bekommt, sind wohl in keiner Relation zum archivalischen Aufwand. "Abkassieren" ist hier eine deplazierte und falsche Wortwahl.

Noch etwas: wenn Du auch SAGEN.at in einer gewissen Weise als Museum siehst, werden kommerzielle Anfragen auch keine Fotos gratis bekommen. Auch bei uns gilt die branchenübliche Tarifstruktur.

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #3  
Alt 22.11.2008, 23:57
harry harry ist offline
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Registriert seit: 29.04.2005
Ort: Klosterneuburg, Bezirk Tulln
Beiträge: 11.651
Standard AW: Fotografieren in Museen / Ausstellungen und Veröffentlichung der Bilder im Intern

Hallo Dresdner,

da Du hier möglichst viele Beiträge wünschst, hier meine persönliche Sichtweise zu diesem Thema:
Als einem, der andauernd mit der Kamera in der Hand herumläuft, ist mir manches Fotografierverbot äußerst lästig. Ich finde es aber durchaus gerechtfertigt und gut, wenn Museen auch die Möglichkeit haben, die Vermarktung ihrer musealen Objekte selbst zu steuern.
  • Erstens leiden gerade private Sammlungen meistens an chronischem Geldmangel (staatliche Museen sind mit Budgetmitteln auch nicht gerade gesegnet) und die Archivierung, Konservierung und Forschung ist nicht gerade billig. Das Geld muss irgendwo her kommen, wenn unwiederbringliche Kulturwerte erhalten werden sollen.
  • Zweitens - und das ist in meinen Augen ein Grundrecht des Besitzers - will man viele Objekte auch nicht in falschem Kontext abgebildet wissen. Ich denke hier an religiöse Sammlungen, welcher Konfession auch immer.
  • Drittens ist es das gute Recht eines jeden, sein Eigentum zu vermarkten. So wird etwa kein Grundeigentümer auf eine Vergütung verzichten, wenn über seinen Grund eine Schipiste gelegt wird, auch, wenn die Natur für alle da ist. Auch für eine Autobahn, die allen gehört, wird Maut eingehoben, die dann eben auch allen zugute kommt.
Und noch etwas: Ich hatte (fast) noch nie Probleme, wenn ich um die Fotografiergenehmigung ersuchte. Ich musste eben immer genau erklären für welchen Zweck ich das Foto machen wollte und in welchem Zusammenhang ich es im Internet veröffentlichen möchte.
__________________
Harry
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  #4  
Alt 24.11.2008, 16:23
Huber Huber ist offline
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Beiträge: 168
Standard AW: Fotografieren in Museen / Ausstellungen und Veröffentlichung der Bilder im Intern

Bei diesem Thema bin ich ein wenig hin- und hergerissen. Ganz generell bin ich ein Verfechter der modernen Museumspädagogik, will heißen, ein paar Sachen zum Angreifen, ein bißchen was erleben und mitunter auch einiges zum Fotografieren.
Jetzt weiß ich aber aus persönlichen Gesprächen mit Museums-, Ausstellungs- und sonstigen diesbezüglichen Betreibern, dass (speziell, seit digital fotografiert wird) viel Schindluder mit genau diesen Fotos bis hin zu Diebstahlaufträgen (klingt komisch, aber passiert in einem Bonsaimuseum in Kärnten) betrieben wird.
Ganz allgemein gefällt mir das niederländische und englische System, wo große Teile vieler Museen fotografiert werden können, es aber explizite "No Fotos-Areas" gibt. Fällt lustigerweise gar nicht auf, dass so ebenfalls nicht überall fotografiert werden darf.
Allerdings räume ich schon ein, dass, z.B. auf der Schallaburg ein dezitiertes Fotografierverbot für ein bestimmtes Objekt unter heftigem Geschimpfe (die Substanz des Objektes mit dem reinen Akt der Fotografie - blitzlos! - zu zerstören), nur um dann festzustellen, dass im Museumshop ebenjenes in hochglanz-blitz-geleiteten Postkarten zu erwerben ist. Das halte ich persönlich für verlogen und nicht wirklich verteidigungswert.
Doch wie schon Harry sagt. Mit Fragen kommt man am weitesten.

lg
erich

Geändert von Huber (24.11.2008 um 16:53 Uhr) Grund: zu früh returnt
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  #5  
Alt 24.11.2008, 22:48
Berit (SAGEN.at) Berit (SAGEN.at) ist offline
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Beiträge: 2.512
Standard AW: Fotografieren in Museen / Ausstellungen und Veröffentlichung der Bilder im Intern

Das Fotos eben auch Diebstahlhinweise geben ist ein Dilemma welches ich so handhabe, dass ich bei einigen sehr ungesicherten Artefakten keine genaue Lokalisation, sondern einfach nur das Bundesland oder die Talschaft angebe.

Das in geschlossenen und ungeschlossenen Gebäuden Fotografierverbot herrscht und das man, wenn man nicht auf eigenem Boden steht und nicht das eigenen Gesicht fotografiert, um Erlaubnis gefragt werden muß, daran habe ich mich bereits gewöhnt und findes das auch okay.

Das mir aber einmal in einer Hamburger Kirche die Tür gewiesen wurde, da ich, einzige Besucherin und zur Besuchszeit, mit erworbenen Kirchenführer und ohne Fotografierverbotsschild, durch meine alleinige Anwesenheit mit der Kamera weitere Besucher abgehalten hätte, da kommt mir heute noch die Galle hoch

Berit
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  #6  
Alt 27.11.2008, 19:17
D.F. D.F. ist offline
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Beiträge: 394
Standard AW: Fotografieren in Museen / Ausstellungen und Veröffentlichung der Bilder im Intern

Einen schönen Abend allerseits!

@Sagen.at:
Tut mir leid, aber ich kann es kaum anders formulieren: Was ist denn da mit Dir durchgegangen? Überreaktion ist doch für manche Formulierungen gar kein Ausdruck mehr... Wer wollte denn z. B. Lifte in Krypten sprengen? Mittelalterliche Bergwerke behindertengerecht umbauen??
Und Schutz der Rechte ist schon recht und gut - aber mit Übertreiben provoziert man in allererster Linie Rechtsbruch.

@Dresdner:
Im juristischen Detail hält Deine Argumentation sicher nicht überall, was sie in meinen Augen noch lange nicht unvernünftig macht!
Im Großen und Ganzen möchte ich mich ihr anschließen.

Freundlichst grüßend
D.F.
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