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  #1  
Alt 08.10.2013, 20:01
Benutzerbild von Otto
Otto Otto ist offline
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Idee Gefangenenlager Fürstenfeldbruck

Der Bericht bezieht sich auf das Kriegsgefangenenlager für Deutsche, unter Aufsicht der Amerikaner. Es bestand von Mai bis Juli 1945. ( http://www.fuerstenfeldbruck.de/ffb/...rss6y8jht.html )
Ich versuche die Worte meines 82jährigen Vaters wortwörtlich wiederzugeben.

"Da draussen im jetzigen Fliegerhorst war nach´m Krieg a Gefangenenlager, für deitsche Kriegsgefangene. Da wären die Leut fast verhungert und verdurst, weil der Ami hat da fast kei Verpflegung hinschaffen können, es waren zuviel Leut.
Mei Mutter und ich sind mit´m Leiterwagerl hingfahrn, die Mutter hat bei de Bäcker um alt´s Brot bettelt, des hamma den Soldaten nausbracht mi´m Wagal, de sind ja verhungert dort. Und Wasser hats a keins geben, de ham a Blätter von de Bäum gessen. Ein Bauer hat sein Odel*wagen ausg´waschen und Wasser hinbracht, dass´ned verdurschten...ob der ganz sauber worden ist innen?...aber de haben eh alle Durchfall g´habt.
Es sind viele gstorben dort, und sie haben auch Graswurzeln gessen, weils nix geben hat."

(Odel=Jauche)
__________________

Es grüsst
Otto aus N.Ö.
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  #2  
Alt 09.10.2013, 22:43
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Standard AW: Gefangenenlager Fürstenfeldbruck

Beachtlich!
Die Situation in den Gefangenenlagern unmittelbar nach Kriegsende ist tatsächlich äußerst schlecht dokumentiert und durch spätere Propaganda der Besatzungsmächte verwischt.

Als Beispiel meiner Region kann ich die schreckliche Kosakentragödie in Lienz, Osttirol, erwähnen, als im Frühsommer 1945 ca 25.000 Kosaken von Österreich wo sie sich halbwegs sicher fühlten, auf Befehl der englischen Besatzung in den sicheren Tod geschickt wurden.
Die Kosakentragödie in Lienz blieb von der Öffentlichkeit außerhalb des Lienzer Talbeckens kaum bemerkt und wurde erst in den letzten Jahren zum Teil mit archäologischen und historischen Methoden aufgearbeitet.

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #3  
Alt 09.10.2013, 23:51
Babel Babel ist offline
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Standard AW: Gefangenenlager Fürstenfeldbruck

Im Rheinland sind die furchtbaren Zustände in den Gefangenenlagern bei Remagen im kollektiven Gedächtnis noch sehr präsent, und eine kleine Ausstellung in einem der Remagener Brückentürme hält die Erinnerung daran wach.
http://www.kreis.aw-online.de/kvar/V...hjb1995.29.htm
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  #4  
Alt 10.10.2013, 19:30
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Otto Otto ist offline
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Standard AW: Gefangenenlager Fürstenfeldbruck

@Wolfgang: hast du was Näheres über die Kosakentragödie?
__________________

Es grüsst
Otto aus N.Ö.
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  #5  
Alt 10.10.2013, 20:43
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Standard AW: Gefangenenlager Fürstenfeldbruck

Es gibt einiges zur Kosakentragödie von Lienz im Web zu finden, sowie auf Youtube ein paar Dokumentationen. Vielleicht ist die Webseite des "Vereins zum Gedenken an die Lienzer Kosakentragödie vom 1. Juni 1945" ein guter Ausgangspunkt.

Bemerkenswert finde ich persönlich, dass es ein paar einzelne Kosaken geschafft haben, in der Nacht aus dem sonst sehr gut bewachten Lager zu fliehen. Diese wurden dann von den englischen Suchtrupps gejagt und mussten sich unter schrecklichen Umständen in den Bergen in Höhlen etc verstecken. Der Innsbrucker Archäologe Harald Stadler hat mit einem Fernsehteam vom ZDF in der sehenswerten Dokumentation "Der Todesritt der Kosaken": [ame="http://www.youtube.com/watch?v=EE-q7CwiE_g"]Der Todesritt der Kosaken[/ame] einen solchen Überlebenden getroffen und mit diesem seine ehemalige Fluchthöhle (in Osttirol bis heute "Kosakenlöcher" genannt) besucht. Die Schwierigkeit die diese einzelnen Überlebenden hatten, war ja, wem sie trauen konnten und wem nicht? Es gab da auch ganz besondere Heldenleistungen von einheimischen Bauern, die geflohene Kosaken versteckt haben.
Wir sprechen übrigens vom Frühsommer 1945, also der Zeit NACH dem 2. Weltkrieg in Österreich!

Der Terekkosak Nikolaj Presnikov, Vater von Nikolaus Presnik besser bekannt als "Nik P." (Ein Stern (… der deinen Namen trägt...)) war übrigens auch einer der wenigen Überlebenden.

Besonders tragisch muss für die Kosaken die Erschießung ihrer 5.000 mitgebrachten Pferde gewesen sein. Für einen Kosaken bedeutete das Pferd extrem viel und die brutale Erschießung der Pferde war für sie ein deutliches Signal dass sie in den Tod geschickt werden. Es gab daraufhin auch eine schreckliche Suizid-Welle, die auch von der Lienzer Bevölkerung in der Drau mehr als deutlich wahrgenommen wurde.

Bei ganz speziellen Fragen zur Kosakentragödie von Lienz kann ich evt bei den forschenden Wissenschaftlern bei mir im Haus nachfragen.

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #6  
Alt 29.10.2013, 12:18
Stripes Stripes ist offline
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Registriert seit: 16.12.2008
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Standard AW: Gefangenenlager Fürstenfeldbruck

Danke, sehr ausführlich, da kann man noch was mitnehmen, kenne das auch noch nicht aber würde das gerne mal besuchen! Danke für die infos!
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