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  #1  
Alt 22.02.2008, 00:40
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Standard Bergbau in den Alpen - Tauerngold

Die Fernsehdokumentation "Tauerngold - Auf der Schatzsuche in den Hohen Tauern" (2008), ist eine hervorragende Film-Dokumentation zum Bergbau in den Alpen.

Neben ziemlich gut anschaulichen Rekonstruktionen zum historischen Bergbau in den Alpen, sehr interessanten Vergleichen zum Wirtschaftsgut "Gold" heute, drastischen Vergleichen im heutigen Goldhandel bei der österreichischen Gold-Einschmelzfirma (z.B. dass das weltweit jemals geförderte Gold ständig im Umlauf ist und nur einen Würfel von 20 Meter Seitenlänge ausmacht) zeigt diese Dokumentation auch den Wissenschaftler Prof. Werner Paar von der Universität Salzburg bei der erfolgreichen Goldsuche mit historischen und ethnologischen Methode.

Hier ein weitere Besprechung zu dieser Bergbau-Dokumentation.

Einige negative Kritik zur Dokumentation möchte ich mit meiner subjektiven Meinung auch bringen:

- der Film zeigt einen erfolgreichen Wissenschaftler, der mit historischer und ethnologischer Methode tatsächlich Gold findet, andererseits sind die Befahrungen von historischen Bergwerken äußerst riskant, was der Film nicht zeigt.
Es gibt unzählige Berichte von schweren Unfällen in historischen Bergwerken, etwa hier in Tirol gibt es eine eigene Rettungseinheit, die auf Unfälle in den historischen Bergwerken spezialisiert ist...
Die im Film dargestellte Alleinbegehung von historischen Bergwerken ist einem durchschnittlichen Suizid-Versuch entsprechend.

- der Film bespricht in keiner Weise die wissenschaftliche Bedeutung von selbst kleinsten Details, die für eine Dokumentation von unserem kulturellen Erbe von größter Bedeutung wären.
Jeder Begeher von einem historischen Bergwerk nimmt in der Regel mindestens ein Erinnerungsstück mit, sei es das für ihn so unscheinbare Stück wie ein Nagel oder eine zurückgelassene Grubenlampe etc. Das Ding verrostet beim Sammler oder wird nach ein paar Jahren weggeworfen, völlig entfernt von der wichtigen kulturellen Aussage, die es im Original-Kontext gehabt hätte.
Bei Ebay oder ähnlichen Einrichtungen wechseln im Minutentakt solche Raubgegenstände den Eigentümer, ohne kulturellen Kontext - aber als Verlust unserer Kultur.

- das fröhliche Sprengen in historischen Bergwerken, wie im Film gezeigt, ist ein rechtliches Vergehen, das meines Erachtens wesentlich stärker als strafrechtliches Delikt geahndet werden sollte. Die so genannten "Mineraliensammler", die auch öffentlich mit Messen und Veranstaltungen auftreten, sollten nach meiner Einschätzung wesentlich genauer kontrolliert werden.

Die Kontrolle von Mineraliensammlern wäre nach meiner Einschätzung ein ganz wichtiger Beitrag zum Umweltschutz und Kulturgeschichte.

Im weiteren sollte den Mineralienkäufern aus der esoterischen Seite auch klar sein, dass sie mit jedem Quarz etwa gegen Kopfweh oder sonstigen 1 Euro-Steinen, die sie erwerben, weiteren Raubbau an der Natur auslösen.

Es wäre auch anders ganz einfach:
Wenn niemand Mineralien und (Halb-) Edelsteine kaufen würde, gäbe es keinen Markt mehr für die Raubgräber.

- nach meiner Einschätzung könnte es auch wesentlich mehr Gründe gegeben haben, warum historische Bergwerke keine Edelmetalle abgebaut haben. Die in der Dokumentation erwähnten Gründe decken nicht den aktuellen Forschungsstand.

Gerne zur Diskussion bereit

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #2  
Alt 08.01.2010, 10:56
Goldjägerin Goldjägerin ist offline
Neuer Benutzer
 
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Beiträge: 7
Standard AW: Bergbau in den Alpen - Tauerngold

Hallo Wolfgang, ich habe diese Doku ja auch gesehen und teile deine Gedanken und v.a. Bedenken dazu. Außerdem frage ich mich, wie sehr Tatsachen "beschönigt" wurden - um der sensationellen Bilder Willen. Am Ende sieht man ja eine freigesprengte Höhle, deren Wände nur so glänzen und schimmern und es wird behauptet, dass es sich bei dem ganzen (?) sichtbaren Gestein um Golderz handelt. Ich bin kein Experte, aber das sieht mir nach so viel aus, dass es eine Sensation wäre! Komisch, dass man danach aber nichts mehr davon gehört hat. Außerdem macht mich stutzig, dass das Ganze so gefunkelt und geglänzt hat. "Es ist nicht alles Gold was glänzt" - dieses Sprichwort ist für gewöhnlich wahr. Gold funkelt nicht so, wie in der Doku. Vielleicht war's also doch nur Glimmerschiefer? Dargestellt wurde es aber anders.

Ich fand die Doku trotzdem sehr interessant, da man sonst wenig zu österreichischem Gold im Fernsehen sieht. Meist geht es doch nur um Alaska oder Kanada. Leider blieben aber viele Fragen unbeantwortet.

Lg
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  #3  
Alt 20.01.2010, 20:32
Nicobär Nicobär ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 15.02.2006
Beiträge: 450
Standard AW: Bergbau in den Alpen - Tauerngold

Zitat:
Zitat von SAGEN.at Beitrag anzeigen
Einige negative Kritik zur Dokumentation möchte ich mit meiner subjektiven Meinung auch bringen:

- der Film zeigt einen erfolgreichen Wissenschaftler, der mit historischer und ethnologischer Methode tatsächlich Gold findet, andererseits sind die Befahrungen von historischen Bergwerken äußerst riskant, was der Film nicht zeigt.
Es gibt unzählige Berichte von schweren Unfällen in historischen Bergwerken, etwa hier in Tirol gibt es eine eigene Rettungseinheit, die auf Unfälle in den historischen Bergwerken spezialisiert ist...
Die im Film dargestellte Alleinbegehung von historischen Bergwerken ist einem durchschnittlichen Suizid-Versuch entsprechend.
Zum Thema Gefahren im Altbergbau habe ich hier einen Bericht über eine Grubenrettung im Harz gefunden:

Zitat:
Zitat von Uwe Fricke
Unfall im 19-Lachter Stollen bei Wildemann 1986

Uwe Fricke
Rettung eines Schwerverletzten aus dem 13- und 19- Lachter Stollen bei Wildemann im Harz am 11. und 12. November 1986
Vorgeschichte (berichtet vom unverletzten Roland Seifert** (**Name wurden von der Red. geändert)

Die beiden Kommilitonen Roland Seifert** und Volker Meier* (**Name wurden von der Red. geändert), beide Geophysik-Studenten in Clausthal-Zellerfeld, planten eine Befahrung des stillgelegten 13- Lachter Stollens und des 19- Lachter Stollens bei Wildemann. Sie hatten vor, Fotoaufnahmen für private Dokumentationszwecke zu machen.

Am Dienstag, den 11. November 1986 begaben sich die beiden kurz vor 05.00 Uhr zum Mundloch des 13- Lachter Stollens. Anscheinend unbemerkt konnten sie ihre Befahrung beginnen. Die befahrungstechnische Ausrüstung, die sie mit sich führten, war für die geplante Befahrung in fast allen Punkten ausreichend.

Bitte den ganzen Artikel lesen

Bei dem Verunfallten handelte es sich - trotz seines bodenlosen Leichtsinns - nicht um einen Anfänger... Besonders bemerkenswert ist ausserdem die Zeit, die die erfahrene Grubenwehr benötigte, um den Verunfallten aus dem Stollenlabyrint heraus zu holen.
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