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  #141  
Alt 24.07.2014, 09:21
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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O Brausen des Meers und Stimme des Sturms
Und Irren im Nebelschwarm!
In Hafens Ruhe, im Schutze des Turms,
Wie eng und arm.

Ich will kein Kissen mir unters Haupt,
Kein Schreiten auf Teppichen weich,
Hat mir der Sturm auch die Segel geraubt-
Da war ich reich!

O herrliche Fahrt im Windeshauch
Hunauf und hinab und zurück!
Nur kämpfend , und unterlieg ich auch.
Ist Leben Glück.

R. Huch gehörte nicht der Reichsschrifttumskammer an, während Ina
Seidel zu den 6 beliebtesten Dichterinnen der Naziherrschaft gehörte.
So meine letzten Infos. -Ulrike

Geändert von Ulrike Berkenhoff (24.07.2014 um 09:22 Uhr) Grund: Fehler
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  #142  
Alt 16.08.2014, 09:32
alterego alterego ist offline
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Nach längerer Zeit melde ich mich hier wieder einmal zu Wort.

Die fortschreitende Kapitalisierung und Verunmenschlichung
in unserer unmittelbaren Umgebung und der Welt
hat schon vor geraumer Zeit in mir die Überzeugung geweckt,
das es die Kapitalträger geradezu wieder auf eine Revolution
anlegen.
Natürlich wird es sich wieder um eine blutige Revolution handeln
und Menschen werden dabei zu Schaden kommen.
Nur weil einige Wenige den Hals nicht voll genug bekommen.

Natürlich wird es wieder einmal nicht vorauszusehen gewesen sein.

1933 hat Erich Kästner ein Gedicht geschrieben, das dieses Szenario aufzeigt
und das heute genau so aktuell wie damals ist.

Es sei den Raffgierigen ins Stammbuch geschrieben.
Niemand kann sagen, er habe es nicht kommen sehen.

Ansprache an Millionäre von Erich Kästner


Warum wollt ihr so lange warten,
bis sie euren geschminkten Frauen
und euch und den Marmorpuppen im Garten
eins über den Schädel hauen?

Warum wollt ihr euch denn nicht bessern?
Bald werden sie über die Freitreppen drängen
und euch erstechen mit Küchenmessern
und an die Fenster hängen.

Sie werden euch in die Flüsse jagen.
Sinnlos werden dann Schrei und Gebet sein.
Sie werden euch die Köpfe abschlagen.
Dann wird es zu spät sein.

Dann wird sich der Strahl der Springbrunnen röten.
Dann stellen sie euch an die Gartenmauern.
Sie werden kommen und schweigen und töten.
Niemand wird über euch trauern.

Wie lange wollt ihr euch weiter bereichern?
Wie lange wollt ihr aus Gold und Papieren
Rollen und Bündel und Barren speichern?
Ihr werdet alles verlieren.

Ihr seid die Herrn von Maschinen und Ländern.
Ihr habt das Geld und die Macht genommen.
Warum wollt ihr die Welt nicht ändern,
bevor sie kommen?

Ihr sollt ja gar nicht aus Güte handeln!
Ihr seid nicht gut. Und auch sie sind’s nicht.
Nicht euch, aber die Welt zu verwandeln,
ist eure Pflicht!

Der Mensch ist schlecht. Er bleibt es künftig.
Ihr sollt euch keine Flügel anheften.
Ihr sollt nicht gut sein, sondern vernünftig.
Wir sprechen von Geschäften.

Ihr helft, wenn ihr halft, nicht etwa nur ihnen.
Man kann sich, auch wenn man gibt, beschenken.
Die Welt verbessern und dran verdienen -
das lohnt, drüber nachzudenken.

Macht Steppen fruchtbar. Befehlt. Legt Gleise.
Organisiert den Umbau der Welt!
Ach, gäbe es nur ein Dutzend Weise
mit sehr viel Geld…

Ihr seid nicht klug. Ihr wollt noch warten.
Uns tut es leid. ihr werdet’s bereuen.
Schickt aus dem Himmel paar Ansichtskarten!
Es wird uns freuen.
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  #143  
Alt 16.08.2014, 09:47
Babel Babel ist offline
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Ich wälze nicht schwere Probleme

und spreche nicht über die Zeit.

Ich weiß nicht, wohin ich dann käme,

ich weiß nur, ich käme nicht weit.

(Heinz Erhardt)
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  #144  
Alt 16.08.2014, 10:20
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Elfie Elfie ist offline
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Entwöhnung

Ich soll nicht morden
ich soll nicht verraten
Das weiß ich
Ich muß noch ein Drittes lernen:
Ich soll mich nicht gewöhnen

Denn wenn ich mich gewöhne
verrate ich
die die sich nicht gewöhnen
denn wenn ich mich gewöhne
morde ich
die die sich nicht gewöhnen
an das Verraten
und an das Morden
und an das Sich-gewöhnen

Wenn ich mich auch nur an den Anfang gewöhne
fange ich an mich an das Ende zu gewöhnen

(Erich Fried)
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  #145  
Alt 16.08.2014, 21:44
Benutzerbild von Elfie
Elfie Elfie ist offline
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Eugen Roth:

Das Hilfsbuch

Ein Mensch, nicht wissend von „Mormone“
Schaut deshalb nach im Lexikone
Und hätt es dort auch rasch gefunden –
jedoch er weiß, nach drei, vier Stunden
Von den Mormonen keine Silbe –
Dafür fast alles von der Milbe,
von Mississippi, Mohr und Maus:
Im ganzen „M“ kennt er sich aus.
Auch was ihn sonst gekümmert nie,
Physik zum Beispiel und Chemie,
Liest er jetzt nach, es fesselt ihn:
Was ist das: Monochloramin?
„Such unter Hydrazin“, steht da.
Schon greift der Mensch zum Bande „H“
Und schlägt so eine neue Brücke
Zu ungeahntem Wissensglücke.
Jäh fällt ihm ein bei den Hormonen
Er sucht ja eigentlich: Mormonen!
Er blättert müd und überwacht:
Mann, Morpheus, Mohn und Mitternacht.
Hätt weiter noch geschmökert gern,
Kam bloß noch bis zum Morgenstern
Und da verneigte er sich tief
Noch vor dem Dichter – und – entschlief.
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  #146  
Alt 17.08.2014, 06:23
alterego alterego ist offline
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So will auch ich mich vor dem Dichter verneigen.


Die Trichter


Zwei Trichter wandeln durch die Nacht.

Durch ihres Rumpfs verengten Schacht

fließt weißes Mondlicht

still und heiter

auf ihren

Waldweg

u.s.

w.

Christian Morgenstern
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  #147  
Alt 17.08.2014, 06:29
alterego alterego ist offline
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@ Babel

Wahrheit

Die schlechtesten Bücher sind es nicht,
an denen Würmer nagen,
die schlechtesten Nasen sind es nicht,
die eine Brille tragen.
Die schlechtesten Menschen sind es nicht,
die dir die Wahrheit sagen.

Heinz Erhard
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  #148  
Alt 17.08.2014, 10:00
Babel Babel ist offline
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Zitat:
Zitat von alterego Beitrag anzeigen
So will auch ich mich vor dem Dichter verneigen ... Christian Morgenstern
Vor dem verneige ich mich jederzeit!

Das wahrscheinlich erste Gedicht, daß ich auswendig konnte (als Vorschulkind) war dieses, weil mein Vater es immer zu rezitieren pflegte – von erhabener Höhe herab, denn er setzte sich dazu auf den Kachelofen:


Der Lattenzaun

Es war einmal ein Lattenzaun,
mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.

Ein Architekt, der dieses sah,
stand eines Abends plötzlich da -

und nahm den Zwischenraum heraus
und baute draus ein großes Haus.

Der Zaun indessen stand ganz dumm,
mit Latten ohne was herum,

Ein Anblick gräßlich und gemein.
Drum zog ihn der Senat auch ein.

Der Architekt jedoch entfloh
nach Afri- od- Ameriko.


(Christian Morgenstern)

Geändert von Babel (17.08.2014 um 21:57 Uhr)
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  #149  
Alt 17.08.2014, 21:41
harry harry ist offline
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One time there was a picket-fence
with space to gaze from hence to hence.

An architect, who saw this sight
stood sudden over there one night.

He put the spaces from the fence
and built of it a residence.

The picket fence stood there dumbfounded
with pickets wholly unsurrounded,

a fiew so naked and obscene,
that senat had to intervene.

The architect however flew
to Afri- or Americoo.


(Nicht von mir aber so wunderbar übersetzt, dass ich's auch auf englisch kann)
__________________
Harry

Geändert von harry (17.08.2014 um 21:48 Uhr) Grund: Zeile ergänzt
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  #150  
Alt 17.08.2014, 21:56
Babel Babel ist offline
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Zitat:
Zitat von harry Beitrag anzeigen
One time there was a picket-fence
with space to gaze from hence to hence ...
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