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  #11  
Alt 01.02.2010, 09:42
alterego alterego ist offline
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Standard AW: Originale (Personen) des Ortes, der Region

Ein Linzer Original war bis in die 80er-Jahre hinein die
"Fetz'n-Gretl".
Sie war eine Obdachlose, die stets ihr ganzes Hab und Gut
in einigen Plastiksackeln mit sich trug.

Ein anderes Original war sicher der "Waldeggstraßenkehrer".
Es gibt die Geschichte, daß es sich bei ihm um einem ehemaligen
Diplomingieur handelt, der durch eine Gehirnhautentzündung seine
Persönlichkeit völlig veränderte.
Fakt ist jedenfalls, daß er fast zu jeder Tages- und Nachtzeit einen
bestimmten Abschitt der Waldeggstraße kehrte. Kam ihm ein Auto
zu nahe oder wurde er gar angehupt, reagierte er äusserst unwirsch.
Da flogen der Besen oder gar ein Stein hinter dem Missetäter her.

Der dritte im Bunde der Linzer Originale, den es zu erwähnen gilt,
war der ehemalige Bürgermeister von Linz (1969-1984) Franz Hillinger.
Er wurde ob seines Mascherls, daß er immer trug von den Linzern
liebevoll "Propellerfranzl" genannt.
Auch um ihn und um seine Trinkfestigkeit ranken sich unzählige
Geschichten.
So soll er zB. in illuminiertem Zustand an der Haltestelle Hauptplatz
mit dem Worten: "Hallo Volk", von der obersten Straßenbahnstiege,
in die dort wartende Menge gestürzt sein. Man hat ihn aufgefangen und
zu seinen Amtsräumen, im alten Rathaus geleitet, wo er sich von der
Strapaze erholen konnte.
Selbst erlebt habe ich wie er einem derben "Servus Alter" eines Schaustellers
am Urfahranermarkt mit einem fröhlichem "Servus Junger" begegnete.
Die Linzer Bürger behalten den "Probellerfranzl" als einen ihrer besten
und auf jeden Fall als den beliebtesten Bürgermeister in guter Erinnerung.

Jeder dieser Menschen geht in der einen oder anderen Weise ab.
Sie boten Gesprächsstoff, Anlass zu Spekulationen und erinnern
uns an eine Zeit, die vielleicht noch etwas menschlicher war, da sie
doch solche Originale hervorbrachte und vertrug.

Geändert von alterego (01.02.2010 um 10:06 Uhr) Grund: Nachsatz
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  #12  
Alt 02.02.2010, 12:03
Benutzerbild von Hornarum48
Hornarum48 Hornarum48 ist offline
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Standard AW: Originale (Personen) des Ortes, der Region

Eine reichhaltige Sammlung echter Originale des Waldviertels (speziell des Raumes um Eggenburg) bringt Eduard Kranner in seinem Buch "Käuze um alte Stadtmauern". Horn 1948, 158 Seiten.
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  #13  
Alt 21.12.2016, 10:07
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Dresdner Dresdner ist offline
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Standard AW: Originale (Personen) des Ortes, der Region

Ein Original meiner Stadt, der "Tempo-Fritz", ist im Januar diesen Jahres verstorben.
Mit seinem kleinen, selbst umgebauten Imbiss-Dreiradfahrzeug stand er über viele Jahre auf dem Dresdner Neumarkt vor dem Verkehrsmuseum. Mit seiner unnachahmlichen Art begeisterte er Einheimische und Touristen.

Die Dresdner Neuesten Nachrichten schrieben dazu:

Zitat:
Fritz Skarbovskis, den die Dresdner eher als Tempo-Fritz oder als Imbissmann aus dem roten Tempo-Mobil auf dem Neumarkt kennen, ist tot. Diese Nachricht überraschte am Donnerstagabend. Der 1944 geborene Dresdner, dessen kleines Fahrzeug als Kult-Imbiss galt, ist überraschend verstorben. Die Info von Skarbovskis Tod verbreitete sich im Internet.

Fritz Skarbovskis war gelernter Metallflugzeugbauer und betrieb bis 1993 eine kunsthandwerkliche Töpferei. 1999 eröffnete "Tempo-Fritz" vor dem Verkehrsmuseum seine mobile Imbissbude. Auf Basis eines Tempo-Dreirads hatte er gemeinsam mit seinen Söhnen und Schwiegersöhnen den berühmten Imbisswagen, der nicht nur bei Einheimischen beliebt war, entwickelt und gebaut. Auch Sigmund Jähn und die Puhdys waren bei dem weißbärtigen Mann zu Gast. Skarbovskis sprach fließend russisch und polnisch. "Das Schöne ist, bei mir treffen sich nicht nur junge Studenten und Bauarbeiter, sondern auch Politiker und Geschäftsleute. Eben Menschen aller Berufs- und Bildungsschichten", diktierte er einem DNN-Redakteur in den Block, als er nach viel Streit um den Stand 2011 wieder auf seinen Stammplatz vor dem Verkehrsmuseum zurückgekehrt war.

Täglich von 10 bis 17 Uhr stand er damals in dem roten Kasten auf dem "Rücken" des Dreirads und verkaufte unter anderem Currywurst, Bockwurst, Kaffee und Bier. Mehrfach hatten ihn bis dahin die Behörden attackiert. Es begann 2008 als ihm das Liegenschaftsamt den Stellplatz kündigte, weil die Verantwortlichen meinten, das Tempo-Mobil passe nicht zur geplanten Neumarkt-Gestaltung. Die damalige Oberbürgermeisterin Helma Orosz, der Fritz Skarbovskis daraufhin einen Brief geschrieben hatte, rettete den Imbiss-Standplatz. Danach machte ihm das Ordnungsamt das Leben schwer, "Tempo-Fritz" landete schließlich vor Gericht. Auch das stand er durch und war wieder auf dem Neumarkt präsent.

Der Imbissbetreiber war im Dresdner Osten zu Hause. Gemeinsam mit seiner Frau Edith hatte er fünf Kinder.

Foto - und Textquelle: http://www.dnn.de/Dresden/Lokales/Ei...-Fritz-ist-tot
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  #14  
Alt 23.12.2016, 13:53
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Elfie Elfie ist offline
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Standard AW: Originale (Personen) des Ortes, der Region

Schöne Geschichte von einem interessanten Mensch.
Solche Originale geben einer Stadt, einem Ort oder auch nur einem Platz ein besonderes, persönliches Gesicht und vielen Menschen, die mit ihnen zu tun haben, Freude.
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  #15  
Alt 14.08.2017, 13:42
stanze stanze ist offline
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Standard AW: Originale (Personen) des Ortes, der Region

Da Klompara Otto

Attillo Mina (1924-2013) kam 1940 mit Vater und Bruder ins Obere Drautal, wo er bis in die 60er Jahre das wandernde Kesselflickergewerbe ausübte ("mit Gewerbeschein!" wie Otto stets stolz betonte). Seine Lebensart und-weisheit machten ihn zu einen besonderen Original.

Eine Lebensweisheit von Otto.

"Konnst jo nit imma jammern,
wo werst denn die gonzn Zacha hernehmen."

(Kannst ja nicht immer jammern,
wo werst denn die ganzen Tränen hernehmen.)
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  #16  
Alt 15.08.2017, 12:47
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Elfie Elfie ist offline
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Wieder ein schönes Andenken an einen interessanten Menschen, dessen Lebensweisheit Einblick in sein Schicksal gibt!

Leider habe ich alteregos Beitrag erst jetzt entdeckt: ich denke, diese Menschen bleiben deshalb in Erinnerung, weil man sich früher mehr um seine Umgebung kümmerte.
Es wurde vielleicht geschimpft oder gelästert über manche Typen, aber sie gehörten zum Stadt-/Dorfbild, man nahm an irgend einer Weise an ihrem Leben teil. Und wenn sie nicht mehr da waren, fehlten sie.

Ich denke, das hat sich in den letzten Jahren sehr geändert.
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  #17  
Alt 16.08.2017, 20:09
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Dresdner Dresdner ist offline
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Standard AW: Originale (Personen) des Ortes, der Region

Nun ist auch unser Drehorgelmann, über den ich 2010 hier berichtete, tot.



Die DNN schrieben dazu:
Zitat:
Der frühere Drehorgelspieler vom Theaterplatz Jochen Schalk ist tot. Wie erst jetzt bekannt wurde, starb der Mann mit Baskenmütze, Schal und Weste bereits am 12. Juli 77-jährig. Jochen Schalk war vor allem mit seiner Drehorgel namens „Katharina“ zu einem Dresdner Original geworden. Zahllose Dresdner und Touristen, die ihn zwischen Residenzschloss und Katholischer Hofkirche spielen sahen und hörten, werden ihn in all den Jahren aufs Foto gebannt haben.

Geboren wurde Jochen Schalk 1940 in Bad Salzufflen in Nordrhein-Westfalen. Die Eltern besaß einen großen Bauernhof. Dort wuchs er zusammen mit zwei älteren Brüdern und einer Schwester auf. Er absolvierte eine Ausbildung an einer höheren landwirtschaftlichen Schule. Als seine Eltern sich zur Ruhe setzten, heiratete er und übernahm den Hof, der allerdings nicht genug abwarf, um davon zu leben. Die Ehe, aus der zwei Kinder hervorgingen, hielt nicht.

Nach mehreren Gelegenheitsjobs siedelte Jochen Schalk 1995 nach Dresden über und verdiente seinen Lebensunterhalt als Drehorgelspieler. Im Juli 2012 dann legte er die Kurbel seiner „Katharina“ für immer aus der Hand. Damals hatte sich viel geändert für Jochen Schalk. Er trat ein spätes Erbe an, bekam einen Teil eines Bauernhofs im Westen Deutschlands zugeschrieben und kaufte davon Oldtimer – darunter einen Adenauer-Mercedes, einen schwarzen Luxusoldtimer, Baujahr 1961. Er chauffierte Kunden an besonderen Tagen, Hochzeiten zum Beispiel, durch Dresden. Das Ehepaar Biedenkopf beispielsweise ließ sich von ihm zum Opernball fahren. Schalk hatte auch den Namen seiner zweiten Frau Silvia Freifrau von Gravenreuth angenommen und hieß fortan Jochen Schalk Freiherr von Gravenreuth. Dann aber war er im Dezember vergangenen Jahres mit seinem „Adenauer“ auf dem Neumarkt zwischen „Hilton“ und Frauenkirche in einen Unfall verwickelt. Er verkaufte schließlich einen Teil seiner Luxuskarossen und gab seinen Chauffeurdienst auf. Bereits seit 2015 litt Jochen Schalk an Lungenkrebs. Langwierige Aufenthalte in Krankenhäuser folgten. Am 12. Juli starb das Dresdner Original in einer Klinik in Freital.

Die Urnenbeisetzung findet am kommenden Sonnabend, 19. August, 15.30 Uhr in der Naturruhe Friedewald, Bestattungswald Coswig statt.
Foto und Text: http://www.dnn.de/Dresden/Lokales/Dr...Schalk-ist-tot
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  #18  
Alt 17.08.2017, 06:36
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Elfie Elfie ist offline
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Mögen sich viele Dresdner noch lange an ihn erinnern!
R.I.P.
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menschen, originale, personen

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