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  #101  
Alt 22.11.2013, 18:53
Babel Babel ist offline
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Zitat:
Zitat von Joa Beitrag anzeigen
Es ist zweifelsfrei ein sehr tiefsinniges Gedicht! Sollte er das nicht tun, scheint es wohl mein Schicksal zu sein bis zum Ende meiner Tage, diese sinnfrei zu verbringen...
Nicht weinen! Ich war mir sicher, ich müßte das meinen Lehrern auch erst ausführlich erklären.
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  #102  
Alt 22.11.2013, 18:59
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Joa Joa ist offline
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Zitat:
Zitat von Babel Beitrag anzeigen
Nicht weinen!

Ich war mir sicher, ich müßte das meinen Lehrern auch erst ausführlich erklären.
Keine Sorge!

Vermutlich nicht nur denen!
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  #103  
Alt 22.11.2013, 19:22
Babel Babel ist offline
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Na gut, dann hier was Verständlicheres, das dazu noch den Vorzug hat, zum derzeitigen Wetter zu passen:

Im Stau

Die Schwalben ziehn heimwärts, und ich steh im Stau,
die Ampel ist rot und die Straße naßgrau,
der Himmel trieft, und es trieft jeder Ast,
jeder Bauzaun und Bus und Laternenmast,
und im Rinnstein strömts und fließts ab, und mir deucht,
auf dem Grund meiner Seele wirds auch schon ganz feucht,
und da stehn die Gedanken mit nassen Füßen
und frieren und bibbern –
– und lassen dich grüßen.


(Maria Reis)
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  #104  
Alt 22.11.2013, 19:22
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Elfie Elfie ist offline
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Zitat:
Zitat von Joa Beitrag anzeigen
Wiedererweckt hat ihn Ulrike!
Entschuldige, Ulrike .

Wenn sich der Sinn und auch der Zweck in den Gedichten gut versteckt, dann könnt man ohne lang zu fluchen, es mit ´nem eigenen versuchen.

Dass es aber dann nicht so geht wie dem armen Poet bei Eugen Roth:

Verhinderter Dichter
Ein Mensch, zur Arbeit wild entschlossen,
Ist durch den Umstand sehr verdrossen,
Dass ihm die Sonne seine Pflicht
Und Lust zum Fleißigsein zersticht.
Er sitzt und schwitzt und stöhnt und jammert,
Weil sich die Hitze an ihn klammert.
Von seinem Wunsch herbeigemolken
Erscheinen alsbald dunkle Wolken,
Der Regen rauscht, die Traufen rinnen.
Jetzt, denkt der Mensch, kann ich beginnen!
Doch bleibt er tatenlos und sitzt,
Horcht, wie es donnert, schaut, wies blitzt,
Und wartet, dumpf und hirnvernagelt,
Obs nicht am Ende gar noch hagelt.
Doch rasch zerfällt das Wettertoben –
Der Mensch sitzt wieder: Siehe oben!
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  #105  
Alt 22.11.2013, 19:47
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Keine Ursache! Bin schon entschädigt durch das Gedicht von Eugen Roth!
Ich liebe dieses Thema hier und wunderte mich, dass so lange keine neuen
Beiträge kamen. -Ulrike
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  #106  
Alt 22.11.2013, 20:04
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Nun noch ein Gedicht von Eugen Roth zu meinem aktuellen Zustand:

Ein Mensch, von Büchern hart bedrängt,
An die er lang sein Herz gehängt,
Entschließt voll Tatkraft, sich zu wehren,
Eh sie kaninchenhaft sich mehren.
Sogleich, aufs äußerste ergrimmt,
Er ganze Reihn von Schmökern nimmt
Und wirft sie wüst auf einen Haufen,
sie unbarmherzig zu verkaufen.
Der Haufen liegt, so wie er lag,
Am ersten,zweiten,dritten Tag.
Der Mensch beäugt ihn ungerührt
Und ist dann plötzlich doch verführt
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  #107  
Alt 22.11.2013, 20:09
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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(Forts.)
Noch einmal hinzusehn genauer-
Sieh da, der schöne Schopenhauer...
Und schlägt ihn auf und liest und liest,
Und merkt nicht, wie die Zeit zerfließt ...
Beschämt hat er nach Mitternacht
Ihn auf den alten Platz gebracht.
Dorthin stellt er auch eigenhändig
Den Herder, achtundzwanzigbändig.
E.T.A. Hoffmanns Neu-Entdeckung
Schützt diesen auch vor Zwangs-Vollstreckung.
Kurzum, ein Schmöker nach dem andern
Darf wieder auf die Bretter wandern.
Der Mensch, der so mit halben Taten
Beinah schon hätt den Geist verraten,
Ist nun getröstet und erheitert,
Daß die Entrümpelung gescheitert!

In diesem Sinne schöne Grüße an alle Bücherfreunde von Ulrike

P.S. Habe immerhin 20 Bananenkartons Bücher für einen "Guten Zweck Trödel"
schweren Herzens aussortiert. Könnt ihr dergleichen mitfühlen?
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  #108  
Alt 22.11.2013, 20:27
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Elfie Elfie ist offline
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Das kenn ich gut, hab mich vor 2 Jahren drin geübt!
Man kann aber auch noch mit einem einzigen verblieben Buch viel Zeit verbringen

Eugen Roth:

Das Hilfsbuch
Ein Mensch, nicht wissend von „Mormone“
Schaut deshalb nach im Lexikone
Und hätt es dort auch rasch gefunden –
jedoch er weiß, nach drei, vier Stunden
Von den Mormonen keine Silbe –
Dafür fast alles von der Milbe,
von Mississippi, Mohr und Maus:
Im ganzen „M“ kennt er sich aus.
Auch was ihn sonst gekümmert nie,
Physik zum Beispiel und Chemie,
Liest er jetzt nach, es fesselt ihn:
Was ist das: Monochloramin?
„Such unter Hydrazin“, steht da.
Schon greift der Mensch zum Bande „H“
Und schlägt so eine neue Brücke
Zu ungeahntem Wissensglücke.
Jäh fällt ihm ein bei den Hormonen
Er sucht ja eigentlich: Mormonen!
Er blättert müd und überwacht:
Mann, Morpheus, Mohn und Mitternacht.
Hätt weiter noch geschmökert gern,
Kam bloß noch bis zum Morgenstern
Und da verneigte er sich tief
Noch vor dem Dichter – und – entschlief.
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  #109  
Alt 23.11.2013, 10:20
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Wie aus meinem Leben! Schon als Kind las ich gerne im Lexikon, wenn
ich Langeweile hatte. Da blieb so manches hängen! - Ulrike
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  #110  
Alt 23.11.2013, 10:53
Babel Babel ist offline
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Zitat:
Zitat von Ulrike Berkenhoff Beitrag anzeigen
Schon als Kind las ich gerne im Lexikon ... Da blieb so manches hängen! - Ulrike
Ich las auch im Lexikon, und da unseres der 24bändige Meyer von 1903 war, blieb nicht nur Gutes hängen. So las ich beispielsweise, daß Männer und Frauen unterschiedlich atmen: Männer - Bauchatmung, Frauen - Brustatmung. Entsetzt stellte ich fest, daß ich wie ein Mann atmete, und erzog mich um. Die Lexikonautoren in den Jahren vor 1903 hatten ihre Beobachtungen an Damen gemacht, die sich ins Korsett schnürten und nicht anders konnten, als nur in die obersten Zipfel ihrer Lunge zu atmen.
Naja, mit Lieblingsgedichten hatte das jetzt allerdings nichts zu tun.
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