SAGEN.at  FORUM  

Zurück   SAGEN.at FORUM > Geschichte, Technikgeschichte, Industriegeschichte

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
  #1  
Alt 20.12.2008, 20:58
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.09.2005
Beiträge: 2.559
Standard Kaiser von Kalifornien

Zu Wolfgangs tollem Buchtipp (s.o.) fie mir gleich der Kaiser von Kalifornien:
Sutter-ein. John Augustus Sutter, eigentl. Johann August Suter, geb. 1803,
gest. 1880. Er war schweiz. Herkunft und wanderte 1834 nach Amerika aus.
1839 erwarb er von den Mexikanern große Ländereien (Neu Helvetia), heute
ist dort die Stadt Sacramento. Als 1848 Kalifornien durch die USA erworben
wurde und auf Sutters Land Gold gefunden wurde, zerstörten Goldsucher und
Abenteurer seinen Besitz, er wurde gewissermaßen vom Goldrausch überrollt.
Ein Film von Luis Trenker schilderte dieses Schicksal, es gibt auch Literatur
darüber. Viele Grüße von Ulrike!
Mit Zitat antworten
  #2  
Alt 21.12.2008, 14:23
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 02.04.2005
Ort: Innsbruck
Beiträge: 28.760
Standard AW: Kaiser von Kalifornien

Johann August Sutter war ein bankrotter Kaufmann aus der Schweiz, der 1839 vom mexikanischen Gouverneur Juan Bautista Alvarado 20.000 Hektar Land am Zusammenfluß von Sacramento und American-River erhalten hatte, wo er ein Fort namens New-Helvetia gründete.

Zunächst entstanden Farmen, später wurde Sutter's Fort zu einem bedeutenden Handelszentrum. Beim Bau einer Sägemühle 80 km nördlich von Sutter's Fort entdeckte am 24. Jänner 1848 der Zimmermann James Wilson Marshall jenes kleine Goldnugget, das Geschichte machen sollte.

Der weitblickende Sutter war keineswegs erfreut, als er Kunde von diesem Fund bekam, denn er ahnte bereits damals, daß ihm dieses Gold keinen Segen bringen würde. Der Fund ließ sich nicht geheimhalten, bereits am 15. März 1848 berichtete der "Californian" über die Entdeckung. Goldsucher und Glücksritter fielen wie ein Heuschreckenschwarm ein, vernichteten Sutters Hab und Gut und raubten das Gold aus den Flüssen. Für eine Viertelmillion Dollar wurde 1848 Gold aus der kalifornischen Erde gewaschen. Und das war erst der Anfang.
[...]
Man sagt, die Amerikaner bauen in einer Niederlassung zuerst eine Druckerpresse, die Engländer eine Kirche und die Deutschen eine Kneipe.

Quelle: extraLapis No. 2, Gold, Mineral, Macht und Illusion, München 1998, S. 24

Wolfgang (SAGEN.at)
Mit Zitat antworten
  #3  
Alt 21.12.2008, 14:53
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.09.2005
Beiträge: 2.559
Standard AW: Kaiser von Kalifornien

... frei nach dem Motto: Wer nichts wird, wird Wirt. Ein deutsches
Sprichwort!? Es grüßt Ulrike (Eine Buchhandlung hätte sich wohl dort-
Goldrausch in Kalifornien-auch nicht gelohnt, die Kneipe-deutsches Bier-
schon eher-oder?)
Mit Zitat antworten
  #4  
Alt 21.12.2008, 15:16
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 02.04.2005
Ort: Innsbruck
Beiträge: 28.760
Standard AW: Kaiser von Kalifornien

Es gab wohl deutsche Kneipen, doch das Geld musste erst verdient werden...

Die vier Tiroler Goldjäger haben sich natürlich auch nach Stockton aufgemacht, allerdings waren sie von Bremen nach San Francisco fast ein Jahr qualvoller Reise mit dem Segelboot unterwegs.

Joseph Steinberger schildert:

"Jeder Deutsche, mit dem ich [in San Francisco] sprach, fragte mich, ob mit unserm Schiffe keine Frauenzimmer mitgekommen wären, und machten ein saures Gesicht, als ich die Frage verneinen mußte, denn dieser Artikel wird hier am meisten gesucht und am theuersten bezahlt.

Ein hübsches Mädchen kann dort leicht monatlich 1000 Thaler verdienen ohne dabei ihrer Gesundheit zu schaden und kann dabei noch extra einen schmachtenden Liebhaber halten. Sie wird auch deßhalb nicht verachtet, sondern gesucht, hat in jeder Gesellschaft Zutritt, wenn sie sich nur ein wenig zu benehmen weiß und empfängt tausend Huldigungen, nur darf sie in ihren Manieren nicht frech oder ausgelassen sein, wenn sie in solider Gesellschaft ist.

[…]

Ich habe gearbeitet wie ein Vieh in der glühenden Sonnenhitze und täglich Tausende von Schweistropfen vergossen, habe mir die Hände wund gerissen an dem scharfen Gestein, bin ganz geschwollen an den Händen von der ungewohnten über meine Kräfte steigenden Arbeit, kann dieselben aus Erstarrung kaum zur Hälfte zumachen, bis ich nicht wieder in Schweis gekommen bin, so steif sind meine Glieder, leide furchtbar an Kreuzschmerzen, vorzüglich, wenn ich mich wegen der Härte des Lagers auf der bloßen Erde manchmal zur Abwechslung auf den Rücken legen muß, dann kann ich des Morgens nicht nur kaum mehr aufstehen, sondern jede Bewegung mich wieder auf die Seite zu legen, verursacht mir verdammte Schmerzen.

Manche Nacht hat mir der hier herrschende Nachtfrost den Schlaf verscheuhet, daß ich vor Kälte zitternd des Morgens aufstund, um zur Arbeit zu gehen.

Manche regnerische Nacht drang das Wasser von oben durch meine schleißigen und zerrissenen Leintücher, woraus ich ein Zelt gemacht hatte, und von den Seiten herein und durchnäßte mein Bettzeug, meine Kleider, meine Lebensmittel und endlich mich selbst.

[…]

Wir hatten ein leerstehendes Zelt bezogen, welches wir schon in 8 Tagen räumen mußten, nun hatten wir kein Obdach, die Nächte waren schauerlich kalt, auch regnete es öfters. In der Früh beim Aufstehen zitterten wir, wie die Laubfrösche, vor Kälte, bis wir im Freien ein Feuer angemacht hatten, was uns oft schwer genug wurde, da es über Nacht sehr stark thauete."
Quelle: Thomas Albrich, Goldjäger aus Tirol, "Von Kitzbühel nach Kalifornien über Kufstein", Das Tagebuch des Joseph Steinberger 1851/52, Innsbruck 2007, S. 256 f.

Wolfgang (SAGEN.at)
Mit Zitat antworten
Antwort

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist An.
Smileys sind An.
[IMG] Code ist An.
HTML-Code ist Aus.

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 13:09 Uhr.


©2000 - 2019 www.SAGEN.at