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  #11  
Alt 11.10.2007, 17:01
Solemio Solemio ist offline
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Lieber Norbert,

ich bin zufällig auf diese Seite gekommen, würde aber gerne mehr über traditionelle österreichische Stickereien, Muster, etc. erfahren, da ich in der nächsten Zeit mein Diplomarbeit aus diesem Thema schreiben möchte. Bitte, wenns möglich, kontaktiere mich irgendwie...

Danke
Kati
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  #12  
Alt 12.10.2007, 00:24
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Standard AW: Vokskunst - Heimarbeit

Hallo Kati,

ich bin sicher, Norbert wird sich in Kürze melden. Zwischenzeitlich erlaube ich mir eine Frage:

Weil ich in Bezug auf Wissenschaft bzw. den wissenschaftlichen Interessen unserer Forumsbesucher immer ein klein wenig neugierig bin: Darf ich fragen, was Du studierst? Möchtest Du über Dein Studium berichten?

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #13  
Alt 12.10.2007, 08:41
Solemio Solemio ist offline
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Standard AW: Vokskunst - Heimarbeit

Hallo Wolfgang,

danke für die rasche Antwort.
ich mache übersetzer und dolmetschausbildung und möchte meine diplomarbeit über das thema stickereien, traditionelle muster in österreich, (eventuell auch geschichte der stickereien miteinbezogen), etc schreiben. da ich selber leidenschaftlich gern sticke, interessiert mich das thema sowieso, ich dachte mir nur, ich nutze es gleich und schreib darüber. also bitte, wenn ihr mir helfen könnt, wo ich anfangen soll- das ist für mich schon eine große hilfe.
grüße
Kati
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  #14  
Alt 12.10.2007, 12:46
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Standard AW: Vokskunst - Heimarbeit

Hallo Kati,

auf Übersetzerin hätte ich nicht getippt

Wissenschaftliche Dokumentationen und Untersuchungen zum Thema Stickerei sind großteils Thema der traditionellen Volkskunde. Es sollten sich in älterer volkskundlicher Literatur dazu ziemlich einige Hinweise finden.
In der heutigen Europäischen Ethnologie sind mir - ich möge mich gerne irren - kaum mehr Arbeiten zu traditioneller Kleidungsforschung bekannt.

Ich möchte Dir mal zum Anfang zwei Texte vorstellen:

- Der Federkielgürtel der tirolischen Bauerntracht auf SAGEN.at

- Das Buch von Adolf Mais "Österreichische Volkskunde für Jedermann" aus dem Jahr 1952 enthält zum Beispiel als üppige Beilage einen Bogen "Trachtenschnitte", also Schnitte zu donauländischen Trachten.

Zum Thema "Stickerei" schreibt er:

Stickereien

Obwohl Österreich nicht zu den stickereireichsten Gebieten gehört, so ist doch eine Mannigfaltigkeit der Farben und Formen gegeben. Meistens ist weißes Leinen die Grundlage der Stickarbeiten, und nur für die zarte Weißstickerei werden feinere Leinenarten, wie Batistleinen, Halbleinen usw. verwendet. Das Stickgarn ist in Österreich zum größten Teil rot, das durch oftmaliges Waschen ziemlich verblaßt. In Kärnten haben
wir dagegen bei den Slovenen ein sattes Braun, Rostrot und mitunter auch Grün in Verwendung, und in den deutschen Gebieten Kärntens, aber auch im südlichen Salzkammergut, gesellt sich zu der roten Farbe Blau hinzu. In der Steiermark können wir an der Südgrenze ähnliche Farbenzusammenstellungen beobachten. Im Burgenland wieder haben wir es mit der kräftigen Palette der ungarischen Buntstickerei zu tun, und in den renaissancebetonten Bordüren der kroatischen Stickerei ist Krapprot die Hauptfarbe. Die verbreitetsten Stiche sind der Kreuz- und der Flachstich, wobei sich ersterer besonders zum Auszählen nach Vorlagen eignet. Kettel-, Hexen-, Stil-, Zopf- und Schlingstich treten dagegen ganz zurück.

Der heutige Formen- und Motivschatz ist ein Endpunkt jahrhundertelanger Kunstübung und geht, heute allerdings fast nur mehr bei den Kroaten und Slovenen Österreichs, noch auf Vorlagen zurück, die besonders in Form der Muster- und Modelbücher aus Italien kamen und seit dem Ende des 16. Jahrhunderts auch von Süddeutschland aus große Verbreitung fanden. Besonders günstige Aufnahme fanden die 1593 erschienenen Musterbücher Johann Sibmachers, die noch im 19. Jahrhundert mehrfache Neudrucke erlebten. Bot so ein Musterbüchlein einen ziemlich großen Formenschatz, so genügte oft der angehenden Hausfrau ein einfaches Mustertüchlein, das sie sich selbst, meist in Kreuzstich, in der Schule, im Kloster oder bei einer stickkundigen Frau anfertigte. Stets wird so ein Mustertüchlein, das auch schon auf ein Alter von Jahrhunderten zurückblicken kann, mit dem Alphabet eingeleitet. Dann kommen ornamentale Borten und figürliche Muster und schließlich — als Endkomposition — der Name der Stickerin und die Jahreszahl.

Die Motive hängen häufig vom Zweck des bestickten Gegenstandes ab. Sind es kirchliche Textilien, wie Altartücher, Kelchtüchlein oder auch Stolen und Meßgewänder, so herrschen neben rein religiösen Motiven (Süßer Name Jesu, Brennendes Herz usw.) Blätterranken und Blumengewinde vor. Natürlich ist es im Hausgebrauch in erster Linie die Ausstattung der Braut, die mit reicher Auszier versehen wird. Charakteristisch dafür sind z. B. die Tiroler Brautleintücher aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die neben Wein- und Blumengirlanden und dem obligatorischen Doppeladler Monstranzen, Engelsköpfe, Vasen und Blumen, das Jesuskind, die Kreuzigung usw. zum Gegenstand haben.

Für Kärnten sind dagegen die Weihkorbdecken bezeichnend, die zum Zudecken der zu Ostern geweihten Eier und Gebäcke dienen. Streng stilisierte Herz- und Nelkenmotive, aber auch Vasen mit Blumensträußen und der Name Jesu sind der wesentliche Inhalt dieser Tücher. Das Nelkenmotiv kehrt auch auf den Kärntner Polsterüberzügen des Zollfeldes wieder, wozu noch geometrisierend Mann und Frau mit dazwischen-stehendem Kind eingestickt sind.

Burgenland wieder wartet mit zum Teil überaus reich bestickten Bettuchbesatzstreifen auf, worauf alle Stickmotive der Spätzeit ihren Niederschlag finden. Der Lebensbaum, manchmal in Form eines schlanken Nadelbäumchens, oft aber als kräftiger Lebenssproß mit einer Granatapfelfrucht (Abb. S. 177) aus einem mit dem Doppeladler verzierten Herzen wachsend, oder ein reichgegliedertes Tulpenmuster sind der pflanzliche Teil der Auszier, zu dem sich der Doppelvogel, aber stets ein gegenständiges Vogel- oder Hirschenpaar hinzugesellt. Das Vogelpaar sind meist Pfauen, deren Schwanz bunt ausgeführt ist. Ein für das Burgenland charakteristisches und brauchtümlich gebundenes Stück ist auch das Totentuch, Übertan oder Leilach genannt, das über den Toten gebreitet wird und ebenso wie das Bettuch mit festlicher Zier versehen ist. Stickerei auf hausindustrieller Grundlage wird vor allem in Kärnten ausgeführt. Das Gailtal ist durch seine Hausindustrie-Stickereien mit farbiger Wolle auf Leinwand und feine Weißstickereien, das Rosental durch seine Stickereien in Zopf- und Kreuzstichtechnik in Rot und Blau bekannt, die besonders als schöne Weihkorbdecken Verwendung finden. Neben dem Lavanttal ist vor allem das Nockgebiet zu erwähnen, das durch rote Kreuzsticharbeiten mit einfachen Mustern charakterisiert ist.
(Quelle: Adolf Mais, Österreichische Volkskunde für jedermann, Wien 1952, S. 180 - 182)

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #15  
Alt 13.10.2007, 19:32
Solemio Solemio ist offline
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Standard AW: Vokskunst - Heimarbeit

Lieber Wolfgang,

vielen-vielen herzlichen Dank für Deine Hilfe, der hinzügefügte Text ist einfach klasse!!!!
Wenn Du mir erlaubst, werde ich Dich weiterhin über dieses Thema ausquetschen!
Interessierst Du Dich auch für Sticken? Oder ist es eher die Volkskunde (vielleicht auch im weitesten Sinne des Wortes), die Dich verzaubert hat?
Vielleicht möchtest Du auch wissen, wie ich auf dieses Thema gekommen bin...
Ursprünglich komme ich aus Ungarn und bei uns gibt es viele verschiedene, eher sehr bunte traditionelle Stickereien, die mich schon sehr früh durch meine Großmutter in ihren Bann gezogen haben....
Als ich nach Östereich kam und mein Studium angefangen habe, brachte mich mien Professor auf die Idee, eine Terminologiearbeit über dieses Thema zu schreiben und dabei die Traditionen der zwei Länder miteinander zu vergleichen. Ich bin noch ziemlich am Anfang meiner Recherchen, da ich zuerst all das Übliche (sprich Vorlesungen, erster Studienabschnitt,etc)
hinter mir haben muss, aber wenn ich an meine Arbeit denke, kann ich es kaum erwarten, endlich zu beginnen.... na ja, bin halt ein eher ungeduldiger Typ
Also, wenn Dir noch etwas einfällt, welche Bücher da mir hilfsreich sein könnten...

Vielen Dank noch mal und schönes Wochenende!
Kati
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  #16  
Alt 13.10.2007, 21:53
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Standard AW: Vokskunst - Heimarbeit

Hallo Kati,

ich bin keine Experte für Stickerei! Ein Experte für Stickerei ist zweifellos Norbert - vielleicht melden sich noch weitere Leser?

Mein Interesse ist aus der Sicht der Europäischen Ethnologie (Volkskunde); eines der Dinge die man bei diesem Studium lernt, ist relativ rasch zu wissen, wo man nachschauen muss...

Allerdings ist das gesamte Gebiet der Volkskunde so riesig, dass man auch viele Literaturfunde erst im Lauf der Zeit macht. Dummerweise arbeitet man etwa schon an einem ganz anderen Thema, wenn man plötzlich zum vorherigen Thema wieder einen Literaturbeleg "entdeckt". Wenn ich also etwas zur Stickerei finde, werde ich es hier bringen.

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #17  
Alt 14.10.2007, 08:52
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Standard AW: Vokskunst - Heimarbeit

Servus Kati!

Herzlich Willkommen hier im sagen.at !!

Ich war die letzten Tage leider dauernd unterwegs, daher erst jetzt:

... und gleich ein Tipp für weitere Recherchen: Schloß Trautenfels in der Steiermark ist eine zentrale Anlaufstelle für Stickereien - hier werden traditionelle Stickereien aus alten Sammlungen (!) bewahrt neben Alltagskunst und anderem mehr.

Ein Mitarbeiter des Vereins Schloss Trautenfels OstR Prof. Mag. Dr. Josef Hasitschka arbeitet als Heimat- und auch Sagenforscher intensiv bei meinen "Nachbarn", dem Nationalpark Gesäuse mit, wodurch ich ihn wiederum kennenlernte. Seine eMail-Adresse hab ich im Büro, und ich werde ihn montags kontaktieren und den Kontakt herstellen.

Bis dann einstweilen - muß das Wetter nutzen für "Rote Kreuze" ;-)

Liebe Grüße aus dem Steyrtal an alle
Norbert
__________________
unterwegs mit allen Sinnen ...
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  #18  
Alt 14.10.2007, 21:24
Berit (SAGEN.at) Berit (SAGEN.at) ist offline
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Auch wenn du schon sehr ausführliche Antworten bekommen hast möchte ich dir dennoch die Handarbeitsmuseen ans Herz legen, ad hoc fällt mir das Handarbeitsmuseum in Traunkirchen im Bezirk Gmunden (Salzkammergut, Oberösterreich) ein - aber es gibt sicher noch viele mehr!!

Berit
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  #19  
Alt 18.10.2007, 16:43
Solemio Solemio ist offline
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Beiträge: 7
Lächeln AW: Vokskunst - Heimarbeit

Liebe Leute,

hab am Wochenende wieder mal nichts zu tun gehabt und habe in meinen Büchern über unser Lieblingsthema geblättert...
dabei ist mir ein Buch besonders aufgefallen, und zwar ist es ein kleines Heftchen über eine spezielle Stickerei namens " Teneriffa-Stickerei"....
Kann mir jemand von Euch etwas darüber erzählen? Hat jemand schon davon gehört?
(ich muss allerdings dazu sagen, das Heftchen wurde noch in der k.u.k Zeiten herausgegeben...)
Liebe Grüße
Kati
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  #20  
Alt 18.10.2007, 22:23
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Standard AW: Volkskunst - Heimarbeit

Hallo Kati,

in verschiedenen Lexika finde ich leider nichts zum Thema "Teneriffa-Stickerei".

Könnte es sein, dass es sich um eine Methode handelt, bei der mit einer dieser spanischen Insel typischen Sache gearbeitet / oder eingearbeitet wird?
Etwa eine eingestickte Muschel oder ein bestimmter Faden?

Wolfgang (SAGEN.at)

Geändert von SAGEN.at (18.10.2007 um 23:36 Uhr)
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