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  #1  
Alt 11.03.2012, 23:11
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Standard Die Vinschgauer Tugendrose

Aus einer Südtiroler Wochenzeitung:
"Als eine Vinschgauer Tugendrose der blühendsten Sorte präsentierte sich am Mittwoch die ledige Bäuerin Rosa Preis aus Martell. Dieses Mädchen - "kein Engel ist so rein" - besitzt bis jetzt eine ganz nette Familie von 5 unehelichen Kindern, mit den dazu angehörigen, verschiedenen Vätern und da sie infolge ihrer vielfach galanten Beziehungen wenig Zeit hatte, der Wirtschaft genügende Obsorge angedeihen zu lassen, so geriet sie in Geldverlegenheiten, zu deren Abhilfe dieses Musterbild ländlicher Sittsamkeit auf den Gedanken verfiel, ihrer Nachbarin Kreszenz Holzknecht durch allerlei Schwindeleien Geld und Geldeswert bis zu 1500 fl. herauszulocken. Infolgedessen wird nun die "ehr und tugendsame Jungfer" Rosa Preis durch 15 Monate ein sehr "abgeschlossenes" Leben führen, während welcher Zeit sich ihre Marteller Don Juan's eben auf anderer Art und Weise behelfen müssen."

Quelle: Tiroler Sonntags-Bote, Bozen, Nr. 11, 15. März 1885

Es handelt sich hier um eine kleine, arrogante Randnotiz einer historischen Regionalzeitung, die wohl nur erahnen lässt, welche Tragödie sich hier im Martelltal abgespielt hat.
Wie es zu dieser Zeit in Frauengefängnissen am Land ausgesehen haben mag oder wie auf die Versorgung von den fünf Kindern Rücksicht genommen wurde, wird in dieser Zeitungsnotiz nicht beschrieben.

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #2  
Alt 11.03.2012, 23:17
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Elfie Elfie ist offline
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Standard AW: Die Vinschgauer Tugendrose

Die bedauernswerten Kinder werden wohl in irgend einer Anstalt gelandet sein und dort für die "Sünden" der Mutter gebüßt haben und die Herren Väter haben sich vermutlich tot gestellt.
Und Zeitungen, die mit der Berichterstattung gleich die Meinung des Volkes mitgeliefert haben, hat es wohl auch schon immer gegeben.
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  #3  
Alt 11.03.2012, 23:32
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Standard AW: Die Vinschgauer Tugendrose

Ich lese sehr gerne historische Zeitungen. Meinen "Schatzfund" von ein paar solcher historischer Zeitungen (aus denen das obige Zitat stammt) konnte ich auf dem Flohmarkt in Trient auftreiben.

Die spannendste Erkenntnis der Lektüre historischer Tageszeitungen ist, dass sich im Grunde recht wenig in der Gesellschaft geändert hat...

Wenn man die Unfälle mit Pferdefuhrwerken auf heutige Autos umlegt bzw weitere technische Gegebenheiten gedanklich modernisiert, könnte es sich auch um eine aktuelle Tageszeitung vom heutigen Tag handeln

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #4  
Alt 12.03.2012, 10:44
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Standard AW: Die Vinschgauer Tugendrose

Ein ähnlich schrecklicher Fall:
"Gattenmord und Mordversuch durch Gift

In Larchat, Gemeinde Wenns im Pitztal hatte der wohlhabende und brave 37jährige Kobbauer vor ungefähr ¾ Jahren eine arme aber schöne Magd Namens Amalia geheiratet, worauf im Kobhof bald ein lustig-heiteres Leben begann, indem die junge Bäuerin (angeblich die uneheliche Tochter eines böhmischen Soldaten) im Verein mit ihrer gleichgesinnten Dienstmagd im Hause mit allerlei jungen Burschen wahre Liebesorgien feierte, von welchen der Gatte allerdings keine Ahnung hatte. Dafür merkte dieser jedoch bald genug, dass er in seinem jungen Weibe überhaupt keine gute Wahl getroffen, da sie für ihn kaum etwas anderes als schlechte Worte hatte.

Auf einmal wurde nun die junge Bäuerin zärtlich gegen ihren Mann, versprach ihm auch alles Liebe und Gute für die Zukunft, nur müsse er ihr für den Todesfall Haus und Hof verschreiben. Darauf ging der Kobbauer sofort freudig ein, das Testament wurde bei der Gemeindevorstehung in Jerzens errichtet und nachher gemeinsam eine Wallfahrt nach Strengen unternommen, bei welcher Gelegenheit dann aber auch die Magd schon eine Partie Fliegengift mit nach Hause brachte.

Mit dem Gift stellte nun die Kobbäuerin zuerst an Hühnern und Katzen etc. praktische Versuche an und als die Tiere nach zweimaliger Fütterung verendeten, mischte sie Tag für Tag ihrem Mann von dem Pulver kleine Partien in alle Speisen, bis er denn auch bald bettlägerig wurde. Nun schafften die beiden verworfenen Weibsbilder den Besitzer des Hauses in eine elende Dachkammer hinauf, welche nur durch eine Leiter zu erreichen war oder verlassen werden konnte, so dass also das schreckliche Unternehmen vollkommen gesichert erschien. Als Pfleger des Kranken fungierte der alte Vater des Bauern, der ebenfalls von dem Gift in den für ihn bestimmten Speisen erhielt, aber doch noch mit dem Leben davonkam.

Als es nun mit dem Bauern zu Ende ging, wurde – der Leute wegen – der Seelsorger über die Leiter hinauf zu dem Sterbenden geführt und da nach dem Tod des armen Mannes seine Frau und Mörderin gleich auf Wegschaffung der Leiche drang, so schöpfte man Verdacht. Es wurde Anzeige erstattet, Bäuerin und Dienstmagd verhaftet und nach Imst in das Gefängnis abgeführt. Die letztere leugnete nun rundweg alles ab, die Bäuerin jedoch hat nach Aussage des Bezirksarztes eingestanden, dass sie ihren Mann durch 36 malige Beibringung von Fliegengift getötet und auch ihren Schwiegervater in gleicher Weise um das Leben zu bringen versucht hatte."

Quelle: Tiroler Sonntags-Bote, Nr. 14., Bozen, 5. April 1885
Wolfgang (SAGEN.at)
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  #5  
Alt 12.03.2012, 10:57
Rabenweib Rabenweib ist offline
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Standard AW: Die Vinschgauer Tugendrose

na mahlzeit. dabei war früher doch immer alles besser! :-D
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  #6  
Alt 12.03.2012, 11:16
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Elfie Elfie ist offline
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Standard AW: Die Vinschgauer Tugendrose

hat man da nicht mit einem kleinen Klammersatz gleich eine Charakterisierung der jungen Frau versucht . Was kann man schon von einem ledigen Kind - noch dazu von einem Ausländer - erwarten?
Rauhe Sitten, vor allem in abgeschiedenen Gegenden, waren angeblich bis ins drauffolgende Jahrhundert üblich oder bekannt. Da sprach man dann von "Marschier-Pulver" und ein typisches Zeichen war der Haarausfall.
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  #7  
Alt 12.03.2012, 12:02
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Standard AW: Die Vinschgauer Tugendrose

"Erwischte Diebin.

Wie wir gemeldet, wurden bekanntlich in letzter Zeit hier mehrfache Diebstähle begangen, bis es nun nach dem "Volksblatt" unserer braven Genadarmerie gelang, die gefährliche Taschendiebin in der Person der in Gries wohnhaften Tageslöhnersgattin Magdalena Obrist zu entdecken. Bei der Visitation fand man in ihrem Besitz 7 Geldtäschchen, ebenso viel wertvolle Rosenkränze, Halsketten und dergleichen mehr."

Quelle: Tiroler Sonntags-Bote, Nr. 13., Bozen, 29. März 1885

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #8  
Alt 12.03.2012, 12:22
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Standard AW: Die Vinschgauer Tugendrose

"Eine Rabenmutter.

Bei Kufstein wurde eine Kindesleiche aus dem Inn gezogen; die Mörderin ihres Kindes, eine Dienstmagd Namens Maria Kaudelka ist bereits verhaftet."

Quelle: Tiroler Sonntags-Bote, Nr. 9., Bozen, 1. März 1885
Wolfgang (SAGEN.at)
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  #9  
Alt 12.03.2012, 12:35
Rabenweib Rabenweib ist offline
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Standard AW: Die Vinschgauer Tugendrose

die rabenmutter war wohl eine von vielen dienstmägden die vom gutsherrn geschwängert wurden und dann vom hof vertrieben, damit es nicht aufkommt. andere wurden in tiefe höhlen oder gruben gestossen, hab ich auch schon gehört. eine magd die schwanger war, wurde nicht mehr gebraucht. war auch bei uns so üblich und ist nachzulesen im buch "der eder fritz" von Fahrngruber Reinhard/ hollenstein.

liebe grüße, sonja
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  #10  
Alt 12.03.2012, 15:01
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Elfie Elfie ist offline
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Standard AW: Die Vinschgauer Tugendrose

Zitat:
Zitat von Rabenweib Beitrag anzeigen
eine magd die schwanger war, wurde nicht mehr gebraucht. war auch bei uns so üblich liebe grüße, sonja
Wegen dieses schönen Brauchs wurde auch meine Mutter ein Fürsorge-Kind.
Ihre Mutter "durfte" zwar das Kind am Hof bekommen (das war damals schon großzügig), aber dann musste es verschwinden. Als meine Mutter 3 Jahre alt war, starb ihre Mutter mit 24 an TBC. Bis dahin hatte sie immer Kontakt gehalten, sich "gekümmert", so weit ihr das möglich war.
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Stichworte
betrug, frau, geschichte, historisch, kriminalität, vinschgau

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